My Fair Lady
Die Tatsache, daß an George Cukor kein großer Musicalregisseur verlorengegangen ist, wird durch ein fideles Ensemble, durch die unausrottbaren Ohrwürmer von Lerner und Loewe, vor allem aber durch Gene Allens künstlich-elegante Bauten und Cecil Beatons parodistisch-exaltiertes Kostümbild halbwegs kaschiert. Die soziale Veredelung des Cockney-Blumenmädchens Eliza (»I'm a good girl, I am!« – Audrey Hepburn) durch den arrogant-eigenbrötlerischen Stimmbildner Professor Higgins (»Why can't a woman be more like a man?« – Rex Harrison) entbehrt jeder gesellschaftssatirischen Schärfe, stattdessen wirft sich »My Fair Lady« ganz auf das gemächliche Herzeigen nostalgischer production values und die Entwicklung einer eher unglaubwürdigen love story. Höhepunkte des Film sind – neben den visuell imposanten Tableaus der Ascot Gavotte – die Auftritte von Elizas Vater, des Müllkutschers Alfred P. Doolittle (Stanley Holloway), eines immer leicht angetüterten Rinnstein-Philosophen mit gesundem Vorbehalt gegen jede Form von middle-class morality, der das überlange Geschehen (leider zu selten) mit flotten Weisheiten aufmischt: »The Lord above made man to help his neighbor – but / With a little bit of luck, with a little bit of luck / When he comes around you won't be home!«
R George Cukor B Alan Jay Lerner V George Bernard Shaw K Harry Stradling M Frederick Loewe A Gene Allen, Cecil Beaton S William H. Ziegler P Jack L. Warner D Audrey Hepburn, Rex Harrison, Stanley Holloway, Wilfrid Hyde-White, Gladys Cooper | USA | 170 min | 1:2,35 | f | 21. Oktober 1964
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21.10.64
1.1.60
Heller in Pink Tights (George Cukor, 1960)
Die Dame und der Killer
Eine Schauspielertruppe schlägt sich – immer am Rand der Pleite, oft auf der überstürzten Flucht vor den Gläubigern – durch den Wilden Westen. Der eigensinnig-selbstbestimmte weibliche Star des Ensembles (: Sophia Loren – erblondet) steht zwischen zwei Männern: einem sympathisch-virilen hitman, der sie begehrt (: Steve Forrest), und dem sensibel-unentschlossenen Chef der company, den sie liebt (: Anthony Quinn). George Cukors (einziger) Western wechselt die Tonlagen so behende wie die Darstellerinnen ihre rauschenden Roben: von der Sittenkomödie zum Melodram zur Farce zur Romanze. Edith Heads exaltiertes Kostümbild und die aparte color coordination des Modefotografen George Hoyningen-Huene verleihen »Heller in Pink Tights« einen Hauch von ›Harper’s Bazaar‹, und wenn am Schluß des Films (nach reichlich Kitsch und einigen shoot-outs) die resolute Frau dem Mann ihrer Wahl mit dem Geld, das sie raffiniert ergaunert hat, »sein« Theater schenkt, lösen sich nicht nur alle Probleme sondern auch die klassischen Geschlechterrollen in verspieltes Wohlgefallen auf.
R George Cukor B Walter Bernstein, Dudley Nichols V Louis L’Amour K Harold Lipstein M Daniele Amfitheatrof A Gene Allen, Hal Pereira S Howard A. Smith P Marcello Girosi, Carlo Ponti D Sophia Loren, Anthony Quinn, Margaret O’Brien, Steve Forrest, Ramon Novarro | USA | 100 min | 1:1,85 | f | 1. Januar 1960
Eine Schauspielertruppe schlägt sich – immer am Rand der Pleite, oft auf der überstürzten Flucht vor den Gläubigern – durch den Wilden Westen. Der eigensinnig-selbstbestimmte weibliche Star des Ensembles (: Sophia Loren – erblondet) steht zwischen zwei Männern: einem sympathisch-virilen hitman, der sie begehrt (: Steve Forrest), und dem sensibel-unentschlossenen Chef der company, den sie liebt (: Anthony Quinn). George Cukors (einziger) Western wechselt die Tonlagen so behende wie die Darstellerinnen ihre rauschenden Roben: von der Sittenkomödie zum Melodram zur Farce zur Romanze. Edith Heads exaltiertes Kostümbild und die aparte color coordination des Modefotografen George Hoyningen-Huene verleihen »Heller in Pink Tights« einen Hauch von ›Harper’s Bazaar‹, und wenn am Schluß des Films (nach reichlich Kitsch und einigen shoot-outs) die resolute Frau dem Mann ihrer Wahl mit dem Geld, das sie raffiniert ergaunert hat, »sein« Theater schenkt, lösen sich nicht nur alle Probleme sondern auch die klassischen Geschlechterrollen in verspieltes Wohlgefallen auf.
