Eine sexy Ballettratte, die nebenberuflich Drogen schmuggelte, dann aber für die Polizei arbeitete, wird in einer Londoner Absteige erschossen, ist aber gar nicht tot. Oder vielleicht doch? Wie auch immer – die beherzte Schwester (Uschi ›Schätzchen‹ Glas) der (halb-)kriminellen Tänzerin folgt zusammen mit der Polizei (Hansjörg Felmy als staubtrockener Inspektor Craig sowie Siegfried Schürenberg als kauziger Scotland-Yard-Chef Sir John) der Spur der mutmaßlich Verblichenen, deren Leichnam sich auf wundersame Weise aus dem (Heroin-)Staub machte … An und für sich bietet »Die Tote aus der Themse« viel Schönes: ein famoses Trio böser Herren im besten Alter (Friedrich Schönfelder, Werner Peters, Ivan Desny), das nacheinander per Kopfschuß aus dem Geschehen ausscheidet, dazu stimmungsvolle Settings wie einen Schlachthof, in dem nicht nur Schweine gemeuchelt werden, außerdem einen quirligen Peter-Thomas-Score und eine abseitig-plausible Auflösung – doch Regisseur Harald Philipp fehlt (trotz einiger wippender Busen) die schmierige Leichtfüßig- und -sinnigkeit eines Alfred Vohrer; seine Inszenierung ist über weite Strecken so steif, so fad, so unoriginell wie die Ermittlungsarbeit eines Schreibtischkriminalisten.
R Harald Philipp B Harald Philipp, Horst Wendlandt V Edgar Wallace K Karl Löb M Peter Thomas A Johannes Ott S Alfred Srp P Horst Wendlandt D Uschi Glas, Hansjörg Felmy, Werner Peters, Harry Riebauer, Siegfried Schürenberg | BRD | 89 min | 1:1,85 | f | 31. März 1971
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31.3.71
14.7.66
Torn Curtain (Alfred Hitchcock, 1966)
Der zerrissene Vorhang
Brian Moore, der irische Schriftsteller, der das Drehbuch zu »Torn Curtain« verfaßte, meinte über das Skript selbstkritisch, daß er es weggeschmissen hätte, wenn es einer seiner Romane gewesen wäre. Auch sonst läßt sich über Alfred Hitchcocks fünfzigsten Film kaum Positives sagen: Die Spionage-Story um einen amerikanischen Wissenschaftler (lasch: Paul Newman), der in der DDR die entscheidende Komponente einer kernphysikalischen Formel auskundschaften will (wobei ihm ungebetenerweise seine Verlobte (bieder: Julie Andrews) hinterdreinkommt), funktioniert weder auf der emotionalen noch auf der Spannungsebene, ist dabei zumeist schwunglos inszeniert, häufig ungelenk geschnitten, (trick-)technisch oft genug nachlässig realisiert. Daß Hitchcock, dem an äußerem Realismus nie viel lag, bei der Darstellung der kommunistischen Ostzone jede Authentizität in die Tonne tritt, daß durch seine Gips-, Papp- und Rückpro-DDR idealistische Untergründler, marodierende russische Soldaten und durchgeknallte polnische Gräfinnen irrlichtern, wäre ihm nicht vorzuwerfen, hätte er die absurden Momente nur nicht so rar gesät. Größtes Manko des öden Streifens sind jedoch die aberwitzig fehlbesetzten Hauptrollen: ›Fast‹ Eddie Felson und Mary Poppins passen in einen Hitchcock-Thriller wie W. C. Fields in eine chorus line. Einen gewissen mimischen Ausgleich schaffen hier die deutschen Nebendarsteller Günter Strack, Hansjörg Felmy und – insbesondere! – Wolfgang Kieling (der kurze Zeit später selbst ins Weltfriedenslager übersiedeln sollte): Als lederbejackter Stasi-Scherge darf Letzterer plastisch veranschaulichen, wie schwierig es ist totzugehen.
