Der rosarote Panther kehrt zurück
»To Catch a Thief« revisited: Wieder einmal wird der hochkarätige ›Pink Panther‹ entwendet; wieder einmal nimmt Inspektor Clouseau (ein Meister der grotesken Maske: Peter Sellers) die kriminalistische Fährte des ›Phantoms‹ auf, die (behäbig) durch den Mittleren Osten, an die Côte d’Azur, in die Schweizer Alpen mäandert; wieder einmal in Verdacht gerät Sir Charles Lytton (leider nicht von Grandseigneur David Niven sondern von Ersatz-Beau Christopher Plummer gespielt), der diese Unterstellung aus der Welt zu schaffen gedenkt, indem er den wahren Täter faßt; wieder einmal gehen zahllose Inneneinrichtungen zu Bruch, fliegen Fetzen, reißen Nerven. Zunehmend wichtiger als die (umständlich verdoppelte) Ermittlung wird jedoch das Geschehen auf dem Nebenkriegsschauplatz, wo Clouseaus haßerfüllt-mörderischer Vorgesetzter Dreyfus (mit irrem Lidflattern: Herbert Lom) seinem kreativ-destruktiven Untergebenen (erfolglos) nach dem Leben trachtet … Solange Blake Edwards sich auf die anarchische Präzision seines Hauptdarstellers verläßt, funktioniert »The Return of the Pink Panther« vorhersehbar gut, in den (viel zu breiten) erzählerischen Zwischenräumen herrschen indes komödiantischer Leerlauf und (gehobener) formaler Durchschnitt. PS: »Compared to Clouseau, Attila the Hun was a Red Cross volunteer!«
R Blake Edwards B Blake Edwards, Frank Waldman K Geoffrey Unsworth M Henry Mancini A Peter Mullins S Tom Priestley P Blake Edwards D Peter Sellers, Christopher Plummer, Catherine Schell, Herbert Lom, Burt Kwouk | UK | 113 min | 1:2,35 | f | 21. Mai 1975
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4.4.68
The Party (Blake Edwards, 1968)
Der Partyschreck
(»The world is flat.«) Neben Truman Capotes legendärem ›Black-and-White-Ball‹ ist »The Party« wohl das herausragende gesellschaftliche Ereignis der glanzvoll-rebellischen 1960er Jahre. Die ins ultramoderne Heim von Hollywood-Mogul ›General‹ Clutterbuck geladenen Gäste mögen weniger illuster sein als die feine Gesellschaft, die sich anderthalb Jahre zuvor im Grand Ballroom des New Yorker Plaza Hotel versammelte – die Stimmung jedoch steigt zu extremen Höhepunkten, was neben der avancierten (aber unkontrolliert eingesetzten) Haustechnik und einem kunstvoll (aber entwürdigend) bemalten Elefanten insbesondere dem (nur versehentlich anwesenden) indischen Kleindarsteller Hrundi V. Bakshi (Peter Sellers) zu danken ist. Als Agent desselben revolutionären Weltgeistes, der kurze Zeit später in Berlin ein Verlagshaus der Massenpresse in Flammen setzen, in Paris den Strand unter dem Pflaster freilegen und in Prag einen kurzen Frühling der Utopie entfesseln wird, läßt der ridikül-radikale Komparse (»Howdy, partener!«) die in verbindlichen Regeln ruhende Welt des Establishments im Schaum des avantgardistischen Umsturzes versinken. Blake Edwards wirft derweil alle Regeln der filmischen Erzählkunst in den schwappenden Pool und stellt das Kino dahin, wo es hingehört: vom (wohlüberlegenden) Kopf auf die (ungestüm tanzenden) Füße (sowie auf die (wild herumfuchtelnden) Hände). Vive l’anarchie! PS: Und das hübsche, sensible Mädchen (Claudine Longet) kriegt der höflich-irre Bakshi auch noch. PPS: »Birdie Num Num.«
R Blake Edwards B Blake Edwards, Tom Waldman, Frank Waldman K Lucien Ballard M Henry Mancini A Fernando Carrere S Ralph E. Winters P Blake Edwards D Peter Sellers, Claudine Longet, J. Edward McKinley, Gavin MacLeod, Denny Miller | USA | 99 min | 1:2,35 | f | 4. April 1968
