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23.5.74

That’s Entertainment (Jack Haley Jr., 1974)

Das gibt’s nie wieder

»Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde.« Die Zeit des Filmmusicals waren die 30er, 40er und 50er Jahre des 20. Jahrhunderts; der Ort dieses Vornehmens war das Studio Metro-Goldwyn-Mayer (»More stars than there are in heaven.«) in Hollywood, California. Lange, lange nach dem heyday des Genres, zu ihrem 50. Geburtstag im Jahre 1974, schenkte sich die glorreichste aller Traumfabriken einen Zusammenschnitt der Gipfelpunkte ihrer Kunstproduktion, moderiert von älter gewordenen Berühmtheiten (Astaire, Crosby, Kelly, Reynolds, Rooney, Sinatra), die in den Trümmern des legendären MGM-backlots der Ära ihres Ruhms gedenken. Vordergründig ein fidel-melancholischer Singin’-and-dancin’-Porno, der nur aus den Cumshots eines (be)rauschenden Gestern besteht, macht »That’s Entertainment!« auf faszinierende Art und Weise anschaulich, wie das Musical in seinem formal entfesselten audiovisuellen Wahnsinn zum »absoluten« Film wird: Unterhaltung als reine Rhythmisierung von Farbe, Form und Ton – Ausstattungskino als Triumph der Transzendenz.

R Jack Haley Jr. B Jack Haley Jr. K Ernest Laszlo, Russell Metty M Henry Mancini S Bud Friedgen P Jack Haley Jr. D Fred Astaire, Bing Crosby, Gene Kelly, Peter Lawford, Liza Minnelli | USA | 135 min | 1:1,85 | f | 23. Mai 1974

26.7.62

The Notorious Landlady (Richard Quine, 1962)

Noch Zimmer frei 

Jack Lemmon als amerikanischer Diplomat in London, der bei Kim Novak einzieht, von der er nicht ahnt, daß sie allseits des Gattenmordes verdächtigt wird. Als er es schließlich spitzkriegt, ist es ihm herzlich egal… Fred Astaire spielt den US-Botschafter, der weiß, wie der Hase läuft: »The higher up you go, the more mistakes you’re allowed. Right at the top, if you make enough of them, it’s considered to be your style.« Regisseur Richard Quine und Autor Blake Edwards machen ebenfalls einen Fehler nach dem anderen und daraus so etwas wie ein höheres Prinzip: Der Film ist ein heilloses Durcheinander aus romantic comedy, murder mystery und slapstick, gerade so als hätten Billy Wilder und Miss Jane Marple (ganz à la Queen Mum) eine oder zwei Flaschen Gin in ihren Five O’Clock Tea geschüttet und gemeinsam eine nebulöse Krimiplotte zusammengeschustert, die zwar vorne und (vor allem) hinten nicht stimmt – aber von der Seite betrachtet ganz gut aussieht.

R Richard Quine B Blake Edwards, Larry Gelbart V Margery Sharp K Arthur E. Arling M George Duning A Cary Odell S Charles Nelson P Richard Quine, Fred Kohlmar D Kim Novak, Jack Lemmon, Fred Astaire, Lionel Jeffries, Estelle Winwood | USA | 123 min | 1:1,85 | sw | 26. Juli 1962

13.2.57

Funny Face (Stanley Donen, 1957)

