»Nous serons, toi et moi, les plus riches du monde.« Eine schlammige Brachfläche, irgendwo in der Pariser Banlieue, im Hintergrund Kräne und seelenlose Wohnblocks. Ein junger Mann im Trenchcoat steigt aus seinem Simca und improvisiert unter regenschwerem Himmel eine sonderbare Choreographie, spielt mit sich selbst Räuber und Gendarm, mimt zu den Klängen von Duke Ellingtons »Moonlight Fiesta« einen leidenschaftlichen Musiker, einen mondänen Tänzer, einen galanten Liebhaber. Der Prolog des Films gibt einen Vorgeschmack auf die Rollenspiele, die Franck Poupart, genannt »Poupée« (frenetisch: Patrick Dewaere), im Laufe der folgenden schmutzig-bizarren Geschichte darbieten wird. Franck ist ein Mann am Rand: am Rand der Stadt, am Rand der Gesellschaft, am Rand des Nervenzusammenbruchs; unterwegs als Handelsvertreter des Kaufmanns Staplin (aasig: Bernard Blier), gefangen in einer heruntergekommenen Ehe, trifft er eines Tages auf Mona (somnambul: Marie Trintignant), eine Halbwüchsige, die von ihrer schmierigen (und überraschend begüterten) Tante als Prostituierte gehalten wird – die ebenso lebhafte wie klägliche, zwischen Ekel und Ekstase schwankende Beziehung der beiden führt fast unweigerlich zu (Raub-)Mord und Totschlag ... Alain Corneau inszeniert Georges Perecs freie Adaption des Jim-Thompson-Romans »A Hell of a Woman« als pechschwarze Komödie, als hysterische Genreparodie, als galgenhumorige soziologische Betrachtung, als bis zur Kenntlichkeit verzerrtes Zeitbild voller Gewalt und Niedertracht. Aus Transistorradios plärren fröhliche Schlager und beschwingte Chansons von Boney M. und Gérard Lenorman, von Dalida und Sacha Distel, während Francks kaputte Welt restlos in Stücke fällt. Immerhin scheint im Totalverlust so etwas wie eine letzte Hoffnung auf: »On a plus rien à craindre, maintenant.«
R Alain Corneau B Georges Perec, Alain Corneau V Jim Thompson K Pierre-William Glenn M diverse S Thierry Derocles P Maurice Bernart D Patrick Dewaere, Marie Trintignant, Bernard Blier, Myriam Boyer, Andreas Katsulas | F | 111 min | 1:1,66 | f | 25. April 1979
# 1060 | 22. Juni 2017
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25.4.79
Série noire (Alain Corneau, 1979)
8.10.69
Katzelmacher (Rainer Werner Fassbinder, 1969)
»Was man macht, ist immer eine Schwierigkeit.« Ein radikales Meisterwerk, so radikal, wie es wohl nur einer unter 30 hinbekommt. Rainer Werner Fassbinders »Comédie humaine« in anderthalb Stunden: zwölf Personen, sieben Frauen und fünf Männer, in wechselnden Konstellationen, in denen der/die Einzelne nie alleine, aber immer einsam bleibt. 107 statische Einstellungen, das Objektiv stets frontal auf die Szenen gerichtet: Totalen oder Halbnahe von Menschen in kargen Wohnungen, in kargen Wirtschaften, in einem kargen Hinterhof, dem archetypischen öffentlichen Raum; dazwischen eingestreut: sieben Rückfahrten der Kamera, alle am selben Ort im selben Tempo gedreht, alle Spaziergänge von sprechenden Paaren zeigend. »Du bist komisch, ich bin normal.« – »Dann leck mich am Arsch.