25.10.67

Le samouraï (Jean-Pierre Melville, 1967)

Der eiskalte Engel

»Qu’est-ce que vous pensez de Costello?« – »Je ne pense jamais.« Jean-Pierre Melvilles zeremonielle Studie über die totale Einsamkeit, über die Fremdheit unter anderen und in sich selbst, begleitet den Killer Jef Costello auf (s)einer Reise in den Tod. Jef (Alain Delon spielt ihn mit maskenhafter Ungerührtheit) ist ein Mann, der weder Vergangenheit noch Zukunft hat; seine Gegenwart kennt nur Aufträge und Gewohnheit, abgezirkelte Gesten und makellosen Stil. Die Erzählung – mit einem Kommissar, der niemals denkt (François Périer), mit einer Verlobten, die es mag, gebraucht zu werden (Nathalie Delon), mit einer Zeugin, die sphinxhaft schweigt (Cathy Rosier) – kombiniert bekannte Versatzstücke aus film noir und gangster movies, aber Melville geht es gar nicht um Handlung, sondern, wie seinem Protagonisten, um die vollendete Form der (Selbst-)Darstellung, um die fast parodistische Reduktion des Zeigens von Emotion. François de Roubaix trägt zu diesem Spiel der leeren Blicke und kalkulierten Bewegungen einen minimalistisch-elektronischen Soundtrack bei. Henri Decaës Kamera schwelgt in müdem Beige, staubigem Grau und frostigem Blau. Näher zum absoluten Nullpunkt drang das Kino selten vor – »Le samouraï« ist ein Film, der nichts gibt und nichts will, ein Film, der sich selbst genügt.

R Jean-Pierre Melville B Jean-Pierre Melville, Georges Pellegrin V Joan McLeod K Henri Decaë M François de Roubaix A François de Lamothe S Monique Bonnot, Yolande Maurette P Raymond Borderie, Eugène Lépicier D Alain Delon, François Périer, Nathalie Delon, Cathy Rosier, Michel Boisrond | F & I | 105 min | 1:1,85 | f | 25. Oktober 1967

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