Das Privatleben des Sherlock Holmes
»We all have occasional failures.« Eine hilfsbedürftige Dame und ein weltberühmtes Ungeheuer, die sich jeweils als etwas völlig anderes erweisen, dazu sechs verschwundene Zwerge und eine Gruppe mysteriöser Trappisten, außerdem eine fortpflanzungswillige Primaballerina und eine sehr kleine Königin ... Mit sanfter Ironie und besinnlicher Romantik bereiten Billy Wilder und I. A. L. Diamond ein episch-stilvolles Sherlock-Holmes-Pastiche, das die – von Arthur Conan Doyle eher ausgesparten – Gefühlswelten des legendären, zu Anfällen von Schwermut neigenden Londoner Detektivs (empfindsam: Robert Stephens) ausforscht. Fünfzig Jahre nach dem Tod von Dr. Watson (robust: Colin Blakely) werden, so die Prämisse des Films, in einem Banksafe nicht nur Holmes’ Deerstalker und Pfeife gefunden, sondern auch die Aufzeichnungen zu einigen pikanten Abenteuern, die der treue Eckermann des kombinatorisches Genies mit gutem Grund unter Verschluß gehalten hat. Wilder, in diesem Fall seines ätzenden Spottes vollkommen abhold, ergeht sich in ausführlicher Figurenzeichnung und viktorianischer Stimmungsmalerei, ohne der in diesem Genre üblichen Spannungsentwicklung besondere Aufmerksamkeit zu schenken.
R Billy Wilder B Billy Wilder, I. A. L. Diamond V Arthur Conan Doyle K Christopher Challis M Miklós Rózsa A Alexandre Trauner S Ernest Walter P Billy Wilder D Robert Stephens, Colin Blakely, Genieviève Page, Christopher Lee, Tamara Toumanova | UK & USA | 125 min | 1:2,35 | f | 29. Oktober 1970
# 1101 | 1. März 2018
Posts mit dem Label Schottland werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Schottland werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
29.10.70
6.6.67
Das Rasthaus der grausamen Puppen (Rolf Olsen, 1967)
Daß Schmutz-und-Schund-Maestro Rolf Olsen seine Zuchthäuslerinnen-auf-der-Flucht-Ballade in Schottland ansiedelt und nicht dort, wo der Streifen gedreht wurde (in Triest und trister Umgebung), mag dem konstanten Erfolg bundesdeutscher Leinwand-Anglizismen geschuldet sein – der chauvinistische Trivialkosmos der wüsten Erzählung ist allemal zeitlos, ortlos, herzlos: So spart die knallige Blei-und-Busen-Geschichte der vom Geliebten (Erik Schumann als selten dämlicher Ganove Bob Fishman) schmählich im Stich gelassenen, von der Staatsgewalt (Ellen Schwiers als notgeile Gefängnisdirektorin Francis Nipple) emotional verhärteten Ausbrecherin Betty Williams (Schweden-Beauty Essy Persson), die am Ende ihres leichengepflasterten Weges konsequenterweise in die eigene Grube fährt, weder mit krokodilstränenseligem Wer-einmal-aus-dem-Blechnapf-frißt-Voyeurismus noch mit zeigefingerfertiger Unrecht-Gut-gedeihet-nicht-Moral. Zielstrebige Frauenpower kann bei dieser (unverblümt sensationslüsternen) Betrachtungsweise natürlich nur als psychische Störung begriffen werden.
R Rolf Olsen B Rolf Olsen K Karl Löb M Erwin Halletz A Nino Borghi S Lilo Krüger P Karl Spiehs D Essy Persson, Erik Schumann, Helga Anders, Margot Trooger, Ellen Schwiers | BRD & I | 96 min | 1:1,66 | sw | 6. Juni 1967
# 1134 | 21. Oktober 2018
R Rolf Olsen B Rolf Olsen K Karl Löb M Erwin Halletz A Nino Borghi S Lilo Krüger P Karl Spiehs D Essy Persson, Erik Schumann, Helga Anders, Margot Trooger, Ellen Schwiers | BRD & I | 96 min | 1:1,66 | sw | 6. Juni 1967
# 1134 | 21. Oktober 2018
16.3.67
Fantômas contre Scotland Yard (André Hunebelle, 1967)
Fantomas bedroht die Welt
Maske in Blau – Teil 3. Nach Abenteuern in Paris und Rom wird die Jagd auf den metamorphischen Bösewicht im schottischen Hochland fortgesetzt. Das Genie des zweckfreien Verbrechens hat sein Interesse auf schnöden Gelderwerb verlagert und plant, den vermögendsten Männern der Welt eine Sonderabgabe auf ihr Leben abzupressen – Motto: »Das Funktionieren jeder Gesellschaftsform basiert auf einem straffen Steuersystem.« Die räumliche Beschränkung der Erzählung auf Schloß und Park eines steinreichen Landedelmannes rückt »Fantômas contre Scotland Yard« vollends in die Nähe gediegen-spleeniger Krimiunterhaltung, die durch zahlreiche ungebremste Auftritte von Louis de Funès schwere Schlagseite ins Drollig-Burleske bekommt.
