»Ich hatte neulich einen Traum, da hat das Kapital den Terrorismus erfunden, um den Staat zu zwingen, es besser zu schützen. Ist sehr komisch, nicht?« Terror als einzig verbliebenes Abenteuer, (Selbst-)Auslöschung als letztmögliche Lebensäußerung; mit anderen Worten: Furcht als Chance, Schrecken als Weg. Parole: »Die Welt als Wille und Vorstellung.« Kino als politische Seifenoper: Rainer Werner Fassbinder schickt den trüben Rest des ausgebrannten (Westberliner) Bürgertums (Baer, Carstensen, Kaufmann, Kier, Ogier, Schygulla) auf die finale Mission – aber die Revolution ist nur noch eine leere Pose, die Wahrheit ist eine nicht allzu schöne Lüge, und der Tod ist kein Wunschkonzert; will sagen: Widerstand ist lediglich eine Variable in der Gleichung, die das herrschende System (hier verkörpert von Hark Bohm und Eddie Constantine) beschreibt. PS: »Am Ende braucht man, was man früher zum Kotzen fand.«
R Rainer Werner Fassbinder B Rainer Werner Fassbinder K Rainer Werner Fassbinder M Peer Raben A Raúl Gimenez S Juliane Lorenz P Rainer Werner Fassbinder D Hanna Schygulla, Eddie Constantine, Volker Spengler, Udo Kier, Bulle Ogier | BRD | 110 min | 1:1,37 | f | 13. Mai 1979
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13.5.79
28.8.71
Warnung vor einer heiligen Nutte (Rainer Werner Fassbinder, 1971)
»Was wird denn das überhaupt für ein Film?« – »Du, das wird ein Film über Brutalität … Über was soll man denn sonst schon Filme machen?« Eine Filmequipe schlägt in einem Hotel am Meer die Zeit tot (indem – jeder gegen jeden – verbal sowie körperlich aufeinander eingedroschen wird), während finanzielle Schwierigkeiten und kreative Differenzen den Beginn der Dreharbeiten zu »Patria o muerte« (mit Eddie Constantine!) immer wieder verzögern. Rainer Werner Fassbinder wirft harte Schlaglichter auf gruppendynamische Prozesse, zeigt in Form einer satirisch-selbstreferentiellen (Wahl- und Qual-)Familienaufstellung komplementäre Abhängigkeiten und gegenseitige Ausnutzung: »Täter« und »Opfer« tauschen bei ihren Sex- und Machtspielchen immer wieder die Rollen. Doch die ständig wechselnden (von Michael Ballhaus immerhin stylisch fotografierten) Konstellationen erzeugen dumpfe Beliebigkeit, die (oft gebrüllten) Dialoge geraten zum redundanten Salbader. Im emotionalen Einerlei aus Unterwerfungsritualen und Freiheitsversprechen gleicht »Warnung vor einer heiligen Nutte« schließlich einem unaufhaltsam quellenden Brei aus gewalttätiger Sentimentalität und schmalzigem Gefühlsterror, einem filmischen Gericht ohne großen analytischen oder erzählerischen Nährwert.
