Der letzte Scharfschütze
Januar 1901. Queen Victoria ist tot, und John Bernard Books (John Wayne) geht es auch nicht besonders gut. In Carson City erhält der berühmt-berüchtigte Revolverheld vom Arzt seines Vertrauens (James Stewart) die niederschmetternde Diagnose: Krebs im Endstadium. Books nimmt Quartier im boarding house der ehrbaren Witwe Mrs. Rogers (Lauren Bacall), wo er in Ruhe (und Würde) auf den Tod warten will – aber ganz so einfach ist es natürlich nicht, wenn (Anti-)Helden abdanken. Im Handumdrehen treten die Legendenfledderer auf den Plan: alerte Journalisten und geschäftige Bestatter, frühere Geliebte und alte Gegenspieler des Moribunden (»I’m a dying man, scared of the dark.«) wittern leichtes Geld und/oder schnellen Ruhm ... Don Siegel zeichnet das respektvoll-unsentimentale Porträt eines Mannes, der seine Zeit überlebt hat, und bietet John Wayne (dem Western-Star schlechthin, der drei Jahre später an Krebs sterben wird) die Gelegenheit, einen ironisch-melancholischen (Genre-)Abschied von gestern zu zelebrieren; so fährt der alte Kämpe zwar mit der Straßenbahn zum finalen Duell, darf aber die letzten Dinge auf altbewährte Weise regeln.
R Don Siegel B Miles Hood Swarthout, Scott Hale V Glendon Swarthout K Bruce Surtees M Elmer Bernstein A Robert Boyle S Douglas Stewart P M. J. Frankovich, William Self D John Wayne, Lauren Bacall, Ron Howard, James Stewart, John Carradine | USA | 100 min | 1:1,85 | f | 16. Juli 1976
# 1192 | 6. Juni 2020
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16.7.76
The Shootist (Don Siegel, 1976)
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1.1.60
Heller in Pink Tights (George Cukor, 1960)
Die Dame und der Killer
Eine Schauspielertruppe schlägt sich – immer am Rand der Pleite, oft auf der überstürzten Flucht vor den Gläubigern – durch den Wilden Westen. Der eigensinnig-selbstbestimmte weibliche Star des Ensembles (: Sophia Loren – erblondet) steht zwischen zwei Männern: einem sympathisch-virilen hitman, der sie begehrt (: Steve Forrest), und dem sensibel-unentschlossenen Chef der company, den sie liebt (: Anthony Quinn). George Cukors (einziger) Western wechselt die Tonlagen so behende wie die Darstellerinnen ihre rauschenden Roben: von der Sittenkomödie zum Melodram zur Farce zur Romanze. Edith Heads exaltiertes Kostümbild und die aparte color coordination des Modefotografen George Hoyningen-Huene verleihen »Heller in Pink Tights« einen Hauch von ›Harper’s Bazaar‹, und wenn am Schluß des Films (nach reichlich Kitsch und einigen shoot-outs) die resolute Frau dem Mann ihrer Wahl mit dem Geld, das sie raffiniert ergaunert hat, »sein« Theater schenkt, lösen sich nicht nur alle Probleme sondern auch die klassischen Geschlechterrollen in verspieltes Wohlgefallen auf.
R George Cukor B Walter Bernstein, Dudley Nichols V Louis L’Amour K Harold Lipstein M Daniele Amfitheatrof A Gene Allen, Hal Pereira S Howard A. Smith P Marcello Girosi, Carlo Ponti D Sophia Loren, Anthony Quinn, Margaret O’Brien, Steve Forrest, Ramon Novarro | USA | 100 min | 1:1,85 | f | 1. Januar 1960
Eine Schauspielertruppe schlägt sich – immer am Rand der Pleite, oft auf der überstürzten Flucht vor den Gläubigern – durch den Wilden Westen. Der eigensinnig-selbstbestimmte weibliche Star des Ensembles (: Sophia Loren – erblondet) steht zwischen zwei Männern: einem sympathisch-virilen hitman, der sie begehrt (: Steve Forrest), und dem sensibel-unentschlossenen Chef der company, den sie liebt (: Anthony Quinn). George Cukors (einziger) Western wechselt die Tonlagen so behende wie die Darstellerinnen ihre rauschenden Roben: von der Sittenkomödie zum Melodram zur Farce zur Romanze. Edith Heads exaltiertes Kostümbild und die aparte color coordination des Modefotografen George Hoyningen-Huene verleihen »Heller in Pink Tights« einen Hauch von ›Harper’s Bazaar‹, und wenn am Schluß des Films (nach reichlich Kitsch und einigen shoot-outs) die resolute Frau dem Mann ihrer Wahl mit dem Geld, das sie raffiniert ergaunert hat, »sein« Theater schenkt, lösen sich nicht nur alle Probleme sondern auch die klassischen Geschlechterrollen in verspieltes Wohlgefallen auf.
