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30.5.69

The Castle of Fu Manchu (Jess Franco, 1969)

Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu

»This is Fu Manchu. Once again the world is at my mercy.« Nicht nur die Welt ist der Gnade des ruchlosen Verbrechers (und seines abermaligen Regisseurs Jess Franco) ausgeliefert, sondern auch das Publikum: Das Scheusal hat sich die Geheimformel eines gewissen Professor Hercules verschafft, die es ermöglicht, das Wasser der Ozeane mithilfe eines kristallinen Opium-Derivats binnen Sekunden in Eis zu verwandeln. Da es noch einige chemische Probleme zu lösen gilt, der Professor jedoch an akuter Herzschwäche leidet, werden kurzerhand ein Chirurg und seine Assistentin entführt, die im Istanbuler Hauptquartier des Schurken eine rettende Organtransplantation durchführen müssen; unterdessen ist Nayland Smith darum bemüht, die Menschheit vor dem ultimativen Gefrierschock zu bewahren … Zu Beginn des Films verwurstet Franco ungeniert die Schlußsequenz des zweiten Teils der Reihe, »The Brides of Fu Manchu«, sowie blau gefärbte Ausschnitte aus dem schwarzweißen Titanic-Drama »A Night to Remember«, um sich sodann lustlos durch die törichte Handlung zu hangeln; lediglich einige im surrealen Ambiente des Gaudíschen Parque Güell in Barcelona gedrehte Szenen und die bavaesk illuminierte Höhlenwelt von Fu Manchus Blubberlaboratorium faszinieren durch ihr phantastisch-geschmackloses Formgefühl. So erfährt die Legende vom gelben Satan schließlich und endlich ihre Entzauberung in kinematographischem Blödsinn: The Folly of Fu Manchu oder Die Debilität des Bösen. The world shall not hear from him again.

R Jess Franco B Peter Welbeck (= Harry Alan Towers) V Sax Rohmer K Manuel Merino M Charles Camilleri A Santiago Ontañón S John Colville P Harry Alan Towers D Christopher Lee, Richard Greene, Günther Stoll, Maria Perschy, Tsai Chin, Howard Marion-Crawford | UK & E & BRD | 92 min | 1:1,66 | f | 30. Mai 1969

# 868 | 24. Mai 2014

2.11.64

Topkapi (Jules Dassin, 1964)

Topkapi

Formal und erzählerisch unausgewogene Gaunerkomödie über einen Einbruch ins Istanbuler Topkapi-Museum. Jules Dassin parodiert sein eigenes, klassisches, schwarzes 1955er heist movie »Du rififi chez les hommes« als bonbonbunt-polternde Diebesclownerie; schmuddlige Ironie und diskrete Boshaftigkeit der Vorlage von Eric Ambler gehen dabei im Bosporus baden. Der Raubzug selbst (von oben, an Seilen hängend, über trittempfindlichem Fußboden) ist, wenn auch nicht gerade nervenzerreißend, so doch zumindest professionell inszeniert, und der mopsfidele Cast – Melina Mercouri (kleptoman und mannstoll), Peter Ustinov (scheinheilig und akrophob), Maximilian Schell (gründlich und improvisationsfreudig), Robert Morley (ausgetüftelt und vollfett), Akim Tamiroff (immer besoffen) – lohnt durchaus einen Blick (oder zwei).

R Jules Dassin B Monja Danischewsky V Eric Ambler K Henri Alekan M Manos Hatzidakis A Max Douy S Roger Dwyre P Jules Dassin D Melina Mercouri, Peter Ustinov, Maximilian Schell, Robert Morley, Jess Hahn | USA | 120 min | 1:1,66 | f | 2. September 1964

10.10.63

From Russia with Love (Terence Young, 1963)

