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27.2.74

La carrière de Suzanne (Éric Rohmer, 1963/1974)

Die Karriere von Suzanne

Six contes moraux, 2: Zwei ungleiche Freunde, ein bedächtiger Schlaks und ein selbstgefälliger Don Juan, gabeln auf einer Caféterrasse am Boulevard Saint-Michel die naiv wirkende Suzanne auf, tändeln mit ihr herum, halten sie zum Besten, lassen sie auflaufen und immer wieder die abendliche Zeche zahlen; am Ende findet das Mädchen ihr Glück mit einem attraktiven Mann, und läßt ihrerseits die beiden Kumpane als unreife Jungs im Regen des Lebens stehen. Éric Rohmers ethologische Stilübung (die Betonung liegt auf ›Übung‹) aus dem Jahr 1963 führt mit bisweilen ermüdender Beiläufigkeit in Studentenbuden und Bistros, Hotelzimmer und Kellerbars, Parks und Schwimmbäder – wobei der spröde Erzähler (unter Verzicht auf das Ausstellen von Schauwerten) die Entfaltung von emotionaler Spannung konsequent vermeidet.

R Éric Rohmer B Éric Rohmer K Daniel Lacambre S Jackie Raynal, Éric Rohmer P Barbet Schroeder D Catherine Sée, Philippe Beuzen, Christian Charrière, Diane Wilkinson | F | 54 min | 1:1,37 | sw | 27. Februar 1974

La boulangère de Monceau (Éric Rohmer, 1962/1974)

Die Bäckerin von Monceau

Six contes moraux, 1: Junger Student sieht auf der Straße junge Frau, will sie unbedingt kennenlernen, steigt ihr tagelang nach (kreuz und quer durchs Viertel Monceau im 17. Pariser Arrondissement), verliert sie, wandert weiter durch die Gegend, bändelt mit einer niedlichen Bäckereiverkäuferin an (bei der er täglich Kekse kauft), die er ohne zu zögern fallenläßt, als das eigentliche Objekt der Begierde wieder in Sicht kommt. Éric Rohmers kleinformatige, im Sommer 1962 amateurhaft realisierte psychologische Skizze entwickelt, trotz veristischer Plein-air-Fotografie, kaum visuelle Überzeugungskraft – der zeitlos-lakonische Tonfall der Erzählerstimme bleibt hingegen im Ohr.

R Éric Rohmer B Éric Rohmer K Bruno Barbey, Jean-Michel Meurice S Jackie Raynal, Éric Rohmer P Barbet Schroeder D Barbet Schroeder, Claudine Soubrier, Michèle Girardon | F | 26 min | 1:1,37 | sw | 27. Februar 1974

15.5.69

Ma nuit chez Maud (Éric Rohmer, 1969)

Meine Nacht bei Maud

Six contes moraux, 3: Der von Jean-Louis Trintignant verkörperte Protagonist (und Erzähler) – Mitte 30, Ingenieur bei Michelin in Clermont-Ferrand, praktizierender Katholik – beobachtet in der Messe eine zurückhaltend wirkende (blonde) Frau (Marie-Christine Barrault) – und schlagartig wird ihm bewußt, daß er sie, die er nicht kennt, von der er nichts weiß: heiraten wird. Bevor es soweit ist, verbringt er (ungeplant – heftiger weihnachtlicher Schneefall hindert ihn am Nachhausefahren) eine Nacht und den folgenden Tag bei und mit der freigeistigen (brünetten) Maud (Françoise Fabian), der (geschiedenen) Freundin eines (marxistischen) Bekannten. Die kurze Begegnung gleicht einem gedankenvollen Redestrom, der kontroverse Überlegungen zu Themenpaaren wie Zufall und Bestimmung, ewige Liebe und Abnutzung der Gefühle, Körper und Geist, freier Wille und göttliche Gnade, Religiosität und Unglaube, Prinzipienfestigkeit (= Treue) und Flexibilität (= Seitensprung) heraufspült und wieder ver­schlingt. Éric Rohmer inszeniert seine winterlichen scènes de la vie de province als strenges psychologisches Rezitationsdrama, das dank der stupenden Sensibilität von Kameramann Néstor Almendros trotz entschiedener räumlicher Beschränkung eine erstaunliche visuelle Spannkraft entfaltet. Leise (fast überhörbare) sommerliche Ironie verrät sich erst in der kolportagehaften Schlußpointe. PS: »Kommt, reden wir zusammen / wer redet, ist nicht tot …«

R Éric Rohmer B Éric Rohmer K Néstor Almendros A Nicole Rachline S Cécile Decugis P Barbet Schroeder, Pierre Cottrell D Jean-Louis Trintignant, Françoise Fabian, Marie-Christine Barrault, Antoine Vitezm Guy Léger | F | 110 min | 1:1,37 | sw | 15. Mai 1969