« Die (bundesdeutsche) Gesellschaft in der Nußschale: Einsamkeit und Ressentiment, Erwartung und Mißgunst, Bedürfnis und Demütigung, Gefühl und Besitzdenken. Verhandelt wird dies in einer Sprache, die so künstlich ist, daß sie vollkommen natürlich klingt: »Eine Liebe und so, das hat immer mit Geld was zum tun.« Einer, der von außen kommt, ein »Griech von Griechenland« (Fassbinder als »Katzelmacher« Jorgos), bringt vorübergehend Bewegung in die erstarrten Verhältnisse: »Auf einmal alle machen bumm-bumm.« Die Entladung der aufgestauten sozialen Energie in Form einer kurzen rassistischen Prügelorgie führt unweigerlich zurück in die alte Ordnung und ihre bohrende Unzufriedenheit – doch auch so etwas wie eine Ahnung keimt auf: Es wird plötzlich denkbar, daß es anderswo anders sein könnte. »Ein Mensch braucht halt eine Zeit, bis er was versteht.«
R Rainer Werner Fassbinder B Rainer Werner Fassbinder V Rainer Werner Fassbinder K Dietrich Lohmann M Peer Raben A Rainer Werner Fassbinder S Franz Walsch (= Rainer Werner Fassbinder) P Peer Raben D Hanna Schygulla, Hans Hirschmüller, Irm Hermann, Lilith Ungerer, Rainer Werner Fassbinder | BRD | 88 min | 1:1,37 | sw | 8. Oktober 1969
# 891 | 30. Juni 2014
R Rainer Werner Fassbinder B Rainer Werner Fassbinder V Rainer Werner Fassbinder K Dietrich Lohmann M Peer Raben A Rainer Werner Fassbinder S Franz Walsch (= Rainer Werner Fassbinder) P Peer Raben D Hanna Schygulla, Hans Hirschmüller, Irm Hermann, Lilith Ungerer, Rainer Werner Fassbinder | BRD | 88 min | 1:1,37 | sw | 8. Oktober 1969
# 891 | 30. Juni 2014
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14.10.64
Send Me No Flowers (Norman Jewison, 1964)
Schick mir keine Blumen
»When he tells me he's dying and he doesn't die ... wouldn't he know that I'd get suspicious?« Day/Hudson/Randalls dritter flotter Dreier, ein drolliger Versuch über Leben und Sterben in Suburbia, wird ihr letztes Teamwork bleiben: Doris als vorörtliche Hausfrau, Rock als ihr hypochondrischer Ehemann mit einem gefühlten Bein im Sarg, Tony als nachbarlicher Freund und Buffo. Handwerklich wohl der beste Film des Trios, entbehrt diese schwarze Komödie in Pastell leider ein wenig die urbane Überspanntheit ihrer beiden Vorgänger. Milkman statt door man, Country Club statt Night Club, Gesichter und Lichter der Vorstadt.
R Norman Jewison B Julius Epstein V Norman Barasch, Carroll Moore K Daniel L. Fapp M Frank De Vol A Alexander Golitzen S J. Terry Williams P Harry Keller D Doris Day, Rock Hudson, Tony Randall, Paul Lynde, Hal March | USA | 100 min | 1:1,85 | f | 14. Oktober 1964
»When he tells me he's dying and he doesn't die ... wouldn't he know that I'd get suspicious?« Day/Hudson/Randalls dritter flotter Dreier, ein drolliger Versuch über Leben und Sterben in Suburbia, wird ihr letztes Teamwork bleiben: Doris als vorörtliche Hausfrau, Rock als ihr hypochondrischer Ehemann mit einem gefühlten Bein im Sarg, Tony als nachbarlicher Freund und Buffo. Handwerklich wohl der beste Film des Trios, entbehrt diese schwarze Komödie in Pastell leider ein wenig die urbane Überspanntheit ihrer beiden Vorgänger. Milkman statt door man, Country Club statt Night Club, Gesichter und Lichter der Vorstadt.
