Posts mit dem Label Gardner werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gardner werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

12.2.64

Seven Days in May (John Frankenheimer, 1964)

Sieben Tage im Mai

US-Präsident Lyman (staatsmännisch: Fredric March) hat einen Vertrag zur nuklearen Abrüstung mit den Sowjets ausgehandelt. Führende Angehörige der Streitkräfte opponieren gegen das in ihren Augen hochverräterische Abkommen, Generalstabschef Scott (selbstüberzeugt: Burt Lancaster) plant einen Staatsstreich … In seiner Abschiedsansprache warnte Präsident Eisenhower 1961 vor der Bedrohung der demokratischen Ordnung durch den »militärisch-industriellen Komplex«; John Frankenheimers frostiger Thriller zeigt anschaulich, wie ein Konflikt zwischen Politik und Militär ablaufen könnte. »Seven Days in May« spielt in einem Klima von Mißtrauen und Verrat, von konspirativer Strippenzieherei und öffentlicher Stimmungsmache; die Handlung ­– von einer Mischung aus unheilverkündenden Trommelwirbeln und coolem Midnight Jazz (Jerry Goldsmith) effektvoll vorangetrieben – läuft vorwiegend in fensterlosen Innenräumen ab; der häufige gestalterische Einsatz von Fernseh- oder Überwachungsmonitoren schafft eine Atmosphäre zwischen eisiger Distanz und penetranter Indiskretion. Die geschilderte Kontroverse ist nur vordergründig die zwischen Falken und Tauben, im Grunde geht es um einen Widerstreit von gesetztem und gefühltem Recht, von Legitimität und Selbstermächtigung. Rettung in allerletzter Sekunde bringt, wie der reitende Bote auf dem Theater, ein alles enthüllender Brief; nach der illusionslosen Schilderung von Arglist und Wahn erscheint dieses papierne »happy ending« so naiv wie das abschließende Statement des idealistischen Präsidenten: »We will see a day when on this earth all men will walk out of the long tunnels of tyranny into the bright sunshine of freedom.« Well … 
 
R John Frankenheimer B Rod Serling V Fletcher Knebel, Charles W. Bailey II K Ellsworth Fredericks M Jerry Goldsmith A Cary Odell S Ferris Webster P Edward Lewis D Kirk Douglas, Burt Lancaster, Fredric March, Edmond O’Brien, Ava Gardner | USA | 118 min | 1:1,85 | sw | 12. Februar 1964

# 853 | 7. April 2014

28.9.54

The Barefoot Contessa (Joseph L. Mankiewicz, 1954)

Die barfüßige Gräfin 

»Che sarà, sarà.« Aufstieg, Ruhm und Tod der barfüßigen Tänzerin/Schauspielerin/Gräfin Maria Vargas alias Maria D’Amata (Ava Gardner) – erzählt von einem beruflich und privat angeschlagenen Regisseur (Humphrey Bogart), einem immer schwitzenden PR-Mann (Edmond O’Brien) und einem impotenten italie­ni­schen Adligen (Rosanno Brazzi). Sonstige Personen der düster-farbstarken Cinderella-Variation: ein selbstherrlicher Filmproduzent, der reichste Mann Südamerikas, ein König im Exil. Orte des Geschehens: Madrid und Rom, London und Holly­wood, Monte Carlo und Rapallo; Hinterhöfe und Nachtclubs, Studios und Yachten, Casinos und ein Schloß am Meer. Die melodramatische Starbiographie beginnt dort, wo alles endet: auf dem Friedhof. Während die Titelheldin im Regen zu Grabe getragen wird, erinnern sich die männlichen Protagonisten an Stationen ihres Lebens. (Das multiperspektivische Erzählen in Flashbacks, einst von Herman J. Mankiewicz für »Citizen Kane« erfunden, machte sich dessen Bruder Joseph L. schon bei »All About Eve« erfolgreich zu eigen.) Die Handlung, halb süffige Illustriertenstory, halb tragisches Kunstmärchen, ganz aus dem Geist der Traumfabrik geboren, kontrastiert mit ge­schliffenen Dialogen, die Mankiewicz’ ungetrübten Blick auf eben diese Traumfabrik – ihren falschen Glanz, ihre mitleidlose Härte – verraten. »The Barefoot Contessa«, die Geschichte einer Frau, die einen Prinzen (die Liebe, das Leben) sucht und nur Männer (die nackten Tatsachen, den Tod) findet, betreibt, wenn man so will, desillusionierte Illusionsproduktion. PS: »A script would’ve made so much more sense than life does.«

