Driver
»I respect a man that’s good at what he does.« – »The Driver« erzählt kaum etwas, verzichtet auf jede Form von Psychologisierung, ist first and foremost: ein ›movie‹. Die minimalistische Handlung setzt drei abgeklärte Figuren zueinander in (höchst (auto-)mobile) Beziehung: den ›driver‹ (Ryan O’Neal), der als bezahlter Profi Gangster vom Tatort wegschafft, den ›detective‹ (Bruce Dern), dessen obsessives Ziel es ist, den ›driver‹ zu stellen, den (einigermaßen rätselhaften) weiblichen ›player‹ (Isabelle Adjani), die gegen Geld Alibis liefert, aber letztlich ihr eigenes Süppchen kocht … Stark beeinflußt von Jean-Pierre Melvilles abstrakten Unterwelt-Balladen, setzt Walter Hill den Fuß aufs filmische Gaspedal und treibt (in immer neuen Variationen von Abbremsen und Beschleunigung) sein Bewegungsspiel zu extremer Geschwindigkeit. Die nächtliche Stadt (L.A.) bereitet das Terrain für die rasant inszenierten car chases; ein gegen Null gehender Score (Michael Small), ultralakonische Dialoge und die No-Face-Performances aller Akteure unterstreichen die distinguierte Bedeutungslosigkeit des Geschehens.
R Walter Hill B Walter Hill K Philip H. Lathrop M Michael Small A Harry Horner S Tina Hirsch, Robert K. Lambert P Lawrence Gordon D Ryan O’Neal, Bruce Dern, Isabelle Adjani, Ronee Blakley, Matt Clark | USA | 91 min | 1:1,85 | f | 28. Juli 1978
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28.7.78
9.5.73
Paper Moon (Peter Bogdanovich, 1973)
Paper Moon
»Just around the corner, / there’s a rainbow in the sky.« Mitte der 1930er Jahre im Mittleren Westen der USA. Moses Pray (Ryan O’Neal), der sich mit Bauernfängereien durchs Leben schummelt, willigt notgedrungen ein, Addie Loggings (Tatum O’Neal), die neunjährige Tochter einer verstorbenen Exgeliebten, von Kansas nach Missouri zu chauffieren, wo das Waisenmädchen bei einer Tante unterkommen soll. Auf der Fahrt durch flache, baumlose, unabsehbar weite Landschaften kommen der etwas unterbelichtete Schwindler und die ausgebuffte Göre sich langsam näher und miteinander ins Geschäft: Nicht nur eine gewisse Familienähnlichkeit (»the same jaw«) verbindet die beiden sondern vor allem der feste Wille, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. »Paper Moon«, eine wirkungsvolle Mischung aus road movie, buddy film und sentimentaler Komödie, sympathisiert uneingeschränkt mit den Protagonisten, die ihren ganz persönlichen New Deal ins Werk setzen. Peter Bogdanovich verzichtet, wie schon in »The Last Picture Show«, tunlichst auf kommentierende Filmmusik, evoziert das Zeitgefühl durch den sparsamen Einsatz von populären Songs der Ära. Laszlo Kovacs’ beeindruckende tiefenscharf-kontrastreiche Schwarzweiß-Fotografie verweist auf die Arbeit des genialen Kameramanns Gregg Toland (der für John Ford das Depressionsdrama »The Grapes of Wrath« drehte) wie auch auf den schnörkellosen Dokumentarismus von Walker Evans oder Dorothea Lange, deren Bilder Not und Elend der Krisenzeit einprägsam festhielten. Freilich ist es Bogdanovich weniger um sozialkritischen Realismus zu tun als um eine bald zärtlich-distanzierte, bald ironisch-überspitzte Betrachtung der Schattenseiten des American way of life, die nicht ganz frei bleibt von nostalgischer Stimmungsmalerei: »Be like two fried eggs, / Keep your sunny side up!«
R Peter Bogdanovich B Alvin Sargent V Joe David Brown K Laszlo Kovacs M diverse A Polly Platt S Verna Fields P Peter Bogdanovich D Ryan O’Neal, Tatum O’Neal, Madeline Kahn, John Hillerman, P. J. Johnson | USA | 102 min | 1:1,85 | sw | 9. Mai 1973
# 963 | 10. Juli 2015
»Just around the corner, / there’s a rainbow in the sky.« Mitte der 1930er Jahre im Mittleren Westen der USA. Moses Pray (Ryan O’Neal), der sich mit Bauernfängereien durchs Leben schummelt, willigt notgedrungen ein, Addie Loggings (Tatum O’Neal), die neunjährige Tochter einer verstorbenen Exgeliebten, von Kansas nach Missouri zu chauffieren, wo das Waisenmädchen bei einer Tante unterkommen soll. Auf der Fahrt durch flache, baumlose, unabsehbar weite Landschaften kommen der etwas unterbelichtete Schwindler und die ausgebuffte Göre sich langsam näher und miteinander ins Geschäft: Nicht nur eine gewisse Familienähnlichkeit (»the same jaw«) verbindet die beiden sondern vor allem der feste Wille, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. »Paper Moon«, eine wirkungsvolle Mischung aus road movie, buddy film und sentimentaler Komödie, sympathisiert uneingeschränkt mit den Protagonisten, die ihren ganz persönlichen New Deal ins Werk setzen. Peter Bogdanovich verzichtet, wie schon in »The Last Picture Show«, tunlichst auf kommentierende Filmmusik, evoziert das Zeitgefühl durch den sparsamen Einsatz von populären Songs der Ära. Laszlo Kovacs’ beeindruckende tiefenscharf-kontrastreiche Schwarzweiß-Fotografie verweist auf die Arbeit des genialen Kameramanns Gregg Toland (der für John Ford das Depressionsdrama »The Grapes of Wrath« drehte) wie auch auf den schnörkellosen Dokumentarismus von Walker Evans oder Dorothea Lange, deren Bilder Not und Elend der Krisenzeit einprägsam festhielten. Freilich ist es Bogdanovich weniger um sozialkritischen Realismus zu tun als um eine bald zärtlich-distanzierte, bald ironisch-überspitzte Betrachtung der Schattenseiten des American way of life, die nicht ganz frei bleibt von nostalgischer Stimmungsmalerei: »Be like two fried eggs, / Keep your sunny side up!«
R Peter Bogdanovich B Alvin Sargent V Joe David Brown K Laszlo Kovacs M diverse A Polly Platt S Verna Fields P Peter Bogdanovich D Ryan O’Neal, Tatum O’Neal, Madeline Kahn, John Hillerman, P. J. Johnson | USA | 102 min | 1:1,85 | sw | 9. Mai 1973
# 963 | 10. Juli 2015
7.7.71
Two-Lane Blacktop (Monte Hellman, 1971)
Asphaltrennen
»Just passin’ through.« Der ›Driver‹ und der ›Mechanic‹, zwei wortkarge Langhaartypen, unterwegs in einem gepimpten 1955er Chevrolet: sie verdienen ihr Geld mit illegalen Autorennen, schlafen in Motels, gabeln irgendwo das spröde ›Girl‹ auf, das sich ihnen bis auf weiteres anschließt, fordern den Besitzer eines 1970er Pontiac GTO, einen schrägen Mythomanen (Warren Oates liefert eine eindrucksvolle Darstellung des Großtuers als armes Würstchen), zur Wettfahrt quer durch die Staaten heraus. Je näher das Ziel rückt, desto gleichgültiger wird den Rivalen der Gewinn. Sie sind Drifter, Getriebene, Möchtegerne auf einer Reise ohne Bestimmung: Kalifornien, Arizona, New Mexico, Oklahoma, Arkansas, Tennessee – eine Sequenz abseitiger Straßen, gottverlassener Nester, weltflüchtiger (amerikanischer) Träume. Monte Hellmans existentialistisches Roadmovie zelebriert, so aufgedreht wie abgeklärt, die Ortlosigkeit, das Immerweiter, die unstillbare Sehnsucht nach dem Anderswo. »Well, here we are on the road.« – »Yup, that’s where we are all right.«
R Monty Hellman B Rudy Wurlitzer, Will Corry K Jack Deerson M Billy James S Monte Hellman P Michael Laughlin D James Taylor, Dennis Wilson, Warren Oates, Laurie Bird, Harry Dean Stanton | USA | 102 min | 1:2,35 | f | 7. Juli 1971
