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2.11.64

Topkapi (Jules Dassin, 1964)

Topkapi

Formal und erzählerisch unausgewogene Gaunerkomödie über einen Einbruch ins Istanbuler Topkapi-Museum. Jules Dassin parodiert sein eigenes, klassisches, schwarzes 1955er heist movie »Du rififi chez les hommes« als bonbonbunt-polternde Diebesclownerie; schmuddlige Ironie und diskrete Boshaftigkeit der Vorlage von Eric Ambler gehen dabei im Bosporus baden. Der Raubzug selbst (von oben, an Seilen hängend, über trittempfindlichem Fußboden) ist, wenn auch nicht gerade nervenzerreißend, so doch zumindest professionell inszeniert, und der mopsfidele Cast – Melina Mercouri (kleptoman und mannstoll), Peter Ustinov (scheinheilig und akrophob), Maximilian Schell (gründlich und improvisationsfreudig), Robert Morley (ausgetüftelt und vollfett), Akim Tamiroff (immer besoffen) – lohnt durchaus einen Blick (oder zwei).

R Jules Dassin B Monja Danischewsky V Eric Ambler K Henri Alekan M Manos Hatzidakis A Max Douy S Roger Dwyre P Jules Dassin D Melina Mercouri, Peter Ustinov, Maximilian Schell, Robert Morley, Jess Hahn | USA | 120 min | 1:1,66 | f | 2. September 1964

26.1.49

The Passionate Friends (David Lean, 1949)

Die große Leidenschaft

»Should old acquaintance be forgot …« Mit »The Passionate Friends« transponiert David Lean sein in der Provinz angesiedeltes Mittelklasse-Melodram »Brief Encounter« gleichsam in großstädtisch-kosmopolitisches Ambiente. Mary (Ann Todd), ansprüchlich und ein wenig preziös, will alles: die Sekurität und das Vermögen ihres älteren Banker-Gatten Howard (Claude Rains) sowie Vitalität und Leidenschaft des idealistischen Biologen Steven (Trevor Howard), der die attraktive Frau schon tief verehrte, bevor sie den distanzierten Geldmann ehelichte. In einer effektvollen Rückblendenkonstruktion, die das sorglos-elegante Londoner Leben des letzten Friedensjahres mit dem ersten Nachkriegsurlaub der Protagonisten in den romantischen Schweizer Alpen verbindet, bringt die Erzählung die divergierenden Seiten des emotionalen Dreiecks gegeneinander in Stellung – wobei Marys selbstüberzeugte Autonomie sich schließlich als ebenso brüchige Charaktermaske erweist wie Howards kalte Beherrschtheit. Bei aller Raffinesse der Inszenierung – insbesondere der noirisch angehauchten Lichtregie und der stellenweise beinahe expressiven Kadrierungen (Kamera: Guy Green) – bleibt Lean mit seinem Gefühlsroman aus der Oberschicht in jenen (freilich feingewebten) Genremustern befangen, die er wenige Jahre zuvor mit der Chronik einer kurzen Begegnung gewöhnlicher Liebender (durch sensible Milieuzeichnung und psychologische Verfeinerung) so eindrucksvoll unterlaufen hatte.

R David Lean B Eric Ambler V H.G. Wells K Guy Green M Richard Addinsell A John Bryan S Geoffrey Foot P Ronald Neame D Ann Todd, Claude Rains, Trevor Howard, Betty Ann Davis, Isabel Dean | UK | 89 min | 1:1,37 | sw | 26. Januar 1949

23.6.44

The Mask of Dimitrios (Jean Negulesco, 1944)

Die Maske des Dimitrios 

»There is not enough kindness in the world.« 1938 wird in Istanbul die Leiche eines Mannes an den Strand gespült. Dimitrios Makropoulos war ein in vielen Ländern gesuchter skrupelloser Verbrecher. Der Kriminalschriftsteller Cornelius Leyden (Peter Lorre), vom Chef der türkischen Militärpolizei auf den interessanten Fall aufmerksam gemacht, unternimmt eine Recherchereise, um die Biographie des Toten zu ergründen, eine Reise, die kreuz und quer durch Europa führt: vom Bosporus in Richtung Athen, weiter nach Sofia, Genf (mit einer Reminiszenz an Belgrad) und Paris. Diverse Zeugen (ein ehemaliger Drogenschmuggler, ein Nachrichtenhändler im Ruhestand, eine verblühte Nachtclubbesitzerin) berichten von ihren Begegnungen mit Dimitrios (Zachary Scott), und aus diesen erinnernden Rückblenden entsteht eine Erzählung von Mord und Verrat, Spionage und Erpressung, Geld und Politik … Eric Ambler, Autor der epochalen, multiperspektivischen Romanvorlage (deren Konstruktion Einfluß auf Orson Welles’ »Citizen Kane« und »Mr. Arkadin« gehabt haben mag), entwickelte das niederschmetternde Panorama der Zeit zwischen den Kriegen, indem er seine mysteriöse Titelfigur zum allgegenwärtigen Profiteur von Haß und Gewalt, zum Totengräber einer Welt am Abgrund stilisierte. Jean Negulescos Adaption enthält sich bei aller äußeren Werktreue jeder konkreten Gesellschaftskritik: Zwar offenbart auch die noirische Düsternis der eleganten Inszenierung ein Leben ohne Güte, ohne Freundlichkeit, ohne Miteinander – doch die dargestellte Inhumanität erscheint gleichsam privatisiert, ihrer historischen Beispielhaftigkeit entkleidet.

R Jean Negulesco B Frank Gruber V Eric Ambler K Arthur Edeson M Adolph Deutsch A Ted Smith S Frederick Richards P Henry Blanke D Peter Lorre, Sidney Greenstreet, Zachary Scott, Victor Francen, Faye Emerson | USA | 95 min | 1:1,37 | sw | 23. Juni 1944

# 792 | 6. November 2013