(»The world is flat.«) Neben Truman Capotes legendärem ›Black-and-White-Ball‹ ist »The Party« wohl das herausragende gesellschaftliche Ereignis der glanzvoll-rebellischen 1960er Jahre. Die ins ultramoderne Heim von Hollywood-Mogul ›General‹ Clutterbuck geladenen Gäste mögen weniger illuster sein als die feine Gesellschaft, die sich anderthalb Jahre zuvor im Grand Ballroom des New Yorker Plaza Hotel versammelte – die Stimmung jedoch steigt zu extremen Höhepunkten, was neben der avancierten (aber unkontrolliert eingesetzten) Haustechnik und einem kunstvoll (aber entwürdigend) bemalten Elefanten insbesondere dem (nur versehentlich anwesenden) indischen Kleindarsteller Hrundi V. Bakshi (Peter Sellers) zu danken ist. Als Agent desselben revolutionären Weltgeistes, der kurze Zeit später in Berlin ein Verlagshaus der Massenpresse in Flammen setzen, in Paris den Strand unter dem Pflaster freilegen und in Prag einen kurzen Frühling der Utopie entfesseln wird, läßt der ridikül-radikale Komparse (»Howdy, partener!«) die in verbindlichen Regeln ruhende Welt des Establishments im Schaum des avantgardistischen Umsturzes versinken. Blake Edwards wirft derweil alle Regeln der filmischen Erzählkunst in den schwappenden Pool und stellt das Kino dahin, wo es hingehört: vom (wohlüberlegenden) Kopf auf die (ungestüm tanzenden) Füße (sowie auf die (wild herumfuchtelnden) Hände). Vive l’anarchie! PS: Und das hübsche, sensible Mädchen (Claudine Longet) kriegt der höflich-irre Bakshi auch noch. PPS: »Birdie Num Num.«
R Blake Edwards B Blake Edwards, Tom Waldman, Frank Waldman K Lucien Ballard M Henry Mancini A Fernando Carrere S Ralph E. Winters P Blake Edwards D Peter Sellers, Claudine Longet, J. Edward McKinley, Gavin MacLeod, Denny Miller | USA | 99 min | 1:2,35 | f | 4. April 1968
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23.6.64
A Shot in the Dark (Blake Edwards, 1964)
Ein Schuß im Dunkeln
»You fell of the sofa, you stupid …« – »Everything I do is carefully planned, Madame.« Tatsächlich überlassen Blake Edwards und Peter Sellers nichts dem Zufall – jeder Moment ihrer clouseauesken Whodunit-Farce ist minutiös choreographiert. Mit starrem Entsetzen blickt die Kamera (Christopher Challis) auf die Spasmen des unaufhaltsamen Pariser Inspektors, der seine Ermittlung mit der stattlichen Bilanz von vierzehn Leichen und einem verrückt gewordenen Vorgesetzten (»Give me ten men like Clouseau and I could destroy the world.« – Herbert Lom) abschließt. Die Stiff-upper-lip-Inszenierung setzt wie im Vorgänger auf den Kontrast zwischen geschmackvoller Unmoral der oberen Zehntausend und achtbarem Aufklärungswahn des biederen Polizisten, verschiebt (und simplifiziert) das meisterhafte »Pink Panther«-Gleichgewicht von Romantik und Slapstick jedoch grundsätzlich zugunsten des (von Sellers zugegebenermaßen begnadet dargebotenen) Körperwitzes.
R Blake Edwards B Blake Edwards, William Peter Blatty V Harry Kurnitz, Marcel Achard K Christopher Challis M Henry Mancini A Michael Stringer S Ralph E. Winters P Blake Edwards D Peter Sellers, Elke Sommer, George Sanders, Herbert Lom, Tracy Reed | USA & UK | 101 min | 1:2,35 | f | 23. Juni 1964
»You fell of the sofa, you stupid …« – »Everything I do is carefully planned, Madame.« Tatsächlich überlassen Blake Edwards und Peter Sellers nichts dem Zufall – jeder Moment ihrer clouseauesken Whodunit-Farce ist minutiös choreographiert. Mit starrem Entsetzen blickt die Kamera (Christopher Challis) auf die Spasmen des unaufhaltsamen Pariser Inspektors, der seine Ermittlung mit der stattlichen Bilanz von vierzehn Leichen und einem verrückt gewordenen Vorgesetzten (»Give me ten men like Clouseau and I could destroy the world.« – Herbert Lom) abschließt. Die Stiff-upper-lip-Inszenierung setzt wie im Vorgänger auf den Kontrast zwischen geschmackvoller Unmoral der oberen Zehntausend und achtbarem Aufklärungswahn des biederen Polizisten, verschiebt (und simplifiziert) das meisterhafte »Pink Panther«-Gleichgewicht von Romantik und Slapstick jedoch grundsätzlich zugunsten des (von Sellers zugegebenermaßen begnadet dargebotenen) Körperwitzes.
