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10.3.72

Leichensache Zernik (Helmut Nitzschke, 1972)

Fast scheint es so, als mache sich der Serienmörder das aus der Teilung des zerstörten Berlin erwachsende Bürokratie-Chaos bewußt zunutze: Zwischen sowjetischem, amerikanischem, englischem und französischem Sektor unerkannt und tödlich hin- und herwechselnd, sucht und findet der grausam-raffinierte Täter seine weiblichen Opfer – passend zur wirtschaftlich äußerst mageren Lage der unmittelbaren Nachkriegszeit steht ihm der Sinn nicht nach Befriedigung sexueller Obsessionen, sondern nach profitabler Erschließung pekuniärer Quellen… In protokollartig-strengem Erzählduktus breitet Helmut Nitzschke (basierend auf historischen Tatsachen sowie einem Projekt des frühverstorbenen Gerhard Klein) einen kuriosen Kriminal- und Ermittlungsfall aus – und richtet dabei ein höhnisches Schlaglicht auf den politischen Surrealismus der leidvoll geteilten deutsch-deutschen Geschichte.

R Helmut Nitzschke B Helmut Nitzschke, Gerhard Klein, Joachim, Plötner, Wolfgang Kohlhaase K Claus Neumann M Hans-Dieter Hosalla A Georg Kranz S Evelyn Thieme P Horst Dau D Alexander Lang, Gert Gütschow, Kurt Böwe, Hans Hardt-Hardtloff, Annemone Haase | DDR | 100 min | 1: 1,37 | sw | 10. März 1972

30.8.63

Sonntagsfahrer (Gerhard Klein, 1963)

Der Mauerbau war an und für sich keine lustige Sache. Nach dem alten Schillerwort »Ernst ist das Leben, heiter die Kunst« unternimmt die ostzonale Defa zwei Jahre nach Errichtung des antifaschistischen Schutzwalls dennoch eine affirmativ-satirische Annährung an das heikle Thema: Acht Personen machen sich am 12. August 1961 zwecks Republikflucht auf den Weg von Leipzig nach Berlin – ein wortheldenhafter Innenarchitekt (und ehemaliger Wehrmachtsoffizier), ein gemütlicher Frisör, ein nachdenklicher Arzt, ein (eingebildet) herzkranker Wissenschaftler, nebst dazugehörigen bornierten Ehefrauen und kritischem Nachwuchs (ein junger Mann und eine junge Frau – wie passend). Die Fahrt erweist sich als abenteuerlich (für die Flüchtlingsgesellschaft) und lehrreich (fürs Publikum): Kühler kochen, Achsen brechen, Panzer rollen und (Charakter-)Masken fallen … So zusammengewürfelt wie die Reisegruppe, so divergent sind die von Regisseur Gerhard Klein und seinen Autoren bemühten gestalterischen Mittel – das Repertoire reicht von feinem Dialogwitz bis zum plumpen Kalauer, von stramm politischem Kabarett bis zum subtilen sittenkomödiantischen Spott, von billigen Namenswitzen (Spiessack, Denker, Rosentreter) bis zum didaktischen Aufsager. Am Ende von »Sonntagsfahrer« steht die Mauer, ist der Frieden gesichert, suchen die jungen Leute, die sowieso nicht mitwollten auf die andere Seite der Geschichte, ihr Heil lachend im Sozialismus – und auch den Alten (den Verbohrten, den Unbefriedigten, den Ewiggestrigen) bleibt nichts anderes übrig, als zu bleiben und sich (vielleicht) vom real-existierenden Glück überzeugen zu lassen.

