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23.5.74

That’s Entertainment (Jack Haley Jr., 1974)

Das gibt’s nie wieder

»Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde.« Die Zeit des Filmmusicals waren die 30er, 40er und 50er Jahre des 20. Jahrhunderts; der Ort dieses Vornehmens war das Studio Metro-Goldwyn-Mayer (»More stars than there are in heaven.«) in Hollywood, California. Lange, lange nach dem heyday des Genres, zu ihrem 50. Geburtstag im Jahre 1974, schenkte sich die glorreichste aller Traumfabriken einen Zusammenschnitt der Gipfelpunkte ihrer Kunstproduktion, moderiert von älter gewordenen Berühmtheiten (Astaire, Crosby, Kelly, Reynolds, Rooney, Sinatra), die in den Trümmern des legendären MGM-backlots der Ära ihres Ruhms gedenken. Vordergründig ein fidel-melancholischer Singin’-and-dancin’-Porno, der nur aus den Cumshots eines (be)rauschenden Gestern besteht, macht »That’s Entertainment!« auf faszinierende Art und Weise anschaulich, wie das Musical in seinem formal entfesselten audiovisuellen Wahnsinn zum »absoluten« Film wird: Unterhaltung als reine Rhythmisierung von Farbe, Form und Ton – Ausstattungskino als Triumph der Transzendenz.

R Jack Haley Jr. B Jack Haley Jr. K Ernest Laszlo, Russell Metty M Henry Mancini S Bud Friedgen P Jack Haley Jr. D Fred Astaire, Bing Crosby, Gene Kelly, Peter Lawford, Liza Minnelli | USA | 135 min | 1:1,85 | f | 23. Mai 1974

17.7.56

High Society (Charles Walters, 1956)

Die oberen Zehntausend

»What frills, what frocks!
 What furs, what rocks!« Knallbunt-musikalische Reprise einer klassischen sophisticated comedy, die leider (fast) ohne sophisticated Darsteller auskommen muß; am ehesten treffen noch Frank Sinatra und Celeste Holm (als vorwitziges Klatschreporterpaar) den borniert-ironischen Ton, der einst »The Philadelphia Story« champagnerbläschenhaft durchperlte. Charles Walters buchstabiert die bekannte Handlung – gefühlskalt-widerspenstige (reiche) Frau (Grace Kelly) wird an der Seite des liebenswert-schlurigen (reichen) Ex-Gatten (Bing Crosby) doch noch zum Menschen – beinahe wortwörtlich nach; Cole Porter liefert dazu eine Reihe eingängiger Songs – von der zünftigen Schnulze (»True Love«) bis zum geistreichen Couplet (»What a swell party this is!«) –, die sich mehr oder weniger sinnig ins Geschehen fügen. Der mitleidige Seitenblick auf die Sorgen des Geldadels, der sich Landsitze und Dienerschaft wegen hoher Steuerbelastungen bald nicht mehr leisten kann, ist ein besonders schillerndes Beispiel jenes Glamour-Zynismus, mit dem so mancher Traumfabrikant seiner Kundschaft das kleine Glück der Genügsamkeit predigt: »Who wants to be a millionaire?« – »I don’t.«

R Charles Walters B John Patrick V Philip Barry K Paul Vogel M Cole Porter A Cedric Gibbons, Hans Peters S Ralph E. Winters P Sol S. Siegel D Grace Kelly, Bing Crosby, Frank Sinatra, Celeste Holm, John Lund, Louis Armstrong | USA | 111 min | 1:1,85 | f | 17. Juli 1956

# 826 | 11. Januar 2014

3.4.48

The Emperor Waltz (Billy Wilder, 1948)

Kaiserwalzer

»Ich küsse Ihre Hand, Madame / und träum’, es wär’ Ihr Hund.« Äh … nein, genau umgekehrt. Oder doch nicht? Billy Wilders technicolorierte Promenadenmischung aus Musical, Romcom und Tierfilm beschreibt einen schmalzig-bizarren clash of civilizations im Wien der ausgehenden Kaiserzeit: Der amerikanische Grammophon-Vertreter Virgil Smith (Bing Crosby) verliebt sich in die österreichische Gräfin Johanna von Stolz(!)enburg-Stolz(!!)enburg (Joan Fontaine), die natürlich (zunächst) nichts, aber auch gar nichts von dem dahergelaufenen Handelsreisenden zu wissen wünscht. Erst die nichtebenbürtige Zuneigung ihrer Köter – ›Buttons‹ (proletarischer US-Mischling) und ›Helena‹ (aristokratische Großpudeldame) – verkündet das baldige Fallen der Klassenschranken. Es scheint, als würde Wilder im Jahre 1948 alle Platitüden der kommenden Heimat- und Sissi-Filme hellseherisch verspotten: Mit »The Emperor Waltz« empfiehlt er sich als Trivial-Lubitsch und liefert Kitsch as Kitsch can durch die parodistische Hintertür. PS: Grandioser Auftritt von Sig Ruman als Hofveterinär Dr. Zwieback (Studienkollege von Sigmund Freud), der seinen kläffenden Patienten die Geheimnisse ihrer tierischen Seelen entlockt.

R Billy Wilder B Billy Wilder, Charles Brackett K George Barnes M Victor Young A Hans Dreier, Franz Bachelin S Doane Harrison P Charles Brackett D Bing Crosby, Joan Fontaine, Roland Culver, Lucille Watson, Sig Ruman | USA | 106 min | 1:1,37 | f | 3. April 1948