R George Cukor B Walter Bernstein, Dudley Nichols V Louis L’Amour K Harold Lipstein M Daniele Amfitheatrof A Gene Allen, Hal Pereira S Howard A. Smith P Marcello Girosi, Carlo Ponti D Sophia Loren, Anthony Quinn, Margaret O’Brien, Steve Forrest, Ramon Novarro | USA | 100 min | 1:1,85 | f | 1. Januar 1960
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7.1.55
Bad Day at Black Rock (John Sturges, 1955)
Stadt in Angst
Moderner, sonnenheller Noir-Western in unwirtlichem CinemaScope und staubigem Eastmancolor: Spencer Tracy (als wortkarger einarmiger Kriegsveteran) kommt in eine gottverlassenes Kaff, wo die Züge seit Jahren nicht mehr nicht halten. Eigentlich will er nur die Tapferkeitsmedaille eines toten Kameraden an dessen Familie übergeben, aber der ungebetene Besuch des alten Mannes weckt schlafende Hunde (Robert Ryan, Lee Marvin, Ernest Borgnine), die schließlich im Rudel über den Fremden herfallen. Das Lüften ihres schmutzigen Geheimnisses können sie dennoch nicht verhindern – »denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werde.« Ein ranker, schlanker Wüstenthriller vom zuverlässigen John Sturges.
R John Sturges B Millard Kaufman, Don McGuire K William C. Mellor M André Previn A Malcolm Brown, Cedric Gibbons S Newell P. Kimlin P Dore Schary D Spencer Tracy, Robert Ryan, Anne Francis, Lee Marvin, Ernest Borgnine | USA | 81 min | 1:2,35 | f | 7. Januar 1955
Moderner, sonnenheller Noir-Western in unwirtlichem CinemaScope und staubigem Eastmancolor: Spencer Tracy (als wortkarger einarmiger Kriegsveteran) kommt in eine gottverlassenes Kaff, wo die Züge seit Jahren nicht mehr nicht halten. Eigentlich will er nur die Tapferkeitsmedaille eines toten Kameraden an dessen Familie übergeben, aber der ungebetene Besuch des alten Mannes weckt schlafende Hunde (Robert Ryan, Lee Marvin, Ernest Borgnine), die schließlich im Rudel über den Fremden herfallen. Das Lüften ihres schmutzigen Geheimnisses können sie dennoch nicht verhindern – »denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werde.« Ein ranker, schlanker Wüstenthriller vom zuverlässigen John Sturges.
R John Sturges B Millard Kaufman, Don McGuire K William C. Mellor M André Previn A Malcolm Brown, Cedric Gibbons S Newell P. Kimlin P Dore Schary D Spencer Tracy, Robert Ryan, Anne Francis, Lee Marvin, Ernest Borgnine | USA | 81 min | 1:2,35 | f | 7. Januar 1955
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26.5.54
Johnny Guitar (Nicholas Ray, 1954)
Wenn Frauen hassen
Eine Westernlandschaft. Ein Mann reitet ins Bild. Im Hintergrund explodiert ein Berg – später ist zu erfahren, daß die Trasse der Eisenbahn durchs Terrain gesprengt wird. »Johnny Guitar« erzählt von existenzieller (aber auch selbstgewählter) Einsamkeit (»I’m a stranger here myself.«) in einer Welt des unaufhaltsamen Umbruchs. Nicholas Ray malt die Geschichte von Vienna, die dem Abenteuer der Zukunft die Türen ihres Saloons öffnet, und von Emma Small, deren Ängste und Verletzungen zu titanischem Haß komprimiert sind, als große Oper in fiebrigen Farben – Joan Crawford läßt dabei Hollywood weit hinter sich und gibt eine Vorahnung von Maria Callas bei Pasolini, Mercedes McCambridge reduziert sich wirkungsvoll auf eine irre lachende Fratze des Zorns. Männer (der von Sterling Hayden (nicht ohne Grund etwas lustlos) verkörperte Titelheld des Films inbegriffen) dienen hier bestenfalls als Auslöser der Raserei und stellen lediglich die Hilfstruppen eines von Frauen angezettelten und ausgefochtenen Gefühlskrieges – bei dessen Inszenierung Ray im übrigen keinerlei Scheu vor exaltierter Überdeutlichkeit zeigt. Die Szene, in der Vienna, in einem üppigen weißen Kleid vor einer roten Felswand sitzend, Klavier spielt, während sie die, an Totenvögel gemahnenden, schwarzgekleideten Häscher um Emma erwartet, mag dafür ein Beispiel geben: »I'm going to kill you.« – »I know. If I don't kill you first.«