R Blake Edwards B Blake Edwards, William Peter Blatty V Harry Kurnitz, Marcel Achard K Christopher Challis M Henry Mancini A Michael Stringer S Ralph E. Winters P Blake Edwards D Peter Sellers, Elke Sommer, George Sanders, Herbert Lom, Tracy Reed | USA & UK | 101 min | 1:2,35 | f | 23. Juni 1964
20.3.64
The Pink Panther (Blake Edwards, 1964)
Der rosarote Panther
Paris, Rom, Cortina d’Ampezzo … Diamanten, Pelze, (Après-)Ski … eine steinreiche Prinzessin (Claudia Cardinale), ein kultivierter Gentleman-Dieb (David Niven), ein hartnäckiger Ermittler (Peter Sellers). Blake Edwards mixt mit »The Pink Panther« einen perfekten Cocktail aus fein moussierender Romantik, lässiger sophistication, abgezirkelter Komik, schafft eine delikate Synthese aus cooler Musik, coolen Bildern, coolem Habitus – und mehr: Der surreale Einbruch des (selbst-)zerstörerischen Wahnsinns (in Gestalt des scheinbar unscheinbaren Inspektor Clouseau) in die sorglos-stilvolle Welt der happy few, wo Kriminalität als amüsanter Zeitvertreib unter gleichgestimmten Connaisseuren betrieben wird, veredelt die brillante High-Society-Komödie mittels physischer (und sozialer) Paradoxien unversehens zur formvollendeten Nonsense-Analyse gesellschaftlicher Zustände: Der (ziemlich kleinbürgerliche) Vertreter der Wahrheit erscheint als ehrlicher Dummer, als spektakulärer Pausenclown, der die lasterhaften Schönen und Reichen zwar intuitiv durchschaut, ihrem ruchlosen Treiben aber letztlich nicht beikommen kann. PS: »Where is my Sûreté-Scotland-Yard-type mackintosh?«
R Blake Edwards B Maurice Richlin, Blake Edwards K Philip H. Lathrop M Henry Mancini A Fernando Carrere S Ralph E. Winters P Martin Jurow D David Niven, Peter Sellers, Claudia Cardinale, Capucine, Robert Wagner | USA | 113 min | 1:2,35 | f | 20. März 1964
Paris, Rom, Cortina d’Ampezzo … Diamanten, Pelze, (Après-)Ski … eine steinreiche Prinzessin (Claudia Cardinale), ein kultivierter Gentleman-Dieb (David Niven), ein hartnäckiger Ermittler (Peter Sellers). Blake Edwards mixt mit »The Pink Panther« einen perfekten Cocktail aus fein moussierender Romantik, lässiger sophistication, abgezirkelter Komik, schafft eine delikate Synthese aus cooler Musik, coolen Bildern, coolem Habitus – und mehr: Der surreale Einbruch des (selbst-)zerstörerischen Wahnsinns (in Gestalt des scheinbar unscheinbaren Inspektor Clouseau) in die sorglos-stilvolle Welt der happy few, wo Kriminalität als amüsanter Zeitvertreib unter gleichgestimmten Connaisseuren betrieben wird, veredelt die brillante High-Society-Komödie mittels physischer (und sozialer) Paradoxien unversehens zur formvollendeten Nonsense-Analyse gesellschaftlicher Zustände: Der (ziemlich kleinbürgerliche) Vertreter der Wahrheit erscheint als ehrlicher Dummer, als spektakulärer Pausenclown, der die lasterhaften Schönen und Reichen zwar intuitiv durchschaut, ihrem ruchlosen Treiben aber letztlich nicht beikommen kann. PS: »Where is my Sûreté-Scotland-Yard-type mackintosh?«
R Blake Edwards B Maurice Richlin, Blake Edwards K Philip H. Lathrop M Henry Mancini A Fernando Carrere S Ralph E. Winters P Martin Jurow D David Niven, Peter Sellers, Claudia Cardinale, Capucine, Robert Wagner | USA | 113 min | 1:2,35 | f | 20. März 1964
29.1.64
Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb (Stanley Kubrick, 1964)
Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben
»You can't fight in here! This is the War Room!« Zwei Weltmächte mit der Fähigkeit die Welt, über die sie Macht ausüben, jederzeit zu atomisieren; an der Spitze jeweils ein älterer Herr, den nervösen Finger am roten Knopf. Stanley Kubricks Doomsday-Farce faßt den systemischen Irrsinn des Kalten Krieges (»War is too important to be left to politicians.«) trefflich zusammen: Infiltration und Indoktrination, Subversion und aufwallende Körpersäfte, die Erde als operatives Planungsfeld, Städte als Koordinaten potentieller Angriffe. Verrückte Militärs, besoffene Generalsekretäre, wohlmeinende Präsidenten, mannhafte Bomberpiloten, draufgängerische Berater, kühl kalkulierende (Spiel-)Theoretiker – Jack D. Ripper, Dimitri Kissoff, Merkin Muffley, T. J. Kong, Buck Turgidson, Dr. Strangelove (»What kind of a name is that? That ain't no Kraut name is it?« – »He changed it when he became a citizen. Used to be Merkwürdigliebe.«) –, sie alle wollen nur das (für sich) Beste, und ihnen allen tut es am Ende ganz schrecklich leid (oder auch nicht). »Die Welt ist eine Komödie für die, die denken, eine Tragödie für die, die fühlen«, sagte ein englischer Homme de lettres und Politiker (der nebenbei die Gothic fiction begründete). Kubrick denkt. Denkt das Undenkbare: »Sir! I have a plan! … Mein Führer! I can walk!« Trost bleibt dennoch: »We'll meet again, don't know where, don't know when. / But I'm sure we'll meet again some sunny day.«
R Stanley Kubrick B Stanley Kubrick, Terry Southern, Peter Bryant V Peter Bryant K Gilbert Taylor M Laurie Johnson A Ken Adam S Anthony Harvey P Stanley Kubrick D Peter Sellers, George C. Scott, Slim Pickens, Sterling Hayden, Peter Bull | USA & UK | 95 min | 1:1,66 | sw | 29. Januar 1964
# 772 | 16. September 2013
»You can't fight in here! This is the War Room!« Zwei Weltmächte mit der Fähigkeit die Welt, über die sie Macht ausüben, jederzeit zu atomisieren; an der Spitze jeweils ein älterer Herr, den nervösen Finger am roten Knopf. Stanley Kubricks Doomsday-Farce faßt den systemischen Irrsinn des Kalten Krieges (»War is too important to be left to politicians.«) trefflich zusammen: Infiltration und Indoktrination, Subversion und aufwallende Körpersäfte, die Erde als operatives Planungsfeld, Städte als Koordinaten potentieller Angriffe. Verrückte Militärs, besoffene Generalsekretäre, wohlmeinende Präsidenten, mannhafte Bomberpiloten, draufgängerische Berater, kühl kalkulierende (Spiel-)Theoretiker – Jack D. Ripper, Dimitri Kissoff, Merkin Muffley, T. J. Kong, Buck Turgidson, Dr. Strangelove (»What kind of a name is that? That ain't no Kraut name is it?« – »He changed it when he became a citizen. Used to be Merkwürdigliebe.«) –, sie alle wollen nur das (für sich) Beste, und ihnen allen tut es am Ende ganz schrecklich leid (oder auch nicht). »Die Welt ist eine Komödie für die, die denken, eine Tragödie für die, die fühlen«, sagte ein englischer Homme de lettres und Politiker (der nebenbei die Gothic fiction begründete). Kubrick denkt. Denkt das Undenkbare: »Sir! I have a plan! … Mein Führer! I can walk!« Trost bleibt dennoch: »We'll meet again, don't know where, don't know when. / But I'm sure we'll meet again some sunny day.«
R Stanley Kubrick B Stanley Kubrick, Terry Southern, Peter Bryant V Peter Bryant K Gilbert Taylor M Laurie Johnson A Ken Adam S Anthony Harvey P Stanley Kubrick D Peter Sellers, George C. Scott, Slim Pickens, Sterling Hayden, Peter Bull | USA & UK | 95 min | 1:1,66 | sw | 29. Januar 1964
# 772 | 16. September 2013
9.4.57
The Smallest Show on Earth (Basil Dearden, 1957)
Die kleinste Schau der Welt