R Alfred Hitchcock B Brian Moore K John F. Warren M John Addison A Hein Heckroth Ko Edith Head, Grady Hunt S Bud Hoffman P Alfred Hitchcock D Paul Newman, Julie Andrews, Lila Kedrova, Hansjörg Felmy, Wolfgang Kieling | USA | 128 min | 1:1,85 | f | 14. Juli 1966
Brian Moore, der irische Schriftsteller, der das Drehbuch zu »Torn Curtain« verfaßte, meinte über das Skript selbstkritisch, daß er es weggeschmissen hätte, wenn es einer seiner Romane gewesen wäre. Auch sonst läßt sich über Alfred Hitchcocks fünfzigsten Film kaum Positives sagen: Die Spionage-Story um einen amerikanischen Wissenschaftler (lasch: Paul Newman), der in der DDR die entscheidende Komponente einer kernphysikalischen Formel auskundschaften will (wobei ihm ungebetenerweise seine Verlobte (bieder: Julie Andrews) hinterdreinkommt), funktioniert weder auf der emotionalen noch auf der Spannungsebene, ist dabei zumeist schwunglos inszeniert, häufig ungelenk geschnitten, (trick-)technisch oft genug nachlässig realisiert. Daß Hitchcock, dem an äußerem Realismus nie viel lag, bei der Darstellung der kommunistischen Ostzone jede Authentizität in die Tonne tritt, daß durch seine Gips-, Papp- und Rückpro-DDR idealistische Untergründler, marodierende russische Soldaten und durchgeknallte polnische Gräfinnen irrlichtern, wäre ihm nicht vorzuwerfen, hätte er die absurden Momente nur nicht so rar gesät. Größtes Manko des öden Streifens sind jedoch die aberwitzig fehlbesetzten Hauptrollen: ›Fast‹ Eddie Felson und Mary Poppins passen in einen Hitchcock-Thriller wie W. C. Fields in eine chorus line. Einen gewissen mimischen Ausgleich schaffen hier die deutschen Nebendarsteller Günter Strack, Hansjörg Felmy und – insbesondere! – Wolfgang Kieling (der kurze Zeit später selbst ins Weltfriedenslager übersiedeln sollte): Als lederbejackter Stasi-Scherge darf Letzterer plastisch veranschaulichen, wie schwierig es ist totzugehen.
R Alfred Hitchcock B Brian Moore K John F. Warren M John Addison A Hein Heckroth Ko Edith Head, Grady Hunt S Bud Hoffman P Alfred Hitchcock D Paul Newman, Julie Andrews, Lila Kedrova, Hansjörg Felmy, Wolfgang Kieling | USA | 128 min | 1:1,85 | f | 14. Juli 1966
27.11.64
Das siebente Opfer (Franz Josef Gottlieb, 1964)
Im herrschaftlichen Umfeld von Lord Mant (Walter Rilla), einem pensionierter Kronrichter und siegesbewußten Rennstallbesitzer, ereignet sich ein Mord nach dem anderen; schließlich fällt der ehrenwerte Pferdefreund selbst einer (Heugabel-)Attacke zum Opfer, ohne daß das Meucheln damit zu einem Ende käme … Bis fast zum Schluß des Films bleibt unklar, worum es eigentlich geht, Franz Josef Gottlieb läßt die Handlung seiner Bryan-Edgar-Wallace-Bearbeitung lässig unter den Tisch fallen, verbrät stattdessen die üblichen Sujets des (Sub-Sub-)Genres (Zwistigkeiten in komplizierten Familienverhältnissen, (Blut-)Rache für frühere Ungerechtigkeit, allgemeine Undurchsichtigkeit von Beweggründen, anonyme Auftritte des großen Unbekannten) in einem freien Spiel der Themen und Motive, schafft viel Raum für die stereotypen Krimifiguren und ihre gut aufgelegten Darsteller: die kantige Adelsfrau (Alice Treff), den honorigen Geistlichen (Hans Nielsen), den fragwürdigen Veterinär (Harry Riebauer), die undurchsichtige Schönheit (Ann Savo), den fiesen Gauner (Wolfgang Lukschy), den verlotterten Erben (Helmuth Lohner), den suspekten Butler (Peter Vogel). Mit wohldosiert-plattem Humor (Trude Herr als beleibte »Diätschwester«!) gerät »Das siebente Opfer« zum originellen billigen Abklatsch eines nicht viel wertvolleren Originals.
R Franz Josef Gottlieb B Franz Josef Gottlieb V Bryan Edgar Wallace K Richard Angst M Raimund Rosenberger A Hans-Jürgen Kiebach, Ernst Schomer S Walter Wischniewsky P Artur Brauner D Hansjörg Felmy, Hans Nielsen, Ann Smyrner, Wolfgang Lukschy, Heinz Engelmann | BRD | 93 min | 1:1,37 | sw | 27. November 1964
R Franz Josef Gottlieb B Franz Josef Gottlieb V Bryan Edgar Wallace K Richard Angst M Raimund Rosenberger A Hans-Jürgen Kiebach, Ernst Schomer S Walter Wischniewsky P Artur Brauner D Hansjörg Felmy, Hans Nielsen, Ann Smyrner, Wolfgang Lukschy, Heinz Engelmann | BRD | 93 min | 1:1,37 | sw | 27. November 1964
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2.7.64
Das Ungeheuer von London-City (Edwin Zbonek, 1964)
Das Leben imitiert die Kunst, die das Leben imitiert: Der Schauspieler Richard Sand (Hansjörg Felmy in zerzauster Mr.-Hyde-Maske) spielt auf der Bühne den historischen Jack the Ripper, dessen Verbrechen wiederum auf den Straßen Londons Nacht für Nacht kopiert werden; wegen des blutigen Nachahmungseffektes fordern Politiker die Absetzung des Horror-Stücks, während sich der Spielleiter über lebens-, besser gesagt: todesechte Werbung freut … Unter dem Bryan-Edgar-Wallace-Label schustern Regisseur Edwin Zbonek und Autor Robert A. Stemmle (neben seiner Filmarbeit auch Herausgeber des »Neuen Pitaval«) eine holprige Schlitzerposse zusammen: Die einigermaßen groteske Figur des regsamen Mörders in Schlapphut und Pelerinenkragen sorgt zwar für einen gewissen Unterhaltungswert, das eigentliche Thema des Films – die gegenseitigen Beeinflussungen von Realität und medialem Abbild, von Authentizität und Fiktion – verschwimmt jedoch flusig im dichten Bühnennebel.