R André Hunebelle B Jean Halain, Pierre Foucaud V Pierre Souvestre, Marcel Allain K Marcel Grignon M Michel Magne A Max Douy S Pierre Gillette P Paul Cadéac, Alain Poiré D Jean Marais, Louis de Funès, Mylène Demongeot, Françoise Christophe, Jean-Roger Caussimon | F & I | 104 min | 1:2,35 | f | 16. März 1967
Maske in Blau – Teil 3. Nach Abenteuern in Paris und Rom wird die Jagd auf den metamorphischen Bösewicht im schottischen Hochland fortgesetzt. Das Genie des zweckfreien Verbrechens hat sein Interesse auf schnöden Gelderwerb verlagert und plant, den vermögendsten Männern der Welt eine Sonderabgabe auf ihr Leben abzupressen – Motto: »Das Funktionieren jeder Gesellschaftsform basiert auf einem straffen Steuersystem.« Die räumliche Beschränkung der Erzählung auf Schloß und Park eines steinreichen Landedelmannes rückt »Fantômas contre Scotland Yard« vollends in die Nähe gediegen-spleeniger Krimiunterhaltung, die durch zahlreiche ungebremste Auftritte von Louis de Funès schwere Schlagseite ins Drollig-Burleske bekommt.
R André Hunebelle B Jean Halain, Pierre Foucaud V Pierre Souvestre, Marcel Allain K Marcel Grignon M Michel Magne A Max Douy S Pierre Gillette P Paul Cadéac, Alain Poiré D Jean Marais, Louis de Funès, Mylène Demongeot, Françoise Christophe, Jean-Roger Caussimon | F & I | 104 min | 1:2,35 | f | 16. März 1967
8.8.54
Brigadoon (Vincente Minnelli, 1954)
Brigadoon
Die Fabel von den zwei New Yorkern Tommy und Jeff (Gene Kelly und Van Johnson), die auf einer Wanderung durch die schottischen Highlands vom Weg abkommen und in ein verwunschenes Dorf geraten, das nur alle hundert Jahre für einen Tag aus dem Nebel der Zeit auftaucht, thematisiert (in süffigen Farben, inszenatorisch jedoch sehr bedächtig) die Relation von Vernunft und Glauben, den Widerstreit von Zynismus und Romantik. Komplett im Studio realisiert (Bauten: Preston Ames), erzählt das wehmütig-zarte Musical-Märchen von einem langsamen, aber letztlich entschlossenen Abschied aus der wirklichen Welt. Die luftige Wahrheit des Traums triumphiert über die schweren Dinge des Lebens: Tommy und Fiona (Cyd Charisse als ländliche Schöne) tanzen über die synthetische Heide und durch das künstliche Dorf hinein ins ewige Glück: »There’s a smile on my face for the whole human race!«
R Vincente Minnelli B Alan Jay Lerner K Joseph Ruttenberg M Frederick Loewe A Preston Ames, Cedric Gibbons S Albert Akst P Arthur Freed D Gene Kelly, Cyd Charisse, Van Johnson, Elaine Stewart, Barry Jones | USA | 108 min | 1:2,35 | f | 8. September 1954
Die Fabel von den zwei New Yorkern Tommy und Jeff (Gene Kelly und Van Johnson), die auf einer Wanderung durch die schottischen Highlands vom Weg abkommen und in ein verwunschenes Dorf geraten, das nur alle hundert Jahre für einen Tag aus dem Nebel der Zeit auftaucht, thematisiert (in süffigen Farben, inszenatorisch jedoch sehr bedächtig) die Relation von Vernunft und Glauben, den Widerstreit von Zynismus und Romantik. Komplett im Studio realisiert (Bauten: Preston Ames), erzählt das wehmütig-zarte Musical-Märchen von einem langsamen, aber letztlich entschlossenen Abschied aus der wirklichen Welt. Die luftige Wahrheit des Traums triumphiert über die schweren Dinge des Lebens: Tommy und Fiona (Cyd Charisse als ländliche Schöne) tanzen über die synthetische Heide und durch das künstliche Dorf hinein ins ewige Glück: »There’s a smile on my face for the whole human race!«