# 1164 | 3. Juli 2019
»Just passin’ through.« Der ›Driver‹ und der ›Mechanic‹, zwei wortkarge Langhaartypen, unterwegs in einem gepimpten 1955er Chevrolet: sie verdienen ihr Geld mit illegalen Autorennen, schlafen in Motels, gabeln irgendwo das spröde ›Girl‹ auf, das sich ihnen bis auf weiteres anschließt, fordern den Besitzer eines 1970er Pontiac GTO, einen schrägen Mythomanen (Warren Oates liefert eine eindrucksvolle Darstellung des Großtuers als armes Würstchen), zur Wettfahrt quer durch die Staaten heraus. Je näher das Ziel rückt, desto gleichgültiger wird den Rivalen der Gewinn. Sie sind Drifter, Getriebene, Möchtegerne auf einer Reise ohne Bestimmung: Kalifornien, Arizona, New Mexico, Oklahoma, Arkansas, Tennessee – eine Sequenz abseitiger Straßen, gottverlassener Nester, weltflüchtiger (amerikanischer) Träume. Monte Hellmans existentialistisches Roadmovie zelebriert, so aufgedreht wie abgeklärt, die Ortlosigkeit, das Immerweiter, die unstillbare Sehnsucht nach dem Anderswo. »Well, here we are on the road.« – »Yup, that’s where we are all right.«
R Monty Hellman B Rudy Wurlitzer, Will Corry K Jack Deerson M Billy James S Monte Hellman P Michael Laughlin D James Taylor, Dennis Wilson, Warren Oates, Laurie Bird, Harry Dean Stanton | USA | 102 min | 1:2,35 | f | 7. Juli 1971
# 1164 | 3. Juli 2019
16.4.71
Trafic (Jacques Tati, 1971)
Trafic – Tati im Stoßverkehr
Monsieur Hulot, Mitarbeiter der Pariser Automobil-Manufaktur ›Astra‹, die Serienmodelle zu Campingfahrzeugen umbaut, soll die neueste Kreation der Firma zur Messe nach Amsterdam überführen. Mit von der Partie sind der gemächliche Fahrer Marcel und die engagierte PR-Frau Maria, die weniger durch Kompetenz als durch Naßforschheit und ihre stets zur Gelegenheit passende Garderobe auffällt. Jacques Tatis Satire auf die autogerechte Welt – in der, wer nicht hinter dem Lenkrad sitzt, gottverlassen am (Schnell-)Straßenrand entlangstolpern oder sich submiß zwischen Stoßstangen hindurchquetschen muß – dokumentiert mit amüsiertem Grausen die Begleiterscheinungen des Fetischs Mobilität. »Im Fetischismus«, sagt Karl Marx, »hat nicht der Mensch Macht über die Sache, sondern die Sache hat Macht über den Menschen.« »Trafic« zeigt, daß der ungehinderte Verkehrsfluß nichts anderes ist als eine hochtourige Bewußtlosigkeit. Nur noch im Stau oder im Fall einer Panne kommt der Mensch (eher ungewollt) zu sich selbst (und zu anderen). Ansonsten erweist sich die allgemeine Motorisierung als gesellschaftlicher Totalschaden: immer auf Achse – egal wohin.
R Jacques Tati B Jacques Tati, Jacques Lagrange, Bert Haanstra K Eduard van der Enden, Marcel Weiss M Charles Dumont A Adrien de Rooy S Maurice Laumain, Sophie Tatischeff P Robert Dorfmann D Jacques Tati, Maria Kimberley, Marcel Favral, Honoré Bostel, Tony Knepper | F & B & NL | 96 min | 1:1,37 | f | 16. April 1971
# 931 | 9. Januar 2015
Monsieur Hulot, Mitarbeiter der Pariser Automobil-Manufaktur ›Astra‹, die Serienmodelle zu Campingfahrzeugen umbaut, soll die neueste Kreation der Firma zur Messe nach Amsterdam überführen. Mit von der Partie sind der gemächliche Fahrer Marcel und die engagierte PR-Frau Maria, die weniger durch Kompetenz als durch Naßforschheit und ihre stets zur Gelegenheit passende Garderobe auffällt. Jacques Tatis Satire auf die autogerechte Welt – in der, wer nicht hinter dem Lenkrad sitzt, gottverlassen am (Schnell-)Straßenrand entlangstolpern oder sich submiß zwischen Stoßstangen hindurchquetschen muß – dokumentiert mit amüsiertem Grausen die Begleiterscheinungen des Fetischs Mobilität. »Im Fetischismus«, sagt Karl Marx, »hat nicht der Mensch Macht über die Sache, sondern die Sache hat Macht über den Menschen.« »Trafic« zeigt, daß der ungehinderte Verkehrsfluß nichts anderes ist als eine hochtourige Bewußtlosigkeit. Nur noch im Stau oder im Fall einer Panne kommt der Mensch (eher ungewollt) zu sich selbst (und zu anderen). Ansonsten erweist sich die allgemeine Motorisierung als gesellschaftlicher Totalschaden: immer auf Achse – egal wohin.
R Jacques Tati B Jacques Tati, Jacques Lagrange, Bert Haanstra K Eduard van der Enden, Marcel Weiss M Charles Dumont A Adrien de Rooy S Maurice Laumain, Sophie Tatischeff P Robert Dorfmann D Jacques Tati, Maria Kimberley, Marcel Favral, Honoré Bostel, Tony Knepper | F & B & NL | 96 min | 1:1,37 | f | 16. April 1971
# 931 | 9. Januar 2015
15.1.71
Vanishing Point (Richard C. Sarafian, 1971)
Fluchtpunkt San Francisco
Er heißt Kowalski. Vorname unbekannt. Ex-Soldat, Ex-Bulle, Ex-Rennfahrer. Er soll einen weißen Dodge Challenger von Denver nach San Francisco überführen. Aufgrund einer Wette und mithilfe einer gehörigen Portion Speed will er die 2000 Kilometer quer durch die Wüste in 15 Stunden schaffen. Richard C. Sarafian singt das Hohelied des Gaspedals, zelebriert eine straßenfilmische Messe der Geschwindigkeit(süberschreitung), die den Gläubigen nichts anderes bedeutet als vollkommene Freiheit der Seele. Während Kowalski (Barry Newman) auf seiner staubigen Schußfahrt Hippies, Jesusfreaks und anderen Sonderlingen begegnet, sich fetzenhaft an Polizeieinsätze, Motorrennen und romantische Stunden erinnert, erfährt er durch einen blinden Radio-DJ panegyrische Verklärung als »the Challenger«, »the electric centaur«, »the demi-god«, »the super driver of the golden west«. Daß der Traum dieses »last American hero« ausgerechnet an den Schaufeln behäbiger Planierraupen zerschellt (oder dort im Verschwinden seine Erfüllung findet?), weist Sarafian und den exilkubanischen Autor Guillermo Cabrera Infante als unbarmherzige (dabei durchaus wehmütige) Ironiker aus.
R Richard C. Sarafian B Guillermo Cain (= Guillermo Cabrera Infante), Malcolm Hart K John A. Alonzo M diverse A Glen Daniels, Jerry Wunderlich S Stefan Arnsten P Norman Spencer D Barry Newman, Cleavon Little, Dean Jagger, Gilda Texter | USA | 99 min | 1:1,85 | f | 15. Januar 1971
# 1159 | 20. April 2019
Er heißt Kowalski. Vorname unbekannt. Ex-Soldat, Ex-Bulle, Ex-Rennfahrer. Er soll einen weißen Dodge Challenger von Denver nach San Francisco überführen. Aufgrund einer Wette und mithilfe einer gehörigen Portion Speed will er die 2000 Kilometer quer durch die Wüste in 15 Stunden schaffen. Richard C. Sarafian singt das Hohelied des Gaspedals, zelebriert eine straßenfilmische Messe der Geschwindigkeit(süberschreitung), die den Gläubigen nichts anderes bedeutet als vollkommene Freiheit der Seele. Während Kowalski (Barry Newman) auf seiner staubigen Schußfahrt Hippies, Jesusfreaks und anderen Sonderlingen begegnet, sich fetzenhaft an Polizeieinsätze, Motorrennen und romantische Stunden erinnert, erfährt er durch einen blinden Radio-DJ panegyrische Verklärung als »the Challenger«, »the electric centaur«, »the demi-god«, »the super driver of the golden west«. Daß der Traum dieses »last American hero« ausgerechnet an den Schaufeln behäbiger Planierraupen zerschellt (oder dort im Verschwinden seine Erfüllung findet?), weist Sarafian und den exilkubanischen Autor Guillermo Cabrera Infante als unbarmherzige (dabei durchaus wehmütige) Ironiker aus.