R Edwin Zbonek B Robert A. Stemmle, Bryan Edgar Wallace K Siegfried Hold M Martin Böttcher A Hans-Jürgen Kiebach, Ernst Schomer S Walter Wischniewsky P Artur Brauner D Hansjörg Felmy, Marianne Koch, Dietmar Schönherr, Hans Nielsen, Fritz Tillmann | BRD | 89 min | 1:2,35 | sw | 2. Juli 1964
R Edwin Zbonek B Robert A. Stemmle, Bryan Edgar Wallace K Siegfried Hold M Martin Böttcher A Hans-Jürgen Kiebach, Ernst Schomer S Walter Wischniewsky P Artur Brauner D Hansjörg Felmy, Marianne Koch, Dietmar Schönherr, Hans Nielsen, Fritz Tillmann | BRD | 89 min | 1:2,35 | sw | 2. Juli 1964
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22.5.64
Nebelmörder (Eugen York, 1964)
Schon zweimal hat der brutale Killer bei Nacht und Nebel im Forst zugeschlagen. In beiden Fällen wurden Frauen mit einem Okuliermesser abgestochen. Trotz aller Bemühungen von Kommissar Hauser (Hansjörg Felmy), den Täter zu stellen, ereignet sich ein weiterer Mord in der ansonsten ruhigen Provinzstadt Hainburg. Neben einem vorbestraften Gewaltverbrecher und einem geistig minderbemittelten Gärtner geraten zwei Abiturienten in Verdacht: der leicht gehemmte Primus Erwin und sein blitzgescheiter Klassenkamerad Heinz Auer (Ralph Persson) … Zwar erinnert das (sehr sporadische) Auftreten des brutalen Schlitzers – mit Hut, Maske und bodenlangem Gummimantel – an vergleichbare Gestalten des italienischen Thrillers, doch Ästhetik, Erzählweise und Problembewußtsein von Eugen Yorks »Nebelmörder« sind ganz dem frühen bundesdeutschen Fernsehkrimi verpflichtet. Die Darstellung von aufblühender Jugendkultur (Scheunenpartys! Kleidertausch! Sex vor der Ehe!) und ratlos-besorgter Elterngeneration weist, wenn auch mit einiger Onkelhaftigkeit, immerhin auf die soziologischen Verwerfungen der späteren 1960er Jahre voraus.
R Eugen York B Walter Forster, Per Schwenzen K Günter Haase M Herbert Jarczyk A Karl Schneider S Walter Fredersdorf P Waldemar Schweitzer D Hansjörg Felmy, Ingmar Zeisberg, Ralph Persson, Jürgen Janza, Berta Drews | BRD | 90 min | 1:1,37 | sw | 22. Mai 1964
R Eugen York B Walter Forster, Per Schwenzen K Günter Haase M Herbert Jarczyk A Karl Schneider S Walter Fredersdorf P Waldemar Schweitzer D Hansjörg Felmy, Ingmar Zeisberg, Ralph Persson, Jürgen Janza, Berta Drews | BRD | 90 min | 1:1,37 | sw | 22. Mai 1964
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22.11.63
Der Henker von London (Edwin Zbonek, 1963)
Täuschend echte Edgar-Wallace-Kopie aus dem Hause ›Atze‹ Brauner über ein anonym-klandestines Konsortium, das Kriminelle, die ihrer gerechten (= tödlichen) Strafe entgehen konnten, ebenderselben zuführt. (Nur scheinbar) parallel zu diesem Fall von Schattenjustiz entwickelt sich der Erzählstrang um einen ruchlosen Frauenkiller (Wolfgang Neuss würde sagen: »Was soll’s? Der Mörder ist Dieter Borsche.«), der ständigen Nachschub an Blondinen benötigt, um seine wissenschaftlichen Studien zur Trennung von Geist (= Kopf) und Körper voranzutreiben. Inspektor Hillier von Scotland Yard (engagiert: Hansjörg Felmy), dessen eigene Schwester Opfer des pathologischen Verbrechers wurde, tritt ermittlungstechnisch auf der Stelle, bis er seine (blonde) Verlobte Ann (Maria Perschy), die Tochter des pensionierten Richters Sir Francis Elliott (Rudolf Forster), eines Juristen, der zu Amtszeiten keine Gnade kannte, als Lockvogel ins Rennen schickt … Chris Howlands original-englische Scherzkeks-Auftritte erweisen sich als würdiger Eddi-Arendt-Ersatz; Kameramann Richard Angst trägt seinen Nachnamen völlig zurecht; mit hohem Sinn für makabre Stimmungsmalerei inszeniert Edwin Zbonek einen charmant-obszönen Talmi-Grusler alter Schule.
