Der junge Argentinier Manuel Aranda (Alain Noury) geht in Wien auf die Spur des Mordes an seinem Vater (einem wohlhabenden Wissenschaftler, der eine brisante Erfindung machte) und verliebt sich in die schöne Nichte (Doris Kunstmann) der durch Suizid abgeschiedenen Täterin … Johannes Mario Simmels gewiefte literarische Masche, mittels schmalziger Kolportage vom unterhaltsamen Hölzchen aufs gesellschaftskritische Stöckchen zu kommen und damit das verbrecherische Gestern im unbekümmerten Heute zu entlarven, hat der kongenialische Alfred Vohrer mit viel Fischauge und noch mehr Vaseline auf der Linse (Kamera: Charly Steinberger) in spleeniges Kinoentertainment transferiert. »Und Jimmy ging zum Regenbogen« handelt gleichzeitig vom Schicksal eines fanatisch-faschistischen Halbjudenjungen im Wien der Nazizeit sowie von der Formel eines massenvernichtenden chemischen Kampfstoffs, hinter der alle Großmächte (und solche, die sich dafür halten) im Wien der erzählerischen Gegenwart geheimdienstlich her sind. Vohrers comichafte Größe zeigt sich, wenn er die konkurrierenden Spione (Peter Pasetti, Heinz Baumann, Herbert Fleischmann) ganz einfach mittels entsprechender Fähnchenwimpel auf ihren Schreibtischen kennzeichnet. Dazu gibt es Judy Winter als unsterbliche Luxushure (und ewige Doppelagentin), Horst Frank als verliebten SD-Schergen, Horst Tappert als patenten Winkeladvokaten, Ruth Leuwerik als biedere Buchhändlerin (und Rächerin, die ein halbes Leben auf die passende Gelegenheit wartet). Ganz und gar nicht zu vergessen: der märchenhaft-lyrische Score von Erich Ferstl, der die simmelgemäß tragisch endende Liebesbeziehung zwischen den jungen Leuten unter- oder auch übermalt.
R Alfred Vohrer B Manfred Purzer V Johannes Mario Simmel K Charly Steinberger M Erich Ferstl A Wolf Englert S Jutta Hering P Luggi Waldleitner D Alain Noury, Doris Kunstmann, Ruth Leuwerik, Judy Winter, Horst Frank | BRD | 133 min | 1:1,85 | f | 4. März 1971
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4.3.71
30.6.62
Die Rote (Helmut Käutner, 1962)
»Wann geht der nächste Zug?« – »Wohin?« – »Irgendwohin.« In Mailand läßt die deutsche Dolmetscherin Franziska (Ruth Leuwerik) ihren schnöseligen Gatten im Café sitzen, später gibt sie telefonisch auch ihrem selbstgefälligen Lover den Laufpaß; sie flüchtet aus einem Leben, das sie plötzlich anekelt, das sie von einem Moment auf den anderen nicht mehr versteht, obwohl sie es doch immer so wollte (oder so zu wollen glaubte) und im Grunde auch genoß … Die Liebesmüde treibt es ins nachsaisonale Venedig, wo sie auf der Suche nach sich selbst erneut zwischen die Männer gerät: Sie begegnet einem elegischen Schriftsteller (Rossano Brazzi), der ihr das Ende der Welt zeigt, einem schwulen Globetrotter (Giorgio Albertazzi), der von alter Schuld verfolgt wird, einem dämonischen Dickwanst (Gert Fröbe), der seine bösen Taten wie eine stolze Trophäe trägt. Helmut Käutners Adaption eines Romans von Alfred Andersch setzt sich mit Aplomb zwischen alle Stühle: Antonioneske Gefühlsleere trifft auf urdeutsche Selbstbespiegelung, pittoresker Neoverismo kollidiert mit kühler Schnulze, gedankenblasse Hochliteratur stößt auf lebendige Kolportage, Vergangenheitsbewältigung steht gegen den Zauber der Morbidezza. »Die Rote« ist ein zugleich epigonales und ganz eigentümliches Werk: Der betont modernistische Stilwillen der Inszenierung