R Rainer Werner Fassbinder B Rainer Werner Fassbinder K Michael Ballhaus M Peer Raben A Kurt Raab S Franz Walsch (= Rainer Werner Fassbinder ), Thea Eymèsz P Peter Berling D Lou Castel, Eddie Constantine, Hanna Schygulla, Marquard Bohm, Rainer Werner Fassbinder | BRD & I | 103 min | 1:1,37 | f | 28. August 1971
R Rainer Werner Fassbinder B Rainer Werner Fassbinder K Michael Ballhaus M Peer Raben A Kurt Raab S Franz Walsch (= Rainer Werner Fassbinder ), Thea Eymèsz P Peter Berling D Lou Castel, Eddie Constantine, Hanna Schygulla, Marquard Bohm, Rainer Werner Fassbinder | BRD & I | 103 min | 1:1,37 | f | 28. August 1971
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21.4.65
Alphaville, une étrange aventure de Lemmy Caution (Jean-Luc Godard, 1965)
Lemmy Caution gegen Alpha 60
»Il était 24:17, heure océanique, quand j'arrivais dans les faubourgs d' Alphaville …« Fürwahr ein seltsames Abenteuer, diese grobkörnig-schwarzweiße Kreuzung aus science poetry und love fiction: Lemmy Caution (legendär: Eddie Constantine), Agent der pays extérieurs, kommt, getarnt als Journalist der ›Figaro-Pravda‹ nach Alphaville – eine Stadt (= eine Welt) ohne Zeit (= ohne Vergangenheit und Zukunft) und ohne Emotionen (= ohne Liebe), die beherrscht wird von einem elektronischen Superhirn (das aussieht wie eine Glühlampe hinter einem Ventilator) –, um an diesem seelenlosen Ort, der kein ›Warum‹ kennt sondern nur ein ›Weil‹, einen verschollenen Wissenschaftler aufzuspüren. Der abgängige Professor von Braun (alias Leonard Nosferatu) wird wiedergefunden – und entpuppt sich als master mind (= Erfinder und Programmierer) des gefühlskalt-mörderischen Großrechners ›Alpha 60‹. Jean-Luc Godard entwickelt seine Dystopie unter völligem Verzicht auf special effects und futuristische Dekors, er und Kameramann Raoul Coutard siedeln die kalte Vision einer von Rationalität und Kontrolle terrorisierten Gesellschaft (einfach genial – genial einfach) in der Pariser Gegenwart an: in den Glaspalästen von La Défense und den Schaltzentralen von Kraftwerken, in einem labyrinthischen Hotel und einem Schwimmbad, das zum Hinrichtungstempel wird. Paul Misraki taucht die intergalaktische Reise ans Ende der Nacht in ein schroff-romantisches Wechselbad der musikalischen Gefühle. Lemmy mischt Alphaville (die »capitale de la douleur«) gründlich auf, indem er 1. en passant so manchen Schergen der technischen Großmacht abknallt, 2. Poesie (= irrationale Sentenzen) ins Spiel bringt, die omnipotente Maschine auf diese Art und Weise in Verwirrung (und ins Verderben) stürzt und 3. eine Frau (na klar, es gibt auch eine Frau in einem Caution-Abenteuer: Anna Karina – großäugig und ponyfransig, zerbrechlich und verführerisch) stellvertretend für alle emotional Versteinerten zu lieben lehrt: »De loin en loin, dit la haine. De proche en proche, dit l'amour.«
R Jean-Luc Godard B Jean-Luc Godard K Raoul Coutard M Paul Misraki S Agnès Guillemot P André Michelin D Eddie Constantine, Anna Karina, Akim Tamiroff, László Szabó, Howard Vernon | F & I | 99 min | 1:1,37 | sw | 21. April 1965
»Il était 24:17, heure océanique, quand j'arrivais dans les faubourgs d' Alphaville …« Fürwahr ein seltsames Abenteuer, diese grobkörnig-schwarzweiße Kreuzung aus science poetry und love fiction: Lemmy Caution (legendär: Eddie Constantine), Agent der pays extérieurs, kommt, getarnt als Journalist der ›Figaro-Pravda‹ nach Alphaville – eine Stadt (= eine Welt) ohne Zeit (= ohne Vergangenheit und Zukunft) und ohne Emotionen (= ohne Liebe), die beherrscht wird von einem elektronischen Superhirn (das aussieht wie eine Glühlampe hinter einem Ventilator) –, um an diesem seelenlosen Ort, der kein ›Warum‹ kennt sondern nur ein ›Weil‹, einen verschollenen Wissenschaftler aufzuspüren. Der abgängige Professor von Braun (alias Leonard Nosferatu) wird wiedergefunden – und entpuppt sich als master mind (= Erfinder und Programmierer) des gefühlskalt-mörderischen Großrechners ›Alpha 