Du sollst mein Glücksstern sein
»If we bring a little joy into your humdrum lives, it makes us feel as though our hard work ain’t been in vain for nothin’.« Zwei Jahre nach Paramounts düster-sarkastischer Hollywood-Autopsie »Sunset Blvd.« (ein Werk, für das Regisseur Billy Wilder laut Filmzar Louis B. Mayer ausgepeitscht gehört hätte) kontert MGM mit dem funkelnd-affirmativen Dream-factory-Märchen »Singin’ in the Rain«. Produzent Arthur Freed und seine Regiegenies Stanley Donen und Gene Kelly setzen ein technicolorsattes, furios choreographiertes Musical gegen den schrillen, melodramatischen film noir, sie erwidern die bitter-ironische Geisterbeschwörung mit bissig-fröhlicher Legendenbildung. Die Tonfilm-Revolution der späten 1920er Jahre (»Notice, it is a picture of me and I am talking.«) bildet den historischen Hintergrund für eine phänomenale musikalisch-tänzerische Nummernrevue sowie für die, den ganzen Eskapismus locker zusammenbindende, prickelnde Romanze zwischen einem Star (glänzend: Kelly) und einem Sternchen (zuckersüß: Debbie Reynolds). Donald O’Connor (als immer gutgelaunter Sidekick) singt und tanzt sich mit seiner durchgeknallten Soloperformance »Make ’Em Laugh« in die Annalen der Filmgeschichte; die von Jean Hagen mitleidlos dargestellte prototypische Stummfilmdiva (»What's wrong with the way I talk?«) piepst und quäkt dem Sturz ins Vergessen entgegen. (Wer dächte da nicht an Norma Desmond, the famous star of yesteryear, und ihr Wachsfigurenkabinett?) »Sunset Blvd.« und »Singin’ in the Rain«: Schatten und Licht, Elend und Glanz, zwei Seiten einer Medaille – die eine nicht ohne die andere zu haben, und beide viel bigger than life. PS: »I don't go to the movies much. If you've seen one you've seen them all.«
R Stanley Donen, Gene Kelly B Betty Comden, Adolph Green K Harold Rossen M diverse A Cedric Gibbons, Randall Duell S Adrienne Fazan P Arthur Freed D Gene Kelly, Donald O’Connor, Debbie Reynolds, Jean Hagen, Cyd Charisse | USA | 103 min | 1:1,37 | f | 27. März 1952
27.3.52
5.3.52
Le petit monde de Don Camillo (Julien Duvivier, 1952)
Don Camillo und Peppone
»Rot und Schwarz« in einem italienischen Städtchen kurz nach dem Zweiten Weltkrieg: Während ganz in der Nähe gemächlich der Po vorbeizieht, ringen der großtuerische kommunistische Bürgermeister Peppone (mit Stalin-Schnauzer: Gino Cervi) und der streitbare katholische Priester Don Camillo (mit Pferdegesicht: Fernandel) wortreich (und schlagend) um die Seelen (und Körper) ihrer Schutzbefohlenen. Julien Duvivier malt das heroikomische, vor allem aber heimelig-provinzielle Sittenbild einer überschaubaren Welt, durch die zwar im Eifer des Gefechts schon mal Tische geworfen werden, in der aber letztlich der Geist der Versöhnung herrscht – wo der proletarische Romeo seine oberschichtige Julia kriegt, wo das uralte royalistische Lehrerfräulein (Sylvie) unter der Flagge des Königs von Bolschewisten zu Grabe getragen wird, wo sich der antagonistische Widerspruch zwischen der überirdischen Kraft des Glaubens und der Macht der revolutionären Weltanschauung auflöst in ein burleskes Katz- und Mausspiel zwischen Pfaffe und Parteisoldat, die als liebenswürdige Kontrahenten eines kleinen Welttheaters der Harmlosigkeit ihre possierlichen Auftritte absolvieren.
R Julien Duvivier B Julien Duvivier, René Barjavel V Giovannino Guareschi K Nicolas Hayer M Alessandro Cicognini A Virgilio Marchi S Maria Rosada P Giuseppe Amato D Fernandel, Gino Cervi, Vera Talchi, Franco Interlenghi, Sylvie | F & I | 107 min | 1:1,37 | sw | 5. März 1952
»Rot und Schwarz« in einem italienischen Städtchen kurz nach dem Zweiten Weltkrieg: Während ganz in der Nähe gemächlich der Po vorbeizieht, ringen der großtuerische kommunistische Bürgermeister Peppone (mit Stalin-Schnauzer: Gino Cervi) und der streitbare katholische Priester Don Camillo (mit Pferdegesicht: Fernandel) wortreich (und schlagend) um die Seelen (und Körper) ihrer Schutzbefohlenen. Julien Duvivier malt das heroikomische, vor allem aber heimelig-provinzielle Sittenbild einer überschaubaren Welt, durch die zwar im Eifer des Gefechts schon mal Tische geworfen werden, in der aber letztlich der Geist der Versöhnung herrscht – wo der proletarische Romeo seine oberschichtige Julia kriegt, wo das uralte royalistische Lehrerfräulein (Sylvie) unter der Flagge des Königs von Bolschewisten zu Grabe getragen wird, wo sich der antagonistische Widerspruch zwischen der überirdischen Kraft des Glaubens und der Macht der revolutionären Weltanschauung auflöst in ein burleskes Katz- und Mausspiel zwischen Pfaffe und Parteisoldat, die als liebenswürdige Kontrahenten eines kleinen Welttheaters der Harmlosigkeit ihre possierlichen Auftritte absolvieren.