R Richard C. Sarafian B Guillermo Cain (= Guillermo Cabrera Infante), Malcolm Hart K John A. Alonzo M diverse A Glen Daniels, Jerry Wunderlich S Stefan Arnsten P Norman Spencer D Barry Newman, Cleavon Little, Dean Jagger, Gilda Texter | USA | 99 min | 1:1,85 | f | 15. Januar 1971
# 1159 | 20. April 2019
13.3.70
Les choses de la vie (Claude Sautet, 1970)
Die Dinge des Lebens
(Bemittelten) Menschen beim Leben (und Sterben) zugucken – so könnte man das ebenso banale wie aufregende filmische Programm von Claude Sautet zusammenfassen. »Les choses de la vie« (man beachte den herausfordernd gewöhnlichen Titel) erzählt – nach einem Szenario von Jean-Loup Dabadie – von Pierre (Michel Piccoli), einem Architekten, der seinem früheren Leben mit Catherine (Lea Massari) nachträumt, während er doch eigentlich ein neues mit Hélène (Romy Schneider) beginnen möchte. Ein Autounfall mit einem silbernen Alfa Romeo Giulietta Sprint (so viel Stil muß sein) läßt all seine irdischen Hoffnungen und Zweifel obsolet werden. Wenige Regisseure haben den kindischen Willen zur Größe und das erbärmliche Gefühl der Leere, aber auch den sympathischen Hang zur Schönheit und die elementare Lust am guten Leben, die der verdammten, trivial-erlesenen wohlstandsbürgerlichen Existenz innewohnen, so hin- und mitreißend, so teilnehmend (selbst-)kritisch ins Kino getragen wie eben Sautet. »Je regarde le soir tomber dans les miroirs. C'est la vie.«
R Claude Sautet B Jean-Loup Dabadie, Paul Guimard, Claude Sautet V Paul Guimard K Jean Boffety M Philippe Sarde A André Piltant S Jacqueline Thiédot P Jean Bolvary, Raymond Danon, Roland Girard D Michel Piccoli, Romy Scheider, Lea Massari, Jean Bouise, Bobby Lapointe | F & I & CH | 89 min | 1:1,66 | f | 13. März 1970
(Bemittelten) Menschen beim Leben (und Sterben) zugucken – so könnte man das ebenso banale wie aufregende filmische Programm von Claude Sautet zusammenfassen. »Les choses de la vie« (man beachte den herausfordernd gewöhnlichen Titel) erzählt – nach einem Szenario von Jean-Loup Dabadie – von Pierre (Michel Piccoli), einem Architekten, der seinem früheren Leben mit Catherine (Lea Massari) nachträumt, während er doch eigentlich ein neues mit Hélène (Romy Schneider) beginnen möchte. Ein Autounfall mit einem silbernen Alfa Romeo Giulietta Sprint (so viel Stil muß sein) läßt all seine irdischen Hoffnungen und Zweifel obsolet werden. Wenige Regisseure haben den kindischen Willen zur Größe und das erbärmliche Gefühl der Leere, aber auch den sympathischen Hang zur Schönheit und die elementare Lust am guten Leben, die der verdammten, trivial-erlesenen wohlstandsbürgerlichen Existenz innewohnen, so hin- und mitreißend, so teilnehmend (selbst-)kritisch ins Kino getragen wie eben Sautet. »Je regarde le soir tomber dans les miroirs. C'est la vie.«
R Claude Sautet B Jean-Loup Dabadie, Paul Guimard, Claude Sautet V Paul Guimard K Jean Boffety M Philippe Sarde A André Piltant S Jacqueline Thiédot P Jean Bolvary, Raymond Danon, Roland Girard D Michel Piccoli, Romy Scheider, Lea Massari, Jean Bouise, Bobby Lapointe | F & I & CH | 89 min | 1:1,66 | f | 13. März 1970
5.9.69
Que la bête meure (Claude Chabrol, 1969)
Das Biest muß sterben
»Denn es gehet dem Menschen wie dem Vieh; / wie dies stirbt, so stirbt er auch.« Das Meer. Ein Kind spielt am Strand. Ein Auto rast die Küstenstraße entlang. Das Kind läuft nach Hause. Das Auto rast in eine Ortschaft. Die Glocken läuten. An einer Kreuzung treffen Kind und Auto aufeinander. Das Kind stirbt. Das Auto rast weiter. Der Vater hält das tote Kind in seinen Armen. Später wird er sich auf die Suche nach dem Fahrer des Autos machen: »Je vais tuer un homme. Je ne connais ni son nom, ni son adresse, ni son apparence. Mais je vais le trouver et le tuer.« Der Zufall – der das einzige ist, was existiert, und in diesem Fall die Gestalt der blonden Hélène (Caroline Cellier) annimmt – führt den introvertierten Einzelgänger Charles (Michel Duchaussoy) zum reizbaren Haustyrannen Paul (Jean Yanne). Die Ausführung des Vorhabens erweist sich indes, obwohl oder gerade weil der Täter ein so unverblümtes (und überaus lebenstüchtiges) Scheusal ist, als problematisch – und peu à peu verwandelt Claude Chabrol den geradlinigen Rachethriller in eine abgründige Reflexion (oder einen ernsten Gesang) über Absicht und Handeln, über Schuld und Verantwortung. Das Ende des Films führt wieder ans Meer. Ein Mann allein. Ein Boot, das hinausfährt. Die Wellen, die Felsen, die Brandung. »Und der Mensch hat nichts mehr denn das Vieh: / denn es ist alles eitel.«
R Claude Chabrol B Paul Gégauff, Claude Chabrol V Nicholas Blake K Jean Rabier M Pierre Jansen A Guy Littaye S Jacques Gaillard P André Génovès D Michel Duchaussoy, Jean Yanne, Caroline Cellier, Anouk Ferjac, Maurice Pialat | F & I | 112 min | 1:1,66 | f | 5. September 1969
# 1107 | 8. Mai 2018
»Denn es gehet dem Menschen wie dem Vieh; / wie dies stirbt, so stirbt er auch.« Das Meer. Ein Kind spielt am Strand. Ein Auto rast die Küstenstraße entlang. Das Kind läuft nach Hause. Das Auto rast in eine Ortschaft. Die Glocken läuten. An einer Kreuzung treffen Kind und Auto aufeinander. Das Kind stirbt. Das Auto rast weiter. Der Vater hält das tote Kind in seinen Armen. Später wird er sich auf die Suche nach dem Fahrer des Autos machen: »Je vais tuer un homme. Je ne connais ni son nom, ni son adresse, ni son apparence. Mais je vais le trouver et le tuer.« Der Zufall – der das einzige ist, was existiert, und in diesem Fall die Gestalt der blonden Hélène (Caroline Cellier) annimmt – führt den introvertierten Einzelgänger Charles (Michel Duchaussoy) zum reizbaren Haustyrannen Paul (Jean Yanne). Die Ausführung des Vorhabens erweist sich indes, obwohl oder gerade weil der Täter ein so unverblümtes (und überaus lebenstüchtiges) Scheusal ist, als problematisch – und peu à peu verwandelt Claude Chabrol den geradlinigen Rachethriller in eine abgründige Reflexion (oder einen ernsten Gesang) über Absicht und Handeln, über Schuld und Verantwortung. Das Ende des Films führt wieder ans Meer. Ein Mann allein. Ein Boot, das hinausfährt. Die Wellen, die Felsen, die Brandung. »Und der Mensch hat nichts mehr denn das Vieh: / denn es ist alles eitel.«
R Claude Chabrol B Paul Gégauff, Claude Chabrol V Nicholas Blake K Jean Rabier M Pierre Jansen A Guy Littaye S Jacques Gaillard P André Génovès D Michel Duchaussoy, Jean Yanne, Caroline Cellier, Anouk Ferjac, Maurice Pialat | F & I | 112 min | 1:1,66 | f | 5. September 1969
# 1107 | 8. Mai 2018
16.10.68
Ho! (Robert Enrico, 1968)
Die Nr. 1 bin ich
Nach einem von ihm verursachten Unfall mit Todesfolge wird dem Rennfahrer François Holin (Jean-Paul Belmondo) die Lizenz entzogen; fünf Jahre später verdingt er sich als Fahrer von Fluchtwagen in der Pariser Unterwelt, wobei er fortgesetzt die Herablassung seiner berufsverbrecherischen Kollegen zu spüren bekommt. Erst ein spektakulärer Ausbruch aus dem Untersuchungsgefängnis verschafft dem kleinen Ganoven jenen Starnimbus, den er von jeher für sich beansprucht hat: »Arsène Lupin + Al Capone = François Holin« titelt eine Boulevardzeitung nach dem Bravourstück, und der solchermaßen Bekomplimentierte pflastert ein ganzes Zimmer mit den Bildern und Schlagzeilen, die sein öffentliches Image erschaffen. Nach einem Roman von José Giovanni liefert Robert Enrico das eindrückliche Porträt des Gangsters als eitler Mann, das Psychogramm eines seelisch Lädierten, der sein aufgeputschtes Medienbild für die Wahrheit nimmt – eine fatale Disproportion, die François de Roubaix’ zwischen sanfter Wehmut und hektischer Unruhe wechselnder (Klavier-)Soundtrack musikalisch virtuos ausgestaltet. Wenn Ho/Holin am Ende seines zunehmend blutigen Weges durch ein Gewitter von Blitzlichtern schwankt, ist er endlich die Berühmtheit, die er immer sein wollte, einer, der alles gewonnen und dabei alles verloren hat.