R Edwin Zbonek B Robert A. Stemmle V Bryan Edgar Wallace K Richard Angst M Raimund Rosenberger A Hans-Jürgen Kiebach, Ernst Schomer S Walter Wischniewsky P Artur Brauner D Hansjörg Felmy, Maria Perschy, Dieter Borsche, Wolfgang Preiss, Rudolf Forster | BRD | 94 min | 1:2,35 | sw | 22. November 1963
R Edwin Zbonek B Robert A. Stemmle V Bryan Edgar Wallace K Richard Angst M Raimund Rosenberger A Hans-Jürgen Kiebach, Ernst Schomer S Walter Wischniewsky P Artur Brauner D Hansjörg Felmy, Maria Perschy, Dieter Borsche, Wolfgang Preiss, Rudolf Forster | BRD | 94 min | 1:2,35 | sw | 22. November 1963
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24.6.61
Die Ehe des Herrn Mississippi (Kurt Hoffmann, 1961)
»Die Welt muß geändert werden.« Angelegt als schwarze Komödie über die Abgründe des Idealismus, präsentiert (und konfrontiert) Friedrich Dürrenmatts freie Adaption des eigenen Schauspiels eine Reihe von bühnengestaltgewordenen Motiven: das himmlische (≈ gnadenlose) Gesetz, die irdische (≈ repressive) Gerechtigkeit, den edelmütigen (≈ einfältigen) Humanismus, den undogmatischen (≈ zynischen) Pragmatismus, den instinktiven (≈ amoralischen) Lebenswillen. Verkörpert werden diese ethischen und sozialen Prinzipien von einem Generalstaatsanwalt und einem Berufsrevolutionär (beide begannen ihre Karriere als Angestellte im Bordell), von einem Arzt und einem Politiker, sowie von einer Dame der Gesellschaft. Preziöse, mit spöttischer Distanz vorgetragene Dialoge, absurd zugespitzte Verwicklungen, plakative Kabaretteffekte, ein synthetisch-symbolischer Handlungsort (»Europa-City«) betonen lehrhafte Tendenz und allgemeine Gültigkeit der gesellschaftskritisch-misanthropischen Staatsposse, die mit dem Triumph des gesinnungslosen Machtbewußtseins endet. Kurt Hoffmanns Neigung zum Spieluhrenhaft-Gespreizten kommt der betonten Künstlichkeit des Stücks durchaus entgegen, die politische Erkenntnisschärfe geht jedoch in der zwischen Komplexität und Konfusion schlingernden Dramaturgie dieser satirisch-melodramatischen Farce weitgehend verloren.
R Kurt Hoffmann B Friedrich Dürrenmatt V Friedrich Dürrenmatt K Sven Nykvist M Hans-Martin Majewski A Otto Pischinger, Hertha Hareiter S Hermann Haller P Lazar Wechsler, Artur Brauner D O. E. Hasse, Johanna von Koczian, Charles Regnier, Martin Held, Hansjörg Felmy | CH & BRD | 95 min | 1:1,66 | sw | 24. Juni 1961
# 928 | 3. Januar 2015
R Kurt Hoffmann B Friedrich Dürrenmatt V Friedrich Dürrenmatt K Sven Nykvist M Hans-Martin Majewski A Otto Pischinger, Hertha Hareiter S Hermann Haller P Lazar Wechsler, Artur Brauner D O. E. Hasse, Johanna von Koczian, Charles Regnier, Martin Held, Hansjörg Felmy | CH & BRD | 95 min | 1:1,66 | sw | 24. Juni 1961
# 928 | 3. Januar 2015
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2.9.60
Schachnovelle
Das Schicksal eines Wiener Aristokraten, der den Nazis nicht zu Diensten sein will: Werner von Basil (Curd Jürgens) half der katholischen Kirche, Kunstschätze in Sicherheit zu bringen, Kostbarkeiten, auf die sich nach dem »Anschluß« das besondere Interesse der neuen Machthaber richtet. Einer von ihnen ist der platinblonde Gestapo-Karrierist Hans Berger (Hansjörg Felmy), der die Persönlichkeit des stolzen Basil zu brechen gedenkt, indem er ihn in strenge Einzelhaft sperrt: kein Gespräch, kein gedrucktes Wort, keinerlei geistige Anregung – Bedingungen, unter denen ein Kulturwesen die Willenskraft früher oder später verlieren muß … Gerd Oswald, als Jugendlicher aus der Heimat vertrieben, hat Entwurzelung und Unmenschlichkeit am eigenen Leib erlebt: Sicherlich auch aufgrund ganz persönlicher Erfahrungen gelingt ihm das eindringliche Porträt eines zwangsweisen Widerständlers, dem ein zufällig ergattertes Schach-Lehrbuch (»150 Meisterpartien«) den isolierten Intellekt einerseits vor Austrocknung bewahrt, andererseits vollends zu zerrütten droht. Das Schachbrett wird für den Gefangenen gleichermaßen zum erlösenden Freiraum wie zum beschränkenden Gitternetz, aus dem er sich kaum mehr zu retten weiß. Indem er Stefan Zweigs Erzählung um eine ambivalente Frauenfigur bereichert, die zwischen den rivalisierenden Männern steht, verschiebt Oswald die poltisch-ideelle Thematik zusehends ins Melodramatische und beschert dem harten Kampf von Schwarz und Weiß eine eher zuckrige Auflösung.
