Posts mit dem Label Albers werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Albers werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

20.3.58

Der Greifer (Eugen York, 1958)

In Essen geht ein Blondinenmörder um. Kommissar Dennert, genannt »der Greifer« (Hans Albers), hat einen höflichen Herrn (Horst Frank) im Visier, der sich verdächtig macht, weil er während der Vernehmung keine Nerven zeigt. Dennert, der selbstgewisse Profi mit dem extrabreiten Trenchcoat, vertraut allein seiner langjährigen Erfahrung und seinem untrüglichen Spürsinn, weswegen er von Vorgesetzten und jungen Kollegen – unter ihnen sein naßforscher Sohn, genannt »Dennert Zwo« (Hansjörg Felmy) – für ein Auslaufmodell gehalten wird … Regisseur Eugen York bietet Albers reichlich Gelegenheit, seinen einigermaßen angewelkten Hoppla-jetzt-komm-ich-Charme spielen zu lassen: Frauen werden jovial abgetätschelt, beim geselligen Zusammensein mit herzensguten Unterweltlern darf der pensionsreife Otto-Otto einen alten Schlager zum Besten geben (»Beim ersten Mal da tut’s noch weh.«), und den Triebtäter stellt er, obwohl zwischenzeitlich in den ungeliebten Ruhestand geschickt, natürlich auch noch. Sein eigentliches, historisch und sozialpsychologisch hochbrisantes Thema, den schwelenden Konflikt zwischen den Generationen, handelt der Film mit einem flapsigen Dialog ab: »Natürlich, wir Alten, wir haben ja immer schuld.« – »Ja, das habt ihr auch.« Danach bleibt alles, wie es ist. Vor den Vätern kapitulieren die Söhne.

R Eugen York B Curt J. Braun K Ekkehard Kyrath M Hans-Martin Majewski A Gabriel Pellon, Theodor Zwierski S Ingrid Wacker P Kurt Ulrich D Hans Albers, Hansjörg Felmy, Horst Frank, Werner Peters, Susanne Cramer | BRD | 96 min | 1:1,37 | f | 20. März 1958

# 862 | 16. Mai 2014

29.1.53

Käpt’n Bay-Bay (Helmut Käutner, 1953)

»Nimm uns mit, Kapitän, auf die Reise.« Der Hamburger Schiffsführer Christian Droste, genannt ›Käpt’n Bay-Bay‹ (Hans Albers), dessen Hochzeit mit der geduldigen Anna (Lotte Koch) wegen diverser Widrigkeiten schon viermal aufgeschoben werden mußte, berichtet anläßlich des fünften Anlaufs von den abenteuerlichen Hintergründen der Verzögerungen … Helmut Käutner gestaltet die wundersamen Erlebnisse des Kapitäns und seines glatzköpfigen Begleiters Smutje (Bum Krüger) als musikalisch-maritime Münchhausiade voller geblähter Segel und lamettabehängter Faschingsuniformen, angefüllt mit handfesten Stereotypen und liebenswürdigen Rassismen. Der Käpt’n singt und spinnt (eher assoziativ als stringent) sein Seemannsgarn über Gaunerstreiche und Ehrabschneiderei vor Afrika und in der Karibik, über hilfreiche Mohren und korrupte Präfekten, über raffinierte Frauenzimmer und blinde Passagiere, über Auftritte von tätowierten Diseusen und Prügeleien in obskuren Kaschemmen, über Staatsempfänge in Bananenrepubliken und grundlose Einkerkerung in finsteren Löchern. Ein Lied von Verlockung und Treue, ein Mann, immer wieder aufgehalten in der geliebten Ferne, mit tiefer Sehnsucht nach zu Haus: In gewisser Weise erscheint »Käpt’n Bay-Bay« wie die alberne Operettenversion von Käutners Entsagungsklassiker »Auf Wiedersehen, Franziska« – abgerundet mit einer glücklichen (Spät-)Heimkehr.

R Helmut Käutner B Heinz Pauck, Per Schwenzen V Iwa Wanja, Fritz Garshoff K Friedel Behn-Grund M Nobert Schultze A Fritz Maurischat, Paul Markwitz S Ilse Voigt P Heinrich Johnen D Hans Albers, Bum Krüger, Lotte Koch, Renate Mannhardt, Angèle Durand, Rudolf Fernau | BRD | 101 min | 1:1,37 | sw | 29. Januar 1953

# 884 | 22. Juni 2014

15.1.52

Nachts auf den Straßen (Rudolf Jugert, 1952)