60‹. Jean-Luc Godard entwickelt seine Dystopie unter völligem Verzicht auf special effects und futuristische Dekors, er und Kameramann Raoul Coutard siedeln die kalte Vision einer von Rationalität und Kontrolle terrorisierten Gesellschaft (einfach genial – genial einfach) in der Pariser Gegenwart an: in den Glaspalästen von La Défense und den Schaltzentralen von Kraftwerken, in einem labyrinthischen Hotel und einem Schwimmbad, das zum Hinrichtungstempel wird. Paul Misraki taucht die intergalaktische Reise ans Ende der Nacht in ein schroff-romantisches Wechselbad der musikalischen Gefühle. Lemmy mischt Alphaville (die »capitale de la douleur«) gründlich auf, indem er 1. en passant so manchen Schergen der technischen Großmacht abknallt, 2. Poesie (= irrationale Sentenzen) ins Spiel bringt, die omnipotente Maschine auf diese Art und Weise in Verwirrung (und ins Verderben) stürzt und 3. eine Frau (na klar, es gibt auch eine Frau in einem Caution-Abenteuer: Anna Karina – großäugig und ponyfransig, zerbrechlich und verführerisch) stellvertretend für alle emotional Versteinerten zu lieben lehrt: »De loin en loin, dit la haine. De proche en proche, dit l'amour.«
R Jean-Luc Godard B Jean-Luc Godard K Raoul Coutard M Paul Misraki S Agnès Guillemot P André Michelin D Eddie Constantine, Anna Karina, Akim Tamiroff, László Szabó, Howard Vernon | F & I | 99 min | 1:1,37 | sw | 21. April 1965
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25.9.63
À toi de faire … mignonne (Bernard Borderie, 1963)
Zum Nachtisch blaue Bohnen
Ein genialer New Yorker Professor, der an der Entwicklung eines festen Treibstoffs arbeitet, wird aus seinem Laboratorium entführt. Lemmy Constantine (Eddie Caution), seinerseits stimuliert von großen Mengen flüssigen Treibstoffs, nimmt die Fährte des Verschleppten auf und reist nach Paris, wo er von diversen zwielichtigen Gestalten (darunter drei außerordentlich kratzbürstigen jungen Damen) in eine seiner üblichen Beat-’em-up-Affären verwickelt wird: Männer fliegen gegen Wände, eine Villa in die Luft, die Miezen auf Lemmy. Der unzerstörbare Lakoniker mit der gußeisernen Leber zitiert zu (fast) jedem Faustschlag (mehr oder weniger passend) Konfuzius und entlarvt das Kidnapping des Experten schlußendlich als (un-)wissenschaftliches Abzockmanöver. Bernard Borderies schlanke Inszenierung verwirrt nicht durch künstlerische Inspiration; lediglich der in einer Camembert-Käserei ausgetragene Prügel-Showdown von »À toi de faire … mignonne« läuft – als Action-Paraphrase slapstickhafter Stummfilm-Tortenschlachten – zu anarchisch-absurder Hochform auf.
R Bernard Borderie B Bernard Borderie, Marc-Gilbert Sauvajon V Peter Cheyney K Henri Persin M Paul Misraki A René Moulaert S Christian Gaudin P Raymond Borderie D Eddie Constantine, Philippe Lemaire, Gaia Germani, Christiane Minazzoli, Guy Delorme | F & I | 93 min | 1:2,35 | sw | 25. September 1963
Ein genialer New Yorker Professor, der an der Entwicklung eines festen Treibstoffs arbeitet, wird aus seinem Laboratorium entführt. Lemmy Constantine (Eddie Caution), seinerseits stimuliert von großen Mengen flüssigen Treibstoffs, nimmt die Fährte des Verschleppten auf und reist nach Paris, wo er von diversen zwielichtigen Gestalten (darunter drei außerordentlich kratzbürstigen jungen Damen) in eine seiner üblichen Beat-’em-up-Affären verwickelt wird: Männer fliegen gegen Wände, eine Villa in die Luft, die Miezen auf Lemmy. Der unzerstörbare Lakoniker mit der gußeisernen Leber zitiert zu (fast) jedem Faustschlag (mehr oder weniger passend) Konfuzius und entlarvt das Kidnapping des Experten schlußendlich als (un-)wissenschaftliches Abzockmanöver. Bernard Borderies schlanke Inszenierung verwirrt nicht durch künstlerische Inspiration; lediglich der in einer Camembert-Käserei ausgetragene Prügel-Showdown von »À toi de faire … mignonne« läuft – als Action-Paraphrase slapstickhafter Stummfilm-Tortenschlachten – zu anarchisch-absurder Hochform auf.