R Gerd Oswald B Harold Medford, Herbert Reinecker, Gerd Oswald V Stefan Zweig K Günther Senftleben M Hans-Martin Majewski A Wolf Englert, Ernst Richter S Klaus M. Eckstein P Luggi Waldleitner D Curd Jürgens, Mario Adorf, Hansjörg Felmy, Claire Bloom, Albert Lieven | BRD | 104 min | 1:1,37 | sw | 2. September 1960
# 942 | 7. Februar 2015
R Gerd Oswald B Harold Medford, Herbert Reinecker, Gerd Oswald V Stefan Zweig K Günther Senftleben M Hans-Martin Majewski A Wolf Englert, Ernst Richter S Klaus M. Eckstein P Luggi Waldleitner D Curd Jürgens, Mario Adorf, Hansjörg Felmy, Claire Bloom, Albert Lieven | BRD | 104 min | 1:1,37 | sw | 2. September 1960
# 942 | 7. Februar 2015
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20.11.59
Buddenbrooks – II. Teil (Alfred Weidenmann, 1959)
Alfred Weidenmanns Verfilmung der »Buddenbrooks« überzeugt weder als künstlerisch geglückte Transponierung des Erzählstoffes in ein anderes Medium noch als reine Inhaltsangabe: Nachdem schon die joviale Großelterngeneration des Romans komplett aus der Leinwandadaption gestrichen wurde, verkürzt der zweite Teil das Leben des kleinen Hanno, reduziert den Letzten des Stammes zur gescheiterten Hoffnung seines Vaters Thomas (der den ungeratenen Sohn, anders als im Buch, überlebt). Die Besetzungsliste wartet mit großen Namen auf, doch Hansjörg Felmys gequälter Dackelblick läßt so wenig hanseatisches Patriziertum ahnen wie Liselotte Pulvers honigkuchenpferdige Einfalt oder Lil Dagovers überlagerte Kurfürstendamm-Mondänität in der Rolle Konsulin; Nadja Tiller hat schlicht zu wenig Zeit, die über und neben den Dingen des Lebens schwebende Gerda zu entwickeln; allein Hanns Lothar gelingt es, das Wesen eines Charakters, Christians hoffnungslos-lustige Melancholie, spürbar zu machen. Interessant ist eine formale Parallele zum ersten Teil des Films: Wieder gibt es eine (einzige) sommerliche Freiluftszene – Thomas’ Kutschfahrt durch wogendes Getreide, das er auf dem Halm zum Schnäppchenpreis zu kaufen gedenkt –, wieder führt die lichtdurchflutete Außenaufnahme auf direktem Wege in den (diesmal geschäftlichen) Mißerfolg.