R George Cukor B Walter Bernstein, Dudley Nichols V Louis L’Amour K Harold Lipstein M Daniele Amfitheatrof A Gene Allen, Hal Pereira S Howard A. Smith P Marcello Girosi, Carlo Ponti D Sophia Loren, Anthony Quinn, Margaret O’Brien, Steve Forrest, Ramon Novarro | USA | 100 min | 1:1,85 | f | 1. Januar 1960
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Romanze,
Western
26.12.40
The Philadelphia Story (George Cukor, 1940)
Die Nacht vor der Hochzeit
»The prettiest sight in this fine pretty world is the privileged class enjoying its privileges.« Die Reichen, scheint George Cukor mit dieser sophisticated comedy zu sagen, sind nicht oberflächlicher als andere Menschen, nur weil sie über viel Geld verfügen; sie leben zwar in den schöneren Häusern, haben aber, wie alle, ihre beziehungstechnischen Probleme, kennen, wie alle, die Nöte des Herzens. (Die Schlamassel der Begüterten, das unterscheidet sie von jenen der Unterprivilegierten, sehen allerdings besser aus, weil sie sich in luxuriösem Ambiente entfalten, und sie hören sich cooler an, weil die Zungen der Beteiligten vom Champagner gelöst werden.) Die göttliche Tracy Lord (Katharine Hepburn) zum Beispiel, intelligente, überlegene und prinzipientreue Tochter aus altem Ostküsten-Geldadel, sieht sich am Vorabend ihrer zweiten Hochzeit vor die Frage gestellt, ob sie ihr Lebensglück mit kühler Intelligenz, bronzehafter Überlegenheit und moralischer Prinzipientreue tatsächlich erreichen kann – oder ob ein wenig Herzensbildung ihr weiteres Schicksal vielleicht positiv zu beeinflussen vermöchte. »The Philadelphia Story«, eine romantische Farce voller hochprozentiger Dialoge und gesellschaftssatirischer Situationskomik, stellt das poor little rich girl zwischen drei Männer: den kurzweilig-schlawinerischen Exgatten (Cary Grant), den gediegen-hölzernen Self-made-Kapitalisten (John Howard), den bissig-sensiblen Schriftsteller (James Stewart) – wenn Tracy einem von ihnen (nach feucht-fröhlich-folgenschwerer Nacht) das Ja-Wort gibt, wird sich die weiße Göttin in ein menschliches Wesen verwandelt haben …
R George Cukor B David Ogden Stewart V Philip Barry K Joseph Ruttenberg M Franz Waxman A Cedric Gibbons S Frank Sullivan P Joseph L. Mankiewicz D Katharine Hepburn, Cary Grant, James Stewart, Ruth Hussey, John Howard | USA | 112 min | 1:1,37 | sw | 26. Dezember 1940
»The prettiest sight in this fine pretty world is the privileged class enjoying its privileges.« Die Reichen, scheint George Cukor mit dieser sophisticated comedy zu sagen, sind nicht oberflächlicher als andere Menschen, nur weil sie über viel Geld verfügen; sie leben zwar in den schöneren Häusern, haben aber, wie alle, ihre beziehungstechnischen Probleme, kennen, wie alle, die Nöte des Herzens. (Die Schlamassel der Begüterten, das unterscheidet sie von jenen der Unterprivilegierten, sehen allerdings besser aus, weil sie sich in luxuriösem Ambiente entfalten, und sie hören sich cooler an, weil die Zungen der Beteiligten vom Champagner gelöst werden.) Die göttliche Tracy Lord (Katharine Hepburn) zum Beispiel, intelligente, überlegene und prinzipientreue Tochter aus altem Ostküsten-Geldadel, sieht sich am Vorabend ihrer zweiten Hochzeit vor die Frage gestellt, ob sie ihr Lebensglück mit kühler Intelligenz, bronzehafter Überlegenheit und moralischer Prinzipientreue tatsächlich erreichen kann – oder ob ein wenig Herzensbildung ihr weiteres Schicksal vielleicht positiv zu beeinflussen vermöchte. »The Philadelphia Story«, eine romantische Farce voller hochprozentiger Dialoge und gesellschaftssatirischer Situationskomik, stellt das poor little rich girl zwischen drei Männer: den kurzweilig-schlawinerischen Exgatten (Cary Grant), den gediegen-hölzernen Self-made-Kapitalisten (John Howard), den bissig-sensiblen Schriftsteller (James Stewart) – wenn Tracy einem von ihnen (nach feucht-fröhlich-folgenschwerer Nacht) das Ja-Wort gibt, wird sich die weiße Göttin in ein menschliches Wesen verwandelt haben …
R George Cukor B David Ogden Stewart V Philip Barry K Joseph Ruttenberg M Franz Waxman A Cedric Gibbons S Frank Sullivan P Joseph L. Mankiewicz D Katharine Hepburn, Cary Grant, James Stewart, Ruth Hussey, John Howard | USA | 112 min | 1:1,37 | sw | 26. Dezember 1940
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