R Robert Enrico B Lucienne Hamon, Pierre Pelegri, Robert Enrico V José Giovanni K Jean Boffety M François de Roubaix A Jacques Saulnier S Jacqueline Meppiel P Paul Laffargue D Jean-Paul Belmondo, Joanna Shimkus, Raymond Bussières, Paul Crauchet, Sidney Chaplin | F & I | 103 min | 1:1,66 | f | 16. Oktober 1968
# 1054 | 5. Juni 2017
Nach einem von ihm verursachten Unfall mit Todesfolge wird dem Rennfahrer François Holin (Jean-Paul Belmondo) die Lizenz entzogen; fünf Jahre später verdingt er sich als Fahrer von Fluchtwagen in der Pariser Unterwelt, wobei er fortgesetzt die Herablassung seiner berufsverbrecherischen Kollegen zu spüren bekommt. Erst ein spektakulärer Ausbruch aus dem Untersuchungsgefängnis verschafft dem kleinen Ganoven jenen Starnimbus, den er von jeher für sich beansprucht hat: »Arsène Lupin + Al Capone = François Holin« titelt eine Boulevardzeitung nach dem Bravourstück, und der solchermaßen Bekomplimentierte pflastert ein ganzes Zimmer mit den Bildern und Schlagzeilen, die sein öffentliches Image erschaffen. Nach einem Roman von José Giovanni liefert Robert Enrico das eindrückliche Porträt des Gangsters als eitler Mann, das Psychogramm eines seelisch Lädierten, der sein aufgeputschtes Medienbild für die Wahrheit nimmt – eine fatale Disproportion, die François de Roubaix’ zwischen sanfter Wehmut und hektischer Unruhe wechselnder (Klavier-)Soundtrack musikalisch virtuos ausgestaltet. Wenn Ho/Holin am Ende seines zunehmend blutigen Weges durch ein Gewitter von Blitzlichtern schwankt, ist er endlich die Berühmtheit, die er immer sein wollte, einer, der alles gewonnen und dabei alles verloren hat.
R Robert Enrico B Lucienne Hamon, Pierre Pelegri, Robert Enrico V José Giovanni K Jean Boffety M François de Roubaix A Jacques Saulnier S Jacqueline Meppiel P Paul Laffargue D Jean-Paul Belmondo, Joanna Shimkus, Raymond Bussières, Paul Crauchet, Sidney Chaplin | F & I | 103 min | 1:1,66 | f | 16. Oktober 1968
# 1054 | 5. Juni 2017
27.4.67
Two for the Road (Stanley Donen, 1967)
Zwei auf gleichem Weg
R Stanley Donen B Frederic Raphael K Christopher Challis M Henry Mancini A Willy Holt S Madeleine Gug, Richard Marden P Stanley Donen D Audrey Hepburn, Albert Finney, Eleanor Bron, William Daniels, Claude Dauphin | UK | 111 min | 1:2,35 | f | 27. April 1967
# 835 | 16. Februar 2014
1.7.65
The Great Race (Blake Edwards, 1965)
Das große Rennen rund um die Welt
Eine Ouvertüre! (Wie vor einem Monumentalfilm.) Dann die Widmung: »To Mr. Laurel and Mr. Hardy«. Was folgt, ist, wie nach diesem Auftakt zu erwarten, der Versuch eines endgültigen Lustspiels, ein überdimensionales Slapstick-Epos, vergleichbar vielleicht nur mit Stanley Kramers ebenfalls völlig aus den gestalterischen Fugen geratener Superklamotte »It’s a Mad, Mad, Mad, Mad World«: ein Belle-Époque-Wagenrennen – (fast) rund um den Globus – von New York nach Paris, ein perlweiß funkelnder Siegertyp (›The Great Leslie‹: Tony Curtis), ein Antagonist, so schwarz wie die Bombe eines Anarchisten (›Professor Fate‹: Jack Lemmon), dazu ergebene Helfer (Keenan Wynn und Peter Falk) sowie eine selbstbewußte Suffragette (›Maggie Du Bois‹: Natalie Wood), die das Primat der männlichen Helden(-figuren) mit allen ihr zu Gebote stehenden körperlichen und intellektuellen Reizen in Frage stellt. Stummfilmfan und Kontrollfreak Blake Edwards schafft mit seinem besessen-minutiösen Nach- und Durchdeklinieren populärer Leinwandstandards – heulenden Indianer-Attacken und klirrenden Mantel-&-Degen-Duellen, romantischen Komplikationen und schwelgerischen Zerstörungsorgien, einer titanischen Saloonschlägerei und einer Tortenschlacht (natürlich handelt es sich nicht um »eine« Tortenschlacht, sondern um »the pie fight of the century«) – eine exaltiert-exorbitante roadshow, das Komödienäquivalent zu den hypertrophen Musicals der Epoche. Daß die Komik, trotz konsequent cartoonhafter Charakterzeichnung und kompromißlos überzeichneter Situationen, hin und wieder auf der (langen) Strecke bleibt, liegt wohl in der Natur der (aufgeblasenen) Sache: Subversion und Gigantismus gehen selten Hand in Hand. PS: »Push the button, Max!«
R Blake Edwards B Arthur A. Ross, Blake Edwards K Russell Harlan M Henry Mancini A Fernando Carrere S Ralph E. Winters P Martin Jurow D Jack Lemmon, Tony Curtis, Natalie Wood, Peter Falk, Keenan Wynn | USA | 160 min | 1:2,35 | f | 1. Juli 1965
Eine Ouvertüre! (Wie vor einem Monumentalfilm.) Dann die Widmung: »To Mr. Laurel and Mr. Hardy«. Was folgt, ist, wie nach diesem Auftakt zu erwarten, der Versuch eines endgültigen Lustspiels, ein überdimensionales Slapstick-Epos, vergleichbar vielleicht nur mit Stanley Kramers ebenfalls völlig aus den gestalterischen Fugen geratener Superklamotte »It’s a Mad, Mad, Mad, Mad World«: ein Belle-Époque-Wagenrennen – (fast) rund um den Globus – von New York nach Paris, ein perlweiß funkelnder Siegertyp (›The Great Leslie‹: Tony Curtis), ein Antagonist, so schwarz wie die Bombe eines Anarchisten (›Professor Fate‹: Jack Lemmon), dazu ergebene Helfer (Keenan Wynn und Peter Falk) sowie eine selbstbewußte Suffragette (›Maggie Du Bois‹: Natalie Wood), die das Primat der männlichen Helden(-figuren) mit allen ihr zu Gebote stehenden körperlichen und intellektuellen Reizen in Frage stellt. Stummfilmfan und Kontrollfreak Blake Edwards schafft mit seinem besessen-minutiösen Nach- und Durchdeklinieren populärer Leinwandstandards – heulenden Indianer-Attacken und klirrenden Mantel-&-Degen-Duellen, romantischen Komplikationen und schwelgerischen Zerstörungsorgien, einer titanischen Saloonschlägerei und einer Tortenschlacht (natürlich handelt es sich nicht um »eine« Tortenschlacht, sondern um »the pie fight of the century«) – eine exaltiert-exorbitante roadshow, das Komödienäquivalent zu den hypertrophen Musicals der Epoche. Daß die Komik, trotz konsequent cartoonhafter Charakterzeichnung und kompromißlos überzeichneter Situationen, hin und wieder auf der (langen) Strecke bleibt, liegt wohl in der Natur der (aufgeblasenen) Sache: Subversion und Gigantismus gehen selten Hand in Hand. PS: »Push the button, Max!«
R Blake Edwards B Arthur A. Ross, Blake Edwards K Russell Harlan M Henry Mancini A Fernando Carrere S Ralph E. Winters P Martin Jurow D Jack Lemmon, Tony Curtis, Natalie Wood, Peter Falk, Keenan Wynn | USA | 160 min | 1:2,35 | f | 1. Juli 1965
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Jahrhundertwende,
Komödie,
Lemmon,
Reise,
Wood
24.3.65
Le corniaud (Gérard Oury, 1965)
Scharfe Sachen für Monsieur | Louis, das Schlitzohr
»Wenn einer eine Reise tut, / dann kann er was erzählen. / Drum nähme ich den Stock und Hut / und tät das Reisen wählen.« Antoine Maréchal, ein argloser Pariser Kleinbürger (Bourvil), nimmt den weißen Cadillac DeVille, der ihm (nicht ganz uneigennützig) vom halbseidenen »Unternehmer« Léopold Saroyan (Louis de Funès) zur Verfügung gestellt wird, und reist von Neapel nach Bordeaux. Unterwegs passiert allerlei Erzählenswertes, das insbesondere mit der versteckten Fracht zu tun hat, die Maréchal nichtsahnend in Saroyans Luxuskarosse transportiert: Heroin (in den Kotflügeln), Gold (in den Stoßstangen), Edelsteine (in der Batterie) und: den größten Diamanten der Welt (tja, wo eigentlich?) … Gérard Oury mixt Gangster-Klamotte mit Poisson-hors-de-l’eau-Komödie und postkartenidyllischen Italien-Impressionen (römisches Dolce Vita, sizilianische Eifersucht, Wasserspiele und Faustkämpfe in der Villa d’Este, Camping und Freikörperkultur am Tyrrhenischen Meer) zu einem ferienvergnüglichen Roadmovie, in dem – anders als im richtigen Leben – die bodenlose Ehrlichkeit des herzensguten Blödmanns über die gemeine Hinterlist des berechnenden Schlitzohrs siegt.
