Das Milliarden-Dollar-Gehirn
»Billion Dollar Brain« setzt den absurden Schlußpunkt unter die Harry-Palmer-Trilogie und funktioniert dabei in gewisser Weise als Kommentar auf die ins Kraut schießenden Bond-Phantasien der Ära (wozu auch der schicke Maurice-Binder-Titel paßt): Palmer (einmal mehr einmalig: Michael Caine) wird (von unbekannter Seite) mit dem Transport einiger mysteriöser Hühnereier von London nach Helsinki betraut und so in die Pläne des fanatisch-antikommunistisch-texanischen Ölmilliardärs General Midwinter (durchgeknallt: Ed Begley) verwickelt, der fest von der Verseuchung der amerikanischen Ostküste durch die Roten überzeugt ist und im Rahmen seines ganz persönlichen »Kreuzzugs für die Freiheit« mit Privattruppen in die Sowjetunion einzumarschieren gedenkt … Mit von der Partie: Karl Malden (als zwielichtig-eigennütziger Büttel des Bösen) Oskar Homolka (als gutmütig-gefährlicher russischer Bär) und die absolut wundervolle Françoise Dorléac (als lasziv-letale Doppelagentin). Ken »third-rate cliché« Russell dreht inszenatorisch irgendwann völlig ab (besser gesagt: auf), um sich in poppigen Riefenstahl- und Eisenstein-Parodien zu ergehen – die überspannte Spionage-Groteske verwandelt die genrepersiflierenden Elemente in pure Subversion, brilliert als entlarvender Zerrspiegel zeithistorischer Realitäten, als opulentes Politmärchen aus dem Winter unseres (Miß-)Vergnügens.
R Ken Russell B John McGrath V Len Deighton K Billy Williams M Richard Rodney Bennett A Syd Cain S Alan Osbiston P Harry Saltzman D Michael Caine, Karl Malden, Ed Begley, Oskar Homolka, Françoise Dorléac | UK | 111 min | 1:2,35 | f | 5. Dezember 1967
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22.12.66
Funeral in Berlin (Guy Hamilton, 1966)
Finale in Berlin
»Great words carved out of coloured electricity and plastered along the walls of the Ku-damm … Beneath me the city lay in huge patches of light and vast pools of darkness where rubble and grass fought gently for control of the universe.« So beschreibt Len Deighton die gleichermaßen mythische wie reale Hauptstadt des Kalten Krieges. »Funeral in Berlin«, das zweite Harry-Palmer-Abenteuer, zeichnet diese disparate Stimmung getreulich nach, ist – dank Konrad Elfers ironisch-emphatischer Trauermarsch-Musik und der prägnanten Panavision-Bilder von falschgoldenem Wirtschaftwunder-Glamour und ruinöser Zwischenzeit-Ödnis (Kamera: Otto Heller) – einer der atmosphärischsten Berlin-Filme überhaupt. Palmer (lässig-unterkühlt: Michael Caine) soll das Überlaufen des Ostberliner KGB-Sektionschef managen; der Fall wird kompliziert, als Exnazis, Fluchthelfer und Mossad-Spitzel querschießen, aber schließlich gelingt es dem reserviert-raffinierten britischen Agenten, das Verschwörungswirrwarr zu entheddern und die rivalisierenden Lager aufeinanderzuhetzen … Neben, mit und gegen Caine agieren Oskar Homolka (als bedrohlich-jovialer Sowjet-Oberst Stok), Paul Hubschmidt (als blendend-undurchsichtiger Johnny Vulkan), Eva Renzi (als hochklassig-tödliche Samantha »Some people call me Sam.« Steel) und herausragende Chargenspieler wie Herbert Fux, Thomas Holtzmann, Günter Meisner, Heinz Schubert. Guy Hamiltons provozierend undramatische Inszenierung kann es sich leisten, auf sogenannte »Regieeinfälle« völlig zu verzichten.
R Guy Hamilton B Evan Jones V Len Deighton K Otto Heller M Konrad Elfers A Ken Adam S John Bloom P Harry Saltzman D Michael Caine, Paul Hubschmid, Oskar Homolka, Eva Renzi, Guy Doleman | UK | 102 min | 1:2,35 | f | 22. Dezember 1966
»Great words carved out of coloured electricity and plastered along the walls of the Ku-damm … Beneath me the city lay in huge patches of light and vast pools of darkness where rubble and grass fought gently for control of the universe.« So beschreibt Len Deighton die gleichermaßen mythische wie reale Hauptstadt des Kalten Krieges. »Funeral in Berlin«, das zweite Harry-Palmer-Abenteuer, zeichnet diese disparate Stimmung getreulich nach, ist – dank Konrad Elfers ironisch-emphatischer Trauermarsch-Musik und der prägnanten Panavision-Bilder von falschgoldenem Wirtschaftwunder-Glamour und ruinöser Zwischenzeit-Ödnis (Kamera: Otto Heller) – einer der atmosphärischsten Berlin-Filme überhaupt. Palmer (lässig-unterkühlt: Michael Caine) soll das Überlaufen des Ostberliner KGB-Sektionschef managen; der Fall wird kompliziert, als Exnazis, Fluchthelfer und Mossad-Spitzel querschießen, aber schließlich gelingt es dem reserviert-raffinierten britischen Agenten, das Verschwörungswirrwarr zu entheddern und die rivalisierenden Lager aufeinanderzuhetzen … Neben, mit und gegen Caine agieren Oskar Homolka (als bedrohlich-jovialer Sowjet-Oberst Stok), Paul Hubschmidt (als blendend-undurchsichtiger Johnny Vulkan), Eva Renzi (als hochklassig-tödliche Samantha »Some people call me Sam.« Steel) und herausragende Chargenspieler wie Herbert Fux, Thomas Holtzmann, Günter Meisner, Heinz Schubert. Guy Hamiltons provozierend undramatische Inszenierung kann es sich leisten, auf sogenannte »Regieeinfälle« völlig zu verzichten.
