Stadt in Angst
Moderner, sonnenheller Noir-Western in unwirtlichem CinemaScope und staubigem Eastmancolor: Spencer Tracy (als wortkarger einarmiger Kriegsveteran) kommt in eine gottverlassenes Kaff, wo die Züge seit Jahren nicht mehr nicht halten. Eigentlich will er nur die Tapferkeitsmedaille eines toten Kameraden an dessen Familie übergeben, aber der ungebetene Besuch des alten Mannes weckt schlafende Hunde (Robert Ryan, Lee Marvin, Ernest Borgnine), die schließlich im Rudel über den Fremden herfallen. Das Lüften ihres schmutzigen Geheimnisses können sie dennoch nicht verhindern – »denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werde.« Ein ranker, schlanker Wüstenthriller vom zuverlässigen John Sturges.
R John Sturges B Millard Kaufman, Don McGuire K William C. Mellor M André Previn A Malcolm Brown, Cedric Gibbons S Newell P. Kimlin P Dore Schary D Spencer Tracy, Robert Ryan, Anne Francis, Lee Marvin, Ernest Borgnine | USA | 81 min | 1:2,35 | f | 7. Januar 1955
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7.1.55
5.4.51
Father's Little Dividend (Vincente Minnelli, 1951)
Ein Geschenk des Himmels
Vater wird Großvater. Vincente Minnellis Fortsetzung von »Father of the Bride« schlägt abermals reichlich Kapital aus Spencer Tracys fotogener Fähigkeit, wie ein kritischer alter Kater aus der familiären Wäsche zu gucken. Liz Taylor (als schwangere Tochter) und Joan Bennett (als werdende Großmutter) sehen gut aus und liefern dem Herrn der (Film-) Schöpfung artig die Stichworte. Der Blick auf den gutbürgerlichen Suburbia-Lifestyle scheint in »Father’s Little Dividend« eine Spur kantiger, satirischer – was daran liegen mag, daß die meisten Szenen bei Nacht spielen und von Kameramann John Alton in virtuoses B-Picture-Helldunkel getaucht werden.
R Vincente Minnelli B Frances Goodrich, Albert Hackett K John Alton M Albert Sendrey A Cedric Gibbons, Leonid Vasian S Ferris Webster P Pandro S. Berman D Spencer Tracy, Joan Bennett, Elizabeth Taylor, Don Taylor, Russ Tamblyn | USA | 82 min | 1:1,37 | sw | 5. April 1951
Vater wird Großvater. Vincente Minnellis Fortsetzung von »Father of the Bride« schlägt abermals reichlich Kapital aus Spencer Tracys fotogener Fähigkeit, wie ein kritischer alter Kater aus der familiären Wäsche zu gucken. Liz Taylor (als schwangere Tochter) und Joan Bennett (als werdende Großmutter) sehen gut aus und liefern dem Herrn der (Film-) Schöpfung artig die Stichworte. Der Blick auf den gutbürgerlichen Suburbia-Lifestyle scheint in »Father’s Little Dividend« eine Spur kantiger, satirischer – was daran liegen mag, daß die meisten Szenen bei Nacht spielen und von Kameramann John Alton in virtuoses B-Picture-Helldunkel getaucht werden.
R Vincente Minnelli B Frances Goodrich, Albert Hackett K John Alton M Albert Sendrey A Cedric Gibbons, Leonid Vasian S Ferris Webster P Pandro S. Berman D Spencer Tracy, Joan Bennett, Elizabeth Taylor, Don Taylor, Russ Tamblyn | USA | 82 min | 1:1,37 | sw | 5. April 1951
Labels:
Bennett,
Elizabeth Taylor,
Familie,
Kleinstadt,
Komödie,
Romanze,
Tracy,
Vincente Minnelli
16.6.50
Father of the Bride (Vincente Minnelli, 1950)
Vater der Braut
Provinziell-behagliche Sittenkomödie über die Zurüstungen für den Tag »every girl dreams of« – betrachtet aus der Perspektive des brummigen, aber wachsweichen Familienoberhauptes. Vincente Minnelli vermeidet jeden MGM-Glanzeffekt, nur einmal erlaubt er sich einen formalen Ausbruch und gestaltet Pops’ böse Vorahnungen in der Nacht vor der Trauung als dalíesken Alptraum. Spencer Tracy (»I always used to think that marriages were a simple affair.«) muffelt sich väterlich-sympathisch durch die beruhigend vorhersehbare Handlung; die Besetzung der Brautrolle mit der appetitlichen Liz Taylor verrät hellseherische Ironie.
R Vincente Minnelli B Frances Goodrich, Albert Hackett V Edward Streeter K John Alton M Adolph Deutsch A Cedric Gibbons, Leonid Vasian S Ferris Webster P Pandro S. Berman D Spencer Tracy, Joan Bennett, Elizabeth Taylor, Don Taylor, Leo G. Carroll | USA | 92 min | 1:1,37 | sw | 16. Juni 1950
Provinziell-behagliche Sittenkomödie über die Zurüstungen für den Tag »every girl dreams of« – betrachtet aus der Perspektive des brummigen, aber wachsweichen Familienoberhauptes. Vincente Minnelli vermeidet jeden MGM-Glanzeffekt, nur einmal erlaubt er sich einen formalen Ausbruch und gestaltet Pops’ böse Vorahnungen in der Nacht vor der Trauung als dalíesken Alptraum. Spencer Tracy (»I always used to think that marriages were a simple affair.«) muffelt sich väterlich-sympathisch durch die beruhigend vorhersehbare Handlung; die Besetzung der Brautrolle mit der appetitlichen Liz Taylor verrät hellseherische Ironie.