R Bernard Borderie B Bernard Borderie, Marc-Gilbert Sauvajon V Peter Cheyney K Henri Persin M Paul Misraki A René Moulaert S Christian Gaudin P Raymond Borderie D Eddie Constantine, Philippe Lemaire, Gaia Germani, Christiane Minazzoli, Guy Delorme | F & I | 93 min | 1:2,35 | sw | 25. September 1963
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21.3.62
Lemmy pour les dames (Bernard Borderie, 1962)
Das ist nichts für kleine Mädchen
Lemmy C. (= Eddie C. = Lemmy C.) macht Ferien an der mondänen Côte d’Azur – und findet doch nicht die wohlverdiente Ruhe: Zuerst verfolgt von einer Horde wildgewordener Autogrammjägerinnen (jeden Alters), sieht sich der forsche Pop-Agent sodann mit dem Tod einer reizenden jungen Dame der besseren Gesellschaft konfrontiert, die ein (einstweilen namenloses) dunkles Geheimnis mit ins Jenseits nimmt. Lemmys (süffig-genüßliche) Ermittlungen führen auf die Terrasse einer repräsentablen High-Society-Villa, wo der Whisky- und Weiberheld unter den drei (stets leichtbekleideten) »besten« Freundinnen der Verstorbenen schließlich eine abgefeimte Intrige um Mord, Erpressung und Spionage aufdeckt sowie (selbstredend) die Identität der (sexy) Ränkeschmiedin enthüllt … Von Clouzot-Kameramann Armand Thirard an attraktiven Originalschauplätzen in großzügigem Franscope fotografiert, ergeht sich »Lemmy pour les dames«, nach einer charmant-selbstironischen Ouvertüre, fast durchweg in dösiger Urlaubsstimmung, aus sich der smarte Protagonist leider nur sehr gelegentlich erhebt, um die Fäuste sprechen zu lassen oder kesse Katzen zu kraulen – ein eindimensionales Abenteuer nach Schema L.
R Bernard Borderie B Bernard Borderie, Marc-Gilbert Sauvajon V Peter Cheyney K Armand Thirard M Paul Misraki A Rino Mondellini S Christian Gaudin P Raymond Borderie D Eddie Constantine, Françoise Brion, Claudine Coster, Eliane D’Almeida, Yvonne Monlaur | F | 97 min | 1:2,35 | sw | 21. März 1962
Lemmy C. (= Eddie C. = Lemmy C.) macht Ferien an der mondänen Côte d’Azur – und findet doch nicht die wohlverdiente Ruhe: Zuerst verfolgt von einer Horde wildgewordener Autogrammjägerinnen (jeden Alters), sieht sich der forsche Pop-Agent sodann mit dem Tod einer reizenden jungen Dame der besseren Gesellschaft konfrontiert, die ein (einstweilen namenloses) dunkles Geheimnis mit ins Jenseits nimmt. Lemmys (süffig-genüßliche) Ermittlungen führen auf die Terrasse einer repräsentablen High-Society-Villa, wo der Whisky- und Weiberheld unter den drei (stets leichtbekleideten) »besten« Freundinnen der Verstorbenen schließlich eine abgefeimte Intrige um Mord, Erpressung und Spionage aufdeckt sowie (selbstredend) die Identität der (sexy) Ränkeschmiedin enthüllt … Von Clouzot-Kameramann Armand Thirard an attraktiven Originalschauplätzen in großzügigem Franscope fotografiert, ergeht sich »Lemmy pour les dames«, nach einer charmant-selbstironischen Ouvertüre, fast durchweg in dösiger Urlaubsstimmung, aus sich der smarte Protagonist leider nur sehr gelegentlich erhebt, um die Fäuste sprechen zu lassen oder kesse Katzen zu kraulen – ein eindimensionales Abenteuer nach Schema L.