R Julien Duvivier B Julien Duvivier, René Barjavel V Giovannino Guareschi K Nicolas Hayer M Alessandro Cicognini A Virgilio Marchi S Maria Rosada P Giuseppe Amato D Fernandel, Gino Cervi, Vera Talchi, Franco Interlenghi, Sylvie | F & I | 107 min | 1:1,37 | sw | 5. März 1952
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27.2.52
Roma ore 11 (Giuseppe De Santis, 1952)
Es geschah Punkt 11
»Cercasi dattilografa primo impiego miti pretese presentarsi ore 11 Largo Circense 37« Auf eine knappe Zeitungsannonce hin strömen über 200 junge Frauen an einem regnerischen Wintermorgen zur angegebenen römischen Adresse, um die Stellung einer Schreibkraft zu ergattern. Die Bewerberinnen quetschen sich im Treppenhaus des alten Gebäudes, das dem Ansturm nicht standhält: Die Treppe bricht unter der Last der Arbeitsuchenden zusammen. Viele werden verletzt, ein Mädchen kommt zu Tode … Ausgehend von einem Vorfall, der sich im Januar 1951 tatsächlich ereignete, schildern Giuseppe De Santis und seine Mitautoren, unter ihnen Cesare Zavattini und Elio Petri, mit unpathetischer Anteilnahme die verschiedenen Facetten eines Massenschicksals: Zeigt der Anfang des Films vor allem die – zumeist gereizten – Interaktionen einer von wirtschaftlicher Not und sozialen Entbehrungen zusammengewürfelten Gruppe, löst der zweite, nach dem Einsturz der Treppe spielende, Teil eine Handvoll Figuren aus dem Ensemble heraus, um mit großem dramaturgischem Geschick die mannigfaltigen Aspekte einer allgemeinen Misere zu veranschaulichen. Otello Martellis – häufig bewegte – Kamera erforscht alle Schattierungen von Grau, Mario Nascimbenes Musik kombiniert das freudlose Sirren eines Theremins mit dem marschartigen Gehämmer von Typenhebeln, während ein komplexes Zeitbild Gestalt gewinnt. Auch wenn es den Machern darum geht, die Hintergründe des Unglücksfalls zu erhellen, verzichtet »Roma ore 11«auf bequeme Schuldzuweisungen: Der egoistische Akt, mit dem eine Vordränglerin die Katastrophe heraufbeschwört, findet seine Erklärung in den verzweifelten Umständen, die vom Einzelnen kaum zu ertragen, die alleine nicht zu überwinden sind.
R Giuseppe De Santis B Cesare Zavattini, Basilio Franchina, Guiseppe De Santis, Rodolfo Sonego, Gianni Puccini, Elio Petri K Otello Martelli M Mario Nascimbene A Léon Barsacq S Gabriele Variale P Paul Graetz D Carla Del Poggio, Massimo Girotti, Lucia Bosè, Raf Vallone, Paolo Stoppa | I & F | 105 min | 1:1,37 | sw | 27. Februar 1952
# 923 | 4. Dezember 2014
»Cercasi dattilografa primo impiego miti pretese presentarsi ore 11 Largo Circense 37« Auf eine knappe Zeitungsannonce hin strömen über 200 junge Frauen an einem regnerischen Wintermorgen zur angegebenen römischen Adresse, um die Stellung einer Schreibkraft zu ergattern. Die Bewerberinnen quetschen sich im Treppenhaus des alten Gebäudes, das dem Ansturm nicht standhält: Die Treppe bricht unter der Last der Arbeitsuchenden zusammen. Viele werden verletzt, ein Mädchen kommt zu Tode … Ausgehend von einem Vorfall, der sich im Januar 1951 tatsächlich ereignete, schildern Giuseppe De Santis und seine Mitautoren, unter ihnen Cesare Zavattini und Elio Petri, mit unpathetischer Anteilnahme die verschiedenen Facetten eines Massenschicksals: Zeigt der Anfang des Films vor allem die – zumeist gereizten – Interaktionen einer von wirtschaftlicher Not und sozialen Entbehrungen zusammengewürfelten Gruppe, löst der zweite, nach dem Einsturz der Treppe spielende, Teil eine Handvoll Figuren aus dem Ensemble heraus, um mit großem dramaturgischem Geschick die mannigfaltigen Aspekte einer allgemeinen Misere zu veranschaulichen. Otello Martellis – häufig bewegte – Kamera erforscht alle Schattierungen von Grau, Mario Nascimbenes Musik kombiniert das freudlose Sirren eines Theremins mit dem marschartigen Gehämmer von Typenhebeln, während ein komplexes Zeitbild Gestalt gewinnt. Auch wenn es den Machern darum geht, die Hintergründe des Unglücksfalls zu erhellen, verzichtet »Roma ore 11«auf bequeme Schuldzuweisungen: Der egoistische Akt, mit dem eine Vordränglerin die Katastrophe heraufbeschwört, findet seine Erklärung in den verzweifelten Umständen, die vom Einzelnen kaum zu ertragen, die alleine nicht zu überwinden sind.
R Giuseppe De Santis B Cesare Zavattini, Basilio Franchina, Guiseppe De Santis, Rodolfo Sonego, Gianni Puccini, Elio Petri K Otello Martelli M Mario Nascimbene A Léon Barsacq S Gabriele Variale P Paul Graetz D Carla Del Poggio, Massimo Girotti, Lucia Bosè, Raf Vallone, Paolo Stoppa | I & F | 105 min | 1:1,37 | sw | 27. Februar 1952
# 923 | 4. Dezember 2014
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22.2.52
5 Fingers (Joseph L. Mankiewicz, 1952)
Der Fall Cicero
»I am a spy, obviously.« Der Spion: kein Idealist, ein Materialist. Er sieht zuvörderst sich selbst: auf der Terrasse einer Villa in Rio, gekleidet in ein weißes dinner jacket, vielleicht in Gesellschaft einer schönen Frau. Um dieses Bild Wirklichkeit werden zu lassen, ist dem Spion jedes Mittel recht: »If I've faith in the future of anything ... it is in the future of money.« Ankara, 1944: der albanische Kammerdiener des britischen Botschafters in der Türkei verscherbelt, im Verein mit der französischen Witwe eines deutschfreundlichen polnischen Grafen, streng geheime Informationen der Alliierten an die Nazis. Akzentuiert von Bernard Herrmanns treibendem Streicher-Score (eine Hitchcock-Allusion avant la lettre), gestaltet Joseph L. Mankiewicz seine (locker auf Tatsachen beruhende) Agentenstory als Mischung aus schwarzer Gesellschaftskomödie und semi-documentary crime thriller à la Henry Hathaway. Das Ende zeigt einen betrogenen Betrüger, der eine Zeitlang genießen konnte, wonach es ihn verlangte, und der die Größe hat, über das Zerplatzen seines Traums herzlich zu lachen.