R Vincente Minnelli B Frances Goodrich, Albert Hackett V Edward Streeter K John Alton M Adolph Deutsch A Cedric Gibbons, Leonid Vasian S Ferris Webster P Pandro S. Berman D Spencer Tracy, Joan Bennett, Elizabeth Taylor, Don Taylor, Leo G. Carroll | USA | 92 min | 1:1,37 | sw | 16. Juni 1950
Labels:
Bennett,
Elizabeth Taylor,
Familie,
Kleinstadt,
Komödie,
Romanze,
Tracy,
Vincente Minnelli
19.1.42
Woman of the Year (George Stevens, 1942)
Die Frau, von der man spricht
»Women should be kept illiterate and clean, like canaries.« Selten brillierte eine Frauenfigur auf der Leinwand so scharfsinnig, so witzig, so selbstbewußt wie Tess Harding, kaum je sah ein weiblicher Star so modern, so exklusiv, so unwiderstehlich aus wie Katharine Hepburn als »Woman of the Year« … Unglaublich, daß (und vor allem: wie herablassend) die Komödie – von George Stevens mit aller Weltläufigkeit und dem ganzen visuellen Raffinement der MGM-Studios inszeniert – dieses role model deklassiert, demontiert, denunziert: Tess, berühmte politische Kolumnistin des ›New York Chronicle‹, trifft auf Sam Craig (Spencer Tracy), einen sympathischen, bodenständigen Sportreporter desselben Blattes. Es funkt – natürlich – sofort, es vibriert und knistert, es prasselt und lodert. (Die (intellektuelle und erotische) Chemie zwischen Hepburn und Tracy ist eines der magischen Phänomene der Kinogeschichte.) Die beiden heiraten – Hals über Kopf –, und schon in der Hochzeitsnacht geht es irgendwie schief (ein europäischer Staatsmann auf der Flucht sitzt unversehens im Ehebett); in der Folge (Tess arbeitet, schreibt, denkt – Skandal! – einfach weiter) macht Sam eine sensationelle Entdeckung: »The ›Outstanding Woman of the Year‹ isn’t a woman at all.« Tess lernt die männliche Lektion, geht nach Canossa (= in die Küche), bereitet Frühstück für den Gatten. Das heißt, sie versucht es. Denn selbstverständlich erweist sie sich als unfähig, einen Kaffee zu kochen, ein Toastbrot zu toasten, eine Waffel zu backen. Die Frau, vor deren geschliffenen Worten selbst Präsidenten zittern, kann keine Eier trennen. Eine Farce. Ein Trauerspiel.
R George Stevens B Ring Lardner Jr., Michael Kanin K Joseph Ruttenberg M Franz Waxman A Cedric Gibbons S Frank Sullivan P Joseph L. Mankiewicz D Katharine Hepburn, Spencer Tracy, Fay Bainter, Minor Watson, Dan Tobin | USA | 114 min | 1:1,37 | sw | 19. Januar 1942
»Women should be kept illiterate and clean, like canaries.« Selten brillierte eine Frauenfigur auf der Leinwand so scharfsinnig, so witzig, so selbstbewußt wie Tess Harding, kaum je sah ein weiblicher Star so modern, so exklusiv, so unwiderstehlich aus wie Katharine Hepburn als »Woman of the Year« … Unglaublich, daß (und vor allem: wie herablassend) die Komödie – von George Stevens mit aller Weltläufigkeit und dem ganzen visuellen Raffinement der MGM-Studios inszeniert – dieses role model deklassiert, demontiert, denunziert: Tess, berühmte politische Kolumnistin des ›New York Chronicle‹, trifft auf Sam Craig (Spencer Tracy), einen sympathischen, bodenständigen Sportreporter desselben Blattes. Es funkt – natürlich – sofort, es vibriert und knistert, es prasselt und lodert. (Die (intellektuelle und erotische) Chemie zwischen Hepburn und Tracy ist eines der magischen Phänomene der Kinogeschichte.) Die beiden heiraten – Hals über Kopf –, und schon in der Hochzeitsnacht geht es irgendwie schief (ein europäischer Staatsmann auf der Flucht sitzt unversehens im Ehebett); in der Folge (Tess arbeitet, schreibt, denkt – Skandal! – einfach weiter) macht Sam eine sensationelle Entdeckung: »The ›Outstanding Woman of the Year‹ isn’t a woman at all.« Tess lernt die männliche Lektion, geht nach Canossa (= in die Küche), bereitet Frühstück für den Gatten. Das heißt, sie versucht es. Denn selbstverständlich erweist sie sich als unfähig, einen Kaffee zu kochen, ein Toastbrot zu toasten, eine Waffel zu backen. Die Frau, vor deren geschliffenen Worten selbst Präsidenten zittern, kann keine Eier trennen. Eine Farce. Ein Trauerspiel.
R George Stevens B Ring Lardner Jr., Michael Kanin K Joseph Ruttenberg M Franz Waxman A Cedric Gibbons S Frank Sullivan P Joseph L. Mankiewicz D Katharine Hepburn, Spencer Tracy, Fay Bainter, Minor Watson, Dan Tobin | USA | 114 min | 1:1,37 | sw | 19. Januar 1942
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