wird aufgehoben in den differenzierten Tonlagen des inneren Monologs, der Otello Martellis diffuse Bilder der herbstgrauen, nebeldurchzogenen Lagunenstadt begleitet: Die bald damenhaft-samtige, bald zickig-spitze, mal verunsicherte, mal kategorische, zwischen Dur und Moll irisierende Stimme der Leuwerik macht den Film zum Erlebnis. Überzeugend auch das offene Ende, die Absage an schnelle (Drehbuch-)Lösungen angesichts komplexer Lebensprobleme: Wieder steht Franziska am Schalter eines Bahnhofs, wieder fragt sie: »Wann geht der nächste Zug?«
R Helmut Käutner B Helmut Käutner, Alfred Andersch V Alfred Andersch K Otello Martelli M Emilia Zanetti A Saverio D'Eugenio, Robert Stratil S Klaus Dudenhöfer P Walter Koppel, Carlo Ponti D Ruth Leuwerik, Rossano Brazzi, Giorgio Albertazzi, Gert Fröbe, Harry Meyen | BRD & I | 100 min | 1:1,85 | sw | 30. Juni 1962
R Helmut Käutner B Helmut Käutner, Alfred Andersch V Alfred Andersch K Otello Martelli M Emilia Zanetti A Saverio D'Eugenio, Robert Stratil S Klaus Dudenhöfer P Walter Koppel, Carlo Ponti D Ruth Leuwerik, Rossano Brazzi, Giorgio Albertazzi, Gert Fröbe, Harry Meyen | BRD & I | 100 min | 1:1,85 | sw | 30. Juni 1962
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17.10.58
Die Trapp-Familie in Amerika (Wolfgang Liebeneiner, 1958)
Zweiter Teil der Familiensaga: Die sangesfrohen Trapps tun sich schwer in der Neuen Welt – ihre glockenhellen Stimmen lassen sich nicht in klingende Münze umsetzen. Bis die exilierte österreichische Sippschaft (zufällig) erkennt, worauf das zahlende US-Publikum anspringt, braucht es einen ganzen Spielfilm mit vielen frustrierenden Umwegen, inklusive einer kuriosen Lektion in Sachen sex-appeal für die nonnenhafte, doch stets unverzagte Chormutter (Ruth Leuwerik). Herbert Reineckers Drehbuch reiht eher unkonzentriert Episode an Episode, läßt aber gerade durch seine dramaturgische Gleichgültigkeit viel Raum für atmosphärische Impressionen. »Außenaufnahmen in Amerika« verkündet nicht ohne Stolz der Titelvorspann – und genau hier liegt der Reiz des Streifens: Eine neugierige, suchende, mal verblüffend freudlose, mal unwillkürlich staunende Kamera (Werner Krien) schafft – zumindest in den an Original-Schauplätzen gedrehten Passagen – eine im bundesdeutschen Kino der 1950er Jahre seltene Unmittelbarkeit. »Die Trapp-Familie in Amerika« ist dabei nicht nur simpler Werbeprospekt für den treuen Glauben an ein besseres Morgen im Pursuit-of-Happiness-Kapitalismus; Wolfgang Liebeneiner beschwört vielmehr (in Zeiten von millionenfacher Entwurzelung und schwierigem Neubeginn) die unverlierbare innere Heimat des Menschen: »Ich hab’ früher ein Lied so gern gehabt: ›Kein schöner Land in dieser Zeit‹.« – »Welches Land meinen Sie denn?« – »Kann das nicht jedes Land sein?«
R Wolfgang Liebeneiner B Herbert Reinecker V Maria Augusta Trapp K Werner Krien M Franz Grothe A Robert Herlth, Gottfried Will S Margot von Schlieffen P Ilse Kubaschewski, Utz Utermann D Ruth Leuwerik, Hans Holt, Josef Meinrad, Wolfgang Wahl, Adrienne Gessner | BRD | 104 min | 1:1,37 | f | 17. Oktober 1958
R Wolfgang Liebeneiner B Herbert Reinecker V Maria Augusta Trapp K Werner Krien M Franz Grothe A Robert Herlth, Gottfried Will S Margot von Schlieffen P Ilse Kubaschewski, Utz Utermann D Ruth Leuwerik, Hans Holt, Josef Meinrad, Wolfgang Wahl, Adrienne Gessner | BRD | 104 min | 1:1,37 | f | 17. Oktober 1958