»Well, I’m sure there is a business like show business, but somehow I don’t think this is it.« Wer träumte nicht von einer Erbschaft aus heiterem Himmel? Dem jungen Schriftsteller Matt Spencer fällt dieses unverhoffte Glück in den Schoß. Zusammen mit seiner Ehefrau Jean reist er nach Sloughborough, um die Hinterlassenschaft des unbekannten Großonkels in Augenschein zu nehmen: ein Kino. Dabei handelt es sich allerdings nicht, wie kurz zu vermuten steht, um den ultramodernen Filmpalast ›The Grand‹ sondern um das gegenüberliegende, vormals ehrwürdige ›Bijou Kinema‹ – am Ort auch als »the flea pit« bekannt. Zwischen zwei vielbefahrene Bahnstrecken gezwängt, atmet der marode Kintopp die schwülstig-staubige Atmosphäre längst vergangener Stummfilmzeiten. Als einzige Chance, Geld zu erlösen, erscheint der Verkauf an den überheblichen Besitzer des ›Grand‹, der das ›Bijou‹ abreißen will, um das Terrain als Parkplatz zu nutzen … Regisseur Basil Dearden, lange Jahre für die Ealing-Studios tätig, knüpft, zusammen mit Autor William Rose (der unter anderem »The Ladykillers« schrieb), an die spezifische Komödientradition des Hauses an: ein Zusammenstoß von Klein (bzw. Alt) und Groß (bzw. Neu), ein pittoreskes Setting, kuriose Situationen und – most of all: spleenige Typen. Tatsächlich ist es vorrangig das skurrile Personal des ererbten Kinos, das den großen Reiz der »Smallest Show on Earth« ausmacht: die kauzige Kartenverkäuferin (und einstige Geliebte des Verstorbenen) Mrs. Fazackalee (Margaret Rutherford), der stets vom Alkohol versuchte Projektionist Mr. Quill (Peter Sellers) sowie – last but not least: Old Tom (Bernard Miles), der verhuschte Hausmeister und Platzanweiser, der sich nichts sehnlicher wünscht als eine stattliche Uniform. Letzterer ist es, der die beste (sehr heiße) Lösung für alle Probleme findet: »It were the only way, weren't it?«
R Basil Dearden B William Rose, John Eldridge K Douglas Slocombe M William Alwyn A Allan Harris S Oswald Hafenrichter P Michael Relph D Bill Travers, Virginia McKenna, Peter Sellers, Margaret Rutherford, Bernard Miles | UK | 80 min | 1:1,37 | sw | 9. April 1957
# 908 | 12. September 2014
»Well, I’m sure there is a business like show business, but somehow I don’t think this is it.« Wer träumte nicht von einer Erbschaft aus heiterem Himmel? Dem jungen Schriftsteller Matt Spencer fällt dieses unverhoffte Glück in den Schoß. Zusammen mit seiner Ehefrau Jean reist er nach Sloughborough, um die Hinterlassenschaft des unbekannten Großonkels in Augenschein zu nehmen: ein Kino. Dabei handelt es sich allerdings nicht, wie kurz zu vermuten steht, um den ultramodernen Filmpalast ›The Grand‹ sondern um das gegenüberliegende, vormals ehrwürdige ›Bijou Kinema‹ – am Ort auch als »the flea pit« bekannt. Zwischen zwei vielbefahrene Bahnstrecken gezwängt, atmet der marode Kintopp die schwülstig-staubige Atmosphäre längst vergangener Stummfilmzeiten. Als einzige Chance, Geld zu erlösen, erscheint der Verkauf an den überheblichen Besitzer des ›Grand‹, der das ›Bijou‹ abreißen will, um das Terrain als Parkplatz zu nutzen … Regisseur Basil Dearden, lange Jahre für die Ealing-Studios tätig, knüpft, zusammen mit Autor William Rose (der unter anderem »The Ladykillers« schrieb), an die spezifische Komödientradition des Hauses an: ein Zusammenstoß von Klein (bzw. Alt) und Groß (bzw. Neu), ein pittoreskes Setting, kuriose Situationen und – most of all: spleenige Typen. Tatsächlich ist es vorrangig das skurrile Personal des ererbten Kinos, das den großen Reiz der »Smallest Show on Earth« ausmacht: die kauzige Kartenverkäuferin (und einstige Geliebte des Verstorbenen) Mrs. Fazackalee (Margaret Rutherford), der stets vom Alkohol versuchte Projektionist Mr. Quill (Peter Sellers) sowie – last but not least: Old Tom (Bernard Miles), der verhuschte Hausmeister und Platzanweiser, der sich nichts sehnlicher wünscht als eine stattliche Uniform. Letzterer ist es, der die beste (sehr heiße) Lösung für alle Probleme findet: »It were the only way, weren't it?«
