Mord mit kleinen Fehlern
»Once, she was in love with me.« – »And now she’s in love with me.« Zwei Männer rivalisieren um eine Frau. Das (abwesende) Streitobjekt dient indes lediglich als Katalysator, der Aktionen und Reaktionen der (einander ebenbürtigen) Gegner provoziert. Joseph L. Mankiewicz inszeniert Anthony Shaffers wechselvolles Rollen-/Doppel-/Mörder-Spiel, das sich peu à peu von der kultivierten Konversation zum tödlichen Machtkampf entwickelt, auch als Wettstreit zweier überragender Schauspieler: Laurence Olivier, Inbegriff des britischen Gentleman, als exzentrischer Kriminalschriftsteller gegen Michael Caine, waschechter Cockney, als flotter Society-Friseur mit italienischen Wurzeln. Die ohne Milde geführte Auseinandersetzung zwischen Andrew Wyke und Milo Tindel (geborener Tindolini) impliziert zahlreiche, einander überlagernde Kontroversen: aristokratischer Konservativismus gegen selbstbewußtes Plebejertum, Besitzstandswahrung gegen Aufstiegsorientierung, Eingesessenheit gegen Zuwanderung, Künstlichkeit gegen Authentizität. Der eine sieht das Leben als Scharade, der andere kennt den Ernst des Lebens; für den einen ist Erniedrigung ein amüsanter Zeitvertreib, für den anderen alltägliche Realität … Als dritter Protagonist des konfliktären Stücks figuriert Ken Adams beziehungsreiches Bühnenbild: ein verwinkeltes Herrenhaus, vollgestopft mit Automaten, Puppen und Marionetten, ein klaustrophobisch-labyrinthisches Kabinett der Irreführung und der Hinterlist. PS: »Remember ... be sure and tell them ... it was only a bloody game.«
R Joseph L. Mankiewicz B Anthony Shaffer V Anthony Shaffer K Oswald Morris M John Addison A Ken Adam S Richard Marden P Morton Gottlieb D Laurence Olivier, Michael Caine | USA & UK | 138 min | 1:1,85 | f | 10. Dezember 1972
# 992 | 12. März 2016
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10.12.72
12.6.63
Cleopatra (Joseph L. Mankiewicz, 1963)
Cleopatra
Tage und Nächte einer Königin: nachdem sie ihren Bruder und Mitregenten mit Hilfe Cäsars (Rex Harrison) in die Wüste geschickt hat, strebt die ägyptische Pharaonin Cleopatra (Elizabeth Taylor) nach der Weltherrschaft. Dazu hängt sie sich zunächst an den liebestollen römischen Diktator, nach dessen Meucheltod an den Feldherrn Marc Anton (Richard Burton), der zwar das Schwert zu führen weiß, auf dem politischen Kampfplatz jedoch konsequent die falschen Entscheidungen trifft ... Joseph L. Mankiewicz’ vierstündiges Spektakel um Macht und Gier, Ehrgeiz und Leidenschaft offeriert Weltgeschichte als kolossale Seifenoper, als multiplen Kulissenorgasmus, als römisch-ägyptische Modenschau in DeLuxe Color und 70mm Todd-AO. Taylor, bis zum finalen Schlangenbiß variantenreich coiffiert, stets exaltiert geschminkt und in jeder Szene aufregend neu gewandet, gibt mit der Inbrust des millionenteuren Superstars das widerspenstig-ungestüme royale Vollweib: »My breasts are full of love and life. My hips are rounded and well apart.«
R Joseph L. Mankiewicz B Joseph L. Mankiewicz, Ranald MacDougall, Sidney Buchman V Plutarch, Sueton, Carlo Maria Franzero K Leon Shamroy M Alex North A John DeCuir S Dorothy Spencer P Walter Wanger D Elizabeth Taylor, Rex Harrison, Richard Burton, Hume Cronyn, Martin Landau, Roddy McDowall | USA | 248 min | 1:2,20 | f | 12. Juni 1963
# 995 | 10. April 2016
Tage und Nächte einer Königin: nachdem sie ihren Bruder und Mitregenten mit Hilfe Cäsars (Rex Harrison) in die Wüste geschickt hat, strebt die ägyptische Pharaonin Cleopatra (Elizabeth Taylor) nach der Weltherrschaft. Dazu hängt sie sich zunächst an den liebestollen römischen Diktator, nach dessen Meucheltod an den Feldherrn Marc Anton (Richard Burton), der zwar das Schwert zu führen weiß, auf dem politischen Kampfplatz jedoch konsequent die falschen Entscheidungen trifft ... Joseph L. Mankiewicz’ vierstündiges Spektakel um Macht und Gier, Ehrgeiz und Leidenschaft offeriert Weltgeschichte als kolossale Seifenoper, als multiplen Kulissenorgasmus, als römisch-ägyptische Modenschau in DeLuxe Color und 70mm Todd-AO. Taylor, bis zum finalen Schlangenbiß variantenreich coiffiert, stets exaltiert geschminkt und in jeder Szene aufregend neu gewandet, gibt mit der Inbrust des millionenteuren Superstars das widerspenstig-ungestüme royale Vollweib: »My breasts are full of love and life. My hips are rounded and well apart.«