R Alfred Weidenmann B Erika Mann, Harald Braun, Jacob Geis V Thomas Mann K Friedel Behn-Grund M Werner Eisbrenner A Robert Herlth S Caspar van den Berg P Hans Abich D Lil Dagover, Liselotte Pulver, Hansjörg Felmy, Nadja Tiller, Hanns Lothar, Günther Lüders | BRD | 107 min | 1:1,37 | sw | 20. November 1959
# 823 | 6. Januar 2014
R Alfred Weidenmann B Erika Mann, Harald Braun, Jacob Geis V Thomas Mann K Friedel Behn-Grund M Werner Eisbrenner A Robert Herlth S Caspar van den Berg P Hans Abich D Lil Dagover, Liselotte Pulver, Hansjörg Felmy, Nadja Tiller, Hanns Lothar, Günther Lüders | BRD | 107 min | 1:1,37 | sw | 20. November 1959
# 823 | 6. Januar 2014
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11.11.59
Buddenbrooks – I. Teil (Alfred Weidenmann, 1959)
Nicht den »Verfall einer Familie« schildert Alfred Weidenmanns Adaption des Jahrhundertromans von Thomas Mann, statt von schwindender Lebenstüchtigkeit bei gleichzeitiger musischer Verfeinerung über vier Generationen hinweg erzählt die Verfilmung (ohne viel gesellschaftliches Bewußtsein) vom Scheitern dreier Geschwister aus großbürgerlichem Hause, die die Last ihres Erbes nicht zu tragen wissen: Thomas (Hansjörg Felmy) versagt als Geschäftsmann und Vater, Tony (Liselotte Pulver) verfehlt im Standesdünkel die Liebe; ihr Bruder Christian (Hanns Lothar) verweigert sich gleich ganz, flieht erst hinaus in die Welt, dann in den Suff und weiter in die geistige Umnachtung. Bemerkenswert hermetisch sind die von Robert Herlth gebauten Kulissen: leere Wände, schwere Möbel, wenige Durchblicke, fast keine Aussicht nach draußen – Räume wie Gruften, in denen alles Leben begraben liegt. (Das im Zweiten Weltkrieg stark zerstörte) Lübeck erscheint in engen Ausschnitten von Fassaden und Giebeln, in Architekturfragmenten, aus denen sich keine Stadt zusammensetzen will. Alles macht den Eindruck des Ungelüfteten, Verbauten, Sterilen. Weidenmann trifft kaum je den Ton der Vorlage; von Mannscher Ironie zeugt immerhin jene Sequenz, die (als beinahe einzige Freiluftszene des Films) Tonys zukunftslose Begegnung mit einem revolutionären Medizinstudenten in strahlend sonniges Tageslicht taucht.
R Alfred Weidenmann B Erika Mann, Harald Braun, Jacob Geis V Thomas Mann K Friedel Behn-Grund M Werner Eisbrenner A Robert Herlth S Caspar van den Berg P Hans Abich D Werner Hinz, Lil Dagover, Liselotte Pulver, Hansjörg Felmy, Hanns Lothar, Robert Graf | BRD | 99 min | 1:1,37 | sw | 11. November 1959
# 822 | 6. Januar 2014
R Alfred Weidenmann B Erika Mann, Harald Braun, Jacob Geis V Thomas Mann K Friedel Behn-Grund M Werner Eisbrenner A Robert Herlth S Caspar van den Berg P Hans Abich D Werner Hinz, Lil Dagover, Liselotte Pulver, Hansjörg Felmy, Hanns Lothar, Robert Graf | BRD | 99 min | 1:1,37 | sw | 11. November 1959
# 822 | 6. Januar 2014
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23.7.59
Menschen im Netz (Franz Peter Wirth, 1959)
Einer der ganz wenigen Versuche des bundesdeutschen Nachkriegskinos, sich mit der Wirklichkeit des geteilten Landes auseinanderzusetzen. Anders als für das DDR-Filmstudio Defa spielt die Existenz zweier deutscher Staaten mit gegensätzlichen (und gegnerischen) Gesellschaftssystemen für westliche Produzenten jahrzehntelang praktisch keine Rolle. »Menschen im Netz« verarbeitet die Problematik zu einem kolportagehaften Genrestück mit zaghaft veristischen Ansätzen: Nach fünf Jahren Bautzen-Haft wird Klaus Martens (Hansjörg Felmy) vorzeitig entlassen und reist zu seiner Frau Gitta (Johanna von Koczian) nach München. Die Wiedersehensfreude ist groß, doch schon bald fallen Schatten auf das wiedervereinigte Eheglück. Klaus ist mißtrauisch: Wovon bezahlt seine Frau ihre schicke Wohnung? Warum erzählt sie nie von ihrer Arbeit im ›Schreib- und Übersetzungsbüro Fischer‹? Wohin geht sie Abend für Abend wirklich? Die traurige Wahrheit: Um ihren Mann freizubekommen, trat Gitta in den Dienst des ostzonalen Geheimdienstes – eine Kooperation, die tödlich endet … Franz Peter Wirth inszeniert das (auf einem Illustriertenroman basierende) Kriminaldrama straff und unsentimental, mit Blick aufs »Menschliche« und Sinn für stimmige Alltagsimpressionen, jedoch ohne politische Vertiefung und weitgehend beherrscht von gattungstypischen Klischees. Die Ostagenten heißen Olga, Karel, Janosch – und sehen auch so aus. Ihre Treffpunkte sind Hotellobbys, Bumslokale, Lagerhallen. Interessant allerdings, daß die westliche Konkurrenz auch nicht einnehmender ist: Ein gewisser Herr Braun von der Spionageabwehr (Hannes Messemer) fällt stets mit der Tür ins Haus, erklärt sich nicht, stellt ohne Umschweife bohrende Fragen, droht mit bellender Wochenschaustimme Unangenehmes an, wirft, wie seine Gegenspieler, Netze aus, in denen sich Unschuldige verfangen.