R Basil Dearden B William Rose, John Eldridge K Douglas Slocombe M William Alwyn A Allan Harris S Oswald Hafenrichter P Michael Relph D Bill Travers, Virginia McKenna, Peter Sellers, Margaret Rutherford, Bernard Miles | UK | 80 min | 1:1,37 | sw | 9. April 1957
# 908 | 12. September 2014
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Rutherford,
Sellers
8.12.55
The Ladykillers (Alexander Mackendrick, 1955)
Ladykillers
Nein, Verbrechen lohnt sich auch in diesem schwarzkomödiantischen Fall nicht – die fünf (bunt zusammengewürfelten) Kriminellen, die unter Führung des originell-verrückten »Professor« Marcus (Alec Guinness) 60.000 Pfund rauben, dürfen die Früchte ihrer Tat nicht genießen. Scheinbar widerstrebende Nutznießer der Gesetzlosigkeit sind (einmal mehr) Anstand und Tugend, die in guter Absicht ihr ganz eigenes Chaos entfalten … In Gestalt einer penetrant reizenden älteren Dame (Katie Johnson als verwitwete Mrs. Wilberforce – ihr Gatte, Kapitän der Handelsmarine, versank vor einem Menschenalter mit seinem Schiff, nicht ohne zuvor drei befreundeten Papageien das Leben gerettet zu haben), in deren viktorianischem, direkt oberhalb der Einfahrt eines Eisenbahntunnels (!) gelegenen Häuschen der Überfall (unter musikalischer Tarnung) geplant und später die Sore verteilt wird – läßt Alexander Mackendrick liebenswürdige Vernageltheit über Ehrgeiz und Ingenium triumphieren. Die erwartungsvolle Gegenwart muß sich angesichts der Übermacht einer unerschütterlichen Vergangenheit (einmal mehr) restlos geschlagen geben: »We’ll never be able to kill her. She’ll always be with us, forever and ever and ever. And there’s nothing we can do.«
R Alexander Mackendrick B Willam Rose K Otto Heller M Tristram Cary A Jim Morahan S Jack Harris P Michael Balcon D Katie Johnson, Alec Guinness, Herbert Lom, Peter Sellers, Cecil Parker | UK | 91 min | 1:1,66 | f | 8. Dezember 1955
Nein, Verbrechen lohnt sich auch in diesem schwarzkomödiantischen Fall nicht – die fünf (bunt zusammengewürfelten) Kriminellen, die unter Führung des originell-verrückten »Professor« Marcus (Alec Guinness) 60.000 Pfund rauben, dürfen die Früchte ihrer Tat nicht genießen. Scheinbar widerstrebende Nutznießer der Gesetzlosigkeit sind (einmal mehr) Anstand und Tugend, die in guter Absicht ihr ganz eigenes Chaos entfalten … In Gestalt einer penetrant reizenden älteren Dame (Katie Johnson als verwitwete Mrs. Wilberforce – ihr Gatte, Kapitän der Handelsmarine, versank vor einem Menschenalter mit seinem Schiff, nicht ohne zuvor drei befreundeten Papageien das Leben gerettet zu haben), in deren viktorianischem, direkt oberhalb der Einfahrt eines Eisenbahntunnels (!) gelegenen Häuschen der Überfall (unter musikalischer Tarnung) geplant und später die Sore verteilt wird – läßt Alexander Mackendrick liebenswürdige Vernageltheit über Ehrgeiz und Ingenium triumphieren. Die erwartungsvolle Gegenwart muß sich angesichts der Übermacht einer unerschütterlichen Vergangenheit (einmal mehr) restlos geschlagen geben: »We’ll never be able to kill her. She’ll always be with us, forever and ever and ever. And there’s nothing we can do.«
R Alexander Mackendrick B Willam Rose K Otto Heller M Tristram Cary A Jim Morahan S Jack Harris P Michael Balcon D Katie Johnson, Alec Guinness, Herbert Lom, Peter Sellers, Cecil Parker | UK | 91 min | 1:1,66 | f | 8. Dezember 1955
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