R Guy Hamilton B Evan Jones V Len Deighton K Otto Heller M Konrad Elfers A Ken Adam S John Bloom P Harry Saltzman D Michael Caine, Paul Hubschmid, Oskar Homolka, Eva Renzi, Guy Doleman | UK | 102 min | 1:2,35 | f | 22. Dezember 1966
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Hubschmid,
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Ost/West,
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Tod
18.3.65
The Ipcress File (Sidney J. Furie, 1965)
Ipcress – Streng geheim
Der Anti-Star als Anti-Bond: Beherrschte Stimme, sparsame Mimik, ökonomische Körpersprache kennzeichnen Michael Caines Interpretation des coolen Intelligence-Agenten Harry Palmer. Dessen erster Fall, »The Ipcress File«, der sich um die organisierte Entführung von Wissenschaftlern, gewerbsmäßige Gehirnwäsche und eine innergeheimdienstliche Intrige dreht, ist eine eigenwillige Mischung aus spröder New-Wave-Tristesse und überspitztem »Avengers«-Surrealismus. Sidney J. Furies Film besticht durch einen zart prickelnden John-Barry-Score sowie durch extravagante Bildkompositionen: Otto Hellers verkantete Kamera linst immer wieder an optischen Barrieren vorbei, späht durch Schlitze, lauert hinter Gittern, Mauern, Fenstern auf entscheidende Augenblicke; der Anti-Held (wie sein Darsteller ein waschechter Cockney) wird dabei häufig in low-angle shots fotografiert – was ihm gleichwohl nichts Heroisch-Überragendes verleiht, da er fortdauernd von den tiefhängenden Decken trostloser Szenerien (Bauten: Ken Adam) in seine undankbare Rolle gezwängt erscheint. Am Ende bringt dann ironischerweise Palmers angeborener Hang zu Renitenz und Insubordination die schmuddlige Angelegenheit wieder ins Reine.
R Sidney J. Furie B Bill Canaway, James Doran V Len Deighton K Otto Heller M John Barry A Ken Adam S Peter Hunt P Harry Saltzman D Michael Caine, Nigel Green, Guy Doleman, Sue Lloyd, Gordon Jackson | UK | 109 min | 1:2,35 | f | 18. März 1965
Der Anti-Star als Anti-Bond: Beherrschte Stimme, sparsame Mimik, ökonomische Körpersprache kennzeichnen Michael Caines Interpretation des coolen Intelligence-Agenten Harry Palmer. Dessen erster Fall, »The Ipcress File«, der sich um die organisierte Entführung von Wissenschaftlern, gewerbsmäßige Gehirnwäsche und eine innergeheimdienstliche Intrige dreht, ist eine eigenwillige Mischung aus spröder New-Wave-Tristesse und überspitztem »Avengers«-Surrealismus. Sidney J. Furies Film besticht durch einen zart prickelnden John-Barry-Score sowie durch extravagante Bildkompositionen: Otto Hellers verkantete Kamera linst immer wieder an optischen Barrieren vorbei, späht durch Schlitze, lauert hinter Gittern, Mauern, Fenstern auf entscheidende Augenblicke; der Anti-Held (wie sein Darsteller ein waschechter Cockney) wird dabei häufig in low-angle shots fotografiert – was ihm gleichwohl nichts Heroisch-Überragendes verleiht, da er fortdauernd von den tiefhängenden Decken trostloser Szenerien (Bauten: Ken Adam) in seine undankbare Rolle gezwängt erscheint. Am Ende bringt dann ironischerweise Palmers angeborener Hang zu Renitenz und Insubordination die schmuddlige Angelegenheit wieder ins Reine.
R Sidney J. Furie B Bill Canaway, James Doran V Len Deighton K Otto Heller M John Barry A Ken Adam S Peter Hunt P Harry Saltzman D Michael Caine, Nigel Green, Guy Doleman, Sue Lloyd, Gordon Jackson | UK | 109 min | 1:2,35 | f | 18. März 1965
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Harry Palmer,
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Spionage,
Thriller
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