R Joseph L. Mankiewicz B Michael Wilson V L. C. Moyzisch K Norbert Brodine M Bernard Herrmann A Lyle Wheeler, George W. Davis S James B. Clark P Otto Lang D James Mason, Danielle Darrieux, Oskar Karlweis, Walter Hampden, Michael Rennie | USA | 108 min | 1:1,37 | sw | 22. Februar 1952
# 994 | 10. April 2016
»I am a spy, obviously.« Der Spion: kein Idealist, ein Materialist. Er sieht zuvörderst sich selbst: auf der Terrasse einer Villa in Rio, gekleidet in ein weißes dinner jacket, vielleicht in Gesellschaft einer schönen Frau. Um dieses Bild Wirklichkeit werden zu lassen, ist dem Spion jedes Mittel recht: »If I've faith in the future of anything ... it is in the future of money.« Ankara, 1944: der albanische Kammerdiener des britischen Botschafters in der Türkei verscherbelt, im Verein mit der französischen Witwe eines deutschfreundlichen polnischen Grafen, streng geheime Informationen der Alliierten an die Nazis. Akzentuiert von Bernard Herrmanns treibendem Streicher-Score (eine Hitchcock-Allusion avant la lettre), gestaltet Joseph L. Mankiewicz seine (locker auf Tatsachen beruhende) Agentenstory als Mischung aus schwarzer Gesellschaftskomödie und semi-documentary crime thriller à la Henry Hathaway. Das Ende zeigt einen betrogenen Betrüger, der eine Zeitlang genießen konnte, wonach es ihn verlangte, und der die Größe hat, über das Zerplatzen seines Traums herzlich zu lachen.
R Joseph L. Mankiewicz B Michael Wilson V L. C. Moyzisch K Norbert Brodine M Bernard Herrmann A Lyle Wheeler, George W. Davis S James B. Clark P Otto Lang D James Mason, Danielle Darrieux, Oskar Karlweis, Walter Hampden, Michael Rennie | USA | 108 min | 1:1,37 | sw | 22. Februar 1952
# 994 | 10. April 2016
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6.2.52
Wienerinnen (Kurt Steinwendner, 1952)
(Schrei nach Liebe – Roman brennender Herzen)
Ein Episodenfilm. Vier Erzählungen – nicht über die üblichen Heroinen des »Wiener Films«, süßes Mädel oder resche Pratermizzi, hübsche Handschuhmacherin oder kokette Soubrette, sondern über vier Frauen »aus dem anderen Wien«: eine Ziegeleiarbeiterin, eine Puppenspielerin, ein Aktmodell, eine Prostituierte. Die erste verliebt sich unwissentlich in ihren Halbruder, die zweite verliert ihren Freund an eine laszive Konkurrentin, die dritte geht bei der Aufklärung eines Mordfalls fast selber zugrunde, die vierte träumt naiv von einem Neuanfang an der Seite eines Binnenschiffers – krause Geschichten von Begehren und Neid, von Schäbigkeit und Sehnsucht »nach reiner Liebe«. Doch im ungefügten formalen Neben- und Durcheinander von krasser expressionistischer Überzeichnung und schroffem Neoverismus, getrieben von den elektronischen Dissonanzen des Heliophons, bleiben alle vier Frauen verwirrte Kreaturen der Männer (und der Filmemacher), arme Seelen, die kaum Bewußtsein von sich selbst entwickeln (dürfen). Wenn auch die Figuren nur wenig mehr sind als trivial-soziale Schemen, so beweisen Regisseur Kurt Steinwendner und die Kameramänner Walter Partsch und Elio Carmiel doch gespannte Sensibilität für die Orte des Geschehens: einsame Straßen und öde Industriegebiete, Hafenkais und Friedhöfe, verrußte Wohnungen und zugige Bretterbuden, Silos und Fabriken erwachen – in der bedrückenden Finsternis der Nächte, in der milchigen Helligkeit der Tage – zu desillusioniert-melancholischem Leben.