R Gerhard Klein B Wolfgang Kohlhaase, Karl Georg Egel K Helmut Bergmann M Wilhelm Neef A Paul Lehmann S Evelyn Carow P Bernhard Gelbe D Harald Halgardt, Herwart Grosse, Angelika Domroese, Gerrd Ehlers, Irene Korb | DDR | 87 min | 1:1,37 | sw | 30. August 1963

24.8.61

Der Fall Gleiwitz (Gerhard Klein, 1961)

Knochentrockene Chronik eines Kriegsausbruchs. Geometrische Stilübung über Befehl und Gehorsam.  Parteiliche Geschichtsstunde aus Babelsberg. Der fingierte Überfall auf den Sender Gleiwitz, Vorwand für den deutschen Überfall auf Polen im Jahr 1939, wird von Gerhard Klein als eiskaltes politisch-militärisches Lehrstück inszeniert. Das Drehbuch konzentriert die Abläufe radikal auf das Wesentliche. Die Musik (Kurt Schwaen) mischt eindringlich Dessau und Herrmann. Jedes Bild eine Grafik. Jeder Schnitt sitzt. Alle Schauspieler reflektiert: Herwart Grosse als Machthaber, Hannjo Hasse als Saboteur, Hilmar Thate als Menschenopfer. Kurz und gut. Ein Klassiker.

R Gerhard Klein B Wolfgang Kohlhaase, Günther Rücker K Jan Curík M Kurt Schwaen A Gerhard Helwig S Evelyn Carow P Erich Albrecht D Hannjo Hasse, Herwart Grosse, Hilmar Thate, Rolf Ludwig, Günter Naumann | DDR | 70 min | 1:1,37 | sw | 24. August 1961

30.8.57

Berlin – Ecke Schönhauser (Gerhard Klein, 1957)

»Wenn ich an der Ecke stehe, bin ich halbstark, wenn ich Boogie tanze, bin ich amerikanisch, und wenn ich das Hemd über der Hose trage, ist es politisch falsch.« Generationsstreit im Schatten von Nachkrieg und Ost-West-Konflikt: Die Alten haben viel zu viel damit zu tun, die Trümmer ihrer Stadt (und ihres Lebens) beiseitezuschaffen (oder unter den Teppich zu kehren), als daß ihnen noch Energie bliebe, sich ernsthaft mit dem Nachwuchs auseinanderzusetzen. Es gibt nur barsche Worte, Vorwürfe, Schläge, und so zieht es Dieter (Brecht-Schwiegersohn Ekkehard Schall), Karl-Heinz, Kohle und Angela aus der Enge, der Bigotterie, der Gewalt der elterlichen Wohnungen geradezu zwangsläufig hinaus auf die Straße – die freilich nicht nur einen Freiraum öffnet, sondern auch ins Verderben führen kann ... Gerhard Klein und Wolfgang Kohlhaase bieten mit ihrer gefühlsechten Milieustudie vom Prenzlauer Berg gleichermaßen poetischen Rinnstein-Realismus und plakative ideologische Schwarzweiß-Malerei: Während im Westberliner Flüchtlingslager die Fäuste sprechen, zeigt sich der Vopo-Kommissar (Raimund Schelcher) als gute Seele vom Dienst, der – bei allem Verständnis für jugendlichen Übermut – Gut (= Ost) von Böse (= West) klar zu scheiden weiß: »Wo wir nicht sind, sind unsere Feinde.«

R Gerhard Klein B Wolfgang Kohlhaase K Wolf Göthe M Günter Klück A Oskar Pietsch S Evelyn Carow P Erich Albrecht D Ekkehard Schall, Ilse Pagé, Harry Engel, Ernst-Georg Schwill, Raimund Schelcher | DDR | 81 min | 1:1,37 | sw | 30. August 1957

17.5.56

Eine Berliner Romanze (Gerhard Klein, 1956)