R Joseph L. Mankiewicz B Joseph L. Mankiewicz, Ranald MacDougall, Sidney Buchman V Plutarch, Sueton, Carlo Maria Franzero K Leon Shamroy M Alex North A John DeCuir S Dorothy Spencer P Walter Wanger D Elizabeth Taylor, Rex Harrison, Richard Burton, Hume Cronyn, Martin Landau, Roddy McDowall | USA | 248 min | 1:2,20 | f | 12. Juni 1963
# 995 | 10. April 2016
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Tod
5.2.58
The Quiet American (Joseph L. Mankiewicz, 1958)
Vier Pfeifen Opium
»Sooner or later, one has to take sides.« Ein geopolitisches Melodram, angesiedelt im Saigon des Jahres 1952. Kommunistische Rebellen kämpfen gegen französische Kolonialisten. Der (ehelich gebundene) britische Auslandskorrespondent Fowler (Michael Redgrave), ein (scheinbar) kaltblütiger Beobachter des zunehmend blutigen Kriegsgeschehens, lebt im Konkubinat mit der Vietnamesin Phuong (Georgia Moll); um die junge Frau wirbt auch ein namenloser (und lediger!) amerikanischer Idealist (Audie Murphy), der die indochinesischen Verhältnisse in freiheitlich-westlichem Sinn zu bessern trachtet. Joseph L. Mankiewicz’ (sehr) freie Bearbeitung eines Romans von Graham Greene veranschaulicht den Vietnam-Konflikt anhand eines amourösen Dreiecksverhältnisses: die eine Seite (Fowler) verkörpert Indifferenz, Zynismus, Vergangenheit, die andere (der »stille« Amerikaner) steht für Gewißheit, Überzeugung, Zukunft, dazwischen bewegt sich der Spielball der Interessen (Phuong als Personifizierung des vietnamesischen Volkes). Zwar verbiegt Mankiewicz Greenes dezidiert amerikakritische Parabel in proamerikanische Gesinnungswerbung, dabei zeichnet er allerdings das faszinierende Bild eines intellektuellen Rationalisten, der von seinen hochkochenden Emotionen zu überraschend irrationalem Handeln getrieben wird.
R Joseph L. Mankiewicz B Joseph L. Mankiewicz V Graham Greene K Robert Krasker M Mario Nascimbene A Rino Mondellini S William Hornbeck P Joseph L. Mankiewicz D Michael Redgrave, Audie Murphy, Georgia Moll, Claude Dauphin, Fred Sadoff | USA | 120 min | 1:1,66 | sw | 5. Februar 1958
# 993 | 10. April 2016
»Sooner or later, one has to take sides.« Ein geopolitisches Melodram, angesiedelt im Saigon des Jahres 1952. Kommunistische Rebellen kämpfen gegen französische Kolonialisten. Der (ehelich gebundene) britische Auslandskorrespondent Fowler (Michael Redgrave), ein (scheinbar) kaltblütiger Beobachter des zunehmend blutigen Kriegsgeschehens, lebt im Konkubinat mit der Vietnamesin Phuong (Georgia Moll); um die junge Frau wirbt auch ein namenloser (und lediger!) amerikanischer Idealist (Audie Murphy), der die indochinesischen Verhältnisse in freiheitlich-westlichem Sinn zu bessern trachtet. Joseph L. Mankiewicz’ (sehr) freie Bearbeitung eines Romans von Graham Greene veranschaulicht den Vietnam-Konflikt anhand eines amourösen Dreiecksverhältnisses: die eine Seite (Fowler) verkörpert Indifferenz, Zynismus, Vergangenheit, die andere (der »stille« Amerikaner) steht für Gewißheit, Überzeugung, Zukunft, dazwischen bewegt sich der Spielball der Interessen (Phuong als Personifizierung des vietnamesischen Volkes). Zwar verbiegt Mankiewicz Greenes dezidiert amerikakritische Parabel in proamerikanische Gesinnungswerbung, dabei zeichnet er allerdings das faszinierende Bild eines intellektuellen Rationalisten, der von seinen hochkochenden Emotionen zu überraschend irrationalem Handeln getrieben wird.