R Gérard Oury B Gérard Oury, Marcel Jullian, Georges Tabet, André Tabet K Henri Decaë M Georges Delerue A Francesco Ciarletta, Robert Giordani S Albert Jurgenson P Robert Dorfmann D Bourvil, Louis de Funès, Venantino Venantini, Beba Loncar, Alida Chelli | F & I | 111 min | 1:2,35 | f | 24. März 1965
»Wenn einer eine Reise tut, / dann kann er was erzählen. / Drum nähme ich den Stock und Hut / und tät das Reisen wählen.« Antoine Maréchal, ein argloser Pariser Kleinbürger (Bourvil), nimmt den weißen Cadillac DeVille, der ihm (nicht ganz uneigennützig) vom halbseidenen »Unternehmer« Léopold Saroyan (Louis de Funès) zur Verfügung gestellt wird, und reist von Neapel nach Bordeaux. Unterwegs passiert allerlei Erzählenswertes, das insbesondere mit der versteckten Fracht zu tun hat, die Maréchal nichtsahnend in Saroyans Luxuskarosse transportiert: Heroin (in den Kotflügeln), Gold (in den Stoßstangen), Edelsteine (in der Batterie) und: den größten Diamanten der Welt (tja, wo eigentlich?) … Gérard Oury mixt Gangster-Klamotte mit Poisson-hors-de-l’eau-Komödie und postkartenidyllischen Italien-Impressionen (römisches Dolce Vita, sizilianische Eifersucht, Wasserspiele und Faustkämpfe in der Villa d’Este, Camping und Freikörperkultur am Tyrrhenischen Meer) zu einem ferienvergnüglichen Roadmovie, in dem – anders als im richtigen Leben – die bodenlose Ehrlichkeit des herzensguten Blödmanns über die gemeine Hinterlist des berechnenden Schlitzohrs siegt.
R Gérard Oury B Gérard Oury, Marcel Jullian, Georges Tabet, André Tabet K Henri Decaë M Georges Delerue A Francesco Ciarletta, Robert Giordani S Albert Jurgenson P Robert Dorfmann D Bourvil, Louis de Funès, Venantino Venantini, Beba Loncar, Alida Chelli | F & I | 111 min | 1:2,35 | f | 24. März 1965
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1.7.62
Kuro no tesuto kaa (Yasuzo Masumura, 1962)
Der schwarze Testwagen
Das titelgebende Fahrzeug ist ein Prototyp des revolutionären Sportwagens ›Pioneer‹, mit dem die ›Tiger Corporation‹ den japanischen Automobilmarkt aufrollen will. Aber die Konkurrenz schläft nicht – und Chefentwickler Onoda (obsessiv: Hideo Takamatsu) sieht sich gezwungen, sein Baby (»Ein Design wie von Michelangelo!«) gegen Kundschafter und Saboteure des rivalisierenden Konzerns ›Yamato‹ zu verteidigen. Dazu sind ihm genau jene Mittel recht, derer sich auch die andere Seite befleißigt: Diebstahl und Erpressung, Spionage und Prostitution – natürlich alles zum Wohle der großen Sache, des Unternehmens, des Erfolges. Yasuzo Masumura erzählt in seinem sardonischen Industriethriller die Geschichte einer déformation professionelle im Turbokapitalismus. Die schwarzweißen Daieiscope-Bilder (Kamera: Yoshihisa Nakagawa) sind so hart wie die herrschenden Verhältnisse. Ethische Bedenken kommen unter die Räder – und wer nicht mitmachen will, wer aussteigt, kann nur noch den entschwindenen Rücklichtern seiner verlorenen Zukunft hinterherschauen.
R Yasuzo Masumura B Kazuro Funabashi, Yoshihiro Ishimatsu V Sueyuki Kajiyama K Yoshihisa Nakagawa M Sei Ikeno S Tatsuji Nakashizu D Jiro Tamiya, Junko Kano, Eiji Funakoshi, Hideo Takamatsu, Ichiro Sugai | JP | 95 min | 1:2,35 | sw | 1. Juli 1962
Das titelgebende Fahrzeug ist ein Prototyp des revolutionären Sportwagens ›Pioneer‹, mit dem die ›Tiger Corporation‹ den japanischen Automobilmarkt aufrollen will. Aber die Konkurrenz schläft nicht – und Chefentwickler Onoda (obsessiv: Hideo Takamatsu) sieht sich gezwungen, sein Baby (»Ein Design wie von Michelangelo!«) gegen Kundschafter und Saboteure des rivalisierenden Konzerns ›Yamato‹ zu verteidigen. Dazu sind ihm genau jene Mittel recht, derer sich auch die andere Seite befleißigt: Diebstahl und Erpressung, Spionage und Prostitution – natürlich alles zum Wohle der großen Sache, des Unternehmens, des Erfolges. Yasuzo Masumura erzählt in seinem sardonischen Industriethriller die Geschichte einer déformation professionelle im Turbokapitalismus. Die schwarzweißen Daieiscope-Bilder (Kamera: Yoshihisa Nakagawa) sind so hart wie die herrschenden Verhältnisse. Ethische Bedenken kommen unter die Räder – und wer nicht mitmachen will, wer aussteigt, kann nur noch den entschwindenen Rücklichtern seiner verlorenen Zukunft hinterherschauen.
R Yasuzo Masumura B Kazuro Funabashi, Yoshihiro Ishimatsu V Sueyuki Kajiyama K Yoshihisa Nakagawa M Sei Ikeno S Tatsuji Nakashizu D Jiro Tamiya, Junko Kano, Eiji Funakoshi, Hideo Takamatsu, Ichiro Sugai | JP | 95 min | 1:2,35 | sw | 1. Juli 1962
30.4.58
Sie kannten sich alle (Richard Groschopp, 1958)
Auf der Teststrecke der volkseigenen Autowerke Isenau werden zwei Prototypen eines neuen Modells erprobt. Beide Wagen verunglücken. Einer der Fahrer stirbt. Wie sich herausstellt, war das Motoröl verunreinigt: Sabotage! Zwei hartnäckig-freundliche Herren vom Ministerium für Staatssicherheit übernehmen die Ermittlung. Wer in Isenau (einer fiktiven Kleinstadt irgendwo im Süden der DDR) hat Dreck am Stecken? Der technische Direktor oder die schwäbische Chefsekretärin, der knurrige Werkstattleiter oder dessen hübsche Tochter, der joviale Mechaniker oder der flotte Praktikant, der gerne in westlichen Krimis schmökert? Und welche Rolle spielt H. J. (!) Schott, der attraktive Besitzer einer privaten (!) Autoreparaturwerkstatt? Richard Groschopp läßt die schlichte Kalte-Kriegs-Krimi-Handlung ohne erkennbare formale Ambition auf das absehbare Ende zusteuern: die Übeltäter werden enttarnt und daran gehindert, sich ihrer gerechten Strafe durch illegalen Grenzübertritt zu entziehen. Die Stasi, dein Freund und Helfer, hat die böse Welt etwas besser gemacht. Moral: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – vor allem gegenseitige.