15.2.57
Königin Luise (Wolfgang Liebeneiner, 1957)
Liebe und Leid einer Königin oder Ein Frauenschicksal aus bewegter Zeit. Preußen zu Beginn des 19. Jahrhunderts: ein kleiner (natürlich friedliebender) Staat zwischen rivalisierenden Giganten. Im Westen lauert der postrevolutionäre Heilsbringer aus Paris, im Osten brummt der russische Bär. Vergessen möchte man werden, übersehen von den globalen Gegenspielern – allein die Geschichte ist unerbittlich und verlangt eine Entscheidung. Friedrich Wilhelm III., der ältlich-schwache preußische Monarch (Dieter Borsche), zögert, zaudert, zweifelt, seine volkstümlich-mädchenhafte Gemahlin Luise (Ruth Leuwerik) ermuntert ihn zu handeln: »Tu doch ganz einfach das was dir dein Herz sagt. Das ist immer das Richtige.« Er tut es, doch es ist das Falsche. Napoleon marschiert durch bis an die Memel, den Zaren kümmert es nicht, Preußen geht perdu. Wolfgang Liebeneiner erzählt Historie im simplifizierdend-dekorativen Stil von Schokoladen-Sammelbildern, sein Werk erinnert, vor allem dank Rolf Zehetbauers kunstvoll abstrahierter Ausstattung, an ein erbauliches Kinderbuch aus Kaisers Zeiten: »Die Königin Luise in 50 Bildern für Jung und Alt« … Kurz vor ihrem dekorativen Filmtod, der sie zum elegischen Denkmal entschlafen läßt, wendet sich die Königin der Herzen direkt an das nachgeborene Publikum im Kinosaal: »Was wir durchgemacht haben, Krieg, Flüchtlinge, Auseinanderreißen des Landes, fremde Besatzung, das darf doch nie wieder geschehen. Ja, und wenn alle lernen und aufpassen und mithelfen, dann kann es auch nie wieder geschehen.« Wie schon Goethe sagte: »Doch rufen von drüben / Die Stimmen der Geister,
/ Die Stimmen der Meister: / Versäumt nicht zu üben, / Die Kräfte des Guten!«
R Wolfgang Liebeneiner B Georg Hurdalek K Werner Krien M Franz Grothe A Rolf Zehetbauer S Lisbeth Neumann P Utz Utermann D Ruth Leuwerik, Dieter Borsche, Bernhard Wicki, René Deltgen, Hans Nielsen | BRD | 105 min | 1:1,66 | f | 15. Februar 1957
# 869 | 25. Mai 2014
R Wolfgang Liebeneiner B Georg Hurdalek K Werner Krien M Franz Grothe A Rolf Zehetbauer S Lisbeth Neumann P Utz Utermann D Ruth Leuwerik, Dieter Borsche, Bernhard Wicki, René Deltgen, Hans Nielsen | BRD | 105 min | 1:1,66 | f | 15. Februar 1957
# 869 | 25. Mai 2014
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10.10.56
Die Trapp-Familie (Wolfgang Liebeneiner, 1956)
»Vom Kloster zum Welterfolg« oder Der Klang der Musik. Wo Robert Wise im Fahrwasser von Rodgers und Hammerstein überlangen Salzburg-Camp abliefern wird, läßt Wolfgang Liebeneiner seinem Publikum treuösterreichischen Kitsch angedeihen: Ruth Leuwerik (die es, wie in fast jeder ihrer Rollen, schafft, einen Tick zu alt zu wirken) treibt als patent-naive Möchtegern-Nonne Maria dem verbohrten Ex-k.u.k.-Kapitän von Trapp (Hans Holt) die militärischen Flausen aus und bringt dessen vielköpfige Kinderschar auf volksmusikalischen Kurs. Der erfolgreichste Film des Adenauer-Kinos (27 Millionen Deutsche können nicht irren!) erzählt viel von Durchhalten in schwerer Zeit (in diesem Fall: die Jahre rund um den »Anschluß« von felix Austria an das Deutsche Reich) und von frohgemut-tapferer Kopf-hoch-Mentalität: »Wenn Gott eine Tür zuschlägt, öffnet er ein Fenster!« Liebeneiner inszeniert über weite Strecken heimatlich-kreuzbrav und restaurativ-wirkungssicher; wenn er aber gegen Ende des Films – die Trapps sind mittlerweile wegen Schwierigkeiten mit den Nazis in Amerika (genauer gesagt: auf Ellis Island) gelandet – zwei plutokratisch-kulturjüdische Broadway-Agenten (die Herren Samish und Petroff) auftreten läßt, kann er den Film-Professor von Goebbels’ Gnaden doch nicht ganz verleugnen …