R Joseph L. Mankiewicz B Joseph L. Mankiewicz V Graham Greene K Robert Krasker M Mario Nascimbene A Rino Mondellini S William Hornbeck P Joseph L. Mankiewicz D Michael Redgrave, Audie Murphy, Georgia Moll, Claude Dauphin, Fred Sadoff | USA | 120 min | 1:1,66 | sw | 5. Februar 1958
# 993 | 10. April 2016
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28.9.54
The Barefoot Contessa (Joseph L. Mankiewicz, 1954)
Die barfüßige Gräfin
»Che sarà, sarà.« Aufstieg, Ruhm und Tod der barfüßigen Tänzerin/Schauspielerin/Gräfin Maria Vargas alias Maria D’Amata (Ava Gardner) – erzählt von einem beruflich und privat angeschlagenen Regisseur (Humphrey Bogart), einem immer schwitzenden PR-Mann (Edmond O’Brien) und einem impotenten italienischen Adligen (Rosanno Brazzi). Sonstige Personen der düster-farbstarken Cinderella-Variation: ein selbstherrlicher Filmproduzent, der reichste Mann Südamerikas, ein König im Exil. Orte des Geschehens: Madrid und Rom, London und Hollywood, Monte Carlo und Rapallo; Hinterhöfe und Nachtclubs, Studios und Yachten, Casinos und ein Schloß am Meer. Die melodramatische Starbiographie beginnt dort, wo alles endet: auf dem Friedhof. Während die Titelheldin im Regen zu Grabe getragen wird, erinnern sich die männlichen Protagonisten an Stationen ihres Lebens. (Das multiperspektivische Erzählen in Flashbacks, einst von Herman J. Mankiewicz für »Citizen Kane« erfunden, machte sich dessen Bruder Joseph L. schon bei »All About Eve« erfolgreich zu eigen.) Die Handlung, halb süffige Illustriertenstory, halb tragisches Kunstmärchen, ganz aus dem Geist der Traumfabrik geboren, kontrastiert mit geschliffenen Dialogen, die Mankiewicz’ ungetrübten Blick auf eben diese Traumfabrik – ihren falschen Glanz, ihre mitleidlose Härte – verraten. »The Barefoot Contessa«, die Geschichte einer Frau, die einen Prinzen (die Liebe, das Leben) sucht und nur Männer (die nackten Tatsachen, den Tod) findet, betreibt, wenn man so will, desillusionierte Illusionsproduktion. PS: »A script would’ve made so much more sense than life does.«
R Joseph L. Mankiewicz B Joseph L. Mankiewicz K Jack Cardiff M Mario Nascimbene A Arrigo Equini S William Hornbeck P Joseph L. Mankiewicz D Humphrey Bogart, Ava Gardner, Edmond O’Brien, Rosanno Brazzi, Valentina Cortese | USA | 128 min | 1:1,37 | f | 28. September 1954
»Che sarà, sarà.« Aufstieg, Ruhm und Tod der barfüßigen Tänzerin/Schauspielerin/Gräfin Maria Vargas alias Maria D’Amata (Ava Gardner) – erzählt von einem beruflich und privat angeschlagenen Regisseur (Humphrey Bogart), einem immer schwitzenden PR-Mann (Edmond O’Brien) und einem impotenten italienischen Adligen (Rosanno Brazzi). Sonstige Personen der düster-farbstarken Cinderella-Variation: ein selbstherrlicher Filmproduzent, der reichste Mann Südamerikas, ein König im Exil. Orte des Geschehens: Madrid und Rom, London und Hollywood, Monte Carlo und Rapallo; Hinterhöfe und Nachtclubs, Studios und Yachten, Casinos und ein Schloß am Meer. Die melodramatische Starbiographie beginnt dort, wo alles endet: auf dem Friedhof. Während die Titelheldin im Regen zu Grabe getragen wird, erinnern sich die männlichen Protagonisten an Stationen ihres Lebens. (Das multiperspektivische Erzählen in Flashbacks, einst von Herman J. Mankiewicz für »Citizen Kane« erfunden, machte sich dessen Bruder Joseph L. schon bei »All About Eve« erfolgreich zu eigen.) Die Handlung, halb süffige Illustriertenstory, halb tragisches Kunstmärchen, ganz aus dem Geist der Traumfabrik geboren, kontrastiert mit geschliffenen Dialogen, die Mankiewicz’ ungetrübten Blick auf eben diese Traumfabrik – ihren falschen Glanz, ihre mitleidlose Härte – verraten. »The Barefoot Contessa«, die Geschichte einer Frau, die einen Prinzen (die Liebe, das Leben) sucht und nur Männer (die nackten Tatsachen, den Tod) findet, betreibt, wenn man so will, desillusionierte Illusionsproduktion. PS: »A script would’ve made so much more sense than life does.«
R Joseph L. Mankiewicz B Joseph L. Mankiewicz K Jack Cardiff M Mario Nascimbene A Arrigo Equini S William Hornbeck P Joseph L. Mankiewicz D Humphrey Bogart, Ava Gardner, Edmond O’Brien, Rosanno Brazzi, Valentina Cortese | USA | 128 min | 1:1,37 | f | 28. September 1954
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Rom
22.2.52
5 Fingers (Joseph L. Mankiewicz, 1952)
Der Fall Cicero
»I am a spy, obviously.« Der Spion: kein Idealist, ein Materialist. Er sieht zuvörderst sich selbst: auf der Terrasse einer Villa in Rio, gekleidet in ein weißes dinner jacket, vielleicht in Gesellschaft einer schönen Frau. Um dieses Bild Wirklichkeit werden zu lassen, ist dem Spion jedes Mittel recht: »If I've faith in the future of anything ... it is in the future of money.« Ankara, 1944: der albanische Kammerdiener des britischen Botschafters in der Türkei verscherbelt, im Verein mit der französischen Witwe eines deutschfreundlichen polnischen Grafen, streng geheime Informationen der Alliierten an die Nazis. Akzentuiert von Bernard Herrmanns treibendem Streicher-Score (eine Hitchcock-Allusion avant la lettre), gestaltet Joseph L. Mankiewicz seine (locker auf Tatsachen beruhende) Agentenstory als Mischung aus schwarzer Gesellschaftskomödie und semi-documentary crime thriller à la Henry Hathaway. Das Ende zeigt einen betrogenen Betrüger, der eine Zeitlang genießen konnte, wonach es ihn verlangte, und der die Größe hat, über das Zerplatzen seines Traums herzlich zu lachen.