Ohne daß er recht weiß, wie ihm geschieht, schlingert Fernfahrer Heinrich Schlüter (Hans Albers), treuer Ehemann, liebender Vater, pflichtbewußtes Arbeitstier, eines Nachts auf eine gefahrvolle Umleitung des Lebens: Erst streicht er heimlich die 20.000 Mark eines auf der Autobahn tödlich verunglückten Schiebers ein (um seiner »Alten« (Lucie Mannheim) endlich den seit 25 Jahren versprochenen Pelzmantel kaufen zu können), dann gerät er in den Bann seiner appetitlichen Straßenbekanntschaft Inge (Hildegard Knef), die von ihrem zynisch-unguten Lover (Marius Goring) ausgeschickt wurde, einen Dummen zu angeln, der sich für dunkle Geschäfte einspannen ließe … Mit viel Zuneigung zu seinen genau gezeichneten Figuren und einem wachen Blick für anschaulichen Details malt »Nachts auf den Straßen« ein noirisch angehauchtes Sittenbild des beginnenden Wirtschaftswunders, setzt betäubenden Konsum gegen verdrängte Erinnerungen, kleinbürgerliche Gemütlichkeit gegen impulsives Laissez-faire, emotionale Einsamkeit gegen das Bedürfnis nach Nähe, den Frust des Altwerdens gegen die Täuschung der Jugendfrische, die Statik eines beengenden Zuhauses gegen die Dynamik eines unsicheren Unterwegs. Auch wenn der (Irr-)Weg des Truckers schließlich und endlich wieder nach Hause führt, enthält sich Rudolf Jugerts offenherzig-unsentimentaler Genremix aus Romanze, Krimi und Roadmovie jeglicher Verdammung derjenigen, die (aus welchem Grund auch immer) vom Kurs abkommen.

R Rudolf Jugert B Helmut Käutner, Fritz Rotter K Václav Vich M Werner Eisbrenner A Ludwig Reiber, Rudolf Pfenniger S Fritz Stapenhorst P Erich Pommer D Hans Albers, Hildegard Knef, Lucie Mannheim, Marius Goring, Heinrich Gretler | BRD | 111 min | 1:1,37 | sw | 15. Januar 1952

9.12.47

… und über uns der Himmel (Josef von Báky, 1947)

»Was soll denn werden? / Es muß doch weitergeh’n!« Mit einem Rucksack voller Lebensmittel (= Schieberware) kehrt Hans Richter (Hans ›Hoppla, jetzt komm’ ich!‹ Albers) aus dem Weltkrieg zurück ins zertrümmerte Berlin. Zunächst nutzt der ehemalige Kranführer das Schwarzhandelsgut, um die eigene Wohnung wieder auf Vordermann zu bringen (»Ein Griff, ein Pfiff, ein Kniff – und fertig ist die Laube.«) und um die verwitwete Studienratsgattin von nebenan zu beeindrucken (»Heute paßt vieles zusammen, was früher keine Garnitur abgegeben hätte.«) – dann findet er Geschmack am leichtverdienten Geld, infolgedessen er der Rückkehr in den Brot(los)beruf eine Karriere als Geschäftemacher vorzieht. Richters (zunächst kriegsblinder, dann wieder klarsehender) Sohn bläst dem losen Alten schließlich den Marsch der Lauterkeit, und am Ende kommt alles wieder ins kleinbürgerliche Lot … Der erste deutsche Nachkriegsfilm unter amerikanischer Lizenz: eine Mischung aus Studiokünstlichkeit und Ruinenrealismus, aus zeitkritischem Durchhalteroman und lehrhafter Standpauke. Daß der »blonde Hans« lediglich vorübergehend auf Abwege geraten kann (und dann auch nur aus väterlicher Sorge um seine Liebsten), versteht sich dabei im Grunde von selbst. Wie in alten Ufa-Zeiten erhellt ein schimmernder Lichtreflex Albers’ vertrauenswürdige Augen, und Josef von Báky inszeniert den sympathischen Filou als eine Art Münchhausen im Schutt: immer kregel, immer patent, nie um eine Ausrede verlegen und noch im Zwielicht lebensmutig strahlend. Ein Lied darf er auch singen, zur besinnlich-optimistischen Dreigroschenmusik von Theo Mackeben: »Der Wind weht von allen Seiten. / Na, laß den Wind doch weh’n. / Denn über uns der Himmel, / Läßt uns nicht untergeh’n.«

R Josef von Báky B Gerhard Grindel K Werner Krien M Theo Mackeben A Emil Hasler, Walter Kutz S Wolfgang Becker P Richard König D Hans Albers, Lotte Koch, Paul Edwin Roth, Heidi Scharf, Otto Gebühr | D (W) | 103 min | 1:1,37 | sw | 9. Dezember 1947

15.12.44

Große Freiheit Nr. 7 (Helmut Käutner, 1944)