R Vincente Minnelli B Alan Jay Lerner K Joseph Ruttenberg M Frederick Loewe A Preston Ames, Cedric Gibbons S Albert Akst P Arthur Freed D Gene Kelly, Cyd Charisse, Van Johnson, Elaine Stewart, Barry Jones | USA | 108 min | 1:2,35 | f | 8. September 1954
Labels:
Charisse,
Gene Kelly,
Lerner,
Musical,
Phantastik,
Romanze,
Schottland,
Vincente Minnelli
27.4.51
The Man from Planet X (Edgar G. Ulmer, 1951)
Ein unbekannter Planet nähert sich der Erde. Professor Eliot begibt sich mit seinem Assistenten auf eine abgelegene schottische Insel, wo der geringste Abstand des vorbeifliegenden Himmelskörpers zur Erdoberfläche erwartet wird; mit von der Partie sind die patente Tochter des Professors und ein taffer amerikanischer Reporter. In der kargen, einsamen Moorlandschaft wird zunächst eine rätselhafte Sonde aus einer fremdartigen Metallegierung (x-fach leichter und härter als Stahl) entdeckt, dann ein Raumfahrzeug extraterrestrischer Provenienz … Ob die gespenstige Kreatur, die dem Flugobjekt entsteigt, in friedlicher oder feindlicher Absicht gekommen ist, bleibt zunächst rätselhaft. Das blicklose Gesicht des kindlich-greisenhaften Wesens, halb Jawlensky-Kopf, halb afrikanische Maske, läßt keine mimische Regung erkennen, wird dabei zum Spiegel widerstreitender menschlicher Interessen zwischen wissenschaftlicher Aufklärung und wirtschaftlicher Ausbeutung der kosmischen Geheimnisse – bis sich mit der (traurigen) Geschichte des Planeten X auch die Pläne des außerirdischen Besuchers enthüllen … Edgar G. Ulmer läßt zeittypische Themen wie Gedankenkontrolle, Invasionsangst und die drohende (Selbst-)Auslöschung der Zivilisation anklingen, spielt in seiner bescheiden märchenhaften B-Inszenierung effektvoll mit elektronischen Tönen und puppentheatralen Miniaturmodellen, formt aus tiefen Schatten, dichtem Nebel und schimmernden Lichtern (Kamera: John L. Russell) surreal-poetische Momente voller Ambivalenz und (trivialen) Zaubers.
R Edgar G. Ulmer B Aubrey Wisberg, Jack Pollexfen K John L. Russell M Charles Koff A Angelo Scibetta, Byron Vreeland S Fred R. Feitshans Jr. P Aubrey Wisberg, Jack Pollexfen D Robert Clarke, Margaret Field, Raymond Bond, William Schallert, Roy Engel | USA | 70 min | 1:1,37 | sw | 27. April 1951
# 779 | 13. Oktober 2013
R Edgar G. Ulmer B Aubrey Wisberg, Jack Pollexfen K John L. Russell M Charles Koff A Angelo Scibetta, Byron Vreeland S Fred R. Feitshans Jr. P Aubrey Wisberg, Jack Pollexfen D Robert Clarke, Margaret Field, Raymond Bond, William Schallert, Roy Engel | USA | 70 min | 1:1,37 | sw | 27. April 1951
# 779 | 13. Oktober 2013
Labels:
Außerirdische,
Insel,
Raumschiff,
Schottland,
Science fiction,
Ulmer
16.6.49
Whisky Galore! (Alexander Mackendrick, 1949)
Freut euch des Lebens
»Some men were born two drinks below par.« Mitten im Krieg, im Jahre 1943, trifft eine unfaßbare Katastrophe die abgelegene Hebriden-Insel Todday (»hundred miles from the nearest cinema or dancehall«); es handelt sich weder um eine Hungersnot noch um eine Pestepidemie, nicht um Hitlers Bomben oder die Horden einer Invasionsarmee – die Heimsuchung des schottischen Eilands ist viel, viel schlimmer. Eines Tages verkündet der Wirt des Pubs: »There is no whisky.