»Wird die Öffentlichkeit … wird sie es schlucken?« – »Sie wird es schlucken. Sie schluckt alles.« Bonn, in den Jahren der Wiederaufrüstung: Der einst unfreiwillig retirierte Oberst Erich von Machorka-Muff (»Hin und wieder habe ich Appetit auf die derbe Erotik der niederen Klassen.« – Erich Kuby), standesbewußter Offizier aus altem katholischen Adel, kehrt als General zur neuformierten Truppe zurück, um zum Zwecke der Traditionspflege in der Hauptstadt die »Akademie für militärische Erinnerungen« zu begründen: Gestern und Heute, Krieg und Verteidigung, Gewaltherrschaft und Demokratie in jeweils trauter Zweisamkeit. 17 lächerlich spröde inszenierte, ergreifend schlicht kadrierte, schnarrend laienhaft gespielte Minuten von satirischer Vollendung. Jean-Marie Straub und Danièle Huillet verfeinern die launige Böllsche Stichelei (mit schlichten Namenswitzen à la »Murcks-Maloche« und »von Zaster-Pehnunz«) durch bildhaft-abstrakten Zugriff zur lakonisch entlarvenden Travestie bundesrepublikanischer Verhältnisse: »Opposition – was ist das? Haben wir die Mehrheit, oder haben wir sie nicht?«
R Jean-Marie Straub, Danièle Huillet B Jean-Marie Straub, Danièle Huillet V Heinrich Böll K Wendelin Sachtler M François Louis S P. C. Lemmer P Walter Krüttner D Erich Kuby, Renate Langsdorff, Rolf Thiede, Guenther Strupp | BRD | 17 min | 1:1,37 | sw | 1. Februar 1963
Posts mit dem Label Kuby werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kuby werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
1.2.63
12.3.59
Der Mann, der sich verkaufte (Josef von Báky, 1959)
»Wenn man bedenkt, wo wir waren, und wo wir jetzt sind.« Niko Jost, junger, hungriger Journalist bei der »FWZ« (mit geblähten Nüstern: Hansjörg Felmy) kommt zufällig der Schiebervergangenheit eines erfolgreichen Hoteliers auf die Schliche, wittert die große Story, schreibt mit Feuereifer (»Da ist was faul, wenn einer derart hochkommt!«) die Serie »Schwarzer Markt und weiße Westen« – und läuft doch eigentlich nur an der (kurzen) Leine seines bedenkenlos-auflagengeilen Herausgebers (wohlgenährt: Ernst Schröder) ... Autor Erich Kuby (der seinem gesellschaftskritischen Unmut zuvor bereits mit »Das Mädchen Rosemarie« Luft machte) feuert eine Breitseite auf Medien, Politik und Wirtschaft, Regisseur Josef von Báky inszeniert das zeitdiagnostische Traktat über Seilschaftsdenken, Pharisäertum und Futterneid in der jungen Bundesrepublik mit der kühlen, schwarzen Präzision des späten Fritz Lang. In pointierten Nebenrollen treten auf: Hildegard Knef als vornehme Dame mit Vergangenheit, Kurt Ehrhardt als Unternehmer in plötzlichen Nöten und Hans Paetsch (der nachmalige »Märchenonkel der Nation«) als ebenso abgewogener wie abgemeldeter Chefredakteur.
R Josef von Báky B Erich Kuby K Friedl Behn-Grund M Georg Haentzschel A Erich Kettelhut, Johannes Ott S Caspar van den Berg P Hans Abich, Rolf Thiele D Hansjörg Felmy, Hildegard Knef, Ernst Schröder, Antje Weisgerber, Kurt Ehrhardt | BRD | 103 min | 1:1,37 | sw | 12. März 1959
R Josef von Báky B Erich Kuby K Friedl Behn-Grund M Georg Haentzschel A Erich Kettelhut, Johannes Ott S Caspar van den Berg P Hans Abich, Rolf Thiele D Hansjörg Felmy, Hildegard Knef, Ernst Schröder, Antje Weisgerber, Kurt Ehrhardt | BRD | 103 min | 1:1,37 | sw | 12. März 1959
Labels:
Drama,
Felmy,
Gesellschaft,
Hotel,
Knef,
Kuby,
Nachkrieg,
Presse,
von Báky,
Wirtschaftswunder
28.8.58
Das Mädchen Rosemarie (Rolf Thiele, 1958)
»Ja, die Blüten unseres Wunders / leuchten hell im Neonlicht.« Rolf Thieles Dreigroschenoper für Nadja Tiller – den ersten Groschen gibt der Film für (vage) Kritik an den Verhältnissen der ökonomisch prosperierenden Bundesrepublik, den zweiten Groschen für (prüde) Fleischeslust, den dritten Groschen für die (deutlich) auf Bertolt Brecht schielenden Couplets in satirisch verfremdelndem Moritatenstil (vorgetragen von Jo Herbst und Mario Adorf, Karin Baal und Helen Vita). Tiller (mal im Trenchcoat, mal im Catsuit, mal im Babydoll) verkörpert die zu skandalöser Berühmtheit gelangte Frankfurter Luxusnutte Rosemarie Nitribitt, die nicht so clever ist, wie sie annimmt, und ins tödliche Visier jener betuchten und einflußreichen Herren (dargestellt unter anderem von Gert Fröbe, Carl Raddatz, Peter van Eyck, Werner Peters) gerät, welche sie zu schröpfen gedenkt. Mit der (freilich recht nebulösen) historischen Wahrheit des medienwirksamen Kriminalfalles nehmen es Thiele und sein Autor Erich Kuby nicht so genau, auch der soziologische Gestus bleibt attraktiv arrangiere Pose – so erweist sich das aufklärerisch tuende Sittenstück in Summe als kabarettistisch-moralisierender Gesellschaftsklatsch. PS: »Doch wer von den Herren dich besessen / wird dich lange nicht vergessen.«
R Rolf Thiele B Erich Kuby, Rolf Thiele, Jo Herbst, Rolf Ulrich K Klaus von Rautenfeld M Norbert Schultze A Wolf Englert, Ernst Richter S Elisabeth Neumann P Luggi Waldleitner D Nadja Tiller, Peter van Eyck, Carl Raddatz, Gert Fröbe, Mario Adorf, Jo Herbst, Karin Baal | BRD | 101 min | 1:1,37 | sw | 28. August 1958
R Rolf Thiele B Erich Kuby, Rolf Thiele, Jo Herbst, Rolf Ulrich K Klaus von Rautenfeld M Norbert Schultze A Wolf Englert, Ernst Richter S Elisabeth Neumann P Luggi Waldleitner D Nadja Tiller, Peter van Eyck, Carl Raddatz, Gert Fröbe, Mario Adorf, Jo Herbst, Karin Baal | BRD | 101 min | 1:1,37 | sw | 28. August 1958
Labels:
Adorf,
Baal,
Drama,
Frankfurt,
Fröbe,
Geld,
Gesellschaft,
Kuby,
Prostitution,
Raddatz,
Rolf Thiele,
Satire,
Tiller,
van Eyck,
Wirtschaftswunder
Abonnieren
Posts (Atom)