James Bond 007 – Liebesgrüße aus Moskau

»I've seen places, faces and smiled for a moment / But oh, you haunted me so.« SPECTRE spielt Briten und Russen gegeneinander aus, um in den Besitz einer Verschlüsselungsmaschine aus der Istanbuler Sowjet-Botschaft zu gelangen – und um James Bond in die Pfanne zu hauen… Ein klarer, kühler, trockener »007«, frei von Superstar-Allüren und Welteroberungsphantastereien: Bond (Sean Connery – the one and only) trinkt keinen einzigen Martini, konzentriert sich stattdessen (so wie der Rest der Crew) ganz auf die effiziente Erledigung seines Jobs. Abgesehen von einem überflüssigen ethnographischen Intermezzo im Zigeunerlager (inklusive Bauchtanz und Damen-Catchen), stimmt so ziemlich alles: die villainess (Lotte Lenya als stalinistische Kampflesbe Rosa Klebb: »Training is useful, but there is no substitute for experience.«), der henchman (Robert Shaw als (fast) perfekter, blondierter Schlagetot Donald Grant: »My orders are to kill you. How I do it is my business. It'll be slow and painful.«), der sidekick (Pedro Armendáriz als väterlicher Kontaktmann Kerim Bey: »All of my key employees are my sons. Blood is the best security in this business.«), das girl (Daniela Bianchi als ergebene Russin Tatiana Romanova: »Oh James, will you make love to me all the time in England?«). Auch wenn »From Russia with Love« (in Form von explosiven Koffern, Hubschrauberattacken sowie Bootsrennen) einen Ausblick auf die things to come der unsterblichen Reihe gibt, dominiert mit Touren durch jahrhundertealte Geheimgänge und Prügelei im Orientexpreß ein sympathisch-anschaulicher Naturalismus das Geschehen.

R Terence Young B Richard Maibaum, Johanna Herwood V Ian Fleming K Ted Moore M John Barry A Syd Cain S Peter Hunt P Albert R. Broccoli, Harry Saltzman D Sean Connery, Daniela Bianchi, Pedro Armendáriz, Lotte Lenya, Robert Shaw | UK | 115 min | 1:1,85 | f | 10. Oktober 1963

27.3.63

L'immortelle (Alain Robbe-Grillet, 1963)

Die Unsterbliche

L’année dernière à Istanbul: N, ein Lehrer aus Frankreich, begegnet L, einer schönen, geheimnisvollen Frau – ihr »wirklicher« Name (Leila oder Lale (was auf Türkisch ›Tulpe‹ bedeutet) oder vielleicht auch Lucille) bleibt ebenso unbestimmt wie ihre Herkunft, ihre Absichten, ihre Identität. L ihrerseits wird von M, einem Mann, der stets zwei Dobermänner an der Leine führt, begleitet oder überwacht oder verfolgt. Als L, nach einer Reihe gemeinsam verbrachter Tage (und Nächte), plötzlich verschwindet (oder bei einem Unfall stirbt), begibt sich N auf die Spur der Verschollenen (oder Toten) – bis L eines Tages (oder Nachts) unvermittelt wieder auftaucht … Alain Robbe-Grillet präsentiert sein Regiedebüt als imaginatives Rätselspiel, als unterkühlt-erotisches Abenteuer, als extravaganten »film intérieur«: »L'immortelle« – die unsterbliche Frau, die unsterbliche Stadt – wird von N gesehen, gehört, erdacht – Wahrnehmung und Einbildung sind dabei eins, Objektivität und subjektives Empfinden verschwimmen. L changiert unter Ns insistierenden Blicken zwischen Dame der Gesellschaft, herabgestiegener Göttin und Luxusprostituierter; Istanbul erscheint als betont exotische Kulisse, als Melange aus historisch-literarischer Phantasie, Bühne eines mysteriösen Melodrams und Kitschpostkarte der Moscheen, Paläste, Ruinen. Neben den stilvoll gestalteten, immer wieder zu lebenden Bildern gefrierenden Oberflächenreizen und den beschwörenden erzählerischen Wiederholungen (oder Variationen oder Echos oder Déjà-vus) ist es vor allen Dingen die sorgfältig komponierte Tonspur – das unaufhörliche Knattern der Bootsmotoren auf dem Bosporus, das Schlagen der Wellen gegen die Kaimauern, der schrille Gesang der Grillen, das bedrohliche Bellen der Hunde, die monotonen Rufe der Muezzine –, die eine höchst eigentümliche, traumhaft-sinnliche Atmosphäre schafft. 

R
Alain Robbe-Grillet B Alain Robbe-Grillet K Maurice Barry M Georges Delerue A Konnell Melissos S Bob Wade P Émile Breysse D Françoise Brion, Jacques Doniol-Valcroze, Guido Celano, Sezer Sezin, Catherine Robbe-Grillet | F & TR & I | 101 min | 1:1,66 | sw | 27. März 1963

23.6.44

The Mask of Dimitrios (Jean Negulesco, 1944)