R Richard Groschopp B Carl Andrießen, Lothar Creutz, Richard Groschopp K Eugen Klagemann M Wilhelm Neef A Artur Günther S Friedel Welsandt P Werner Dau D Harry Hindemith, Erich Franz, Sonja Sutter, Horst Drinda, Ulrich Thein, Wolfgang Stumpf | DDR | 84 min | 1:1,37 | sw | 30. April 1958
# 976 | 9. November 2015
R Richard Groschopp B Carl Andrießen, Lothar Creutz, Richard Groschopp K Eugen Klagemann M Wilhelm Neef A Artur Günther S Friedel Welsandt P Werner Dau D Harry Hindemith, Erich Franz, Sonja Sutter, Horst Drinda, Ulrich Thein, Wolfgang Stumpf | DDR | 84 min | 1:1,37 | sw | 30. April 1958
# 976 | 9. November 2015
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6.12.56
Hollywood or Bust (Frank Tashlin, 1956)
Alles um Anita
»Land of stardust and land of glamour / Vistavision and cinerama.« Eine Hommage an das Kino und seine Klischees: Während die Credits laufen, posiert eine blonde Pin-up-Walküre (Anita Ekberg) in wechselnden Kostümen standbildhaft vor diversen Tinseltown-Szenerien – Hotels, Palmen, Restaurants, Studiokulissen. So statuarisch wie das Opening gestaltet sich auch der weitere Verlauf des Werks, obschon der (dünne) Erzählfaden einer Reisebewegung quer durch die Vereinigten Staaten folgt. In New York gewinnen der eingefleischte Filmfan Malcolm Smith (Jerry Lewis) und das ausgekochte Schlitzohr Steve Wiley (Dean Martin) – der eine ehrlich, der andere betrügerisch – zu gleichen Teilen den Hauptpreis einer Lotterie: ein feuerrotes Cabriolet. Gemeinsam macht sich das ungleiche Paar auf den Weg nach Westen: Malcolm will (in Begleitung der wachsamen Dogge Mr. Bascomb) seiner Abgöttin Anita in Hollywood einen Besuch abstatten, wogegen Steve die Luxuskarosse unterwegs zu versilbern gedenkt, um Schulden zu begleichen ... Regisseur Frank Tashlin bedient sich einer Art Schnappschuß-Dramaturgie, die das touristisch-musikalische Roadmovie um Starkult, Glück(sspiel) und Freundschaft (dem keine weitere Martin-Lewis-Komödie folgen wird) in eine unterhaltsame Reihe von gag cartoons und comicstripkurzen Absurdramoletten zerlegt.
R Frank Tashlin B Erna Lazarus K Daniel Fapp M Walter Scharf A Hal Pereira, Henry Bumstead S Howard A. Smith P Hal B. Wallis D Dean Martin, Jerry Lewis, Pat Crowley, Maxie Rosenbloom, Anita Ekberg | USA | 95 min | 1:1,85 | f | 6. Dezember 1956
# 1072 | 3. September 2017
»Land of stardust and land of glamour / Vistavision and cinerama.« Eine Hommage an das Kino und seine Klischees: Während die Credits laufen, posiert eine blonde Pin-up-Walküre (Anita Ekberg) in wechselnden Kostümen standbildhaft vor diversen Tinseltown-Szenerien – Hotels, Palmen, Restaurants, Studiokulissen. So statuarisch wie das Opening gestaltet sich auch der weitere Verlauf des Werks, obschon der (dünne) Erzählfaden einer Reisebewegung quer durch die Vereinigten Staaten folgt. In New York gewinnen der eingefleischte Filmfan Malcolm Smith (Jerry Lewis) und das ausgekochte Schlitzohr Steve Wiley (Dean Martin) – der eine ehrlich, der andere betrügerisch – zu gleichen Teilen den Hauptpreis einer Lotterie: ein feuerrotes Cabriolet. Gemeinsam macht sich das ungleiche Paar auf den Weg nach Westen: Malcolm will (in Begleitung der wachsamen Dogge Mr. Bascomb) seiner Abgöttin Anita in Hollywood einen Besuch abstatten, wogegen Steve die Luxuskarosse unterwegs zu versilbern gedenkt, um Schulden zu begleichen ... Regisseur Frank Tashlin bedient sich einer Art Schnappschuß-Dramaturgie, die das touristisch-musikalische Roadmovie um Starkult, Glück(sspiel) und Freundschaft (dem keine weitere Martin-Lewis-Komödie folgen wird) in eine unterhaltsame Reihe von gag cartoons und comicstripkurzen Absurdramoletten zerlegt.
R Frank Tashlin B Erna Lazarus K Daniel Fapp M Walter Scharf A Hal Pereira, Henry Bumstead S Howard A. Smith P Hal B. Wallis D Dean Martin, Jerry Lewis, Pat Crowley, Maxie Rosenbloom, Anita Ekberg | USA | 95 min | 1:1,85 | f | 6. Dezember 1956
# 1072 | 3. September 2017
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31.5.56
Die goldene Brücke (Paul Verhoeven, 1956)
Eine Frau (Ruth Leuwerik) zwischen zwei Männern (Paul Hubschmid und Curd Jürgens) – geschmackvoll inszenierter Illustriertenkitsch in gehobenem Milieu (Motorsport, Industrie, Film) oder Allegorie auf seelische Befindlichkeiten im bundesrepublikanischen Wirtschaftswunder? Vielleicht beides: Paul Verhoeven findet in der Sülze Ansatzpunkte für eine gleichnishafte Gesellschaftsdiagnose … Tima, Opernsängerin und Schauspielerin, ist verheiratet mit Stefan, einem verunfallten Rennfahrer, der sich larmoyant in seinem Scheitern, in der dunklen Vergangenheit verliert; begehrt wird sie von dem charismatischen Autofabrikanten Balder, der nur für seine Projekte, für die strahlende Zukunft lebt. Einem dehnt sich die Zeit qualvoll ins Unendliche, will nicht vergehen, am anderen rast die Zeit vorbei, vernichtet jedes wirkliche Gefühl. So steht Tima, die Verkörperung der Sehnsucht nach Gegenwart, zwischen der Gefangenschaft im Gestern und der Flucht ins Morgen. Am Ende bietet »Die goldene Brücke« dem Trio kolportagehafte Läuterung: Einer findet sein gehobenes Selbst, zwei finden (wieder) zueinander, und alle drei finden den Überweg ins Heute.
R Paul Verhoeven B Juliane Kay, Werner P. Zibaso V Lajos Zilahy K Werner Krien M Franz Grothe A Max Mellin, Rolf Englert S Gertrud Hinz-Nischwitz P Utz Utermann D Ruth Leuwerik, Curd Jürgens, Paul Hubschmidt, Rudolf Vogel, Adrienne Gessner | BRD | 101 min | 1:1,66 | sw | 31. Mai 1956
R Paul Verhoeven B Juliane Kay, Werner P. Zibaso V Lajos Zilahy K Werner Krien M Franz Grothe A Max Mellin, Rolf Englert S Gertrud Hinz-Nischwitz P Utz Utermann D Ruth Leuwerik, Curd Jürgens, Paul Hubschmidt, Rudolf Vogel, Adrienne Gessner | BRD | 101 min | 1:1,66 | sw | 31. Mai 1956
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31.12.53
The Long, Long Trailer (Vincente Minnelli, 1953)
Villa mit 100 PS
Romantische Farce über ein frischvermähltes Paar, das sich (auf Pump – wie sonst?) einen (wirklich) sehr, sehr langen Wohnwagen zulegt, um an den wechselnden Arbeitsstätten des Gatten in immer demselben, gemütlichen Heim leben zu können. Lucille Ball und Desi Arnaz zuckeln mit ihrer exklusiven Blechbüchse durch das konsumistische Eisenhower-Amerika, und schon auf der Hochzeitsreise entartet die Plastik-Utopie einer Verbindung von Mobilität und Zuhausesein zum bonbonbunten Alptraum … Mit inszenatorischer Sicherheit verbindet Vincente Minnelli Satire und Slapstick zu einer freundlich-hysterischen Sitcom-Analyse des american way of life und seines motorisierten pursuit of happiness.
R Vincente Minnelli B Frances Goodrich, Albert Hackett V Clinton Twiss K Robert Surtees M Adolph Deutsch A Cedric Gibbons, Edward Carfagno S Ferris Webster P Pandro S. Berman D Lucille Ball, Desi Arnaz, Marjorie Main, Keenan Wynn, Gladys Hurlbut | USA | 103 min | 1:1,37 | f | 31. Dezember 1953
Romantische Farce über ein frischvermähltes Paar, das sich (auf Pump – wie sonst?) einen (wirklich) sehr, sehr langen Wohnwagen zulegt, um an den wechselnden Arbeitsstätten des Gatten in immer demselben, gemütlichen Heim leben zu können. Lucille Ball und Desi Arnaz zuckeln mit ihrer exklusiven Blechbüchse durch das konsumistische Eisenhower-Amerika, und schon auf der Hochzeitsreise entartet die Plastik-Utopie einer Verbindung von Mobilität und Zuhausesein zum bonbonbunten Alptraum … Mit inszenatorischer Sicherheit verbindet Vincente Minnelli Satire und Slapstick zu einer freundlich-hysterischen Sitcom-Analyse des american way of life und seines motorisierten pursuit of happiness.
