14.11.52

Les belles de nuit (René Clair, 1952)

Die Schönen der Nacht

»Au bord de l’ombre, / au fond des songes, / c’est mon souvenir que tu suis: / au bout du monde, / au creux des nuits.« Claude, ein sensibler junger Komponist (Gérard Philipe) – frustriert ob seiner beständigen Erfolglosigkeit und entnervt vom allgegenwärtigen Lärm des modernen Lebens (Motoren, Hupen, Preßlufthämmer, Flugzeuge, Kinder) –, träumt sich in die (vermeintliche) Hochstimmung und den (falschen) Frieden der (sogenannten) guten alten Zeit hinein. Da aber jede »gute alte Zeit« ihre eigene »gute alte Zeit« hat, fällt er, von Morpheus umarmt, immer tiefer in den Abgrund der Epochen – vom tristen Jetzt der Nachkriegsjahre in die opulente Belle Epoque in die koloniale Euphorie der Julimonarchie in den Befreiungsfuror der französischen Revolution in die chevalereske Ära der Musketiere und im Strudel der Geschichte weiter, weiter, bis hinab in die rohe Steinzeit… René Clair, der in der 1920er Jahren mit den Surrealisten gefrühstückt hat, extrapoliert aus der verdrießlichen Gegenwart seines Protagonisten ein hochmusikalisches, beschwingt zwischen den Äonen tanzendes Nachtstück von künstlerischem Erfolg und emotionaler Verzückung (verkörpert unter anderem von Gina Lollobrigida und Martine Carol), dessen hoffnungsfrohe Operettenhaftigkeit freilich schon bald in bedrohliche Alptraumvisionen (von schwirrenden Krummsäbeln, blanken Fallbeilen und schweren Keulen) umschlägt – denn merke: Wahres Glück ist nicht im Schlaf sondern nur, wachen Geistes und sehenden Auges, im Hier und Heute zu haben (in diesem (schönen) Fall mit der Tochter des scheppernden Automechanikers).

R René Clair B René Clair, Pierre Barillet, Jean-Pierre Grédy K Armand Thirard M Georges Van Parys A Léon Barsacq S Louisette Hautecœur P René Clair, Angelo Rizzoli D Gérard Philipe, Martine Carol, Gina Lollobrigida, Magali Vendeuil, Raymond Bussières | F & I | 87 min | 1:1,37 | sw | 14. November 1952

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