R Kurt Steinwendner B Kurt Steinwendner K Walter Partsch, Elio Carniel M Paul Kont, Gerhard Bronner S Renate Knitschke P Ernest Müller D Elisabeth Stemberger, Edith Prager (= Edith Klinger), Helmi Mareich, Margit Herzog, Kurt Jaggberg, Karlheinz Böhm | A | 85 min | 1:1,37 | sw | 6. Februar 1952
Ein Episodenfilm. Vier Erzählungen – nicht über die üblichen Heroinen des »Wiener Films«, süßes Mädel oder resche Pratermizzi, hübsche Handschuhmacherin oder kokette Soubrette, sondern über vier Frauen »aus dem anderen Wien«: eine Ziegeleiarbeiterin, eine Puppenspielerin, ein Aktmodell, eine Prostituierte. Die erste verliebt sich unwissentlich in ihren Halbruder, die zweite verliert ihren Freund an eine laszive Konkurrentin, die dritte geht bei der Aufklärung eines Mordfalls fast selber zugrunde, die vierte träumt naiv von einem Neuanfang an der Seite eines Binnenschiffers – krause Geschichten von Begehren und Neid, von Schäbigkeit und Sehnsucht »nach reiner Liebe«. Doch im ungefügten formalen Neben- und Durcheinander von krasser expressionistischer Überzeichnung und schroffem Neoverismus, getrieben von den elektronischen Dissonanzen des Heliophons, bleiben alle vier Frauen verwirrte Kreaturen der Männer (und der Filmemacher), arme Seelen, die kaum Bewußtsein von sich selbst entwickeln (dürfen). Wenn auch die Figuren nur wenig mehr sind als trivial-soziale Schemen, so beweisen Regisseur Kurt Steinwendner und die Kameramänner Walter Partsch und Elio Carmiel doch gespannte Sensibilität für die Orte des Geschehens: einsame Straßen und öde Industriegebiete, Hafenkais und Friedhöfe, verrußte Wohnungen und zugige Bretterbuden, Silos und Fabriken erwachen – in der bedrückenden Finsternis der Nächte, in der milchigen Helligkeit der Tage – zu desillusioniert-melancholischem Leben.
R Kurt Steinwendner B Kurt Steinwendner K Walter Partsch, Elio Carniel M Paul Kont, Gerhard Bronner S Renate Knitschke P Ernest Müller D Elisabeth Stemberger, Edith Prager (= Edith Klinger), Helmi Mareich, Margit Herzog, Kurt Jaggberg, Karlheinz Böhm | A | 85 min | 1:1,37 | sw | 6. Februar 1952
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18.1.52
Roman einer jungen Ehe (Kurt Maetzig, 1952)
Einerseits sperriger sozialistischer Filmschrott (vor allem die Dialoge – Drehbuch: Bodo Uhse – liegen in den Ohren wie Gußeisen), andererseits ein faszinierendes Zeit- und Zerrbild der unmittelbaren Nachkriegsära im geteilten Berlin: Liebe und Ehe der Ostschauspielerin Agnes und des Westschaupielers Jochen geraten zwischen die ideologischen Mühlsteine des Kalten Krieges. Erst als der junge Mann erkennt, daß die Sonne im Osten aufgeht, können die beiden wirklich ein Paar werden, und eine schöne Wohnung kriegen sie dann natürlich auch … Abgesehen von den beiden Nullen in den Hauptrollen gut besetzt (Martin Hellberg, Harry Hindemith, Willy A. Kleinau, Hilde Sessak), bietet Kurt Maetzigs privat-politscher Beziehungsfilm ein dickes Album eindrücklicher Berlin-Bilder, insbesondere vom Bau der Stalinallee: »Auf dieser Straße ist der Frieden in die Stadt gekommen.«
R Kurt Maetzig B Bodo Uhse, Kurt Maetzig K Karl Plintzner M Wilhelm Neef A Otto Erdmann, Franz F. Fürst S Lena Neumann P Alexander Lösche D Yvonne Merin, Hans-Peter Thielen, Willy A. Kleinau, Hilde Sessak, Harry Hindemith | DDR | 104 min | 1:1,37 | sw | 18. Januar 1952
R Kurt Maetzig B Bodo Uhse, Kurt Maetzig K Karl Plintzner M Wilhelm Neef A Otto Erdmann, Franz F. Fürst S Lena Neumann P Alexander Lösche D Yvonne Merin, Hans-Peter Thielen, Willy A. Kleinau, Hilde Sessak, Harry Hindemith | DDR | 104 min | 1:1,37 | sw | 18. Januar 1952
15.1.52
Nachts auf den Straßen (Rudolf Jugert, 1952)
Ohne daß er recht weiß, wie ihm geschieht, schlingert Fernfahrer Heinrich Schlüter (Hans Albers), treuer Ehemann, liebender Vater, pflichtbewußtes Arbeitstier, eines Nachts auf eine gefahrvolle Umleitung des Lebens: Erst streicht er heimlich die 20.000 Mark eines auf der Autobahn tödlich verunglückten Schiebers ein (um seiner »Alten« (Lucie Mannheim) endlich den seit 25 Jahren versprochenen Pelzmantel kaufen zu können), dann gerät er in den Bann seiner appetitlichen Straßenbekanntschaft Inge (Hildegard Knef), die von ihrem zynisch-unguten Lover (Marius Goring) ausgeschickt wurde, einen Dummen zu angeln, der sich für dunkle Geschäfte einspannen ließe … Mit viel Zuneigung zu seinen genau gezeichneten Figuren und einem wachen Blick für anschaulichen Details malt »Nachts auf den Straßen« ein noirisch angehauchtes Sittenbild des beginnenden Wirtschaftswunders, setzt betäubenden Konsum gegen verdrängte Erinnerungen, kleinbürgerliche Gemütlichkeit gegen impulsives Laissez-faire, emotionale Einsamkeit gegen das Bedürfnis nach Nähe, den Frust des Altwerdens gegen die Täuschung der Jugendfrische, die Statik eines beengenden Zuhauses gegen die Dynamik eines unsicheren Unterwegs. Auch wenn der (Irr-)Weg des Truckers schließlich und endlich wieder nach Hause führt, enthält sich Rudolf Jugerts offenherzig-unsentimentaler Genremix aus Romanze, Krimi und Roadmovie jeglicher Verdammung derjenigen, die (aus welchem Grund auch immer) vom Kurs abkommen.
