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10.3.76

Je t’aime moi non plus (Serge Gainsbourg, 1976)

Je t’aime

»La plus belle histoire d'amour qu'il puisse imaginer.« Der schwule Müllkutscher Krassky (Joe Dallesandro) vergafft sich in die knabenhafte Tresenschlampe Johnny (Jane Birkin), die er trotz (angeblich) wahrer Liebe nur von hinten nehmen kann. Krasskys Lover Padovan (Hugues Quester) rast vor Eifersucht und wedelt gefährlich mit einer Plastiktüte … Serge Gainsbourg phantasiert (nicht ohne lyrische Zärtlichkeit) über seinen eigenen 1969er Skandalsong »Je t'aime moi non plus« eine modellhafte Beziehungsdramödie der dritten Art zusammen, deren imaginär-amerikanisches Setting von einem champagnersaufenden, furzenden Wirt (Reinhard Kolldehoff ist ›Boris‹), amateurischen Stripperinnen und vagabundierenden Schlägern bevölkert wird: ein impulsiver Film auf der Suche nach rauschhafter Verschmelzung, in dem sich die Kamera (Willy Kurant), wenn es zur Sache geht, überraschend diskret auf Abstand hält. PS: Bizarrer Kurzauftritt von Gérard Depardieu als namenloser Reiter, der wegen besonders guter Intimausstattung nur noch sein Pferd besteigt.

R Serge Gainsbourg B Serge Gainsbourg K Willy Kurant M Serge Gainsbourg A Théo Meurisse S Kenout Peltier P Jacques-Eric Strauss, Claude Berri D Jane Birkin, Joe Dallesandro, Hugues Quester, Reinhard Kolldehoff, Gérard Depardieu | F | 89 min | 1:1,66 | f | 10. März 1976

12.8.68

Mr. Freedom (William Klein, 1968)

Mr. Freedom

»We fight for freedom, for one and for all! / It's you-and-me-dom, and ten foot tall!« Die Welt, postuliert der Boß von ›Freedom Inc.‹ (Donald Pleasence) ist in zwei Lager geteilt: Richtig und Falsch – dazwischen tummeln sich die Vielleichts und die Weißnichts. Mr. Freedom (John Abbey im rot-weiß-blauen Football-Dreß), der beste Mann der amerikanischen Bewußtseinsfirma, wird nach Europa entsandt, um das unentschlossene Volk der Franzosen auf die richtige Spur zu bringen. So muß der unbeirrbare Held der westlichen Welt (»Yeah! Freedom! Wow!«) nicht nur unter Aufbietung aller körperlichen und geistigen (?) Kräfte gegen eine weitverzweigte Anti-Freiheitsliga, die vom maoistischen Superschurken Red China Man (ein aufblasbarer Riesendrache) gesteuert wird, sowie gegen den neostalinistischen Muzhik Man (Philippe Noiret als eine Art rotes Bibendum) kämpfen, er hat auch ganz allgemeine Undankbarkeit für seinen titanischen Einsatz und – eine besonders bittere Enttäuschung! – den Verrat der ihm vermeintlich treu ergebener Mitstreiterin Marie-Madeleine (Delphine Seyrig) zu gewärtigen. Mit der popartig-überdrehten, knallbunt-comichaften Superhelden-Satire leistet William Klein (ein New Yorker in Paris) seinen ganz eigenen (formal sehr eigenwilligen) Beitrag zu den aufgeheizten (gesellschafts-)politischen Debatten der 1960er Jahre. »Freedom, freedom, and oh-can-you-see-dom! / We’ll always beat ’em with star-spangled freedom!«

R William Klein B William Klein K Pierre Lhomme M Serge Gainsbourg A William Klein Ko Janine Klein S Anne-Marie Cotret P Guy Belfond, Christian Thivat, Michel Zemer D John Abbey, Delphine Seyrig, Donald Pleasence, Serge Gainsbourg, Philippe Noiret, Sami Frey | F | 95 min | 1:1,66 | f | 12. August 1968

# 1180 | 3. Oktober 2019

14.3.68

Le pacha (Georges Lautner, 1968)

Der Bulle

Kommissar Joss (bullig-lakonisch: Jean Gabin) hat die Schnauze voll. Nach Jahrzehnten des ebenso harten wie vergeblichen Kampfes gegen Unrecht und Gewalt, emotional angefaßt von der Ermordung eines alten Freundes und Kollegen (der sich um einer hübschen jungen Frau willen in eine trübe Sache verwickelt hat) macht sich der Pariser Polizeibeamte kurz vor der Pensionierung daran, den Sumpf des Verbrechens endgültig trockenzulegen. Ohne Rücksicht auf Verluste (oder lästige Vorschriften) nimmt Joss das Gesetz selbst in die Hand und spielt rivalisierende Banden tödlich gegeneinander aus ... Nicht ohne bärbeißige Ironie schildert Georges Lautner (drehbuchtechnisch unterstützt von seinen Langzeitkomplizen Michel Audiard und Albert Simonin) den letzten Einsatz eines alten Schlachtrosses in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche. Neben dem unerschütterlichen Gabin glänzen in Nebenrollen: André Pousse als gewissenloser Gangster Quinquin, Robert Dalban als verführbarer Polyp, Maurice Garrel als kultivierter Hehler und, enfin et surtout, Serge Gainsbourg als er selbst in einer bemerkenswerten Gesangseinlage: »C’est le requiem pour un con. / Je l'ai composé spécialement pour toi / à ta mémoire de scélérat.«

R Georges Lautner B Michel Audiard, Georges Lautner, Albert Simonin V Jean Delion K Maurice Fellous M Serge Gainsbourg, Michel Colombier A Jean d’Eaubonne S Michelle David P Alain Poiré D Jean Gabin, Dany Carrel, André Pousse, Robert Dalban, Maurice Garrel | F & I | 82 min | 1:1,66 | f | 14. März 1968

# 1055 | 5. Juni 2017