R Norman Jewison B Julius Epstein V Norman Barasch, Carroll Moore K Daniel L. Fapp M Frank De Vol A Alexander Golitzen S J. Terry Williams P Harry Keller D Doris Day, Rock Hudson, Tony Randall, Paul Lynde, Hal March | USA | 100 min | 1:1,85 | f | 14. Oktober 1964
12.11.59
La notte brava (Mauro Bolognini, 1959)
Wir von der Straße
Mauro Bolognini inszeniert, nach einem Drehbuch des Romanautors, gleichsam die Alta-moda-Version von Pier Paolo Pasolinis römischer Lumpenproletariatsapotheose »Ragazzi di vita«. Die jugendlichen Straßenmädchen und Gassenjungen des Films – verkörpert von kommenden Stars des internationalen Kinos wie Laurent Terzieff und Jean-Claude Brialy, Elsa Martinelli und Rosanna Schiaffino – entbehren jeglicher randständigen Ungeschliffenheit, ihre stolze Obszönität erscheint eher als trendige Pose denn als Ausdruck von Herkunft oder Naturell. Die Schauplätze der episodischen, einen Tag und eine Nacht umspannenden Handlung, trostlose Vororte, enge Sozialwohnungen, struppige Brachflächen, wirken wie dekorative Kulissen für das ziellose Treiben der Protagonisten, für Diebstähle und Betrügereien, Hurerei und Gewaltausbrüche. Unter der (von Armando Nannuzzi effektvoll fotografierten) Oberfläche zeigt sich indes das Drama eines Daseins am Rande – der Stadt, der Gesellschaft, der Hoffnung –, das Drama eines Daseins, das bei aller Abwesenheit von Freundschaft, von Solidarität, von Perspektive so etwas wie Momente einer glanzvollen, schäbigen, wilden Freiheit kennt, Momente, die zwar mit Geld zu bezahlen, aber in Wahrheit unbezahlbar sind.
R Mauro Bolognini B Pier Paolo Pasolini, Jacques-Laurent Bost V Pier Paolo Pasolini K Armando Nannuzzi M Piero Piccioni A Carlo Egidi S Nino Baragli P Antonio Cervi, Alessandro Jacovini D Laurent Terzieff, Jean-Claude Brialy, Rosanna Schiaffino, Elsa Martinelli, Antonella Lualdi, Mylène Demongeot | I & F | 95 min | 1:1,85 | sw | 12. November 1959
# 919 | 18. November 2014
Mauro Bolognini inszeniert, nach einem Drehbuch des Romanautors, gleichsam die Alta-moda-Version von Pier Paolo Pasolinis römischer Lumpenproletariatsapotheose »Ragazzi di vita«. Die jugendlichen Straßenmädchen und Gassenjungen des Films – verkörpert von kommenden Stars des internationalen Kinos wie Laurent Terzieff und Jean-Claude Brialy, Elsa Martinelli und Rosanna Schiaffino – entbehren jeglicher randständigen Ungeschliffenheit, ihre stolze Obszönität erscheint eher als trendige Pose denn als Ausdruck von Herkunft oder Naturell. Die Schauplätze der episodischen, einen Tag und eine Nacht umspannenden Handlung, trostlose Vororte, enge Sozialwohnungen, struppige Brachflächen, wirken wie dekorative Kulissen für das ziellose Treiben der Protagonisten, für Diebstähle und Betrügereien, Hurerei und Gewaltausbrüche. Unter der (von Armando Nannuzzi effektvoll fotografierten) Oberfläche zeigt sich indes das Drama eines Daseins am Rande – der Stadt, der Gesellschaft, der Hoffnung –, das Drama eines Daseins, das bei aller Abwesenheit von Freundschaft, von Solidarität, von Perspektive so etwas wie Momente einer glanzvollen, schäbigen, wilden Freiheit kennt, Momente, die zwar mit Geld zu bezahlen, aber in Wahrheit unbezahlbar sind.
R Mauro Bolognini B Pier Paolo Pasolini, Jacques-Laurent Bost V Pier Paolo Pasolini K Armando Nannuzzi M Piero Piccioni A Carlo Egidi S Nino Baragli P Antonio Cervi, Alessandro Jacovini D Laurent Terzieff, Jean-Claude Brialy, Rosanna Schiaffino, Elsa Martinelli, Antonella Lualdi, Mylène Demongeot | I & F | 95 min | 1:1,85 | sw | 12. November 1959
# 919 | 18. November 2014
12.5.59
Ohayo (Yasujiro Ozu, 1959)
Guten Morgen
Nachbarn und Kinder:
Sie sägen an den Nerven,
auch wenn sie schweigen.
R Yasujiro Ozu B Kogo Noda, Yasujiro Ozu K Yuharu Atsuta M Toshiro Mayuzumi A Tatsuo Hamada S Yoshiyasu Hamamura P Shizuo Yamanouchi D Keji Sada, Yoshiko Kuga, Chishu Ryu, Kuniko Miyake, Haruko Sugimura | JP | 94 min | 1:1,37 | f | 12. Mai 1959
Nachbarn und Kinder:
Sie sägen an den Nerven,
auch wenn sie schweigen.