R Rudolf Jugert B Helmut Käutner, Fritz Rotter K Václav Vich M Werner Eisbrenner A Ludwig Reiber, Rudolf Pfenniger S Fritz Stapenhorst P Erich Pommer D Hans Albers, Hildegard Knef, Lucie Mannheim, Marius Goring, Heinrich Gretler | BRD | 111 min | 1:1,37 | sw | 15. Januar 1952
R Rudolf Jugert B Helmut Käutner, Fritz Rotter K Václav Vich M Werner Eisbrenner A Ludwig Reiber, Rudolf Pfenniger S Fritz Stapenhorst P Erich Pommer D Hans Albers, Hildegard Knef, Lucie Mannheim, Marius Goring, Heinrich Gretler | BRD | 111 min | 1:1,37 | sw | 15. Januar 1952
21.12.51
Hanna Amon (Veit Harlan, 1951)
Affektfilmer Veit Harlan erklimmt einen weiteren Gipfel seines hanebüchenen Schöpfertums: Die Kombination von schicksalsschwerem Heimatdrama, biblischer Metaphorik und ägyptischer Totenmythologie muß nicht nur aus dem Nebel eines umwitterten Geistes aufsteigen, es braucht auch die künstlerische Radikalität, diese atemberaubende Melange auf Zelluloid zu bannen … Vor Jahren spendete Hanna (Kristina Söderbaum) ihr Blut, um das Leben des jüngeren Bruders Thomas (Lutz Moik) zu retten – seither sind die aus uraltem Bauernadel stammenden Geschwister Amon einander (allzu?) eng verbunden. Der gepfefferte Auftritt der männerfressenden, rothaarigen, (nicht nur welt-)läufigen Schlange/Hexe/Megäre Vera Colombani (Ilse Steppat) beendet die paradiesischen (wenn auch inzestuös angehauchten) Zustände auf dem Amonshof, und nur durch neuerliches Blutvergießen kann das Unheil gebannt, das Gleichgewicht wiederhergestellt werden. Liebe, die über das Leben (und den Tod) hinausweist, Sünde, die sich in Segen verwandelt, Schuld, die wunderbarerweise zur Glückseligkeit wird – Harlan, das muß der Neid ihm lassen, kümmert sich nicht um Fragen der Proportion oder des sogenannten guten Geschmacks; er erspart sich und seinem Publikum nichts: keine Platitüde, keine Übertreibung, keinen billigen Effekt. Da glüht das Rot, da jauchzen die Chöre, da tanzt der Schnee, da krächzen die Krähen – »Hanna Amon« ist impulsives Agfacolor-Kino weit jenseits von klarem Sinn und strenger Form. »Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist es nur ein Schritt«, sagte einst ein Kaiser, der auf einer winzigen Insel mitten im Atlantik endete. Vielleicht ist auch das Gegenteil wahr.
R Veit Harlan B Veit Harlan, Richard Billinger K Werner Krien, Georg Bruckbauer M Hans-Otto Borgmann A Rochus Gliese, Hans Berthel S Walter Boos P Willi Zeyn jun. D Kristina Söderbaum, Lutz Moik, Ilse Steppat, Hermann Schomberg, Elise Aulinger | BRD | 106 min | 1:1,37 | f | 21. Dezember 1951
R Veit Harlan B Veit Harlan, Richard Billinger K Werner Krien, Georg Bruckbauer M Hans-Otto Borgmann A Rochus Gliese, Hans Berthel S Walter Boos P Willi Zeyn jun. D Kristina Söderbaum, Lutz Moik, Ilse Steppat, Hermann Schomberg, Elise Aulinger | BRD | 106 min | 1:1,37 | f | 21. Dezember 1951
14.11.51
Grün ist die Heide (Hans Deppe, 1951)
Der röhrende Hirsch des deutschen Films – eine farbige Erzählung über Heimat und Heimatlosigkeit. Der aus Ostpreußen vertriebene Gutsbesitzer Lüder Lüdersen ist bei einem Vetter in der Lüneburger Heide untergekommen. Seine Bedrückung über den Verlust der Scholle kann der Entwurzelte nur vergessen, wenn er, alleine durch Wald und Flur pirschend, auf Rotwild geht. Ein (nicht mehr ganz so) junger Förster (Rudolf Prack) verfolgt die Spur dieses Wilderers wider Willen – und verliert sein Herz an dessen hübsche Tochter (Sonja Ziemann). Drei (immer fröhliche) Landstreicher begleiten das dramatisch-romantische Geschehen mit flapsigen Kommentaren und sentimentalem Gesang … Ohne die historischen Hintergründe der Flucht und Vertreibung von 14 Millionen Deutschen thematisch auch nur zu streifen, kapriziert sich »Grün ist die Heide« auf die heiter-besinnliche Beschreibung eines gehobenen Einzelschicksals und die illustrativ-idyllische Beschwörung der Ankunft in einer neuen Heimat: Traumatisierung und Fremdheit verfliegen in harmonischem Miteinander und intakter Landschaft, Probleme werden unter einen dicken Teppich aus Heidekraut gekehrt, und wenn zum guten Schluß eine schlesische Trachtengruppe dem alten Riesengebirgslied (»Wo der Rübezahl mit seinen Zwergen / heut’ noch Sagen und Märchen spinnt.«) lauscht, verwandelt sich landsmannschaftliche Tradition in folkloristische Nostalgie. Aus Liebe und Musik, Schicksal und Klamauk, Volkstümelei und Natur knüpft Hans Deppe ein filmisches Musterstück, eine alltagsferne Seelenmassage, die ein Jahrzehnt lang das bundesdeutsche Nachkriegskino prägen wird.