R Joseph L. Mankiewicz B Michael Wilson V L. C. Moyzisch K Norbert Brodine M Bernard Herrmann A Lyle Wheeler, George W. Davis S James B. Clark P Otto Lang D James Mason, Danielle Darrieux, Oskar Karlweis, Walter Hampden, Michael Rennie | USA | 108 min | 1:1,37 | sw | 22. Februar 1952
# 994 | 10. April 2016
»I am a spy, obviously.« Der Spion: kein Idealist, ein Materialist. Er sieht zuvörderst sich selbst: auf der Terrasse einer Villa in Rio, gekleidet in ein weißes dinner jacket, vielleicht in Gesellschaft einer schönen Frau. Um dieses Bild Wirklichkeit werden zu lassen, ist dem Spion jedes Mittel recht: »If I've faith in the future of anything ... it is in the future of money.« Ankara, 1944: der albanische Kammerdiener des britischen Botschafters in der Türkei verscherbelt, im Verein mit der französischen Witwe eines deutschfreundlichen polnischen Grafen, streng geheime Informationen der Alliierten an die Nazis. Akzentuiert von Bernard Herrmanns treibendem Streicher-Score (eine Hitchcock-Allusion avant la lettre), gestaltet Joseph L. Mankiewicz seine (locker auf Tatsachen beruhende) Agentenstory als Mischung aus schwarzer Gesellschaftskomödie und semi-documentary crime thriller à la Henry Hathaway. Das Ende zeigt einen betrogenen Betrüger, der eine Zeitlang genießen konnte, wonach es ihn verlangte, und der die Größe hat, über das Zerplatzen seines Traums herzlich zu lachen.
R Joseph L. Mankiewicz B Michael Wilson V L. C. Moyzisch K Norbert Brodine M Bernard Herrmann A Lyle Wheeler, George W. Davis S James B. Clark P Otto Lang D James Mason, Danielle Darrieux, Oskar Karlweis, Walter Hampden, Michael Rennie | USA | 108 min | 1:1,37 | sw | 22. Februar 1952
# 994 | 10. April 2016
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Thriller,
Tragikomödie,
Zweiter Weltkrieg
13.10.50
All About Eve (Joseph L. Mankiewicz, 1950)
Alles über Eva
»Fasten your seat belts. It's going to be a bumpy night.« Das Leben der meisten Menschen besteht weniger aus Handeln denn aus Reden. Kaum einer tut etwas; fast alle äußern sich nur – viele gerade auch darüber, daß etwas getan werden müßte. Joseph L. Mankiewicz gehört zu jenen (wenigen) Hollywood-Regisseuren, die diesem prägenden Umstand der modernen Existenz Rechnung tragen: In beinahe jedem seiner Filme tritt er den Beweis an, daß mit der pointierten Einrichtung eines geschliffenen Dialogs großer künstlerischer Staat zu machen ist. »All About Eve«, eines der eloquentesten Leinwandwerke überhaupt, spielt (gebührenderweise) in der Welt des (New Yorker) Theaters und erzählt von der brillanten, aber alternden (und dabei außerordentlich kindischen) Diva Margo Channing (Bette Davis), welcher Konkurrenz in Gestalt der, die (noch) unangefochtene grande dame (scheinbar) bewundernden, jugendfrischen (dennoch beinharten) Nachwuchsaktrice Eve Harrington (Anne Baxter) zuwächst. Um diese explosive Konstellation gruppieren sich: eine biestig-lebenskluge Zofe (Thelma Ritter), ein ambitionierter Dramatiker (Hugh Marlowe), dessen zunehmend verdrossene Gattin (Celeste Holm), ein jungenhaft-ungestümer Regisseur (Gary Merrill) sowie ein über seine restlose Verfallenheit an die Bühne zynisch gewordener Kritikerpapst (George Sanders). Mankiewicz beschreibt (alle) seine Protagonisten mit der gnadenlosen Liebe eines allmächtigen Schöpfers und legt ihnen – das ist der Unterschied zwischen dem Kino und der wirklichen Wirklichkeit – immer den passenden, zündenden, treffenden, manchmal auch (natürlich nur im übertragenen Sinne) tödlichen Satz in den Mund.