R Franz Peter Wirth B Herbert Reinecker V Will Tremper, Erich Kern K Günther Senftleben M Hans-Martin Majewski A Franz Bi S Claus von Boro P Hans Abich D Hansjörg Felmy, Johanna von Koczian, Hannes Messemer, Ingeborg Schöner, Olga von Togni | BRD | 96 min | 1:1,66 | sw | 23. Juli 1959
R Franz Peter Wirth B Herbert Reinecker V Will Tremper, Erich Kern K Günther Senftleben M Hans-Martin Majewski A Franz Bi S Claus von Boro P Hans Abich D Hansjörg Felmy, Johanna von Koczian, Hannes Messemer, Ingeborg Schöner, Olga von Togni | BRD | 96 min | 1:1,66 | sw | 23. Juli 1959
12.3.59
Der Mann, der sich verkaufte (Josef von Báky, 1959)
»Wenn man bedenkt, wo wir waren, und wo wir jetzt sind.« Niko Jost, junger, hungriger Journalist bei der »FWZ« (mit geblähten Nüstern: Hansjörg Felmy) kommt zufällig der Schiebervergangenheit eines erfolgreichen Hoteliers auf die Schliche, wittert die große Story, schreibt mit Feuereifer (»Da ist was faul, wenn einer derart hochkommt!«) die Serie »Schwarzer Markt und weiße Westen« – und läuft doch eigentlich nur an der (kurzen) Leine seines bedenkenlos-auflagengeilen Herausgebers (wohlgenährt: Ernst Schröder) ... Autor Erich Kuby (der seinem gesellschaftskritischen Unmut zuvor bereits mit »Das Mädchen Rosemarie« Luft machte) feuert eine Breitseite auf Medien, Politik und Wirtschaft, Regisseur Josef von Báky inszeniert das zeitdiagnostische Traktat über Seilschaftsdenken, Pharisäertum und Futterneid in der jungen Bundesrepublik mit der kühlen, schwarzen Präzision des späten Fritz Lang. In pointierten Nebenrollen treten auf: Hildegard Knef als vornehme Dame mit Vergangenheit, Kurt Ehrhardt als Unternehmer in plötzlichen Nöten und Hans Paetsch (der nachmalige »Märchenonkel der Nation«) als ebenso abgewogener wie abgemeldeter Chefredakteur.
R Josef von Báky B Erich Kuby K Friedl Behn-Grund M Georg Haentzschel A Erich Kettelhut, Johannes Ott S Caspar van den Berg P Hans Abich, Rolf Thiele D Hansjörg Felmy, Hildegard Knef, Ernst Schröder, Antje Weisgerber, Kurt Ehrhardt | BRD | 103 min | 1:1,37 | sw | 12. März 1959
R Josef von Báky B Erich Kuby K Friedl Behn-Grund M Georg Haentzschel A Erich Kettelhut, Johannes Ott S Caspar van den Berg P Hans Abich, Rolf Thiele D Hansjörg Felmy, Hildegard Knef, Ernst Schröder, Antje Weisgerber, Kurt Ehrhardt | BRD | 103 min | 1:1,37 | sw | 12. März 1959
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Knef,
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von Báky,
Wirtschaftswunder
28.10.58
Wir Wunderkinder (Kurt Hoffmann, 1958)
»Leute, genießt bloß die Nachkriegszeit / denn bald wird sie wieder zur Vorkriegszeit!« Wenn der bundesdeutsche Film der 1950er Jahre gesellschaftskritisch sein will, greift er gerne zu den Mitteln des Kabaretts; so auch Kurt Hoffmann, der das Duo Neuss/Müller als singende Conférenciers einer flotten Epochenrevue besetzt. Die beiden Wolfgangs erzählen launig die Lebensgeschichte zweier Klassenkameraden, die sich – der eine recht, der andere schlecht – durch die Zeitläufte lavieren. Hans (zahnlos: Hansjörg Felmy) – anständig und duckmäuserisch (= gut deutsch) – und Bruno (dynamisch: Robert Graf) – einnehmend und mitlaufend (= böse deutsch) – machen jeweils ihren Weg, wie sie können und wie es ihnen charakterlich gegeben ist. »Wir Wunderkinder« (der so heißt »weil es nach allem, was wir erlebt haben, ein Wunder ist, daß wir Kinder dieses Jahrhunderts überhaupt noch leben«) unterhält auf hohem visuellen und musikalischen Niveau, vermeidet jedoch konsequent den Blick in die historischen Abgründe.