R Hans Deppe B Bobby E. Lüthge K Kurt Schulz M Alfred Strasser A Gabriel Pellon, Peter Schlewski, Hans-Jürgen Kiebach S Hermann Ludwig P Kurt Ulrich D Sonja Ziemann, Rudolf Prack, Hans Stüwe, Willy Fritsch, Otto Gebühr, Maria Holst | BRD | 91 min | 1:1,37 | f | 14. November 1951
8.11.51
Sündige Grenze (Robert A. Stemmle, 1951)
Kriegsbericht von der Aachener Kaffeefront: Gut organisierte Gangs von Kindern und Jugendlichen (die »Rabatzer«) schmuggeln das beliebte Genußmittel tonnenweise über die belgisch-deutsche Grenze – durch Eisenbahntunnel und Wälder, über Stacheldrahtverhaue und die Betonruinen des ehemaligen Westwalls. Der Zoll ist weitgehend machtlos, auch der Einsatz kaffeeschnüffelnder Hunde schafft kaum Abhilfe gegen das kriminelle Bandenwesen. Der junge Kölner Soziologe und Europa-Enthusiast Hans (Dieter Borsche) will das Phänomen wissenschaftlich ergründen, begegnet den Halbwüchsigen mit helfendem Verständnis – und verliebt sich in die attraktive Schleichhändlerin Marianne (Inge Egger), die dem gewissenlosen Rädelsführer Jan (Jan Hendriks) zugetan ist … Robert A. Stemmle verpackt das Thema als griffige Mischung aus zeitkritischer Gesellschaftsstudie und effektvollem Reißer. Die bewegliche Kamera (Igor Oberberg) verbindet dramatisches Helldunkel mit dokumentarischer Nüchternheit, die Verwendung von Originalschauplätzen und der Einsatz »echter« Schmuggelkinder als Komparsen sorgen für eine bisweilen fast neorealistische Authentizität. Eine leise Botschaft ist auch zu vernehmen: Die Grenzen sind das Problem, nicht diejenigen, die ihre anachronistische Existenz strafbar ausnutzen.
R Robert A. Stemmle B Robert A. Stemmle K Igor Oberberg M Herbert Trantow A Mathias Matthies, Ellen Schmidt S Walter Wischniewsky P Artur Brauner D Dieter Borsche, Inge Egger, Jan Hendriks, Peter Mosbacher, Gisela von Collande | BRD | 87 min | 1:1,37 | sw | 8. November 1951
R Robert A. Stemmle B Robert A. Stemmle K Igor Oberberg M Herbert Trantow A Mathias Matthies, Ellen Schmidt S Walter Wischniewsky P Artur Brauner D Dieter Borsche, Inge Egger, Jan Hendriks, Peter Mosbacher, Gisela von Collande | BRD | 87 min | 1:1,37 | sw | 8. November 1951
7.9.51
Der Verlorene (Peter Lorre, 1951)
»Wir sind die Letzten.« Zwanzig Jahre, nachdem er in Fritz Langs »M« einen Triebtäter spielte, die vielleicht eindrücklichste Darstellung eines pathologischen Mörders in der Geschichte des Kinos, dreht Peter Lorre, aus dem amerikanischen Exil vorübergehend nach (West-)Deutschland zurückgekehrt, seinen ersten – und, wie sich zeigen wird, einzigen – Film als Autor und Regisseur, mit sich selbst in der Hauptrolle: die Geschichte eine Triebtäters. Wo Lang Bericht gibt von einer Hetzjagd, an der sich eine ganze Stadt beteiligt, wo er die bevorstehende Pervertierung des Rechts durch die Nationalsozialisten prophezeit, erzählt Lorre, inspiriert von einer kurzen Zeitungsmeldung aus der Rubrik »Vermischtes vom Tage«, über einen Mann, der für seine blutige Schuld nicht büßen darf, der sterben will und doch leben muß. Im Kriegsjahr 1943 erfährt der Hamburger Wissenschaftler Rothe, daß seine Geliebte nicht nur Forschungsergebnisse an den Feind verriet, sondern sich auch auf eine Affäre mit seinem Assistenten Hoesch (Karl John) einließ, der das Labor heimlich für die Abwehr überwacht. Von Wut und Abscheu erfaßt, wird der sanfte Doktor zum Mörder, den es, wegen seiner Bedeutung für das Regime von Strafe verschont, bald schon zur Wiederholung der Tat drängt. Erst nach dem Krieg, als er, unter falschem Namen in einem Flüchtlingslager als Arzt praktizierend, noch einmal seiner Nemesis Hoesch begegnet, gelingt es Rothe endlich, aus dem Schatten der Vergangenheit zu treten. Zwanzig Jahre nach Langs visionärer Ahnung des Schreckens, spricht Lorre, mit resigniert zerknautschtem Gesicht, schwermütig hervorquellenden Augen, weicher singsangender Stimme, ein düsteres Nachwort.