»Beim ersten Mal da tut’s noch weh …« Schauplatz des Films ist ein (größtenteils im Atelier nacherfundenes) ideales Hamburg: Wellen und Wolken, Schiffe und Kräne, Matrosen und Mädchen, Segel und Dampf, wabernde Reflexe an Mauern und Zimmerdecken: eine Traumstadt, gemalt in schönstem Agfacolor (Kamera: Werner Krien). Irgendwo zwischen Hafenrundfahrt und Amüsierschuppen, auf dem Weg von St. Pauli nach Blankenese und wieder zurück, entwickelt sich, aus der von Helmut Käutner empfindsam gestalteten idyllisch-fernwehen Atmosphäre, die Hand­lung: eine Romanze, ein Melodram, eine Geschichte von Wünschen und Abschied, von Stranden und Freisegeln. Die Konstellation ist bekannt: eine Frau und zwei Männer – in diesem Fall die an die Elbe zugereiste Gisa (jung und schön und gar nicht so hilflos: Ilse Werner) zwischen dem Werftarbeiter Willem (lässig: Hans Söhnker) und dem »singenden Seemann« Hannes Kröger (mit Glanzlichtern auf den blauen Augen: Hans Albers), der im ›Hippodrom‹ als »Animierfritze« allabendlich für Stimmung sorgt. Hannes, ein zwanghaft-lustiger Vergnügungsautomat, die »Große Freiheit«, eine bittere Illusion, Gisa, ein Versprechen auf wirkliche Befreiung. Käutner erzählt auch über erodierende Vorstellungen von Männlichkeit, über zerbröckelnde (Selbst-)Sicherheit, über das Fremdwerden an der eigenen Person, darüber, wie ein Mensch sich verlieren kann, wenn er nicht mehr in seinem Element ist … Gisa entscheidet sich schließlich für das Glück mit der forschen Landratte, der Teerjacke bleibt immer noch die See: »La Paloma, ohe! / Einmal muß es vorbei sein!« Hannes kappt die Trossen, einsam zurück bleibt seine nicht mehr ganz taufrische Wirtin und Geliebte Anita (tieftraurig: Hilde Hildebrand), doch »… mit der Zeit, so peu à peu, gewöhnt man sich daran.«

R Helmut Käutner B Helmut Käutner, Richard Nicolas K Werner Krien M Werner Eisbrenner A Max Mellin, Gerhard Ladner S Anneliese Schönnenbeck P Hans Tost D Hans Albers, Ilse Werner, Hans Söhnker, Gustav Knuth, Hilde Hildebrand | D | 112 min | 1:1,37 | f | 15. Dezember 1944

3.3.43

Münchhausen (Josef von Báky,1943)

»Abenteuer, Krieg, fremde Länder und schöne Frauen.« Zum ihrem 25. Geburtstag baut sich die (im Ersten Weltkrieg von der Obersten Heeresleitung zu Propagandazwecken aus der Taufe gehobene) UFA ein farbrauschendes Zelluloid-Luftschloß der Extraklasse. Die von »Filmminister« Dr. Goebbels persönlich in Auftrag gegebene Leinwandadaption der größten Lügengeschichte aller Zeiten führt den regsamen Baron Münchhausen (Hans Albers in bester Hoppla-jetzt-komm-ich-Laune) vom Stammschloß in der beschaulichen niedersächsischen Provinz über St. Petersburg, Istanbul, Venedig bis auf den Mond: ein prunkvolles Fest des Eskapismus, eine verwegene Flucht in die Phantasie, ein bumsfideler Ritt auf der Kanonenkugel – ein kinematographisches Leistungsschaustück mitten im totalen Krieg. Das von Erich Kästner (unter einem Pseudonym, das nicht genannt werden durfte) geschriebene, von Josef von Báky eher mit Bombast denn mit Grandezza ins Werk gesetzte Drehbuch schert sich nur wenig um erzählerische Stringenz; abrupte Szenenwechsel schaffen immer wieder neue Anlässe für tricktechnische Kapriolen sowie gewaltige Kostüm-, Kulissen- und Komparserie-Eruptionen, in denen die Kurzauftritte illustrer Persönlichkeiten des galanten Europa (Graf Cagliostro, Katharina die Große, Casanova) beinahe untergehen. Auch wenn sich gegen Ende des Agfacolor-Spektakels dunklere Töne einschleichen (»Die Zeit ist kaputt.«), wenn gar die Unsterblichkeit des unsterblichen Helden in Frage gestellt wird, obsiegt letztlich der Eindruck ungezügelter filmischer Großmannssucht.

R Josef von Báky B (ungenannt) Erich Kästner V Rudolf Erich Raspe, Gottfried August Bürger K Werner Krien, Konstantin Irmen-Tschet M Georg Haentzschel A Emil Hasler, Otto Gülstorff S Milo Harbich, Walter Wischniewsky P Eberhard Schmidt D Hans Albers, Brigitte Horney, Ilse Werner, Leo Slezak, Ferdinand Marian, Hermann Speelmans | D | 114 (134) min | 1:1,37 | f | 3. März 1943

# 1022 | 25. August 2016