Ein süßer Fratz

Zum ersten Mal ohne den irrealen Glanz von MGM, mithin auch ohne das Ingenium des Produzenten Arthur Freed im Hintergrund, sucht Musical-Regisseur Stanley Donen seinen Weg zwischen unverhohlenem Starkult und ironischer Zeitkritik. »Funny Face« erzählt von einem (nicht allzu) häßlichen Entlein, das sich unter den durchdringenden Blicken eines Mannes (und zu den Melodien von George Gershwin) in einen stolzen Schwan verwandelt – ein flüchtiges Märchen aus der Welt der Mode und der Modejournale, eine fast gegenstandslose Story, so durchsichtig wie Seidenvoile, so verweht wie eine Magazinseite im Wind der Zeit: Ein in Sack und Asche gehender New Yorker Blaustrumpf (Audrey Hepburn) wird von einem fashionablen Fotografen (Fred Astaire als Richard-Avedon-Surrogat) in Paris zum Gesicht bzw. zum Kleiderständer der Epoche stilisiert ... Die Romanze zwischen dem jungen Ding und dem alten Profi, der schon (fast) alle(s) gesehen hat, bleibt schwärmerische Behauptung; die antiintellektuellen Sottisen gegen Philosophen, denen das Hirn in die Hose fällt, bedienen (nicht unwitzig) landläufige Klischees; doch indem die Herstellung von Trends, von Idealen, von Bedürfnissen durch die Bewußtseinsindustrie (energisch verkörpert von Kay Thompson als ›Quality‹-Chefredakteurin) musikalisch und tänzerisch transparent gemacht wird, gewinnt der Film einen Hauch von oberflächlicher Tiefe: »Think pink!«

R Stanley Donen B Leonard Gershe K Ray June M George Gershwin A George W. Davis, Hal Pereira S Frank Bracht P Roger Edens D Audrey Hepburn, Fred Astaire, Kay Thompson, Michel Auclair, Robert Flemyng | USA | 103 min | 1:1,85 | f | 13. Februar 1957

4.5.55

Daddy Long Legs (Jean Negulesco, 1955)

Daddy Langbein 

»When an irresistible force such as you / Meets an old immovable object like me …« Der millionenschwere amerikanische Lebemann Jervis Pendleton III (Fred Astaire) finanziert anonym einem erblühenden französischen Waisenmädchen, das sein Herz rührte (Leslie Caron), Erziehung und Studium an einem idyllischen Neuengland-College. Das gute Kind schwärmt von ihrem unbekannten Gönner, der nur einmal als langbeiniger Schatten an ihr vorbeihuschte, während sich der Mäzen zunächst gar nicht weiter für seine Schutzbefohlene zu interessieren scheint. Nach allerhand betulichen Verwicklungen werden der alte Hirsch und das junge Reh von der klappernden Mechanik der Dramaturgie – die dazu unter anderem eine gute Fee in Gestalt von Pendeltons sympathisch-sentimentaler Sekretärin (Thelma Ritter) bemüht – fürs Leben zusammengenietet. Willkommene Ablenkung vom recht absehbaren Verlauf der antiquarischen Romanze verschaffen die klassischen Songs von Johnny Mercer (»Something’s Gotta Give«) und Roland Petits federleichte Choreographien in quietschbunt-leuchtenden, pappig-stilisierten Traumkulissen: »Things never are as bad as they seem / So dream, dream, dream.«

R Jean Negulesco B Phoebe Ephron, Henry Ephron V Jean Webster K Joseph MacDonald M Johnny Mercder, Alex North A John DeCuir, Lyle Wheeler S William Reynolds P Samuel J. Engel D Fred Astaire, Leslie Caron, Fred Clark, Thelma Ritter, Terry Moore | USA | 126 min | 1:2,35 | f | 4. Mai 1955

9.7.53

The Band Wagon (Vincente Minnelli, 1953)

Vorhang auf!