R Vincente Minnelli B Frances Goodrich, Albert Hackett V Clinton Twiss K Robert Surtees M Adolph Deutsch A Cedric Gibbons, Edward Carfagno S Ferris Webster P Pandro S. Berman D Lucille Ball, Desi Arnaz, Marjorie Main, Keenan Wynn, Gladys Hurlbut | USA | 103 min | 1:1,37 | f | 31. Dezember 1953
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1.7.53
Genevieve (Henry Cornelius, 1953)
Die feurige Isabella
»I don’t know what it is about these silly old cars. The moment people get into them, they start behaving like idiots.« Alle Jahre wieder findet der Veteran Car Run des königlich Automobilclubs statt: von London nach Brighton und zurück. Und wie immer nehmen zwei alte Freunde (und Konkurrenten) mit ihren betagten Fahrzeugen (beide Jahrgang 1904) und jungen Frauen an der Traditionsrallye teil: Alan McKim (John Gregson) mit seinem Darracq (genannt ›Genevieve‹) und Ehefrau Wendy (Dinah Sheridan) sowie Ambrose Claverhouse (Kenneth More) mit seinem Spyker und Freundin Rosalind (Kay Kendall) … Ein Wochenende im Herbst: frische Luft und Abgasgestank, Sonne und Regen, Kameradschaft und Rivalität, Zärtlichkeit und Niedertracht, Streit und Versöhnung. »Genevieve« nimmt das Rennen – das eigentlich keine Wettfahrt ist, aber, aufgrund einer Wette, in eine solche ausartet – zum Anlaß, den verschiedenen Charakteren (wozu auch die beteiligten Oldtimer zählen) freien Lauf zu lassen, ihre Beziehungen zu erkunden, ihre Stärken und Schwächen auszuloten. Henry Cornelius entwickelt die erzbritische Exzentrik dieser von einem Amerikaner geschriebenen Komödie mit französischer Ungezwungenheit – spielerisch bewegt sich das Roadmovie von einer vergnüglichen Situation zur nächsten; und Larry Adlers Mundharmonikaklänge verbinden virtuos die fein abgestuften Stimmlagen dieser überaus charmanten (in bilderbogenbuntem Technicolor fotografierten) romantischen Farce: Nostalgie und Naturalismus, Klamauk und Ironie, schrille Übertreibungen und lyrische Zwischentöne.
R Henry Cornelius B William Rose K Christopher Challis M Larry Adler A Michael Stringer S Clive Donner P Henry Cornelius D Dinah Sheridan, John Gregson, Kay Kendall, Kenneth More, Joyce Grenfell | UK | 86 min | 1:1,37 | f | 1. Juli 1953
# 911 | 14. September 2014
»I don’t know what it is about these silly old cars. The moment people get into them, they start behaving like idiots.« Alle Jahre wieder findet der Veteran Car Run des königlich Automobilclubs statt: von London nach Brighton und zurück. Und wie immer nehmen zwei alte Freunde (und Konkurrenten) mit ihren betagten Fahrzeugen (beide Jahrgang 1904) und jungen Frauen an der Traditionsrallye teil: Alan McKim (John Gregson) mit seinem Darracq (genannt ›Genevieve‹) und Ehefrau Wendy (Dinah Sheridan) sowie Ambrose Claverhouse (Kenneth More) mit seinem Spyker und Freundin Rosalind (Kay Kendall) … Ein Wochenende im Herbst: frische Luft und Abgasgestank, Sonne und Regen, Kameradschaft und Rivalität, Zärtlichkeit und Niedertracht, Streit und Versöhnung. »Genevieve« nimmt das Rennen – das eigentlich keine Wettfahrt ist, aber, aufgrund einer Wette, in eine solche ausartet – zum Anlaß, den verschiedenen Charakteren (wozu auch die beteiligten Oldtimer zählen) freien Lauf zu lassen, ihre Beziehungen zu erkunden, ihre Stärken und Schwächen auszuloten. Henry Cornelius entwickelt die erzbritische Exzentrik dieser von einem Amerikaner geschriebenen Komödie mit französischer Ungezwungenheit – spielerisch bewegt sich das Roadmovie von einer vergnüglichen Situation zur nächsten; und Larry Adlers Mundharmonikaklänge verbinden virtuos die fein abgestuften Stimmlagen dieser überaus charmanten (in bilderbogenbuntem Technicolor fotografierten) romantischen Farce: Nostalgie und Naturalismus, Klamauk und Ironie, schrille Übertreibungen und lyrische Zwischentöne.
R Henry Cornelius B William Rose K Christopher Challis M Larry Adler A Michael Stringer S Clive Donner P Henry Cornelius D Dinah Sheridan, John Gregson, Kay Kendall, Kenneth More, Joyce Grenfell | UK | 86 min | 1:1,37 | f | 1. Juli 1953
# 911 | 14. September 2014
25.2.53
Les vacances de Monsieur Hulot (Jacques Tati, 1953)
Die Ferien des Monsieur Hulot
Scènes de la vie des vacances: ein beschaulicher Ferienort an der französischen Atlantikküste – das Meer und der Strand, das Hôtel de la Plage mit seinen Angestellten und Gästen. Einer der Touristen ist Monsieur Hulot, ein schlaksiger Sonderling, der wie ein unbeholfen-gutmütiger Außerirdischer über die unbewölkte Sommerbühne stakst. Jacques Tati bietet keine Handlung, keine Psychologie, keine Entwicklung, er blättert ein Album auf, skizziert Typen, beobachtet Situationen, macht sich diskret lustig über Gewohnheiten und Eigenarten, über Verhaltensweisen und die kleinen Absurditäten des Lebens. Bei aller Freude an visuellen Gags – ein Reifenschlauch verwandelt sich in einen Trauerkranz, Hulots dilettantisch-eckiges Tennisspiel fegt reihenweise erfahrene Sportler von Platz, ein in der Mitte durchgebrochenes Ruderboot wird zum Maul eines Riesenhais, Hulot unternimmt hilflose Versuche, ein versehentlich entzündetes Feuerwerk zu löschen – richtet Tati seine besondere Aufmerksamkeit auf Geräusche, die immer wieder absurde Komik entfalten: unverständliche Lautsprecherdurchsagen auf einem Bahnhof, denen die Reisenden folgen wie die Lemminge, eine quäkende Hupe, die schon mal einen schießwütigen Entenjäger auf Hochtouren bringt, das beängstigende Schnauben von Pferden, das gleichmütige Klappen einer Schwingtür. In die sonnige Heiterkeit mischt sich fast unmerklich eine gewisse Melancholie: Die Saison geht zu Ende, die Gesellschaft der Urlauber zerstreut sich, und der freundliche Kauz Hulot reist so alleine ab, wie er gekommen ist.
R Jacques Tati B Jacques Tati, Henri Marquet, Pierre Aubert, Jacques Lagrange K Jacques Mercanton, Jean Mousselle M Alain Romans A Henri Schmitt S Suzanne Baron, Charles Bretoneiche, Jacques Grassi P Fred Orain D Jacques Tati, Nathalie Pascaud, Micheline Rolla, Valentine Camax, Lucien Frégis | F | 114/88 min | 1:1,37 | sw | 25. Februar 1953
# 930 | 5. Januar 2015
Scènes de la vie des vacances: ein beschaulicher Ferienort an der französischen Atlantikküste – das Meer und der Strand, das Hôtel de la Plage mit seinen Angestellten und Gästen. Einer der Touristen ist Monsieur Hulot, ein schlaksiger Sonderling, der wie ein unbeholfen-gutmütiger Außerirdischer über die unbewölkte Sommerbühne stakst. Jacques Tati bietet keine Handlung, keine Psychologie, keine Entwicklung, er blättert ein Album auf, skizziert Typen, beobachtet Situationen, macht sich diskret lustig über Gewohnheiten und Eigenarten, über Verhaltensweisen und die kleinen Absurditäten des Lebens. Bei aller Freude an visuellen Gags – ein Reifenschlauch verwandelt sich in einen Trauerkranz, Hulots dilettantisch-eckiges Tennisspiel fegt reihenweise erfahrene Sportler von Platz, ein in der Mitte durchgebrochenes Ruderboot wird zum Maul eines Riesenhais, Hulot unternimmt hilflose Versuche, ein versehentlich entzündetes Feuerwerk zu löschen – richtet Tati seine besondere Aufmerksamkeit auf Geräusche, die immer wieder absurde Komik entfalten: unverständliche Lautsprecherdurchsagen auf einem Bahnhof, denen die Reisenden folgen wie die Lemminge, eine quäkende Hupe, die schon mal einen schießwütigen Entenjäger auf Hochtouren bringt, das beängstigende Schnauben von Pferden, das gleichmütige Klappen einer Schwingtür. In die sonnige Heiterkeit mischt sich fast unmerklich eine gewisse Melancholie: Die Saison geht zu Ende, die Gesellschaft der Urlauber zerstreut sich, und der freundliche Kauz Hulot reist so alleine ab, wie er gekommen ist.