Die Maske des Dimitrios 

»There is not enough kindness in the world.« 1938 wird in Istanbul die Leiche eines Mannes an den Strand gespült. Dimitrios Makropoulos war ein in vielen Ländern gesuchter skrupelloser Verbrecher. Der Kriminalschriftsteller Cornelius Leyden (Peter Lorre), vom Chef der türkischen Militärpolizei auf den interessanten Fall aufmerksam gemacht, unternimmt eine Recherchereise, um die Biographie des Toten zu ergründen, eine Reise, die kreuz und quer durch Europa führt: vom Bosporus in Richtung Athen, weiter nach Sofia, Genf (mit einer Reminiszenz an Belgrad) und Paris. Diverse Zeugen (ein ehemaliger Drogenschmuggler, ein Nachrichtenhändler im Ruhestand, eine verblühte Nachtclubbesitzerin) berichten von ihren Begegnungen mit Dimitrios (Zachary Scott), und aus diesen erinnernden Rückblenden entsteht eine Erzählung von Mord und Verrat, Spionage und Erpressung, Geld und Politik … Eric Ambler, Autor der epochalen, multiperspektivischen Romanvorlage (deren Konstruktion Einfluß auf Orson Welles’ »Citizen Kane« und »Mr. Arkadin« gehabt haben mag), entwickelte das niederschmetternde Panorama der Zeit zwischen den Kriegen, indem er seine mysteriöse Titelfigur zum allgegenwärtigen Profiteur von Haß und Gewalt, zum Totengräber einer Welt am Abgrund stilisierte. Jean Negulescos Adaption enthält sich bei aller äußeren Werktreue jeder konkreten Gesellschaftskritik: Zwar offenbart auch die noirische Düsternis der eleganten Inszenierung ein Leben ohne Güte, ohne Freundlichkeit, ohne Miteinander – doch die dargestellte Inhumanität erscheint gleichsam privatisiert, ihrer historischen Beispielhaftigkeit entkleidet.

R Jean Negulesco B Frank Gruber V Eric Ambler K Arthur Edeson M Adolph Deutsch A Ted Smith S Frederick Richards P Henry Blanke D Peter Lorre, Sidney Greenstreet, Zachary Scott, Victor Francen, Faye Emerson | USA | 95 min | 1:1,37 | sw | 23. Juni 1944

# 792 | 6. November 2013

3.3.43

Münchhausen (Josef von Báky,1943)

»Abenteuer, Krieg, fremde Länder und schöne Frauen.« Zum ihrem 25. Geburtstag baut sich die (im Ersten Weltkrieg von der Obersten Heeresleitung zu Propagandazwecken aus der Taufe gehobene) UFA ein farbrauschendes Zelluloid-Luftschloß der Extraklasse. Die von »Filmminister« Dr. Goebbels persönlich in Auftrag gegebene Leinwandadaption der größten Lügengeschichte aller Zeiten führt den regsamen Baron Münchhausen (Hans Albers in bester Hoppla-jetzt-komm-ich-Laune) vom Stammschloß in der beschaulichen niedersächsischen Provinz über St. Petersburg, Istanbul, Venedig bis auf den Mond: ein prunkvolles Fest des Eskapismus, eine verwegene Flucht in die Phantasie, ein bumsfideler Ritt auf der Kanonenkugel – ein kinematographisches Leistungsschaustück mitten im totalen Krieg. Das von Erich Kästner (unter einem Pseudonym, das nicht genannt werden durfte) geschriebene, von Josef von Báky eher mit Bombast denn mit Grandezza ins Werk gesetzte Drehbuch schert sich nur wenig um erzählerische Stringenz; abrupte Szenenwechsel schaffen immer wieder neue Anlässe für tricktechnische Kapriolen sowie gewaltige Kostüm-, Kulissen- und Komparserie-Eruptionen, in denen die Kurzauftritte illustrer Persönlichkeiten des galanten Europa (Graf Cagliostro, Katharina die Große, Casanova) beinahe untergehen. Auch wenn sich gegen Ende des Agfacolor-Spektakels dunklere Töne einschleichen (»Die Zeit ist kaputt.«), wenn gar die Unsterblichkeit des unsterblichen Helden in Frage gestellt wird, obsiegt letztlich der Eindruck ungezügelter filmischer Großmannssucht.

R Josef von Báky B (ungenannt) Erich Kästner V Rudolf Erich Raspe, Gottfried August Bürger K Werner Krien, Konstantin Irmen-Tschet M Georg Haentzschel A Emil Hasler, Otto Gülstorff S Milo Harbich, Walter Wischniewsky P Eberhard Schmidt D Hans Albers, Brigitte Horney, Ilse Werner, Leo Slezak, Ferdinand Marian, Hermann Speelmans | D | 114 (134) min | 1:1,37 | f | 3. März 1943

# 1022 | 25. August 2016