R Joseph L. Mankiewicz B Joseph L. Mankiewicz V Mary Orr K Milton Krasner M Alfred Newman A George W. Davis, Lyle R. Wheeler S Barbara McLean P Darryl F. Zanuck D Bette Davis, Anne Baxter, George Sanders, Celeste Holm, Gary Merrill, Marilyn Monroe | USA | 138 min | 1:1,37 | sw | 13. Oktober 1950
»Fasten your seat belts. It's going to be a bumpy night.« Das Leben der meisten Menschen besteht weniger aus Handeln denn aus Reden. Kaum einer tut etwas; fast alle äußern sich nur – viele gerade auch darüber, daß etwas getan werden müßte. Joseph L. Mankiewicz gehört zu jenen (wenigen) Hollywood-Regisseuren, die diesem prägenden Umstand der modernen Existenz Rechnung tragen: In beinahe jedem seiner Filme tritt er den Beweis an, daß mit der pointierten Einrichtung eines geschliffenen Dialogs großer künstlerischer Staat zu machen ist. »All About Eve«, eines der eloquentesten Leinwandwerke überhaupt, spielt (gebührenderweise) in der Welt des (New Yorker) Theaters und erzählt von der brillanten, aber alternden (und dabei außerordentlich kindischen) Diva Margo Channing (Bette Davis), welcher Konkurrenz in Gestalt der, die (noch) unangefochtene grande dame (scheinbar) bewundernden, jugendfrischen (dennoch beinharten) Nachwuchsaktrice Eve Harrington (Anne Baxter) zuwächst. Um diese explosive Konstellation gruppieren sich: eine biestig-lebenskluge Zofe (Thelma Ritter), ein ambitionierter Dramatiker (Hugh Marlowe), dessen zunehmend verdrossene Gattin (Celeste Holm), ein jungenhaft-ungestümer Regisseur (Gary Merrill) sowie ein über seine restlose Verfallenheit an die Bühne zynisch gewordener Kritikerpapst (George Sanders). Mankiewicz beschreibt (alle) seine Protagonisten mit der gnadenlosen Liebe eines allmächtigen Schöpfers und legt ihnen – das ist der Unterschied zwischen dem Kino und der wirklichen Wirklichkeit – immer den passenden, zündenden, treffenden, manchmal auch (natürlich nur im übertragenen Sinne) tödlichen Satz in den Mund.
R Joseph L. Mankiewicz B Joseph L. Mankiewicz V Mary Orr K Milton Krasner M Alfred Newman A George W. Davis, Lyle R. Wheeler S Barbara McLean P Darryl F. Zanuck D Bette Davis, Anne Baxter, George Sanders, Celeste Holm, Gary Merrill, Marilyn Monroe | USA | 138 min | 1:1,37 | sw | 13. Oktober 1950
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Komödie,
Mankiewicz,
Monroe,
New York,
Sanders
20.1.49
A Letter to Three Wives (Joseph L. Mankiewicz, 1949)
Ein Brief an drei Frauen
»Why is it that sooner or later no matter what we talk about ... we wind up talking about Addie Ross?« Die Geschichte(n) dreier Freundinnen in einer amerikanischen Provinzstadt. Eigentlich waren sie zu viert. Doch Addie Ross ist fortgegangen. Zuvor hat sie einen Abschiedsbrief geschrieben, an Rita, Lora Mae und Deborah, einen Brief, in dem sie ihren »very dearest friends« mitteilt, sie habe, als sie die Stadt verließ, ein Andenken mitgenommen: einen ihrer Ehemänner. Welcher ist es? George, der Schullehrer, dessen Gattin Karriere als Autorin von radio soap operas machte? Porter, der wohlhabende Kaufhausbesitzer, der eine zielstrebige Angestellten heiratete? Brad, der ehemalige Navy-Offizier, der ein Mitglied der weiblichen Hilfstruppe als Ehefrau mit nach Hause nahm? Eine sonnabendliche Bootsfahrt lang haben die Empfängerinnen des Briefes Zeit nachzudenken: über ihre privaten und gesellschaftlichen Beziehungen, über Wünsche und Ängste, über die Liebe und das Leben. Die süffisante Gesellschaftskomödie, die Joseph L. Mankiewicz in drei Rückblenden entbreitet, zeigt die latente Gefährdung einer geordnet-behaglichen Welt: Das Gewohnte, das Vertraute, das sicher Geglaubte ist längst nicht so selbstverständlich, wie es scheint; die Möglichkeit des Verlustes steht immer im Raum, so unsichtbar, so beunruhigend wie die abwesende und doch allgegenwärtige Addie Ross. »I wonder if she knows how much we do talk about her, what we say and how we feel about her.« – »I know. Believe me, I do.«
R Joseph L. Mankiewicz B Joseph L. Mankiewicz, Vera Caspary V John Klempner K Arthur Miller M Alfred Newman A Lyle Wheeler, J. Russell Spencer S J. Watson Webb Jr. P Sol C. Siegel D Jeanne Craine, Ann Sothern, Linda Darnell, Kirk Douglas, Paul Douglas, Thelma Ritter | USA | 103 min | 1:1,37 | sw | 20. Januar 1949