R Nicholas Ray B Philip Yordan V Roy Chanslor K Harry Stradling M Victor Young A James Sullivan S Richard L. Van Enger P Herbert J. Yates D Joan Crawford, Sterling Hayden, Mercedes McCambridge, Ward Bond, Ernest Borgnine | USA | 110 min | 1:1,37 | f | 26. Mai 1954
Eine Westernlandschaft. Ein Mann reitet ins Bild. Im Hintergrund explodiert ein Berg – später ist zu erfahren, daß die Trasse der Eisenbahn durchs Terrain gesprengt wird. »Johnny Guitar« erzählt von existenzieller (aber auch selbstgewählter) Einsamkeit (»I’m a stranger here myself.«) in einer Welt des unaufhaltsamen Umbruchs. Nicholas Ray malt die Geschichte von Vienna, die dem Abenteuer der Zukunft die Türen ihres Saloons öffnet, und von Emma Small, deren Ängste und Verletzungen zu titanischem Haß komprimiert sind, als große Oper in fiebrigen Farben – Joan Crawford läßt dabei Hollywood weit hinter sich und gibt eine Vorahnung von Maria Callas bei Pasolini, Mercedes McCambridge reduziert sich wirkungsvoll auf eine irre lachende Fratze des Zorns. Männer (der von Sterling Hayden (nicht ohne Grund etwas lustlos) verkörperte Titelheld des Films inbegriffen) dienen hier bestenfalls als Auslöser der Raserei und stellen lediglich die Hilfstruppen eines von Frauen angezettelten und ausgefochtenen Gefühlskrieges – bei dessen Inszenierung Ray im übrigen keinerlei Scheu vor exaltierter Überdeutlichkeit zeigt. Die Szene, in der Vienna, in einem üppigen weißen Kleid vor einer roten Felswand sitzend, Klavier spielt, während sie die, an Totenvögel gemahnenden, schwarzgekleideten Häscher um Emma erwartet, mag dafür ein Beispiel geben: »I'm going to kill you.« – »I know. If I don't kill you first.«
R Nicholas Ray B Philip Yordan V Roy Chanslor K Harry Stradling M Victor Young A James Sullivan S Richard L. Van Enger P Herbert J. Yates D Joan Crawford, Sterling Hayden, Mercedes McCambridge, Ward Bond, Ernest Borgnine | USA | 110 min | 1:1,37 | f | 26. Mai 1954
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23.5.52
Rancho Notorious (Fritz Lang, 1952)
Engel der Gejagten
»Oh listen, listen well«, heißt der Sänger das Publikum, während die Anfangstitel laufen: »Listen to the legend of Chuck-a-Luck, Chuck-a-Luck, listen to the wheel of fate.« Fritz Langs »tale of the old frontier« erzählt die Geschichte des Farmarbeiters Vern Haskell (Arthur Kennedy), der nach Ermordung seiner Braut auf die Jagd nach dem Täter geht. Mehrfach kommentiert der Sänger strophenweise das Geschehen – ein Kunstgriff, der die extreme Theatralität des (fast ausschließlich im Studio gedrehten) B-Films ironisch betont … Seine Nachforschungen führen Vern zur Ranch ›Chuck-a-Luck‹ und deren Besitzerin Altar Keane (Marlene Dietrich), die gesuchten Banditen gegen Bezahlung Unterschlupf gewährt. In diversen Flashback-Berichten wird das fast mythische Bild dieser durch und durch unabhängigen Frau gezeichnet: wie sie auf dem Rücken eines Mannes ein Juxrennen durch einen Saloon reitet, wie sie in großer Robe eine von zwei Schimmeln gezogene Kutsche durch eine staubige Grenzstadt lenkt, wie sie mit Hilfe des charmanten Revolverhelden Frenchy Fairmont (Mel Ferrer) beim Glücksspiel (›Chuck-a-Luck‹) jenes Vermögen gewinnt, das es ihr gestattet, sich eine (zeitweilig) gesicherte Existenz im Schatten des Gesetzes aufzubauen. Als sie leibhaftig ins Zentrum der Handlung tritt, erscheint die Patronin des Hideouts gleichermaßen herrisch (»I am the boss of this ranch. I make the rules.«) und wehmütig – ihre Zeit, die große Zeit des Wilden Westens, so ahnt sie wohl, geht zu Ende: »Go away«, sagt Altar zu Vern, dem ihr Herz sich zuneigt, »go away and come back ten years ago.« Aber die Uhr läßt sich nicht zurückstellen, weder für die alternde Schönheit, noch für den Gunman oder den Rächer. Das Schicksalsrad dreht sich unaufhaltsam – »round and round with a whispering sound, it spins, it spins the old story of hate, murder and revenge«.