R Bernard Borderie B Bernard Borderie, Marc-Gilbert Sauvajon V Peter Cheyney K Armand Thirard M Paul Misraki A Rino Mondellini S Christian Gaudin P Raymond Borderie D Eddie Constantine, Françoise Brion, Claudine Coster, Eliane D’Almeida, Yvonne Monlaur | F | 97 min | 1:2,35 | sw | 21. März 1962
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21.9.60
Comment qu’elle est (Bernard Borderie, 1960)
Eddie geht aufs Ganze
»Pour un agent secret il vous trouve un peu … bruyant.« Auftakt an der place Pigalle: Lemmy Caution (wie immer: Eddie Constantine) mischt (wie immer: feixend) das Personal eines (wie immer: zweitklassigen) Bumslokals auf; sein guter Grund: Er bestellte Whisky und bekam Champagner. Solchermaßen eingestimmt verfolgt der FBI-Agent die Spur des ominösen Spions und Nachrichtenhändlers Varlay. Leere Flaschen und zerbeulte Nasen pflastern Lemmys Weg durch schummrige Pariser Nachtbars (mit verlockenden Namen wie ›Chat Botté‹ oder ›Pomme d’Amour‹) und deren schalldichte Hinterzimmer, durch stille Vorortvillen, in denen der schnelle Tod lauert, bis in eine Galerie für abstrakte Malerei, wo der eher am Figurativen (insbesondere an der von Françoise Prévost verkörperten Kunsthändlerin) interessierte Ermittler schließlich (mit Hilfe des Dichters Rimbaud) das große Geheimnis dechiffriert: »A noir, E blanc, I rouge, U vert, O bleu: voyelles …« Den doppelgesichtigen Schurken zur Strecke zu bringen, ist anschließend reine Form- und Faustsache. Bernard Borderie serviert das x-te Abenteuer des stereotypen Serienhelden mit jenem erquicklichen Mangel an Seriosität, der Lemmy (= Eddie) so (umwerfend) liebenswert macht.
R Bernard Borderie B Bernard Borderie, Marc-Gilbert Sauvajon V Peter Cheney K Robert Juillard M Paul Misraki A René Moulaert S Christian Gaudin P Raymond Borderie, Charles Borderie D Eddie Constantin, Françoise Brion, Alfred Adam, Renaud Mary, Françoise Prévost | F | 91 min | 1:1,66 | sw | 21. September 1960
»Pour un agent secret il vous trouve un peu … bruyant.« Auftakt an der place Pigalle: Lemmy Caution (wie immer: Eddie Constantine) mischt (wie immer: feixend) das Personal eines (wie immer: zweitklassigen) Bumslokals auf; sein guter Grund: Er bestellte Whisky und bekam Champagner. Solchermaßen eingestimmt verfolgt der FBI-Agent die Spur des ominösen Spions und Nachrichtenhändlers Varlay. Leere Flaschen und zerbeulte Nasen pflastern Lemmys Weg durch schummrige Pariser Nachtbars (mit verlockenden Namen wie ›Chat Botté‹ oder ›Pomme d’Amour‹) und deren schalldichte Hinterzimmer, durch stille Vorortvillen, in denen der schnelle Tod lauert, bis in eine Galerie für abstrakte Malerei, wo der eher am Figurativen (insbesondere an der von Françoise Prévost verkörperten Kunsthändlerin) interessierte Ermittler schließlich (mit Hilfe des Dichters Rimbaud) das große Geheimnis dechiffriert: »A noir, E blanc, I rouge, U vert, O bleu: voyelles …« Den doppelgesichtigen Schurken zur Strecke zu bringen, ist anschließend reine Form- und Faustsache. Bernard Borderie serviert das x-te Abenteuer des stereotypen Serienhelden mit jenem erquicklichen Mangel an Seriosität, der Lemmy (= Eddie) so (umwerfend) liebenswert macht.