R Yasujiro Ozu B Kogo Noda, Yasujiro Ozu K Yuharu Atsuta M Toshiro Mayuzumi A Tatsuo Hamada S Yoshiyasu Hamamura P Shizuo Yamanouchi D Keji Sada, Yoshiko Kuga, Chishu Ryu, Kuniko Miyake, Haruko Sugimura | JP | 94 min | 1:1,37 | f | 12. Mai 1959
10.5.58
Mon oncle (Jacques Tati, 1958)
Mein Onkel
Jacques Tatis Alter Ego Monsieur Hulot als Protagonist in einem skurrilen clash of lifestyles: Die seelenlose Zweckmäßigkeit der Hypermoderne steht gegen den nostalgischen Zauber der guten alten Zeit. Hier das von einer durchkonstruierten Grünanlagenabstraktion umgebene avantgardistische Eigenheim der Familie Arpel, dort Hulots romantisch-verstiegenes Dachstübchen in einem pittoresken Quartier – auf der einen Seite Lichtschranke, vollautomatische Küche und kühle Repräsentation, andererseits Pferdekarren, brüchige Mauern und liebenswürdige Mitmenschlichkeit. Auch wenn der Film beiden Welten gleichermaßen spitzfindige Gags abgewinnt – so werden etwa die runden Fenster der modernistischen Villa nachts zu glotzenden Augen, und grafisch angelegte Plattenwege provozieren bizarre Ballette der Gartenbesitzer und ihrer Gäste; demgegenüber zögert ein arbeitsfauler Straßenfeger vor jedem Besenschwung, und aus dem vorsintflutlichen Lastwagen eines Gemüsehändlers fallen bei jeder Gelegenheit scheppernde Werkzeuge –, sind die Sympathien klar verteilt: Hulot, der schrullig-lebenskünstlerische Schwager des borniert-arrivistischen Villenbesitzers (mithin der Onkel von dessen aufgewecktem kleinen Sohn), gibt in seiner spezifischen Mischung aus Staunen und Unerschütterlichkeit vielleicht kein Vorbild hinsichtlich konzentrierten Leistungswillens ab, überzeugt aber als Lehrmeister in Sachen Gemeinschaftsgefühl und Daseinsfreude. Tatis satirische Wehmut nach einem vermeintlich besseren Gestern (das aussieht wie an einem schönen Sommertag von Eugène Atget fotografiert) zeigt sich in der erzählerischen Konsequenz zutiefst paradox: Während malerische Stadtviertel der Spitzhacke zum Opfer fallen, entdeckt der kalkuliert-effiziente Monsieur Arpel das verspielte Kind in sich. So treibt die Hulot’sche Zivilisationskritik mit Hütchen, Regenschirm und Pfeife zu guter Letzt noch märchenhafte Blüten.
R Jacques Tati B Jacques Tati, Jacques Lagrange, Jean L’Hôte K Jean Bourgoin M Franck Barcellini, Alain Romans A Henri Schmitt S Suzanne Baron P Jacques Tati D Jacques Tati, Jean-Pierre Zola, Adrienne Servanti, Alain Bécourt, Betty Schneider | F | 117 min | 1:1,37 | f | 10. Mai 1958
# 929 | 5. Januar 2015
Jacques Tatis Alter Ego Monsieur Hulot als Protagonist in einem skurrilen clash of lifestyles: Die seelenlose Zweckmäßigkeit der Hypermoderne steht gegen den nostalgischen Zauber der guten alten Zeit. Hier das von einer durchkonstruierten Grünanlagenabstraktion umgebene avantgardistische Eigenheim der Familie Arpel, dort Hulots romantisch-verstiegenes Dachstübchen in einem pittoresken Quartier – auf der einen Seite Lichtschranke, vollautomatische Küche und kühle Repräsentation, andererseits Pferdekarren, brüchige Mauern und liebenswürdige Mitmenschlichkeit. Auch wenn der Film beiden Welten gleichermaßen spitzfindige