R Jacques Tati B Jacques Tati, Henri Marquet, Pierre Aubert, Jacques Lagrange K Jacques Mercanton, Jean Mousselle M Alain Romans A Henri Schmitt S Suzanne Baron, Charles Bretoneiche, Jacques Grassi P Fred Orain D Jacques Tati, Nathalie Pascaud, Micheline Rolla, Valentine Camax, Lucien Frégis | F | 114/88 min | 1:1,37 | sw | 25. Februar 1953
# 930 | 5. Januar 2015
7.11.45
Detour (Edgar G. Ulmer, 1945)
Umleitung
»How far you goin’?« – »How far YOU goin’?« Gehen die Figuren des Films überhaupt irgendwohin? Oder werden sie getrieben? Vom Schicksal? Vom Zufall? Von ihrer Angst? Von ihrer Gier? Al Roberts (Tom Neal), ein zweitklassiger Pianist, folgt seiner Freundin von New York nach Los Angeles, ein Trip, zu Fuß und per Anhalter, quer über den Kontinent, kein hoffnungsvoller Zug nach dem Westen indes, sondern eine tödliche Verirrung auf der Umleitung des Lebens … Unglückliche Umstände, unglaubhafte Verstrickungen: Al nimmt unterwegs die Identität eines plötzlich verstorbenen betuchten Reisenden an; der Rollentausch wird zum Alptraum, als die fatale Vera (Ann Savage) auftaucht (»Man, she looked as if she'd been thrown off the crummiest freight train in the world.«), die Al erpreßt, seine Vorstellung gewinnbringend fortzusetzen. Der selbstmitleidige Mann mit dem Schmollmund des ewigen Verlierers und die vor (krimineller) Energie vibrierende, sarkastische Frau verstricken sich in ein (latent sadomasochistisches) Endspiel der Bedrohung und Unterwerfung, der Raffsucht und Abscheu, ein Kampf, der keinen Gewinner kennt. Von Edgar G. Ulmer kalt und unromantisch inszeniert, zeigt »Detour« die Welt als endlose Straße durch die Wüste, als fensterloses Zimmer in einer billigen Absteige, als Rutschbahn, die ins Verderben führt: »Fate«, resümiert Al, »or some mysterious force can put the finger on you or me, for no good reason at all.«
R Edgar G. Ulmer B Martin Goldsmith V Martin Goldsmith K Benjamin H. Kline M Leo Erdory A Edward C. Jewell S George McGuire P Leon Fromkess D Tom Neal, Ann Savage, Claudia Drake, Edmund MacDonald | USA | 70 min | 1:1,37 | sw | 7. November 1945
# 778 | 12. Oktober 2013
»How far you goin’?« – »How far YOU goin’?« Gehen die Figuren des Films überhaupt irgendwohin? Oder werden sie getrieben? Vom Schicksal? Vom Zufall? Von ihrer Angst? Von ihrer Gier? Al Roberts (Tom Neal), ein zweitklassiger Pianist, folgt seiner Freundin von New York nach Los Angeles, ein Trip, zu Fuß und per Anhalter, quer über den Kontinent, kein hoffnungsvoller Zug nach dem Westen indes, sondern eine tödliche Verirrung auf der Umleitung des Lebens … Unglückliche Umstände, unglaubhafte Verstrickungen: Al nimmt unterwegs die Identität eines plötzlich verstorbenen betuchten Reisenden an; der Rollentausch wird zum Alptraum, als die fatale Vera (Ann Savage) auftaucht (»Man, she looked as if she'd been thrown off the crummiest freight train in the world.«), die Al erpreßt, seine Vorstellung gewinnbringend fortzusetzen. Der selbstmitleidige Mann mit dem Schmollmund des ewigen Verlierers und die vor (krimineller) Energie vibrierende, sarkastische Frau verstricken sich in ein (latent sadomasochistisches) Endspiel der Bedrohung und Unterwerfung, der Raffsucht und Abscheu, ein Kampf, der keinen Gewinner kennt. Von Edgar G. Ulmer kalt und unromantisch inszeniert, zeigt »Detour« die Welt als endlose Straße durch die Wüste, als fensterloses Zimmer in einer billigen Absteige, als Rutschbahn, die ins Verderben führt: »Fate«, resümiert Al, »or some mysterious force can put the finger on you or me, for no good reason at all.«
R Edgar G. Ulmer B Martin Goldsmith V Martin Goldsmith K Benjamin H. Kline M Leo Erdory A Edward C. Jewell S George McGuire P Leon Fromkess D Tom Neal, Ann Savage, Claudia Drake, Edmund MacDonald | USA | 70 min | 1:1,37 | sw | 7. November 1945
# 778 | 12. Oktober 2013
9.7.42
The Magnificent Ambersons (Orson Welles, 1942)
Der Glanz des Hauses Amberson
Ein prachtvolles Sittenbild mag Orson Welles vorgeschwebt haben, Panorama der amerikanischen Gesellschaft zwischen Civil War und Erstem Weltkrieg, Epos von der Transformation einer Welt, in der Gewicht hat, wer jemand ist, zu einer Welt, in der zählt, wer etwas tut, angesiedelt in einer aufstrebenden Stadt des Mittleren Westens, arrangiert um eine unerfüllte Liebe: Isabel Amberson (Dolores Costello), hochnäsiger Sproß aus bester Familie, gibt ihrem Verehrer, dem linkischen Erfinder Eugene Morgan (Joseph Cotten), den Laufpaß, um einen seriösen Langweiliger zu heiraten. Während sich die vornehme Dame fortan der Verziehung ihres einzigen Sohnes (Tim Holt) zum blasierten Flegel widmet, konstruiert der begabte Ingenieur, ermutigt von seiner patenten Tochter (Anne Baxter), eine Benzinkutsche, deren serienmäßige Herstellung ein gewaltiger Geschäftserfolg wird ... Trotz beeindruckender Kulissen und zahlreicher photographischer Kabinettstücke gibt der Film – von Welles vor seiner Abreise zu Dreharbeiten nach Brasilien lediglich bis zum Rohschnitt ausgearbeitet, vom Studio RKO in Abwesenheit des Regisseurs radikal gekürzt und durch nachgedrehte Szenen teilweise sinnentstellt – nur einen Abglanz des Meisterwerks, das er hätte werden können. Der Erzählung mangelt es an Rhythmus und Atem, der Ton schwankt von ironisch zu elegisch zu hysterisch zu sentimentalisch, wodurch es schwerfällt, den Wegen der (fast durchweg unsympathischen) Figuren zu folgen, und der schicksalhafte Verfall der Ambersons kaum symbolische Kraft, sondern bestenfalls dekoratives Flair entfaltet.
R Orson Welles B Orson Welles V Booth Tarkington K Stanley Cortez M Bernard Herrmann A Albert S. D'Agostino S Robert Wise P Orson Welles D Joseph Cotten, Dolores Costello, Tim Holt, Anne Baxter, Agnes Moorehead | USA | 88 min | 1:1,37 | sw | 9. Juli 1942
# 1138 | 15. Dezember 2018
Ein prachtvolles Sittenbild mag Orson Welles vorgeschwebt haben, Panorama der amerikanischen Gesellschaft zwischen Civil War und Erstem Weltkrieg, Epos von der Transformation einer Welt, in der Gewicht hat, wer jemand ist, zu einer Welt, in der zählt, wer etwas tut, angesiedelt in einer aufstrebenden Stadt des Mittleren Westens, arrangiert um eine unerfüllte Liebe: Isabel Amberson (Dolores Costello), hochnäsiger Sproß aus bester Familie, gibt ihrem Verehrer, dem linkischen Erfinder Eugene Morgan (Joseph Cotten), den Laufpaß, um einen seriösen Langweiliger zu heiraten. Während sich die vornehme Dame fortan der Verziehung ihres einzigen Sohnes (Tim Holt) zum blasierten Flegel widmet, konstruiert der begabte Ingenieur, ermutigt von seiner patenten Tochter (Anne Baxter), eine Benzinkutsche, deren serienmäßige Herstellung ein gewaltiger Geschäftserfolg wird ... Trotz beeindruckender Kulissen und zahlreicher photographischer Kabinettstücke gibt der Film – von Welles vor seiner Abreise zu Dreharbeiten nach Brasilien lediglich bis zum Rohschnitt ausgearbeitet, vom Studio RKO in Abwesenheit des Regisseurs radikal gekürzt und durch nachgedrehte Szenen teilweise sinnentstellt – nur einen Abglanz des Meisterwerks, das er hätte werden können. Der Erzählung mangelt es an Rhythmus und Atem, der Ton schwankt von ironisch zu elegisch zu hysterisch zu sentimentalisch, wodurch es schwerfällt, den Wegen der (fast durchweg unsympathischen) Figuren zu folgen, und der schicksalhafte Verfall der Ambersons kaum symbolische Kraft, sondern bestenfalls dekoratives Flair entfaltet.
R Orson Welles B Orson Welles V Booth Tarkington K Stanley Cortez M Bernard Herrmann A Albert S. D'Agostino S Robert Wise P Orson Welles D Joseph Cotten, Dolores Costello, Tim Holt, Anne Baxter, Agnes Moorehead | USA | 88 min | 1:1,37 | sw | 9. Juli 1942
# 1138 | 15. Dezember 2018
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