R Joseph L. Mankiewicz B Joseph L. Mankiewicz K Jack Cardiff M Mario Nascimbene A Arrigo Equini S William Hornbeck P Joseph L. Mankiewicz D Humphrey Bogart, Ava Gardner, Edmond O’Brien, Rosanno Brazzi, Valentina Cortese | USA | 128 min | 1:1,37 | f | 28. September 1954

1.2.51

Pandora and the Flying Dutchman (Albert Lewin, 1951)

Pandora und der Fliegende Holländer

»The measure of love is what one is willing to give up for it.« Barock-phantastischer amour fou zwischen zwei Mythen im spanischen Fischerdorf Esperanza (!) zu Anfang der 1930er Jahre: Pandora Reynolds (überirdisch: Ava Gardner), atemberaubend schön, unfähig zu lieben, umschwärmte Nachtclubsängerin und Inkarnation der femme fatale, die den ihr verfallenden Männern mit zerstörerischer Freude Unglück und Verderben bringt, trifft auf Hendrick van der Zee, den legendären Fliegenden Holländer (metaphysisch: James Mason), der, nachdem er einst im Affekt seine vermeintlich untreue Gattin tötete, solange auf einem Geisterschiff über die Weltmeere kreuzen muß, bis er einer Frau begegnet, die bereit ist, ihr Leben für seine Erlösung zu geben … Writer-producer-director Albert Lewin segelt mit seinem überlebensgroßen Technicolor-Melodram allzeit hart am Wind des Kitsches und rauscht immer wieder voll unbändiger Lust mitten hinein in die schäumenden Brandungswellen des emotional-visuellen Exzesses. Jack Cardiff (der als Kameramann zuvor einige opulente Farborgien für Powell und Pressburger realisierte) taucht »Pandora and the Flying Dutchman« bevorzugt in das romantische Tiefblau amerikanischer Nächte und kreiert surreal-außerzeitliche Bildkompositionen, die an die imaginativen Visionen von Salvador Dalí oder Max Ernst erinnern. Ein schwüler Kinotraum von bedingungsloser Liebe und rettendem Tod. PS: »To understand one human soul is like trying to empty the sea with a cup.«

R Albert Lewin B Albert Lewin K Jack Cardiff M Alan Rawsthorne A John Bryan S Ralph Kemplen P Albert Lewin, Joe Kaufmann D Ava Gardner, James Mason, Nigel Patrick, Sheila Sim, Harold Warrender | UK | 122 min | 1:1,37 | f | 1. Februar 1951

28.8.46

The Killers (Robert Siodmak, 1946)

Rächer der Unterwelt

»I did something wrong … once.« In einem abgelegenen Kaff wird ein scheinbar unbescholtener Tankwart (Burt Lancaster als ›the Swede‹) von zwei sarkastischen Profikillern erschossen; seine Lebensversicherung hatte der schweigsame Fremde zugunsten einer Frau abgeschlossen, die sich der Person ihres Gönners kaum noch erinnert; ein skeptischer Assekuranzdetektiv (Edmond O’Brien) macht sich daran, die finsteren Hintergründe dieser rätselhaften Mordtat zu beleuchten … Im Laufe der komplexen Ermittlung (die aus zahlreichen Schilderungen eine fesselnd-multiperspektivische Rückblendenerzählung generiert) rollt »The Killers« nicht nur einen spektakulären Raubzug (gefilmt in einer großartigen Plansequenz) und ein niederträchtiges Gespinst von double- und triple-crossings auf – im Gewand einer artistisch-vertrackten crime story wird auch (und vor allem) ein verpfuschtes Leben geschildert, das geradezu folgerichtig in einem billigen Pensionszimmer endet. Inspiriert von einer Erzählung Ernest Hemingways, entwirft Robert Siodmak ein geschlossenes Noir-Universum, aus dem es kein Entkommen gibt: Alle Hintertüren führen auf die dunkle Straße des Verderbens. Neben Lancaster, dem intuitiv-treuherzigen Exboxer, der wegen einer gebrochenen Rechten (= einer gebrochenen Seele) auf die abschüssige Bahn gerät, schimmert die betörend-brünette Ava Gardner als verlockend-verhängnisvolle Sirene Kitty Collins in vielsagendem Schwarz: bald samten, bald aschig, sowohl (flüchtigen!) Gewinn verheißend als auch (sicheren!) Untergang bedeutend. PS: »There ain't anything to do.«

R Robert Siodmak B Anthony Veiller V Ernest Hemingway K Elwood Bredell M Miklós Rózsa A Mark Obzina, Jack Otterson S Arthur Hilton P Mark Hellinger D Burt Lancaster, Ava Gardner, Edmond O’Brien, Albert Dekker, Sam Levene | USA | 103 min | 1:1,37 | sw | 28. August 1946