R Wolfgang Liebeneiner B Georg Hurdalek V Maria Augusta Trapp K Werner Krien M Franz Grothe A Robert Herlth, Gottfried Will S Margot von Schlieffen P Ilse Kubaschewski D Ruth Leuwerik, Hans Holt, Maria Holst, Josef Meinrad, Friedrich Domin | BRD | 103 min | 1:1,37 | f | 10. Oktober 1956
R Wolfgang Liebeneiner B Georg Hurdalek V Maria Augusta Trapp K Werner Krien M Franz Grothe A Robert Herlth, Gottfried Will S Margot von Schlieffen P Ilse Kubaschewski D Ruth Leuwerik, Hans Holt, Maria Holst, Josef Meinrad, Friedrich Domin | BRD | 103 min | 1:1,37 | f | 10. Oktober 1956
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31.5.56
Die goldene Brücke (Paul Verhoeven, 1956)
Eine Frau (Ruth Leuwerik) zwischen zwei Männern (Paul Hubschmid und Curd Jürgens) – geschmackvoll inszenierter Illustriertenkitsch in gehobenem Milieu (Motorsport, Industrie, Film) oder Allegorie auf seelische Befindlichkeiten im bundesrepublikanischen Wirtschaftswunder? Vielleicht beides: Paul Verhoeven findet in der Sülze Ansatzpunkte für eine gleichnishafte Gesellschaftsdiagnose … Tima, Opernsängerin und Schauspielerin, ist verheiratet mit Stefan, einem verunfallten Rennfahrer, der sich larmoyant in seinem Scheitern, in der dunklen Vergangenheit verliert; begehrt wird sie von dem charismatischen Autofabrikanten Balder, der nur für seine Projekte, für die strahlende Zukunft lebt. Einem dehnt sich die Zeit qualvoll ins Unendliche, will nicht vergehen, am anderen rast die Zeit vorbei, vernichtet jedes wirkliche Gefühl. So steht Tima, die Verkörperung der Sehnsucht nach Gegenwart, zwischen der Gefangenschaft im Gestern und der Flucht ins Morgen. Am Ende bietet »Die goldene Brücke« dem Trio kolportagehafte Läuterung: Einer findet sein gehobenes Selbst, zwei finden (wieder) zueinander, und alle drei finden den Überweg ins Heute.
R Paul Verhoeven B Juliane Kay, Werner P. Zibaso V Lajos Zilahy K Werner Krien M Franz Grothe A Max Mellin, Rolf Englert S Gertrud Hinz-Nischwitz P Utz Utermann D Ruth Leuwerik, Curd Jürgens, Paul Hubschmidt, Rudolf Vogel, Adrienne Gessner | BRD | 101 min | 1:1,66 | sw | 31. Mai 1956
R Paul Verhoeven B Juliane Kay, Werner P. Zibaso V Lajos Zilahy K Werner Krien M Franz Grothe A Max Mellin, Rolf Englert S Gertrud Hinz-Nischwitz P Utz Utermann D Ruth Leuwerik, Curd Jürgens, Paul Hubschmidt, Rudolf Vogel, Adrienne Gessner | BRD | 101 min | 1:1,66 | sw | 31. Mai 1956
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29.9.55
Rosen im Herbst (Rudolf Jugert, 1955)
Warum eigentlich trägt die Adaption nicht den Titel der Romanvorlage? Vielleicht hat es zu tun mit der Wahl der Hauptdarstellerin: Ruth Leuwerik, das damenhaft-distanzierte Anti-Seelchen des bundesdeutschen Nachkriegsfilms, liebenswürdig, aber immer ein bißchen etepetete, ist in der Rolle der Effi Briest im Grunde genommen eine glatte Fehlbesetzung; abgesehen von ihrem tatsächlichen Alter – mit 31 spielt sie eine (zu Beginn der Erzählung) 17jährige –, fehlt Leuwerik nahezu gänzlich das Naturkindliche der Figur, und wenn sich jemand in ein strenges Sittenkorsett