Schloß des Schreckens
»What shall I sing to my lord from my window?« Miss (!) Giddens (Deborah Kerr als daughter of a preacher man – empathisch und fanatisch) kommt als Erzieherin der Waisenkinder Miles und Flora auf den abgelegenen Landsitz Bly. Bald schon wähnt sie hinter der scheinbar (?) arglosen Altklugheit ihrer Schutzbefohlenen einen Abgrund des Grauens: Haben die Geister des triebhaften Hausdieners und der ihm verfallenen Gouvernante Besitz von den Seelen der Geschwister ergriffen? Vielleicht erzählt Jack Clayton mit »The Innocents« tatsächlich die Geschichte der Besessenheit der beiden Kinder – das wäre die komfortabelste Erklärung für die Dinge, die wir sehen (oder sehen sollen) –, vielleicht handelt es sich auch um eine Tauchfahrt in die Geheimnisse einer verkarsteten (in diesem Falle: weiblichen) Psyche: Verdrängtes, Projektionen, Begierden – Unbewußtes, das wie Sumpfgas blubbernd ans Licht steigt. Der Film legt sich nicht fest, Erklärungen hängen in der Luft wie wehende Vorhänge in der Nacht. Und dann: dieses wispernde Kaminfeuer, diese allzeit welkenden weißen Rosen, dieses penetrante Vogelgezwitscher, diese Küsse zwischen einer Frau und einem Jungen, diese unheimlich tiefenscharfen Bilder (Freddie Francis), diese spukig-spieldosenhafte Musik (Georges Auric), diese intensive Beschwörung der grauen-vollen Paradiese der Kindheit (Buch: Truman Capote nach Henry James). Ein alptraumhaftes Meisterwerk. »Waking a child can sometimes be worse than any bad dream.« Gilt nicht nur für Kinder …
R Jack Clayton B Truman Capote, William Archibald V Henry James K Freddie Francis M Georges Auric A Wilfried Shingleton S Jim Clark P Jack Clayton D Deborah Kerr, Martin Stephens, Pamela Franklin, Clytie Jessop, Michael Redgrave | USA & UK | 100 min | 1:2,35 | sw | 25. Dezember 1961
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25.12.61
5.10.61
Breakfast at Tiffany's (Blake Edwards, 1961)
Frühstück bei Tiffany
»Two drifters off to see the world …« »Breakfast at Tiffany’s« mag eine mißglückte Literaturadaption sein (Blake Edwards und George Axelrod verschieben Truman Capotes schwebend-nostalgischen Kurzroman in eine faktisch-präzise Gegenwart, ersetzen sehnsüchtig-mokantes Erinnern durch smart-distanzierte Beobachtung) – und ist dennoch ein außerordentlicher Film, eine geschliffen-funkelnde, jazzig-vibrierende Darstellung des Lebens im real-existierenden Kapitalismus. Es geht, seien wir ehrlich, um Prostitution (wenn auch auf hohem Niveau), um eine in Givenchy-Roben gehüllte Nutte (»Any gentleman with the slightest chic will give a girl a fifty-dollar bill for the powder room.«) und um einen literarischen Stricher (»I'm a writer, W-R-I-T-E-R.«), beide radical chic und very sophisticated, modische Maskenträger und attraktive Identitätsflüchtlinge in einer (falsch-)goldenen Welt der dream maker und heart breaker, (Möchtegern-)Freigeister auf der Suche nach sich selbst – und einem anderen, zu dem sie (vielleicht) gehören. Audrey Hepburn, in der Rolle der Holly Golightly ideal fehlbesetzt, und George Peppard als Paul (»Fred-baby«) V-A-R-J-A-K finden (anders als bei Capote) in einem komplizierten Prozeß der Emanzipation auf den umwegigen, verregneten Nebenstraßen des Lebens heraus aus der aufgedrängten Pseudonymität, aus den selbstgebauten Käfigen, hin zum eigenen Ich, zum ersehnten Wir – und schließlich zu einer (bald wohl nicht mehr namenlosen) Katze. Ihre abgrundtief-oberflächliche love story kommt als scharfzüngig-traurige Sittenkomödie daher, urban und sentimental, trist und exzentrisch – ein perfektes Werk voller Brüche. D-E-R Großstadtfilm. D-I-E »moderne« Romanze. D-A-S (zumindest: E-I-N) Glanzstück des Post-War- und Pre-New-Hollywood: »People do belong to each other, because that's the only chance anybody's got for real happiness.«
R Blake Edwards B George Axelrod V Truman Capote K Franz Planer M Henry Mancini A Roland Anderson, Hal Pereira S Howard A. Smith P Martin Jurow, Richard Shepherd D Audrey Hepburn, George Peppard, Patricia Neal, Martin Balsam, José Luis de Vilallonga | USA | 115 min | 1:1,85 | f | 5. Oktober 1961
»Two drifters off to see the world …« »Breakfast at Tiffany’s« mag eine mißglückte Literaturadaption sein (Blake Edwards und George Axelrod verschieben Truman Capotes schwebend-nostalgischen Kurzroman in eine faktisch-präzise Gegenwart, ersetzen sehnsüchtig-mokantes Erinnern durch smart-distanzierte Beobachtung) – und ist dennoch ein außerordentlicher Film, eine geschliffen-funkelnde, jazzig-vibrierende Darstellung des Lebens im real-existierenden Kapitalismus. Es geht, seien wir ehrlich, um Prostitution (wenn auch auf hohem Niveau), um eine in Givenchy-Roben gehüllte Nutte (»Any gentleman with the slightest chic will give a girl a fifty-dollar bill for the powder room.«) und um einen literarischen Stricher (»I'm a writer, W-R-I-T-E-R.«), beide radical chic und very sophisticated, modische Maskenträger und attraktive Identitätsflüchtlinge in einer (falsch-)goldenen Welt der dream maker und heart breaker, (Möchtegern-)Freigeister auf der Suche nach sich selbst – und einem anderen, zu dem sie (vielleicht) gehören. Audrey Hepburn, in der Rolle der Holly Golightly ideal fehlbesetzt, und George Peppard als Paul (»Fred-baby«) V-A-R-J-A-K finden (anders als bei Capote) in einem komplizierten Prozeß der Emanzipation auf den umwegigen, verregneten Nebenstraßen des Lebens heraus aus der aufgedrängten Pseudonymität, aus den selbstgebauten Käfigen, hin zum eigenen Ich, zum ersehnten Wir – und schließlich zu einer (bald wohl nicht mehr namenlosen) Katze. Ihre abgrundtief-oberflächliche love story kommt als scharfzüngig-traurige Sittenkomödie daher, urban und sentimental, trist und exzentrisch – ein perfektes Werk voller Brüche. D-E-R Großstadtfilm. D-I-E »moderne« Romanze. D-A-S (zumindest: E-I-N) Glanzstück des Post-War- und Pre-New-Hollywood: »People do belong to each other, because that's the only chance anybody's got for real happiness.«
R Blake Edwards B George Axelrod V Truman Capote K Franz Planer M Henry Mancini A Roland Anderson, Hal Pereira S Howard A. Smith P Martin Jurow, Richard Shepherd D Audrey Hepburn, George Peppard, Patricia Neal, Martin Balsam, José Luis de Vilallonga | USA | 115 min | 1:1,85 | f | 5. Oktober 1961
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