31.12.71

Eins (Ulrich Schamoni, 1971)

»Ja, wo kämen wir denn hin, wenn jeder machen würde, was er wollte?!« Eine zwanglose Gesellschaftskomödie, ein boulevardeskes Roadmovie: Autorenfilmer und Hauptdarsteller Ulrich Schamoni verkörpert einen wohlgenährten Nachwuchskapitalisten, dessen Betriebsmittel das vom Großvater ererbte todsichere Roulette-System darstellt. Unterwegs in Südfrankreich, läßt der Geldsack drei Herumtreiber (in hinlänglich gutsitzende Smokings gesteckt) gegen überschaubare Entlohnung an den Casinotischen für sich spielen, während er selbst, am Strand oder im Bett, mit seiner (stets leichtbekleideten) Freundin die Früchte des Mehrwerts genießt. Schamonis launig-improvisatorische Etüde über Abhängigkeitsverhältnisse und Interessengegensätze gipfelt – nach wiederholten Zwistigkeiten zwischen den Sozialpartnern – in einer unverblümten Selbstdiagnose des Chefs: »Ich bin dreißig Jahre, Mensch, ich fühl mich sauwohl. Ich weiß gar nicht, warum ich mich ändern soll. Mein Leben lebe ich, und ich will mein Leben leben und nichts anderes. Das ist das Problem.« Es bleibt die Frage, ob es sein Problem ist oder das der anderen.

R Ulrich Schamoni B Ulrich Schamoni K Igor Luther M diverse S Heidi Genée P Ulrich Schamoni, Peter Schamoni D Ulrich Schamoni, Andrea Rau, Herbert Hamm, Wolf Fuchs, Pit Schröder | BRD | 94 min | 1:1,37 | f | 31. Dezember 1971

# 1182 | 31. Dezember 2019

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