einpassen könnte, dann wohl am ehesten ein so beherrschter (Leinwand-)Typus wie sie. Auch Theodor Fontanes kritischer Blick auf die wilhelminische Zeit, das heißt auf die versteiften gesellschaftlichen Umstände des melodramatischen Geschehens – ehrpusseliger Gatte erschießt, nachdem er zufällig einen mehrere Jahre zurückliegenden Ehebruch entdeckte, den Rivalen und verstößt seine Frau –, bleibt in der Verfilmung weitgehend außen vor. Unbeschadet dieser Mankos beweist Rudolf Jugerts geschmackvolle, naheliegenden Kitsch zumeist elegant umschiffende Inszenierung durchaus Qualitäten: Werner Kriens Eastmancolor-Kamera malt ausdrucksvoll die beklemmend-unheimliche Atmosphäre im Hause von Effis verkrampftem Mann, Baron von Instetten, der in Bernhard Wickis differenzierter Darstellung (eher noch als die Protagonistin selbst) wie ein Gefangener des hartherzigen moralischen Reglements erscheint. So überzeugt »Rosen im Herbst« zwar nicht als gelungene Bearbeitung eines großen literarischen Kunstwerks, aber immerhin als gediegen eingerichteter, tragisch endender Liebesfilm ohne Liebe.
R Rudolf Jugert B Horst Budjuhn V Theodor Fontane K Werner Krien M Franz Grothe A Walter Haag S Elisabeth Neumann P Utz Utermann D Ruth Leuwerik, Bernhard Wicki, Carl Raddatz, Lil Dagover, Paul Hartmann, Günther Lüders | BRD | 107 min | 1:1,37 | f | 29. September 1955
# 873 | 3. Juni 2014
R Rudolf Jugert B Horst Budjuhn V Theodor Fontane K Werner Krien M Franz Grothe A Walter Haag S Elisabeth Neumann P Utz Utermann D Ruth Leuwerik, Bernhard Wicki, Carl Raddatz, Lil Dagover, Paul Hartmann, Günther Lüders | BRD | 107 min | 1:1,37 | f | 29. September 1955
# 873 | 3. Juni 2014
28.1.55
Ludwig II. – Glanz und Ende eines Königs (Helmut Käutner, 1955)
Fantastische Schlösser unter weißblauem Himmel, goldene
Interieurs und samtrote Rosen: ein Technicolor-Märchen über
einen Märchen-König. Ludwig (O. W. Fischer), impulsiv und voller Zuversicht,
ein verspäteter absoluter Monarch, ein radikaler Romantiker, der in Bayern ein Reich der Musen errichten will, zerbricht an der schnöden Tagespolitik, die ihm
einen Krieg abverlangt, wenn er ein Festspielhaus für Richard Wagner (Paul
Bildt) plant, hadert mit Beamtenseelen, die ihn in einen
Finanzrahmen pressen, wenn er die Ewigkeit der Kunst in den Blick nimmt. Oder
verzweifelt Ludwig, weil er den einzigen Menschen, den er liebt, seine Cousine,
die österreichische Kaiserin Elisabeth (Ruth Leuwerik), nicht haben kann? Vielleicht aber begehrt er dieses Wesen – so alleine, so unglücklich, wie er selbst – gerade deswegen so abgöttisch, da es als Objekt des Verlangens nie und nimmer in Frage kommt. Die Einsamkeit entpuppt
sich als Ludwigs Schicksal, eine glanzvolle, eine elende Einsamkeit, in der es ihm,
fernab von den Sachzwängen einer Zeit der militärischen Kraftmeierei und der
Versachlichung aller Werte, bestimmt ist, das Gesamtkunstwerk eines jenseitigen Glücks,
einer zweckfreien Schönheit zu träumen und, glorreich-traurig, zu leben …
Helmut Käutner inszeniert eine farbenprächtige biographische Legende, eine
opulente historische Fiktion, ein majestätisches Melodram der (Ohn-)Macht; Hein
Heckroth, der schon fulminante Kinovisionen für Powell und Pressburger baute,
gestaltet adäquate filmische Räume für eine Figur, die beinahe panisch in die
Größe flieht, die ein ewiges Rätsel bleiben will – sich selbst und allen anderen.