R Kurt Hoffmann B Heinz Pauck, Günter Neumann V Hugo Hartung K Richard Angst M Franz Grothe A Franz Bi, Max Seefelder S Hilwa von Boro P Hans Abich D Hansjörg Felmy, Robert Graf, Johanna von Koczian, Wera Frydtberg, Elisabeth Flickenschildt | BRD | 107 min | 1:1,66 | sw | 28. Oktober 1958
R Kurt Hoffmann B Heinz Pauck, Günter Neumann V Hugo Hartung K Richard Angst M Franz Grothe A Franz Bi, Max Seefelder S Hilwa von Boro P Hans Abich D Hansjörg Felmy, Robert Graf, Johanna von Koczian, Wera Frydtberg, Elisabeth Flickenschildt | BRD | 107 min | 1:1,66 | sw | 28. Oktober 1958
20.3.58
Der Greifer (Eugen York, 1958)
In Essen geht ein Blondinenmörder um. Kommissar Dennert, genannt »der Greifer« (Hans Albers), hat einen höflichen Herrn (Horst Frank) im Visier, der sich verdächtig macht, weil er während der Vernehmung keine Nerven zeigt. Dennert, der selbstgewisse Profi mit dem extrabreiten Trenchcoat, vertraut allein seiner langjährigen Erfahrung und seinem untrüglichen Spürsinn, weswegen er von Vorgesetzten und jungen Kollegen – unter ihnen sein naßforscher Sohn, genannt »Dennert Zwo« (Hansjörg Felmy) – für ein Auslaufmodell gehalten wird … Regisseur Eugen York bietet Albers reichlich Gelegenheit, seinen einigermaßen angewelkten Hoppla-jetzt-komm-ich-Charme spielen zu lassen: Frauen werden jovial abgetätschelt, beim geselligen Zusammensein mit herzensguten Unterweltlern darf der pensionsreife Otto-Otto einen alten Schlager zum Besten geben (»Beim ersten Mal da tut’s noch weh.«), und den Triebtäter stellt er, obwohl zwischenzeitlich in den ungeliebten Ruhestand geschickt, natürlich auch noch. Sein eigentliches, historisch und sozialpsychologisch hochbrisantes Thema, den schwelenden Konflikt zwischen den Generationen, handelt der Film mit einem flapsigen Dialog ab: »Natürlich, wir Alten, wir haben ja immer schuld.« – »Ja, das habt ihr auch.« Danach bleibt alles, wie es ist. Vor den Vätern kapitulieren die Söhne.
R Eugen York B Curt J. Braun K Ekkehard Kyrath M Hans-Martin Majewski A Gabriel Pellon, Theodor Zwierski S Ingrid Wacker P Kurt Ulrich D Hans Albers, Hansjörg Felmy, Horst Frank, Werner Peters, Susanne Cramer | BRD | 96 min | 1:1,37 | f | 20. März 1958
# 862 | 16. Mai 2014
R Eugen York B Curt J. Braun K Ekkehard Kyrath M Hans-Martin Majewski A Gabriel Pellon, Theodor Zwierski S Ingrid Wacker P Kurt Ulrich D Hans Albers, Hansjörg Felmy, Horst Frank, Werner Peters, Susanne Cramer | BRD | 96 min | 1:1,37 | f | 20. März 1958
# 862 | 16. Mai 2014
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13.8.57
Der Stern von Afrika (Alfred Weidenmann, 1957)
»Runter kommen sie alle.« – Zwölf Jahre nach Kriegsende komponieren Herbert Reinecker (Drehbuch) und Alfred Weidenmann (Regie) ein letztes deutsches Heldenlied, fabulieren – mit der nüchternen Sentimentalität der hinterbliebenen Kameraden – von Leben, Zeiten und Tod des legendär-historischen Jagdfliegers Hans-Joachim Marseille (158 Abschüsse bis zu seinem eigenen), zeichnen das kritiklose, vielleicht eben darum beklemmend anschauliche Bild einer Altersgruppe, die sich blind in ihre Berufung und damit in ihr Verderben fügt – »weil es keinen Ausweg gibt. Man ist einfach irgendwie drin in so einem Schicksal, und …« Und? Nichts weiter. Nur Ritterkreuz, Schwerter, Eichenlaub, schließlich ein Sturz in die ägyptische Wüste. Mit »Der Stern von Afrika« empfehlen sich drei Debütanten zur weiteren Verwendung: Horst Frank (außerordentlich als empfindsamer Zyniker), Hansjörg Felmy (rührend als pflichtbewußter Melancholiker), Joachim Hansen (repräsentativ als Draufgänger ohne Eigenschaften). PS: »Ein toter Mann ist kein guter Mann, ist überhaupt kein Mann.« (Eine ebenso wahre wie folgenlose Erkenntnis.)
R Alfred Weidenmann B Herbert Reinecker K Helmuth Ashley M Hans-Martin Majewski A Max Mellin, Wolf Englert S Carl Otto Bartning P Rüdiger von Hirschberg D Joachim Hansen, Marianne Koch, Hansjörg Felmy, Horst Frank, Peer Schmidt | BRD & E | 107 min | 1:1,37 | sw | 13. August 1957
R Alfred Weidenmann B Herbert Reinecker K Helmuth Ashley M Hans-Martin Majewski A Max Mellin, Wolf Englert S Carl Otto Bartning P Rüdiger von Hirschberg D Joachim Hansen, Marianne Koch, Hansjörg Felmy, Horst Frank, Peer Schmidt | BRD & E | 107 min | 1:1,37 | sw | 13. August 1957
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