R Bernard Borderie B Bernard Borderie, Marc-Gilbert Sauvajon V Peter Cheney K Robert Juillard M Paul Misraki A René Moulaert S Christian Gaudin P Raymond Borderie, Charles Borderie D Eddie Constantin, Françoise Brion, Alfred Adam, Renaud Mary, Françoise Prévost | F | 91 min | 1:1,66 | sw | 21. September 1960
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5.5.54
Les femmes s’en balancent (Bernard Borderie, 1954)
Serenade für zwei Pistolen
Lemmy Caution ermittelt gewohnt salopp in einem Fall, der sowohl Geldfälschung als auch den (vermeintlichen) Selbstmord des Blütendruckers umfaßt; im Mittelpunkt von Lemmys investigativem (und libidinösem) Interesse stehen Ehefrau (Nadia Gray) und Geliebte (Dominique Wilms) des toten (?) Verbrechers. Schauplatz der kuddelmuddeligen Handlung ist die Pontinische Ebene bei Rom, ein unwirtliches Ödland, das an die kargen Szenerien Becketts erinnert und jene geisterhaften Zonen antizipiert, durch die Michelangelo Antonioni seine unbehausten Gestalten streifen lassen wird. Der G-Man kreuzt in seinem voluminösen Amischlitten durch diese tristen Gefilde – von antikisierenden Nachtlokalen (mit Spielhölle im ersten Stock) zu den hypermodernen Villen der nouveaux riches – wie ein kühner Seefahrer durch das gefahrvolle Meer. Eddie ›Pigez?‹ Constantine stellt mit seiner grinsend-abstrakten Interpretation des amerikanischen Hau-drauf-Ermittlers die karikierende Rollendistanz über (oder neben) die identifikatorische Einfühlung und schafft – begleitet vom nervösen Schlagzeug und der schrillen Trompete des jazzig-atonalen Soundtracks von Paul Misraki – so etwas wie knallharte Brechtsche Verfremdung in einem weichbirnigen Pulp-Universum.
R Bernard Borderie B Bernard Borderie, Jacques Vilfrid V Peter Cheney K Jacques Lemare M Paul Misraki A René Moulaert S Jean Feyte P Raymond Borderie, Robert Bossis D Eddie Constantine, Nadia Gray, Dominique Wilms, Jacques Castelot, Nicolas Vogel | F | 109 min | 1:1,37 | sw | 5. Mai 1954
Lemmy Caution ermittelt gewohnt salopp in einem Fall, der sowohl Geldfälschung als auch den (vermeintlichen) Selbstmord des Blütendruckers umfaßt; im Mittelpunkt von Lemmys investigativem (und libidinösem) Interesse stehen Ehefrau (Nadia Gray) und Geliebte (Dominique Wilms) des toten (?) Verbrechers. Schauplatz der kuddelmuddeligen Handlung ist die Pontinische Ebene bei Rom, ein unwirtliches Ödland, das an die kargen Szenerien Becketts erinnert und jene geisterhaften Zonen antizipiert, durch die Michelangelo Antonioni seine unbehausten Gestalten streifen lassen wird. Der G-Man kreuzt in seinem voluminösen Amischlitten durch diese tristen Gefilde – von antikisierenden Nachtlokalen (mit Spielhölle im ersten Stock) zu den hypermodernen Villen der nouveaux riches – wie ein kühner Seefahrer durch das gefahrvolle Meer. Eddie ›Pigez?‹ Constantine stellt mit seiner grinsend-abstrakten Interpretation des amerikanischen Hau-drauf-Ermittlers die karikierende Rollendistanz über (oder neben) die identifikatorische Einfühlung und schafft – begleitet vom nervösen Schlagzeug und der schrillen Trompete des jazzig-atonalen Soundtracks von Paul Misraki – so etwas wie knallharte Brechtsche Verfremdung in einem weichbirnigen Pulp-Universum.