»The world is a stage / The stage is a world of entertainment.« Vincente Minnelli, meisterhafter Erzeuger glanz-, stil-, und schwungvoller Traumfabrikate, bietet mit seiner Show über Entstehung und Geburtswehen einer Show intelligenten MGM-Technicolor-Glamour: »The Band Wagon« ist selbstreferentiell, selbstbewußt und selbstironisch – die Metamorphose einer leichten musikalischen Komödie in eine rotglühend-dramatische »Faust«-Adaption (und wieder zurück) hält für die Beteiligten Verunsicherung und Begeisterung, Reinfälle und Höhenflüge, Wut und Liebe bereit. Es spielen: Fred Astaire als famous star of yesteryear, der noch einmal zu großer Form aufläuft; Cyd Charisse als up-and-coming Primaballerina, die ihre Neigung zu einer lebenden Legende entdeckt; Jack Buchanan als mephistophelischer Produzent, der die Revue mit seinen brillanten Ideen fast ruiniert; Nanette Fabray & Oscar Levant (»We’re not fighting! We’re in complete agreement! We hate each other!«) als geistreiches Autorenpaar, ein Selbstportrait des geistreichen Autorenpaares Betty Comden & Adolph Green, die sich nach »Singin’ in the Rain«, ihrer mokanten Hommage an den frühen Tonfilm, die Exzentriker vom Broadway vorknöpfen. »Everything that happens in life / Can happen in a show!«

R Vincente Minnelli B Betty Comden, Adolph Green K Harry Jackson M diverse A Preston Ames, Cedric Gibbons S Albert Akst P Arthur Freed D Fred Astaire, Cyd Charisse, Oscar Levant, Nanette Fabray, Jack Buchanan | USA | 112 min | 1:1,37 | f | 9. Juli 1953

8.3.51

Royal Wedding (Stanley Donen, 1951)

Königliche Hochzeit

»I wonder what I would be doing a month before my wedding.« – »Probably trying to find a way out of it.« Wegen des anhaltend großen Erfolges ihrer Broadway-Revue »Every Night at Seven« erhalten die Geschwister Tom und Ellen Bowen (Fred Astaire und Jane Powell) eine Einladung nach London, wo die Show anläßlich der bevorstehenden königlichen Hochzeit aufgeführt werden soll. Die Reise ins alte Europa bringt, wie in jeder besseren Hollywood-Komödie, allerlei romantische Verwicklungen mit sich: Ellen (in Gefühlsdingen zuvor eher flatterhaft) verliebt sich in einen veritablen englischen Lord (charmant-soigniert: Peter Lawford), Tom (emotional bislang in erster Linie mit der Arbeit verbunden) verliert sein Herz an eine Londoner Ballerina (attraktiv-reserviert: (Sir Winstons Tochter) Sarah Churchill). Mit seiner ersten eigenständigen Regiearbeit beweist Stanley Donen Stilbewußtsein und choreographische Orginalität, die insbesondere in Astaires Pas de deux mit einem mit einem Kleiderständer und in seinem spektakulären Tanz an Wänden und Decke eines (Grand-)Hotelzimmers zum Ausdruck kommt.

R Stanley Donen B Alan Jay Lerner K Robert H. Planck M Burton Lane A Cedric Gibbons, Jack Martin Smith S Albert Akst P Arthur Freed D Fred Astaire, Jane Powell, Peter Lawford, Sarah Churchill, Keenan Wynn | USA | 93 min | 1:1,37 | f | 8. März 1951

# 1153 | 10. März 2019

20.11.45

Yolanda and the Thief (Vincente Minnelli, 1945)

Yolanda und der Dieb

Ein bonbonbuntes Wolkenkuckucksheim, ein filmisches Schaumbad in Eskapismus und Kulissenbarock, eine subtropische Fieberfantasie aus dem imaginären lateinamerikanischen Staat Patria: Am Tag ihrer Volljährigkeit wird Yolanda Aquavita (Lucille Bremer) aus der Klosterschule in die Welt entlassen. Die lebensfremde Erbin eines riesigen Vermögens, sehnt sich, eingeschüchtert von den Obliegenheiten einer zigfachen Millionärin, nach der liebevollen Fürsorge ihres himmlischen Schutzengels – eine Rolle, in die der charmante Hochstapler Johnny Riggs (Fred Astaire) nur allzu gerne hineinschlüpft: »You have trouble about money. I shall relieve you of it … the trouble, I mean.« Vincente Minnellis maßlos-synthetisches Musical, ein Paradebeispiel für den More-is-more-Furor der MGM-Traumwäscherei, benutzt das dürre Handlungsgerippe lediglich als Vorwand für das Abfeiern luxuriös-pseudokaribischer Trugbilder in extraordinären Dekorationen. Rauschhafte Höhepunkte der geistesabwesenden Fabel sind zwei überlange Shownummern, eine surreale (Angst-)Traumsequenz und ein opulenter Karneval, irre Kumulationen von Lamas und Sombreros, Tänzern und Komparsen, Schleiern und Konfetti, eingefangen von Charles Roshers beschwipst kurvender Kamera. Das unabwendbar harmonische Finale sieht den falschen Engel märchenhaft geläutert von der engelhaften Einfalt seiner gutbetuchten Beute: »This is a day for love, / this is a day for song. / And all together we will merrily walk along.«