# 870 | 29. Mai 2014
27.8.54
Bildnis einer Unbekannten (Helmut Käutner, 1954)
Eine sentimentale Komödie über Etikette und Skandal, über Malerei und Diplomatie, über Zauber und Wunder: Ein berühmter Künstler langweilt sich im Ballett, skizziert das Gesicht einer Unbekannten in der Nachbarloge, plaziert den Kopf später im Atelier auf einen hüllenlosen Körper; die unwissentlich Porträtierte ist die Frau eines Botschaftsattachés, und als das Aktgemälde anläßlich einer Wohltätigkeitsgala versteigert wird, kommt es zum gesellschaftlichen Eklat … »Selbst wenn ich für das Bild Modell gestanden hätte, wäre das denn so schlimm?« protestiert das ohnmächtige Opfer der Umstände, die aparte Nicole (Ruth Leuwerik), die früher als Chansonette Kolibri in einem Pariser Nachtclub auftrat (»Ich lag wie jede Nacht an deiner Seite, / doch ich war nicht in deinem Traum.«), die auch schon mal ein Glas Champagner zu viel trinkt, die das ganze sittliche Getue für »finstertes Mittelalter« hält. Nicoles rechtschaffen-bigotter Ehemann (Erich Schellow) kapituliert vor der Problematik der delikaten Situation, den verantwortlichen Nacktmaler (mit keckem Artistenbärtchen: O. W. Fischer) treibt zunächst das schlechte Gewissen, dann die wahre Liebe … Mit dem sogenannten richtigen Leben hat Helmut Käutners Film so viel zu tun wie Außenpolitik mit dem Weltfrieden, seine ironische Romanze ist ein köstlich falscher, beschwingt um sich selbst kreisender Kinotraum, ein irreales Licht- und Schattenspiel (Kamera: Werner Krien) in scheinbar realen Kulissen, eine kompromißlos weltferne Erzählung, so märchenhaft wie Schnee im August: »Der Tag war silberblau, / und uns zur Seite / ging wie ein Schattenbild das Glück.«
R Helmut Käutner B Hans Jacoby, Helmut Käutner K Werner Krien M Franz Grothe A Ludwig Reiber S Anneliese Schönnenbeck P Utz Utermann D Ruth Leuwerik, O. W. Fischer, Erich Schellow, Irene von Meyendorff, Albrecht Schoenhals | BRD | 108 min | 1:1,37 | sw | 27. August 1954
# 874 | 4. Juni 2014
R Helmut Käutner B Hans Jacoby, Helmut Käutner K Werner Krien M Franz Grothe A Ludwig Reiber S Anneliese Schönnenbeck P Utz Utermann D Ruth Leuwerik, O. W. Fischer, Erich Schellow, Irene von Meyendorff, Albrecht Schoenhals | BRD | 108 min | 1:1,37 | sw | 27. August 1954
# 874 | 4. Juni 2014
22.12.53
Königliche Hoheit (Harald Braun, 1953)
Es ist vielleicht kein Zufall, daß Thomas Mann preziöser Romanzweitling, der die delikate Liebesgeschichte zwischen dem gehemmten Regenten eines abgewirtschafteten deutschen Duodezstaates und der putzmunteren Tochter eines amerikanischen Multimillionärs erzählt, gerade zu jener Zeit für die Leinwand bearbeitet wird, da, wie es so schön heißt, aus Besatzern und Besiegten Freunde werden: »Königliche Hoheit« ist gleichsam filmisches Begleitprogramm zu Konrad Adenauers Politik der Westbindung. In der Romanze zwischen Prinz Klaus Heinrich (Dieter Borsche) und Imma Spoelmann (Ruth Leuwerik) spiegelt sich die Wunschbeziehung des ge- und zerschlagenen Deutschlands zu den erfolggekrönten Vereinigten Staaten von Amerika: Ruhm der Vergangenheit (Bankrott und Kultur) trifft Glanz der Zukunft (Geld und Zivilisation). Harald Brauns Adaption, von Werner Krien in idyllischem Gevacolor fotografiert, kreuzt scheinbar unbefangen Nostalgie mit Aktualität, mildert dabei die zeremonielle Ironie der Vorlage zugunsten einer spieluhrenhaften Heiterkeit; den symbolischen Modergeruch der Grimmburger Rosen überlagert von vorneherein der Duft der großen weiten Welt, der mit Ankunft der extravaganten Plutokraten bei den insolventen Erben eines schöneren Jahrhunderts Einzug hält. Kleinere Probleme, des Prinzen dickfälliges Repräsentationsgehabe, Immas gedankenloses Ungestüm, lösen sich wie von selbst, und zum guten Schluß wird das Märchen wahr: Alte Welt und neue Welt vereinen sich, in Hoheit und Liebe, zu einem strengen Glück.