« Das Wasser des Lebens ist versiegt. Jede Daseinfreude erlischt. Manch einer legt sich umgehend aufs Sterbebett. Wo aber Verzweiflung ist, wächst das Tröstende auch: Im Nebel läuft vor der Küste von Todday die ›Cabinet Minister‹ auf Grund; der Frachter hat 50.000 Kisten Whisky geladen. Die frohe Aussicht auf geistige Erlösung läßt den Lebensmut der Notleidenden wieder erwachen, doch Captain Waggett (Basil Radford), der ehrpusselige Kommandant der örtlichen Home Guard, ein Festländer, noch dazu ein Engländer, versucht mit allen Mitteln, die Plünderung des gestrandeten Schiffes zu verhindern. Es beginnt ein wechselvolles Katz-und-Maus-Spiel zwischen den durstigen Inselbewohnern und dem trockenen Hüter einer äußeren Ordnung. Die verschworene Gemeinschaft, seit jeher geübt im Umgang mit höheren Gewalten, triumphiert glanzvoll über den »langen Arm des Gesetzes«, der sich hilflos in den eigenen Griffen verfängt. Alexander Mackendrick inszeniert die (auf einer wahren Begebenheit beruhende) Erzählung von Compton Mackenzie mit herzhaftem Lokalkolorit und tiefer Sympathie für die knorrigen Insulaner, in deren rauhem Wesen Gottesfurcht und Insubordination eine überaus glückliche Verbindung eingehen.
R Alexander Mackendrick B Compton Mackenzie, Angus MacPhail V Compton Mackenzie K Gerald Gibbs M Ernest Irving A Jim Morahan S Joseph Sterling, Charles Crichton P Michael Balcon D Basil Radford, Bruce Seton, Joan Greenwood, Gordon Jackson, James Robertson Justice | UK | 82 min | 1:1,37 | sw | 16. Juni 1949
# 906 | 11. September 2014
»Some men were born two drinks below par.« Mitten im Krieg, im Jahre 1943, trifft eine unfaßbare Katastrophe die abgelegene Hebriden-Insel Todday (»hundred miles from the nearest cinema or dancehall«); es handelt sich weder um eine Hungersnot noch um eine Pestepidemie, nicht um Hitlers Bomben oder die Horden einer Invasionsarmee – die Heimsuchung des schottischen Eilands ist viel, viel schlimmer. Eines Tages verkündet der Wirt des Pubs: »There is no whisky.« Das Wasser des Lebens ist versiegt. Jede Daseinfreude erlischt. Manch einer legt sich umgehend aufs Sterbebett. Wo aber Verzweiflung ist, wächst das Tröstende auch: Im Nebel läuft vor der Küste von Todday die ›Cabinet Minister‹ auf Grund; der Frachter hat 50.000 Kisten Whisky geladen. Die frohe Aussicht auf geistige Erlösung läßt den Lebensmut der Notleidenden wieder erwachen, doch Captain Waggett (Basil Radford), der ehrpusselige Kommandant der örtlichen Home Guard, ein Festländer, noch dazu ein Engländer, versucht mit allen Mitteln, die Plünderung des gestrandeten Schiffes zu verhindern. Es beginnt ein wechselvolles Katz-und-Maus-Spiel zwischen den durstigen Inselbewohnern und dem trockenen Hüter einer äußeren Ordnung. Die verschworene Gemeinschaft, seit jeher geübt im Umgang mit höheren Gewalten, triumphiert glanzvoll über den »langen Arm des Gesetzes«, der sich hilflos in den eigenen Griffen verfängt. Alexander Mackendrick inszeniert die (auf einer wahren Begebenheit beruhende) Erzählung von Compton Mackenzie mit herzhaftem Lokalkolorit und tiefer Sympathie für die knorrigen Insulaner, in deren rauhem Wesen Gottesfurcht und Insubordination eine überaus glückliche Verbindung eingehen.
R Alexander Mackendrick B Compton Mackenzie, Angus MacPhail V Compton Mackenzie K Gerald Gibbs M Ernest Irving A Jim Morahan S Joseph Sterling, Charles Crichton P Michael Balcon D Basil Radford, Bruce Seton, Joan Greenwood, Gordon Jackson, James Robertson Justice | UK | 82 min | 1:1,37 | sw | 16. Juni 1949
# 906 | 11. September 2014
Labels:
Alkohol,
Dorf,
Insel,
Komödie,
Mackendrick,
Meer,
Militär,
Romanze,
Schottland,
Zweiter Weltkrieg
Abonnieren
Posts (Atom)