R Peter Lorre B Peter Lorre, Benno Vigny, Axel Eggebrecht K Václav Vich M Willy Schmidt-Gentner A Franz Schroedter S Carl Otto Bartning P Arnold Pressburger D Peter Lorre, Karl John, Renate Mannhardt, Gisela Trowe, Johanna Hofer | BRD | 98 min | 1:1,37 | sw | 7. September 1951
# 1007 | 12. Juli 2016
R Peter Lorre B Peter Lorre, Benno Vigny, Axel Eggebrecht K Václav Vich M Willy Schmidt-Gentner A Franz Schroedter S Carl Otto Bartning P Arnold Pressburger D Peter Lorre, Karl John, Renate Mannhardt, Gisela Trowe, Johanna Hofer | BRD | 98 min | 1:1,37 | sw | 7. September 1951
# 1007 | 12. Juli 2016
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31.8.51
Der Untertan (Wolfgang Staudte, 1951)
»Wir sind die Elite der Na-zi-, der Na-zi-on.« Wolfgang Staudte interpretiert die dünkelhafte Subalternität des Bürgertums im (auch geistig) durchmilitarisierten wilhelminischen Kaiserreich als groteskes Vorspiel der nationalsozialistischen Katastrophe: Vom Untertan zum Untergang ist es nur ein kleiner Schritt, bloß eine schnelle Überblendung. Werner Peters spielt den heßlingen Deutschen mit feistem Specknacken und aufstrebender Barttracht als Inkarnation der Nationaltugenden Buckeln (nach oben) und Treten (nach unten), wobei seine Stimme im ersten Falle klanglos holpert, um bei anderer Gelegenheit herrschsüchtig zu schnauzen. Die archetypische Titelfigur sieht sich umringt von einem bis in die allerletzte Chargenrolle fabelhaft besetzten Typenkabinett – da sind der geltungssüchtige Staatsanwalt und der bigotte Pfarrer, der brachiale Regierungspräsident und die schweinsäugige Erbin, der schneidige Leutnant und die rührselige Jungfrau (die es nicht lange bleibt). Ihre brillante filmgestalterische Entsprechung findet die mensurscharfe Charakter-Satire in den formalistisch zugespitzten optischen (und akustischen) Attraktionen. PS: Ehre und (Un-) Treue und Tod = »Eins, zwei, drei! Silentium ex!«
R Wolfgang Staudte B Wolfgang Staudte, Fritz Staudte V Heinrich Mann K Robert Baberske M Horst Hanns Sieber A Erich Zander, Karl Schneider S Johanna Rosinske P Willi Teichmann D Werner Peters, Paul Esser, Ernst Legal, Eduard von Winterstein, Sabine Thalbach | DDR | 109 min | 1:1,37 | sw | 31. August 1951
R Wolfgang Staudte B Wolfgang Staudte, Fritz Staudte V Heinrich Mann K Robert Baberske M Horst Hanns Sieber A Erich Zander, Karl Schneider S Johanna Rosinske P Willi Teichmann D Werner Peters, Paul Esser, Ernst Legal, Eduard von Winterstein, Sabine Thalbach | DDR | 109 min | 1:1,37 | sw | 31. August 1951
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Berlin,
Gesellschaft,
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Kleinstadt,
Preußen,
Satire,
Staudte
26.8.51
An American in Paris (Vincente Minnelli, 1951)
Ein Amerikaner in Paris
Als »American in Paris« figuriert der Maler Jerry (»Back home every-one said I didn’t have any talent. They might be saying the same thing over here but it sounds better in French.« – Gene Kelly), Lustobjekt der schwerreich-kunstsinnigen Milo (»As in Venus de…« – Nina Foch) und verhinderter Liebhaber der ätherischen Lise (»I don’t like to talk about myself.« – Leslie Caron). Oscar »Schizophrenia beats dining alone« Levant, das vielleicht bissigste Knautschgesicht Hollywoods, spielt Jerrys Kumpel Adam, einen Pianisten ohne Engagement: »Did I ever tell you about the time I gave a command performance for Hitler?« Regisseur Vincente Minnelli, Szenarist Alan Jay Lerner und Produzent Arthur Freed tun erst gar nicht so, als hätten sie eine Story zu erzählen – sie spannen einfach eine filmische Leine, auf die sie ein paar frischgewaschene Gershwin-Songs hängen. Die Inszenierung der titelgeben den Tondichtung als viertelstündiges Ballett ist nicht nur das Glanzstück des Werks sondern Gipfelpunkt der Geschichte des Kinomusicals: die rasant-schwebende Choreographie (Gene Kelly), die pittoresken Dekorationen (Preston Ames) nach Vorbildern von Dufy, Renoir, Rousseau und Toulouse-Lautrec und die ausdrucksstarke Technicolor-Malerei (Kamera: John Alton) erschaffen eine aus Raum und Zeit gefallene Welt, die weder Schwerkraft noch Begrenzung zu kennen scheint.
R Vincente Minnelli B Alan Jay Lerner K Alfred Gilks, John Alton M George Gershwin A Preston Ames, Cedric Gibbons S Adrienne Fazan P Arthur Freed D Gene Kelly, Leslie Caron, Oscar Levant, Nina Foch, Georges Guétary | USA | 113 min | 1:1,37 | f | 26. August 1951
Als »American in Paris« figuriert der Maler Jerry (»Back home every-one said I didn’t have any talent. They might be saying the same thing over here but it sounds better in French.« – Gene Kelly), Lustobjekt der schwerreich-kunstsinnigen Milo (»As in Venus de…« – Nina Foch) und verhinderter Liebhaber der ätherischen Lise (»I don’t like to talk about myself.« – Leslie Caron). Oscar »Schizophrenia beats dining alone« Levant, das vielleicht bissigste Knautschgesicht Hollywoods, spielt Jerrys Kumpel Adam, einen Pianisten ohne Engagement: »Did I ever tell you about the time I gave a command performance for Hitler?« Regisseur Vincente Minnelli, Szenarist Alan Jay Lerner und Produzent Arthur Freed tun erst gar nicht so, als hätten sie eine Story zu erzählen – sie spannen einfach eine filmische Leine, auf die sie ein paar frischgewaschene Gershwin-Songs hängen. Die Inszenierung der titelgeben den Tondichtung als viertelstündiges Ballett ist nicht nur das Glanzstück des Werks sondern Gipfelpunkt der Geschichte des Kinomusicals: die rasant-schwebende Choreographie (Gene Kelly), die pittoresken Dekorationen (Preston Ames) nach Vorbildern von Dufy, Renoir, Rousseau und Toulouse-Lautrec und die ausdrucksstarke Technicolor-Malerei (Kamera: John Alton) erschaffen eine aus Raum und Zeit gefallene Welt, die weder Schwerkraft noch Begrenzung zu kennen scheint.