R Fritz Lang B Daniel Taradash, Silvia Richards K Hal Mohr M Emil Newman, Ken Darby A Wiard Ihnen S Otto Ludwig P Howard Welsch D Marlene Dietrich, Arthur Kennedy, Mel Ferrer, Lloyd Gough, Gloria Henry | USA | 89 min | 1:1,37 | f | 23. Mai 1952
# 934 | 18. Januar 2015
»Oh listen, listen well«, heißt der Sänger das Publikum, während die Anfangstitel laufen: »Listen to the legend of Chuck-a-Luck, Chuck-a-Luck, listen to the wheel of fate.« Fritz Langs »tale of the old frontier« erzählt die Geschichte des Farmarbeiters Vern Haskell (Arthur Kennedy), der nach Ermordung seiner Braut auf die Jagd nach dem Täter geht. Mehrfach kommentiert der Sänger strophenweise das Geschehen – ein Kunstgriff, der die extreme Theatralität des (fast ausschließlich im Studio gedrehten) B-Films ironisch betont … Seine Nachforschungen führen Vern zur Ranch ›Chuck-a-Luck‹ und deren Besitzerin Altar Keane (Marlene Dietrich), die gesuchten Banditen gegen Bezahlung Unterschlupf gewährt. In diversen Flashback-Berichten wird das fast mythische Bild dieser durch und durch unabhängigen Frau gezeichnet: wie sie auf dem Rücken eines Mannes ein Juxrennen durch einen Saloon reitet, wie sie in großer Robe eine von zwei Schimmeln gezogene Kutsche durch eine staubige Grenzstadt lenkt, wie sie mit Hilfe des charmanten Revolverhelden Frenchy Fairmont (Mel Ferrer) beim Glücksspiel (›Chuck-a-Luck‹) jenes Vermögen gewinnt, das es ihr gestattet, sich eine (zeitweilig) gesicherte Existenz im Schatten des Gesetzes aufzubauen. Als sie leibhaftig ins Zentrum der Handlung tritt, erscheint die Patronin des Hideouts gleichermaßen herrisch (»I am the boss of this ranch. I make the rules.«) und wehmütig – ihre Zeit, die große Zeit des Wilden Westens, so ahnt sie wohl, geht zu Ende: »Go away«, sagt Altar zu Vern, dem ihr Herz sich zuneigt, »go away and come back ten years ago.« Aber die Uhr läßt sich nicht zurückstellen, weder für die alternde Schönheit, noch für den Gunman oder den Rächer. Das Schicksalsrad dreht sich unaufhaltsam – »round and round with a whispering sound, it spins, it spins the old story of hate, murder and revenge«.