R Harald Braun B Georg Hurdalek, Hans Hömberg, Erika Mann V Thomas Mann K Werner Krien M Mark Lothar A Walter Haag S Claus von Boro P Hans Abich D Dieter Borsche, Ruth Leuwerik, Lil Dagover, Paul Bildt, Rudolf Fernau, Mathias Wieman | BRD | 107 min | 1:1,37 | f | 22. Dezember 1953
# 871 | 30. Mai 2014
R Harald Braun B Georg Hurdalek, Hans Hömberg, Erika Mann V Thomas Mann K Werner Krien M Mark Lothar A Walter Haag S Claus von Boro P Hans Abich D Dieter Borsche, Ruth Leuwerik, Lil Dagover, Paul Bildt, Rudolf Fernau, Mathias Wieman | BRD | 107 min | 1:1,37 | f | 22. Dezember 1953
# 871 | 30. Mai 2014
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Leuwerik,
Politik,
Romanze,
Thomas Mann
23.6.53
Ein Herz spielt falsch (Rudolf Jugert, 1953)
O. W. Fischer als verstrolchter Glücksritter Peter van Booven, der die unheilbar kranke Unternehmenserbin Billa (Ruth Leuwerik) freit, um ihr Vermögen zu ergattern. Dann kommt die Liebe (die wahre, die große, die einzige) dazwischen, und der Lump wird zum Menschen … Das Rascheln der Illustriertenseiten, auf denen die Romanvorlage des Filmwerks gedruckt wurde, ist in jeder Szene zu vernehmen, untermalt vom steten Tropfen des sämigen Kinoschmalzes. Indem er erst gar nicht versucht, die Ausgedachtheit der melodramatischen Wirrungen zu verleugnen, gelingt Rudolf Jugert so etwas wie die wahrhaftige Interpretation eines unwahren Stücks; Fischers larmoyante Windmacherei und die jüngferliche Sprödigkeit der Leuwerik bilden dabei einen reizvollen Kontrast … Douglas Sirk wird eine ähnliche Konstellation schon bald in »Magnificent Obsession« entwickeln, formal gewiefter natürlich, in Technicolor, und versehen mit jenem Quentchen ironischer Distanz, das bundesdeutschen Cinéasten allzumeist abgeht. Jugert indes traut sich, auf höhere Mächte und auf ein glattes happy ending zu verzichten: Der von den Zeitläuften ramponierte Lebemann und die »alte Schachtel«, die nie gelernt hatte zu leben, dürfen einander zwar gegenseitig erlösen – aber der sichere Tod läßt sich vom Drehbuch nicht besiegen.
R Rudolf Jugert B Erna Fentsch V Hans-Ulrich Horster (= Eduard Rhein) K Helmuth Ashley M Werner Eisbrenner A Franz Bi S Claus von Boro P Georg Witt D Ruth Leuwerik, O. W. Fischer, Carl Wery, Gertrud Kückelmann, Günther Lüders | BRD | 103 min | 1:1,37 | sw | 23. Juni 1953
R Rudolf Jugert B Erna Fentsch V Hans-Ulrich Horster (= Eduard Rhein) K Helmuth Ashley M Werner Eisbrenner A Franz Bi S Claus von Boro P Georg Witt D Ruth Leuwerik, O. W. Fischer, Carl Wery, Gertrud Kückelmann, Günther Lüders | BRD | 103 min | 1:1,37 | sw | 23. Juni 1953
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