Gags abgewinnt – so werden etwa die runden Fenster der modernistischen Villa nachts zu glotzenden Augen, und grafisch angelegte Plattenwege provozieren bizarre Ballette der Gartenbesitzer und ihrer Gäste; demgegenüber zögert ein arbeitsfauler Straßenfeger vor jedem Besenschwung, und aus dem vorsintflutlichen Lastwagen eines Gemüsehändlers fallen bei jeder Gelegenheit scheppernde Werkzeuge –, sind die Sympathien klar verteilt: Hulot, der schrullig-lebenskünstlerische Schwager des borniert-arrivistischen Villenbesitzers (mithin der Onkel von dessen aufgewecktem kleinen Sohn), gibt in seiner spezifischen Mischung aus Staunen und Unerschütterlichkeit vielleicht kein Vorbild hinsichtlich konzentrierten Leistungswillens ab, überzeugt aber als Lehrmeister in Sachen Gemeinschaftsgefühl und Daseinsfreude. Tatis satirische Wehmut nach einem vermeintlich besseren Gestern (das aussieht wie an einem schönen Sommertag von Eugène Atget fotografiert) zeigt sich in der erzählerischen Konsequenz zutiefst paradox: Während malerische Stadtviertel der Spitzhacke zum Opfer fallen, entdeckt der kalkuliert-effiziente Monsieur Arpel das verspielte Kind in sich. So treibt die Hulot’sche Zivilisationskritik mit Hütchen, Regenschirm und Pfeife zu guter Letzt noch märchenhafte Blüten.
R Jacques Tati B Jacques Tati, Jacques Lagrange, Jean L’Hôte K Jean Bourgoin M Franck Barcellini, Alain Romans A Henri Schmitt S Suzanne Baron P Jacques Tati D Jacques Tati, Jean-Pierre Zola, Adrienne Servanti, Alain Bécourt, Betty Schneider | F | 117 min | 1:1,37 | f | 10. Mai 1958
# 929 | 5. Januar 2015
9.1.57
Crime of Passion
Das war Mord, Mr. Doyle
Ein straffer Thriller über das Scheitern einer Frau »in a world made by men and for men« … Als ambitionierte Journalistin hat Kathy Ferguson (Barbara Stanwyck) erreicht, was sie erreichen kann: eine tägliche Ratgeberkolumne bei der ›San Francisco Post‹ und große Popularität bei den Leser(inne)n. Der lustlose Chefredakteur erwartet von ihr freilich nicht mehr als »a regular dose of schmaltz«, und als der virile police lieutenant Bill Doyle (Sterling Hayden) aus Los Angeles in Erscheinung tritt, läuft die eingeschworene Junggesellin (»For marriage, I read life sentence.«) mit fliegenden Fahnen in den Ehestand über. Bald schon frustriert von der Dumpfheit des Vorstadtlebens (pokernde Männer, tratschende Frauen) und der dickfelligen Genügsamkeit ihres Gatten, sucht Kathy einen Ausweg aus dieser Hölle der Mittelmäßigkeit: In der Absicht, Bills Karriere zu befördern, knüpft sie Kontakt zu dessen Vorgesetztem, Inspektor Pope (Raymond Burr) … Auch wenn manches unverblümt ausgesprochen wird (»Don’t you have any vision?«), deutet Gerd Oswald persönliche Wechselbeziehungen – sexuelle Attraktion und intellektuelle Anziehung – zumeist nur diskret an und studiert, auf welche Art die animalischen Instinkte seiner Hauptfiguren – Kathy erscheint wie eine Raubkatze, Bill wie ein Bär, Pope wie ein Silberrücken – die Handlung an ein schlimmes Ende treiben: Mit einer gewaltsamen Tat provoziert Kathy einen Nachweis von Bills kriminalistischer Befähigung und damit die bittere Pointe des Films.