R Fritz Lang B Daniel Taradash, Silvia Richards K Hal Mohr M Emil Newman, Ken Darby A Wiard Ihnen S Otto Ludwig P Howard Welsch D Marlene Dietrich, Arthur Kennedy, Mel Ferrer, Lloyd Gough, Gloria Henry | USA | 89 min | 1:1,37 | f | 23. Mai 1952
# 934 | 18. Januar 2015
3.12.46
My Darling Clementine (John Ford, 1946)
Faustrecht der Prärie
Tombstone – Stadt an der Scheidelinie zwischen Wildnis und Zivilisation, zwischen Naturzustand und Ordnung, zwischen zwei (rein männlichen) Familien: den Clantons und den Earps. »When ya pull a gun, kill a man«, mahnt Old Man Clanton (Walter Brennan als Exponent der Gesetzlosigkeit) seine mißratenen Söhne. Wyatt Earp (Henry Fonda) tritt mit seinen Brüdern an, die Herrschaft der Anarchie zu beenden, vorgeblich als Sachwalter in eigener Angelegenheit (der Jüngste des Clans wurde von der Gegenseite erschossen, das Vieh wurde geraubt), im Grunde als Vertreter eines höheren Prinzips (= des Rechts) zum Wohle der Gemeinschaft … John Ford (der historische Figuren benutzt, ohne sich um historische Korrektheit zu kümmern) zeichnet Tombstone (»Wide-awake, wide-open town. You can get anything you want there.«) als Mikrokosmos einer Gesellschaft zwischen Lust an ungezügelter Freiheit und Verlangen nach Übersichtlichkeit, als kleine, paradoxe Welt, halb Friedhof, halb Idyll. Von Joseph MacDonald mal in die hoffnungslose Düsternis der Nacht getaucht, dann wieder ins kristallklare Licht des Sonntagmorgens gesetzt, wechselt »My Darling Clementine« auch die erzählerischen Tonlagen umstandslos von derber Komik zu sentimentaler Schwermut, von lyrischer Heiterkeit zu unvermittelter Gewalttätigkeit. Die schillerndste Figur dieses hintergründigen Westerns vereint alle Gegensätze in einer Person: Doc Holliday (Victor Mature), tuberkulöser Revolverheld, saufgieriger Akademiker, empfindsamer Spieler, ein Mann, der frei sein will und Anschluß sucht, einer, der Shakespeare zitiert, der sich hinüberträumt in Hamlets »undiscovered country, from whose bourn / No traveller returns«. Für ihn gibt es letztlich keine Zukunft: Niemand kann auf beiden Seiten der Grenze stehen.
R John Ford B Samuel G. Engel, Winston Miller V Stuart N. Lake K Joseph MacDonald M Cyril Mockridge A James Basevi, Lyle Wheeler S Dorothy Spencer P Samuel G. Engel D Henry Fonda, Linda Darnell, Victore Mature, Cathy Downs, Walter Brennan | USA | 97 min | 1:1,37 | sw | 3. Dezember 1946
Tombstone – Stadt an der Scheidelinie zwischen Wildnis und Zivilisation, zwischen Naturzustand und Ordnung, zwischen zwei (rein männlichen) Familien: den Clantons und den Earps. »When ya pull a gun, kill a man«, mahnt Old Man Clanton (Walter Brennan als Exponent der Gesetzlosigkeit) seine mißratenen Söhne. Wyatt Earp (Henry Fonda) tritt mit seinen Brüdern an, die Herrschaft der Anarchie zu beenden, vorgeblich als Sachwalter in eigener Angelegenheit (der Jüngste des Clans wurde von der Gegenseite erschossen, das Vieh wurde geraubt), im Grunde als Vertreter eines höheren Prinzips (= des Rechts) zum Wohle der Gemeinschaft … John Ford (der historische Figuren benutzt, ohne sich um historische Korrektheit zu kümmern) zeichnet Tombstone (»Wide-awake, wide-open town. You can get anything you want there.«) als Mikrokosmos einer Gesellschaft zwischen Lust an ungezügelter Freiheit und Verlangen nach Übersichtlichkeit, als kleine, paradoxe Welt, halb Friedhof, halb Idyll. Von Joseph MacDonald mal in die hoffnungslose Düsternis der Nacht getaucht, dann wieder ins kristallklare Licht des Sonntagmorgens gesetzt, wechselt »My Darling Clementine« auch die erzählerischen Tonlagen umstandslos von derber Komik zu sentimentaler Schwermut, von lyrischer Heiterkeit zu unvermittelter Gewalttätigkeit. Die schillerndste Figur dieses hintergründigen Westerns vereint alle Gegensätze in einer Person: Doc Holliday (Victor Mature), tuberkulöser Revolverheld, saufgieriger Akademiker, empfindsamer Spieler, ein Mann, der frei sein will und Anschluß sucht, einer, der Shakespeare zitiert, der sich hinüberträumt in Hamlets »undiscovered country, from whose bourn / No traveller returns«. Für ihn gibt es letztlich keine Zukunft: Niemand kann auf beiden Seiten der Grenze stehen.
R John Ford B Samuel G. Engel, Winston Miller V Stuart N. Lake K Joseph MacDonald M Cyril Mockridge A James Basevi, Lyle Wheeler S Dorothy Spencer P Samuel G. Engel D Henry Fonda, Linda Darnell, Victore Mature, Cathy Downs, Walter Brennan | USA | 97 min | 1:1,37 | sw | 3. Dezember 1946
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John Ford,
Justiz,
Kleinstadt,
Mature,
Tombstone,
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