R Vincente Minnelli B Irving Brecher, Jacques Théry, Ludwig Bemelmans K Charles Rosher M Lennie Hayton A Cedric Gibbons, Jack Martin Smith S George White P Arthur Freed D Fred Astaire, Lucille Bremer, Frank Morgan, Mildred Natwick, Leon Ames | USA | 108 min | 1:1,37 | f | 20. November 1945

# 943 | 10. Februar 2015

13.8.45

Ziegfeld Follies (Vincente Minnelli & George Sidney & Charles Walters, 1945)

Ziegfelds himmlische Träume

»A lovely world can be unfurled / To those who see and care.« MGM-Produzent Arthur Freed war der Walt Disney des Filmmusicals – »Ziegfeld Follies« ist sein »Fantasia«: Oben im Himmel träumt der verewigte Broadway-Impressario Florenz Ziegfeld (der gleich neben Shakespeare und P. T. Barnum residiert) von der definitiven Show – seine (und Freeds) maximalistische Nummernrevue braucht keine Handlung, sie ist ein Orgasmus der Farben, eine Explosion des Kitsches, ein Spektakel der unbegrenzten Möglichkeiten; zusammengehalten werden die Darbietungen von der schieren Lust an Künstlichkeit, an Extravaganz und an rosa Schwanenfedern. Alles, was Beine zum Tanzen, einen Mund zum Singen oder Augen zum Rollen hat, wird vor die Kamera gejagt: Judy Garland und Lucille Bremer, Red Skelton und Lucille Ball, Fanny Brice und Esther Williams, Gene Kelly und Fred Astaire (in ihrem einzigen gemeinsamen Auftritt). Neben einem bemerkenswert kafkaesken Sketch von George Sidney über einen Mann, der wegen einer Lappalie (und seines ehrgeizigen Anwalts) beinahe auf dem elektrischen Stuhl landet (»Pay the Two Dollars«), steuert Vincente Minnelli die schönsten Sequenzen bei: eine fächerumwedelte Todesphantasie aus Old Chinatown (»Limehouse Blues«); einen Pas de deux zwischen einem Juwelendieb und seinem willigen weiblichen Opfer (»This Heart of Mine«); den Pressetermin einer dramatischen Hollywoodactrice, die der Journaille ihren nächsten Film vorstellt, in dem sie die Erfinderin der Sicherheitsnadel verkörpern wird (»A Great Lady Has an Interview«). »Ziegfeld Follies« sonnt sich in edler, unschuldiger Verrücktheit – ein wahrer Klassiker des Camp. »There’s beauty everywhere / That everyone can share.«

R Vincente Minnelli, George Sidney, Charles Walters, Roy Del Ruth B Lemuel Ayers, Robert Lewis K George Folsey, Charles Rosher M diverse A Cedric Gibbons, Jack Martin Smith, Merrill Pye S Albert Akst P Arthur Freed D Fred Astaire, Lucille Bremer, Fanny Brice, Judy Garland, Gene Kelly, William Powell | USA | 110 min | 1:1,37 | f | 13. August 1945