R Vincente Minnelli B Alan Jay Lerner K Alfred Gilks, John Alton M George Gershwin A Preston Ames, Cedric Gibbons S Adrienne Fazan P Arthur Freed D Gene Kelly, Leslie Caron, Oscar Levant, Nina Foch, Georges Guétary | USA | 113 min | 1:1,37 | f | 26. August 1951
Labels:
Caron,
Gene Kelly,
Lerner,
Malerei,
Musical,
Paris,
Romanze,
Tanz,
Vincente Minnelli
7.8.51
The Man in the White Suit (Alexander Mackendrick, 1951)
Der Mann im weißen Anzug
»Some fool has invented an indestructible cloth. Where is he? How much does he want?« Der Verrückte ist ein brillanter Wissenschaftler namens Sidney Stratton (Alec Guinness), und er will kein Geld sondern das Glück der Menschheit – die ihrerseits nicht unbedingt beglückt werden möchte. Unternehmer und Gewerkschaften sind sich einig: Ein unzerstörbares Material zerstört das empfindliche Gleichgewicht von Produktion und Gewinn, von Angebot und Nachfrage, mithin die Grundlagen von Wohlstand und Ordnung. Kurz: Die schmutzabweisende, reißfeste Wunderfaser ist der Stoff, aus dem die sozialen Alpträume sind. Alexander Mackendrick inszeniert den Interessenkonflikt zwischen Genie und Gesellschaft als schnippische Komödie mit blubbernden Retorten und asthmatischen Kapitalisten, mit explodierenden Laboratorien und standfesten Arbeitern – zugleich wirft »The Man in the White Suit« ein satirisches Licht auf das Beharrungsvermögen des Status quo und auf die Unbeirrbarkeit des menschlichen Schöpfergeistes, jener Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft. (Oder umgekehrt.)
R Alexander Mackendrick B Roger MacDougall, John Dighton, Alexander Mackendrick V Roger MacDougall K Douglas Slocombe M Benjamin Frankel A Jim Morahan S Bernard Gribble P Michael Balcon D Alec Guinness, Joan Greenwood, Cecil Parker, Michael Gough, Ernest Thesinger | UK | 85 min | 1:1,37 | sw | 7. August 1951
»Some fool has invented an indestructible cloth. Where is he? How much does he want?« Der Verrückte ist ein brillanter Wissenschaftler namens Sidney Stratton (Alec Guinness), und er will kein Geld sondern das Glück der Menschheit – die ihrerseits nicht unbedingt beglückt werden möchte. Unternehmer und Gewerkschaften sind sich einig: Ein unzerstörbares Material zerstört das empfindliche Gleichgewicht von Produktion und Gewinn, von Angebot und Nachfrage, mithin die Grundlagen von Wohlstand und Ordnung. Kurz: Die schmutzabweisende, reißfeste Wunderfaser ist der Stoff, aus dem die sozialen Alpträume sind. Alexander Mackendrick inszeniert den Interessenkonflikt zwischen Genie und Gesellschaft als schnippische Komödie mit blubbernden Retorten und asthmatischen Kapitalisten, mit explodierenden Laboratorien und standfesten Arbeitern – zugleich wirft »The Man in the White Suit« ein satirisches Licht auf das Beharrungsvermögen des Status quo und auf die Unbeirrbarkeit des menschlichen Schöpfergeistes, jener Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft. (Oder umgekehrt.)
R Alexander Mackendrick B Roger MacDougall, John Dighton, Alexander Mackendrick V Roger MacDougall K Douglas Slocombe M Benjamin Frankel A Jim Morahan S Bernard Gribble P Michael Balcon D Alec Guinness, Joan Greenwood, Cecil Parker, Michael Gough, Ernest Thesinger | UK | 85 min | 1:1,37 | sw | 7. August 1951
Labels:
Arbeit,
Fabrik,
Gesellschaft,
Guinness,
Komödie,
Mackendrick,
Wirtschaft,
Wissenschaft
27.7.51
Zugverkehr unregelmäßig (Erich Freund, 1951)
Im geteilten Berlin der frühen fünfziger Jahre sind die Grenzen noch offen, aber die Fronten liegen klar. Auch wenn die S-Bahn mehr oder weniger fahrplanmäßig zwischen hüben und drüben pendelt, sind die Welten geschieden: Im neonhellen Westen sitzen die niederträchtigen Saboteure, tragen Pelz, paffen dicke Zigarren und hintertreiben den Aufbau des Sozialismus; im armen, aber ehrlichen Osten errichten fleißige Menschen trotz und alledem die bessere Welt. »Zugverkehr unregelmäßig« exemplifiziert den Systemkonflikt an der Geschichte einer Freundschaft, die unweigerlich in die Brüche geht: Da ist der Eisenbahner Jochen, ein Taugenichts, der sich treiben läßt, der dem Reiz des (von einem raffinierten Frauenzimmer verkörperten) schnellen Geldes erliegt, einer, der unter die Räder kommen wird; und da ist Fritz, der als Polizist das Volk und dessen Eigentum schützt, womit er Glück und Zukunft sichert … Die Darsteller bewegen sich wie Figuren im Papiertheater, die Dialoge klingen wie Merksätze aus dem Pflichtenheft der Staatssicherheit, die Botschaft wird lautstark verkündet: Wachsam sein, immerzu! Ein eckig geschriebener, ungelenk inszenierter Defa-Propagandakrimi, der vielleicht gerade wegen seiner bodenlosen Plumpheit das Fluidum der Zeit treffend zum Ausdruck bringt.
R Erich Freund B Peter Bejach, Hermann Turowski K Willi Kuhle M Franz R. Friedl A Willy Schiller S Ferdinand Weintraub P Richard Brandt D Claus Holm, Inge Keller, Brigitte Krause, Peter Lehmbrock, Horst Drinda | DDR | 82 min | 1:1,37 | sw | 27. Juli 1951
R Erich Freund B Peter Bejach, Hermann Turowski K Willi Kuhle M Franz R. Friedl A Willy Schiller S Ferdinand Weintraub P Richard Brandt D Claus Holm, Inge Keller, Brigitte Krause, Peter Lehmbrock, Horst Drinda | DDR | 82 min | 1:1,37 | sw | 27. Juli 1951
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