# 991 | 12. März 2016
»Why is it that sooner or later no matter what we talk about ... we wind up talking about Addie Ross?« Die Geschichte(n) dreier Freundinnen in einer amerikanischen Provinzstadt. Eigentlich waren sie zu viert. Doch Addie Ross ist fortgegangen. Zuvor hat sie einen Abschiedsbrief geschrieben, an Rita, Lora Mae und Deborah, einen Brief, in dem sie ihren »very dearest friends« mitteilt, sie habe, als sie die Stadt verließ, ein Andenken mitgenommen: einen ihrer Ehemänner. Welcher ist es? George, der Schullehrer, dessen Gattin Karriere als Autorin von radio soap operas machte? Porter, der wohlhabende Kaufhausbesitzer, der eine zielstrebige Angestellten heiratete? Brad, der ehemalige Navy-Offizier, der ein Mitglied der weiblichen Hilfstruppe als Ehefrau mit nach Hause nahm? Eine sonnabendliche Bootsfahrt lang haben die Empfängerinnen des Briefes Zeit nachzudenken: über ihre privaten und gesellschaftlichen Beziehungen, über Wünsche und Ängste, über die Liebe und das Leben. Die süffisante Gesellschaftskomödie, die Joseph L. Mankiewicz in drei Rückblenden entbreitet, zeigt die latente Gefährdung einer geordnet-behaglichen Welt: Das Gewohnte, das Vertraute, das sicher Geglaubte ist längst nicht so selbstverständlich, wie es scheint; die Möglichkeit des Verlustes steht immer im Raum, so unsichtbar, so beunruhigend wie die abwesende und doch allgegenwärtige Addie Ross. »I wonder if she knows how much we do talk about her, what we say and how we feel about her.« – »I know. Believe me, I do.«
R Joseph L. Mankiewicz B Joseph L. Mankiewicz, Vera Caspary V John Klempner K Arthur Miller M Alfred Newman A Lyle Wheeler, J. Russell Spencer S J. Watson Webb Jr. P Sol C. Siegel D Jeanne Craine, Ann Sothern, Linda Darnell, Kirk Douglas, Paul Douglas, Thelma Ritter | USA | 103 min | 1:1,37 | sw | 20. Januar 1949
# 991 | 12. März 2016
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Komödie,
Mankiewicz,
Romanze
26.6.47
The Ghost and Mrs. Muir (Joseph L. Mankiewicz, 1947)
Ein Gespenst auf Freiersfüßen
»Was it a vision, or a waking dream?« England um die Jahrhundertwende: Eine junge Witwe erträgt die bucklige Schwiegerverwandtschaft nicht mehr und zieht – mit kleiner Tochter und patentem Hausmädchen – aus, das Leben zu lernen. Was sie findet, ist ein haunted house am Meer, ein märchenhaftes Gemäuer, in dem der Geist des vormaligen Besitzers umgeht, einen verwunschenen Ort abseits der Welt, der sofort ihr Wohlgefallen findet. Die unerschrockene Mrs. Muir (Gene Tierney) und der verewigte Captain Gregg (Rex Harrison) treten, nach einer kurzen Phase der transsphärischen Akklimatisierung (mit einigem poltergeistigem Zimmerspuk), alsbald in eine romantische Beziehung, die nicht nur auf ideeller Verbundenheit beruht (die beiden verfassen »gemeinsam« den »autobiographischen« Seefahrer-Roman »Blood and Swash«), sondern der auch eine deutlich erotische Komponente eignet: Die attraktive Lebende und ihr toter Vertrauter teilen das Schlafzimmer des idyllischen Anwesens … Joseph L. Mankiewicz verbindet mit seiner sentimentalen Komödie höchst stilvoll Elemente der phantastischen Burleske und des psychologischen Dramas: »The Ghost and Mrs. Muir« handelt vom Umgang mit Verlust und vom Ringen um Selbständigkeit, es geht um Wunschprojektionen und um Traumbilder, die sich eine Frau von einem Mann, ein Mann von einer Frau – generaliter: ein Mensch vom anderen – macht. Reizvolle Irritation erregt zudem die Besetzung: Während ein sehr irdischer, sehr vitaler Darsteller das Phantom verkörpert, wird die Rolle der Diesseitigen von der vielleicht ätherischsten Kinoschönheit ihrer Zeit beseelt. PS: »It's no crime to be alive!«
R Joseph L. Mankiewicz B Philip Dunne V R. A. Dick K Charles Lang Jr. M Bernard Herrmann A George W. Davis, Richard Day S Dorothy Spencer P Fred Kohlmar D Gene Tierney, Rex Harrison, George Sanders, Edna Best, Natalie Wood | USA | 104 min | 1:1,37 | sw | 26. Juni 1947
»Was it a vision, or a waking dream?« England um die Jahrhundertwende: Eine junge Witwe erträgt die bucklige Schwiegerverwandtschaft nicht mehr und zieht – mit kleiner Tochter und patentem Hausmädchen – aus, das Leben zu lernen. Was sie findet, ist ein haunted house am Meer, ein märchenhaftes Gemäuer, in dem der Geist des vormaligen Besitzers umgeht, einen verwunschenen Ort abseits der Welt, der sofort ihr Wohlgefallen findet. Die unerschrockene Mrs. Muir (Gene Tierney) und der verewigte Captain Gregg (Rex Harrison) treten, nach einer kurzen Phase der transsphärischen Akklimatisierung (mit einigem poltergeistigem Zimmerspuk), alsbald in eine romantische Beziehung, die nicht nur auf ideeller Verbundenheit beruht (die beiden verfassen »gemeinsam« den »autobiographischen« Seefahrer-Roman »Blood and Swash«), sondern der auch eine deutlich erotische Komponente eignet: Die attraktive Lebende und ihr toter Vertrauter teilen das Schlafzimmer des idyllischen Anwesens … Joseph L. Mankiewicz verbindet mit seiner sentimentalen Komödie höchst stilvoll Elemente der phantastischen Burleske und des psychologischen Dramas: »The Ghost and Mrs. Muir« handelt vom Umgang mit Verlust und vom Ringen um Selbständigkeit, es geht um Wunschprojektionen und um Traumbilder, die sich eine Frau von einem Mann, ein Mann von einer Frau – generaliter: ein Mensch vom anderen – macht. Reizvolle Irritation erregt zudem die Besetzung: Während ein sehr irdischer, sehr vitaler Darsteller das Phantom verkörpert, wird die Rolle der Diesseitigen von der vielleicht ätherischsten Kinoschönheit ihrer Zeit beseelt. PS: »It's no crime to be alive!«