Eine kleine Geschichte: Junge trifft Mädchen; zuerst kann sie ihn nicht leiden; er läßt nicht locker; sie erliegt seinem forschen Charme. Eine kleine Geschichte, aber sie spielt in einer politisch geteilten Stadt. Berlin, Mitte der 1950er Jahre: Hans (Ulrich Thein) wohnt im Westen, hat keinen Job doch große Pläne im Kopf; Christel (Annekathrin Bürger) wohnt im Osten, lernt Verkäuferin im HO-Bekleidungshaus am Alex, wäre aber lieber Mannequin am Kudamm ... Nach ihrer ersten Zusammenarbeit, dem Jugendkrimi »Alarm im Zirkus«, setzen Regisseur Gerhard Klein und Autor Wolfgang Kohlhaase die Reihe ihrer neorealistisch inspirierten Berlin-Filme mit einer unprätentiösen Romanze fort: lebensnahe Szenen, stimmungsvoll fotografiert, an alltäglichen Schauplätzen, auf Höfen und in Hausfluren, in der Boxarena und im Kino, auf dem Rummelplatz und am Spreeufer. Die besonderen Lebensumstände werden ohne ideologischen Schaum vorm Mund geschildert, wenn auch der Standpunkt der Betrachtung eindeutig ist: drüben Existenzsorgen und falsche Verlockung, hüben Chancen und solidarische Gemeinschaft. Während die abgehärmte Westmutter nur schimpft und zetert, haben die streng-gerechten Osteltern (Erika Dunkelman und Erich Franz – die idealproletarischen Defa-Eheleute) außer gutgemeinten Vorwürfen auch herzliches Verständnis zu bieten. Keine Frage also, wohin der Weg des jungen Paares führen wird: »Miteinander werden sie ihren Platz finden, Uschi und Hans, mitten in unserem Leben, in dem es Arbeit gibt, Kämpfe und Liebe.«

R Gerhard Klein B Wolfgang Kohlhaase K Wolf Göthe M Günter Klück A Karl Schneider S Ursula Kahlbaum P Hans-Joachim Schoeppe D Annekathrin Bürger, Ulrich Thein, Erika Dunkelmann, Erich Franz, Marga Legal | DDR | 80 min | 1:1,37 | sw | 17. Mai 1956

# 1050 | 16. Mai 2017

27.8.54

Alarm im Zirkus (Gerhard Klein, 1954)

Ost-westliche Räuberpistole mit viel neorealistisch inspiriertem Berlin-Grau und noch mehr Werbung (vulgo: Propaganda) für die roten Sieger der Geschichte. Klaus und Max, zwei Jungs aus einfachen Verhältnissen, leben im amerikanischen Sektor und träumen vom Erfolg im Boxring – welche andere Zukunft böte der Kapitalismus seinen verlorenen Kindern? Die beiden werden in die üblen Machenschaften von Herrn Klott (Erwin Geschonneck) verwickelt, der nicht nur Klaus’ kleine, vaterlose Familie wegen Mietrückstands aus der düsteren Hinterhofwohnung setzen will, sondern auch einen gemeinen Pferdediebstahl plant: Stolze sozialistische Zirkusrösser sollen über die Grenze in eine Wildwest-Cowboy-Show verschleppt werden! Der Kalte Krieg hat die Stadt und den Film fest im Griff – dennoch setzen Gerhard Klein (Regie) und Wolfgang Kohlhaase (Buch) ihre intime Milljöh-Kenntnis und ihre tiefe Liebe zum (geteilten) Ort des Geschehens in lebendige Detailskizzen um. PS: Das Gute siegt nach Verfolgungsjagd über nachtglänzendes Pflaster und Schußwechsel in dramatisch beleuchteten Ruinen – um den jugendlichen Helden das Versprechen auf ein glückliches Morgen zu geben.

R Gerhard Klein B Wolfgang Kohlhaase, Hans Kubisch K Werner Bergmann M Günter Klück A Willy Schiller S Ursula Kahlbaum P Paul Ramacher D Hans Winter, Ernst-Georg Schwill, Erwin Geschonneck, Uwe-Jens Pape, Ulrich Thein | DDR | 83 min | 1:1,37 | sw | 27. August 1954