R Bernard Borderie B Bernard Borderie, Jacques Vilfrid V Peter Cheney K Jacques Lemare M Paul Misraki A René Moulaert S Jean Feyte P Raymond Borderie, Robert Bossis D Eddie Constantine, Nadia Gray, Dominique Wilms, Jacques Castelot, Nicolas Vogel | F | 109 min | 1:1,37 | sw | 5. Mai 1954
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27.5.53
La môme vert-de-gris (Bernard Borderie, 1953)
Im Banne des blonden Satans
FBI-Agent Lemmy Caution (echsenhaft: Eddie Constantine) schlägt sich durch eine augenzwinkernd-whiskygeschwängerte crime story, die aus den Nachtclubs von Casablanca über das offene Meer und die marokkanische Wüste bis in die Medina von Tanger führt: Eine raffgierige Bande unter Führung des skrupellos-verschlagenen Edelschurken Rudy Saltierra (sinister: Howard Vernon) plant und unternimmt den (nebenbei mörderischen) Raub von US-amerikanischem Gold im Wert von zwei Millionen Dollar. Rudys Geliebte, die kurvenreiche Barsängerin Carlotta de la Rue, genannt ›la môme vert-de-gris‹ (transvestitig: Dominique Wilms), erliegt Lemmys pockennarbigem Charme und kommt dem G-Man in entscheidenden Augenblicken erbötig zu Hilfe. Liebenswürdiger Chauvinismus und marionettenhafte Faustkämpfe, halbtrockene Sprücheklopferei und hölzerne Regiekunst (Bernard Borderie) verbinden sich recht vergnüglich zum naiv-parodistischen B-Movie à la française.
R Bernard Borderie B Jacques Berland, Bernard Borderie V Peter Cheney K Jacques Lemare M Guy Lafarge A René Moulaert S Jean Feyte P Raymond Borderie D Eddie Constantine, Dominique Wilms, Howard Vernon, Jean-Marc Tennberg, Darío Moreno | F | 97 min | 1:1,37 | sw | 27. Mai 1953
FBI-Agent Lemmy Caution (echsenhaft: Eddie Constantine) schlägt sich durch eine augenzwinkernd-whiskygeschwängerte crime story, die aus den Nachtclubs von Casablanca über das offene Meer und die marokkanische Wüste bis in die Medina von Tanger führt: Eine raffgierige Bande unter Führung des skrupellos-verschlagenen Edelschurken Rudy Saltierra (sinister: Howard Vernon) plant und unternimmt den (nebenbei mörderischen) Raub von US-amerikanischem Gold im Wert von zwei Millionen Dollar. Rudys Geliebte, die kurvenreiche Barsängerin Carlotta de la Rue, genannt ›la môme vert-de-gris‹ (transvestitig: Dominique Wilms), erliegt Lemmys pockennarbigem Charme und kommt dem G-Man in entscheidenden Augenblicken erbötig zu Hilfe. Liebenswürdiger Chauvinismus und marionettenhafte Faustkämpfe, halbtrockene Sprücheklopferei und hölzerne Regiekunst (Bernard Borderie) verbinden sich recht vergnüglich zum naiv-parodistischen B-Movie à la française.
R Bernard Borderie B Jacques Berland, Bernard Borderie V Peter Cheney K Jacques Lemare M Guy Lafarge A René Moulaert S Jean Feyte P Raymond Borderie D Eddie Constantine, Dominique Wilms, Howard Vernon, Jean-Marc Tennberg, Darío Moreno | F | 97 min | 1:1,37 | sw | 27. Mai 1953
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