R Joseph L. Mankiewicz B Philip Dunne V R. A. Dick K Charles Lang Jr. M Bernard Herrmann A George W. Davis, Richard Day S Dorothy Spencer P Fred Kohlmar D Gene Tierney, Rex Harrison, George Sanders, Edna Best, Natalie Wood | USA | 104 min | 1:1,37 | sw | 26. Juni 1947
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Phantastik,
Romanze,
Sanders,
Schriftsteller,
Tierney,
Tod,
Villa,
Wood
19.1.42
Woman of the Year (George Stevens, 1942)
Die Frau, von der man spricht
»Women should be kept illiterate and clean, like canaries.« Selten brillierte eine Frauenfigur auf der Leinwand so scharfsinnig, so witzig, so selbstbewußt wie Tess Harding, kaum je sah ein weiblicher Star so modern, so exklusiv, so unwiderstehlich aus wie Katharine Hepburn als »Woman of the Year« … Unglaublich, daß (und vor allem: wie herablassend) die Komödie – von George Stevens mit aller Weltläufigkeit und dem ganzen visuellen Raffinement der MGM-Studios inszeniert – dieses role model deklassiert, demontiert, denunziert: Tess, berühmte politische Kolumnistin des ›New York Chronicle‹, trifft auf Sam Craig (Spencer Tracy), einen sympathischen, bodenständigen Sportreporter desselben Blattes. Es funkt – natürlich – sofort, es vibriert und knistert, es prasselt und lodert. (Die (intellektuelle und erotische) Chemie zwischen Hepburn und Tracy ist eines der magischen Phänomene der Kinogeschichte.) Die beiden heiraten – Hals über Kopf –, und schon in der Hochzeitsnacht geht es irgendwie schief (ein europäischer Staatsmann auf der Flucht sitzt unversehens im Ehebett); in der Folge (Tess arbeitet, schreibt, denkt – Skandal! – einfach weiter) macht Sam eine sensationelle Entdeckung: »The ›Outstanding Woman of the Year‹ isn’t a woman at all.« Tess lernt die männliche Lektion, geht nach Canossa (= in die Küche), bereitet Frühstück für den Gatten. Das heißt, sie versucht es. Denn selbstverständlich erweist sie sich als unfähig, einen Kaffee zu kochen, ein Toastbrot zu toasten, eine Waffel zu backen. Die Frau, vor deren geschliffenen Worten selbst Präsidenten zittern, kann keine Eier trennen. Eine Farce. Ein Trauerspiel.
R George Stevens B Ring Lardner Jr., Michael Kanin K Joseph Ruttenberg M Franz Waxman A Cedric Gibbons S Frank Sullivan P Joseph L. Mankiewicz D Katharine Hepburn, Spencer Tracy, Fay Bainter, Minor Watson, Dan Tobin | USA | 114 min | 1:1,37 | sw | 19. Januar 1942
»Women should be kept illiterate and clean, like canaries.« Selten brillierte eine Frauenfigur auf der Leinwand so scharfsinnig, so witzig, so selbstbewußt wie Tess Harding, kaum je sah ein weiblicher Star so modern, so exklusiv, so unwiderstehlich aus wie Katharine Hepburn als »Woman of the Year« … Unglaublich, daß (und vor allem: wie herablassend) die Komödie – von George Stevens mit aller Weltläufigkeit und dem ganzen visuellen Raffinement der MGM-Studios inszeniert – dieses role model deklassiert, demontiert, denunziert: Tess, berühmte politische Kolumnistin des ›New York Chronicle‹, trifft auf Sam Craig (Spencer Tracy), einen sympathischen, bodenständigen Sportreporter desselben Blattes. Es funkt – natürlich – sofort, es vibriert und knistert, es prasselt und lodert. (Die (intellektuelle und erotische) Chemie zwischen Hepburn und Tracy ist eines der magischen Phänomene der Kinogeschichte.) Die beiden heiraten – Hals über Kopf –, und schon in der Hochzeitsnacht geht es irgendwie schief (ein europäischer Staatsmann auf der Flucht sitzt unversehens im Ehebett); in der Folge (Tess arbeitet, schreibt, denkt – Skandal! – einfach weiter) macht Sam eine sensationelle Entdeckung: »The ›Outstanding Woman of the Year‹ isn’t a woman at all.« Tess lernt die männliche Lektion, geht nach Canossa (= in die Küche), bereitet Frühstück für den Gatten. Das heißt, sie versucht es. Denn selbstverständlich erweist sie sich als unfähig, einen Kaffee zu kochen, ein Toastbrot zu toasten, eine Waffel zu backen. Die Frau, vor deren geschliffenen Worten selbst Präsidenten zittern, kann keine Eier trennen. Eine Farce. Ein Trauerspiel.