R Gerd Oswald B Jo Eisinger K Joseph LaShelle M Paul Dunlap A Leslie Thomas S Marjorie Fowler P Herman Cohen D Barbara Stanwyck, Sterling Hayden, Raymong Burr, Fay Wray, Royal Dano | USA | 85 min | 1:1,66 | sw | 9. Januar 1957
# 941 | 6. Februar 2015
R Gerd Oswald B Jo Eisinger K Joseph LaShelle M Paul Dunlap A Leslie Thomas S Marjorie Fowler P Herman Cohen D Barbara Stanwyck, Sterling Hayden, Raymong Burr, Fay Wray, Royal Dano | USA | 85 min | 1:1,66 | sw | 9. Januar 1957
# 941 | 6. Februar 2015
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25.11.47
It Always Rains on Sunday (Robert Hamer, 1947)
Die Flucht vor Scotland Yard
»What's wrong with the East End, anyway?« — »It smells.« Sonntag in einer Londoner Arme-Leute-Gegend. Dämmrige Straßen, enge Behausungen, bleierne Wolken und Regen, Regen, Regen, von morgens bis spät in die Nacht … Tommy Swann (John McCallum) ist aus dem Gefängnis ausgebrochen; er sucht Unterschlupf bei seiner ehemaligen Geliebten Rose Sandigate (Googie Withers), einer schroffen Schönheit, die mittlerweile einen phlegmatisch-achtbaren Kleinbürger aus Bethnal Green geehelicht hat. Um die zentrale Storyline von Flucht und Verstecken und wieder Flucht komponiert Regisseur Robert Hamer eine ganze Reihe intensiver Milieu- und Charakterstudien – es riecht förmlich aus diesem poetisch-realistischen (Studio-)Film: nach ungelüfteten Zimmern und unterdrückten Gefühlen, nach feuchten Klamotten und verlorenen Illusionen. Über »It Always Rains on Sunday« hängen, zwischen Ruinenstaub und Mangel der Nachkriegszeit, die verblassende Erinnerung an ein glückverheißendes Gestern und die trügerische Hoffnung, daß sich irgendwann einmal etwas ändern könnte. Emotionen haben in diesem tristen, geordneten Kosmos den zweifelhaften Ruch (und den verzweifelten Reiz) des Verbotenen; Auswege gibt es nicht – nicht einmal Selbstmord: Jenseits des Gasofens und der Schienen liegt das unvermeidliche Grau des nächsten Morgens.
R Robert Hamer B Angus MacPhail, Robert Hamer, Henry Cornelius V Arthur La Bern K Douglas Slocombe M George Auric A Duncan Sutherland S Michael Truman P Michael Balcon, Henry Cornelius D Googie Withers, John McCallum, Edward Chapman, Susan Shaw, Jack Warner | UK | 92 min | 1:1,37 | sw | 25. November 1947
»What's wrong with the East End, anyway?« — »It smells.« Sonntag in einer Londoner Arme-Leute-Gegend. Dämmrige Straßen, enge Behausungen, bleierne Wolken und Regen, Regen, Regen, von morgens bis spät in die Nacht … Tommy Swann (John McCallum) ist aus dem Gefängnis ausgebrochen; er sucht Unterschlupf bei seiner ehemaligen Geliebten Rose Sandigate (Googie Withers), einer schroffen Schönheit, die mittlerweile einen phlegmatisch-achtbaren Kleinbürger aus Bethnal Green geehelicht hat. Um die zentrale Storyline von Flucht und Verstecken und wieder Flucht komponiert Regisseur Robert Hamer eine ganze Reihe intensiver Milieu- und Charakterstudien – es riecht förmlich aus diesem poetisch-realistischen (Studio-)Film: nach ungelüfteten Zimmern und unterdrückten Gefühlen, nach feuchten Klamotten und verlorenen Illusionen. Über »It Always Rains on Sunday« hängen, zwischen Ruinenstaub und Mangel der Nachkriegszeit, die verblassende Erinnerung an ein glückverheißendes Gestern und die trügerische Hoffnung, daß sich irgendwann einmal etwas ändern könnte. Emotionen haben in diesem tristen, geordneten Kosmos den zweifelhaften Ruch (und den verzweifelten Reiz) des Verbotenen; Auswege gibt es nicht – nicht einmal Selbstmord: Jenseits des Gasofens und der Schienen liegt das unvermeidliche Grau des nächsten Morgens.
R Robert Hamer B Angus MacPhail, Robert Hamer, Henry Cornelius V Arthur La Bern K Douglas Slocombe M George Auric A Duncan Sutherland S Michael Truman P Michael Balcon, Henry Cornelius D Googie Withers, John McCallum, Edward Chapman, Susan Shaw, Jack Warner | UK | 92 min | 1:1,37 | sw | 25. November 1947
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