R George Stevens B Ring Lardner Jr., Michael Kanin K Joseph Ruttenberg M Franz Waxman A Cedric Gibbons S Frank Sullivan P Joseph L. Mankiewicz D Katharine Hepburn, Spencer Tracy, Fay Bainter, Minor Watson, Dan Tobin | USA | 114 min | 1:1,37 | sw | 19. Januar 1942
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26.12.40
The Philadelphia Story (George Cukor, 1940)
Die Nacht vor der Hochzeit
»The prettiest sight in this fine pretty world is the privileged class enjoying its privileges.« Die Reichen, scheint George Cukor mit dieser sophisticated comedy zu sagen, sind nicht oberflächlicher als andere Menschen, nur weil sie über viel Geld verfügen; sie leben zwar in den schöneren Häusern, haben aber, wie alle, ihre beziehungstechnischen Probleme, kennen, wie alle, die Nöte des Herzens. (Die Schlamassel der Begüterten, das unterscheidet sie von jenen der Unterprivilegierten, sehen allerdings besser aus, weil sie sich in luxuriösem Ambiente entfalten, und sie hören sich cooler an, weil die Zungen der Beteiligten vom Champagner gelöst werden.) Die göttliche Tracy Lord (Katharine Hepburn) zum Beispiel, intelligente, überlegene und prinzipientreue Tochter aus altem Ostküsten-Geldadel, sieht sich am Vorabend ihrer zweiten Hochzeit vor die Frage gestellt, ob sie ihr Lebensglück mit kühler Intelligenz, bronzehafter Überlegenheit und moralischer Prinzipientreue tatsächlich erreichen kann – oder ob ein wenig Herzensbildung ihr weiteres Schicksal vielleicht positiv zu beeinflussen vermöchte. »The Philadelphia Story«, eine romantische Farce voller hochprozentiger Dialoge und gesellschaftssatirischer Situationskomik, stellt das poor little rich girl zwischen drei Männer: den kurzweilig-schlawinerischen Exgatten (Cary Grant), den gediegen-hölzernen Self-made-Kapitalisten (John Howard), den bissig-sensiblen Schriftsteller (James Stewart) – wenn Tracy einem von ihnen (nach feucht-fröhlich-folgenschwerer Nacht) das Ja-Wort gibt, wird sich die weiße Göttin in ein menschliches Wesen verwandelt haben …
R George Cukor B David Ogden Stewart V Philip Barry K Joseph Ruttenberg M Franz Waxman A Cedric Gibbons S Frank Sullivan P Joseph L. Mankiewicz D Katharine Hepburn, Cary Grant, James Stewart, Ruth Hussey, John Howard | USA | 112 min | 1:1,37 | sw | 26. Dezember 1940
»The prettiest sight in this fine pretty world is the privileged class enjoying its privileges.« Die Reichen, scheint George Cukor mit dieser sophisticated comedy zu sagen, sind nicht oberflächlicher als andere Menschen, nur weil sie über viel Geld verfügen; sie leben zwar in den schöneren Häusern, haben aber, wie alle, ihre beziehungstechnischen Probleme, kennen, wie alle, die Nöte des Herzens. (Die Schlamassel der Begüterten, das unterscheidet sie von jenen der Unterprivilegierten, sehen allerdings besser aus, weil sie sich in luxuriösem Ambiente entfalten, und sie hören sich cooler an, weil die Zungen der Beteiligten vom Champagner gelöst werden.) Die göttliche Tracy Lord (Katharine Hepburn) zum Beispiel, intelligente, überlegene und prinzipientreue Tochter aus altem Ostküsten-Geldadel, sieht sich am Vorabend ihrer zweiten Hochzeit vor die Frage gestellt, ob sie ihr Lebensglück mit kühler Intelligenz, bronzehafter Überlegenheit und moralischer Prinzipientreue tatsächlich erreichen kann – oder ob ein wenig Herzensbildung ihr weiteres Schicksal vielleicht positiv zu beeinflussen vermöchte. »The Philadelphia Story«, eine romantische Farce voller hochprozentiger Dialoge und gesellschaftssatirischer Situationskomik, stellt das poor little rich girl zwischen drei Männer: den kurzweilig-schlawinerischen Exgatten (Cary Grant), den gediegen-hölzernen Self-made-Kapitalisten (John Howard), den bissig-sensiblen Schriftsteller (James Stewart) – wenn Tracy einem von ihnen (nach feucht-fröhlich-folgenschwerer Nacht) das Ja-Wort gibt, wird sich die weiße Göttin in ein menschliches Wesen verwandelt haben …
R George Cukor B David Ogden Stewart V Philip Barry K Joseph Ruttenberg M Franz Waxman A Cedric Gibbons S Frank Sullivan P Joseph L. Mankiewicz D Katharine Hepburn, Cary Grant, James Stewart, Ruth Hussey, John Howard | USA | 112 min | 1:1,37 | sw | 26. Dezember 1940
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