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23.6.66

Playgirl (Will Tremper, 1966)

Ein deutscher Autorenfilm, durch und durch persönlich; nichts wird gefilmt, was den Autor nicht interessierte. Das Schöne aber: bevor er Filme machte, schrieb der Autor (Will Tremper – dem das deutsche Kino leider schon bald zu doof werden wird) Gerichtsreportagen und Serien für Illustrierte. Was ihn interessiert, ist das Vermischte, nicht der Kulturteil, sind Menschen, nicht Figuren. Eine beispielhafte Szene: Alexandra Borowski (Eva Renzi – die leider zu doof sein wird, sich zum wirklichen Star zu mausern), Mannequin, »Playgirl«, Heldin dieses deutschen, genauer gesagt: Westberliner Autorenfilms steht an der Mauer (der zwischen Ost und West), trägt eine schicke Kreation von Heinz Oestergaard und läßt sich für eine Modezeitschrift fotografieren. Passanten kommen vorbei, empören sich: Was es für eine Schweinerei sei, sich ausgerechnet hier, im Angesicht des Todes, in Pose zu werfen! Sie darauf patzig: »Gebt doch nicht so an mit eurer Mauer!« Auch wenn die provinzielle Grundierung der ausgestellten Weltläufigkeit nicht ganz zu übertünchen ist, atmet »Playgirl« eine gehörige Portion kinematographischer Freiheit: ein Autor schlendert (oder braust im Jaguar) durch seine Stadt und filmt ganz einfach das, was ihn dazu animiert, die Kamera laufen zu lassen: nachmittags schwimmen im Olympiastadion, nachts baden in einem Pool im Grunewald, zu Abend essen im »Kopenhagen« am Kurfürstendamm, die Baustelle vom Springer-Hochhaus besichtigen, zuhören wie Paul Kuhn Klavier spielt und singt, mit einem hübschen Mädchen tanzen gehen und danach ins Bett …

R Will Tremper B Will Tremper K Wolfgang Lührse, Benno Bellenbaum M Peter Thomas, Klaus Doldinger S Ursula Möhrle P Will Tremper D Eva Renzi, Harald Leipnitz, Paul Hubschmid, Umberto Orsini, Rudolf Schündler | BRD | 88 min | 1:1,66 | sw | 23. Juni 1966

20.2.64

Zimmer 13 (Harald Reinl, 1964)

Mit tagesaktueller Behendigkeit strickt Autor Quentin Philips (der im wirklichen Leben Will Tremper heißt und als großschnauziger Boulevardreporter sowie flotter Autorenfilmer seine Meriten verdiente) den berühmten Postzugraub vom August 1963 in die Edgar-Wallace-Plotte um eine Serie von Rasiermessermorden an hübschen jungen Damen. Obwohl abermals ein dunkles Familiengeheimnis seine noch dunkleren Schatten wirft, fällt »Zimmer 13« in mehr als einer Hinsicht (durchaus vorteilhaft) aus dem starren Rahmen der Reihe: Der Tonfall ist verhältnismäßig rough, die Handlung relativ nachvollziehbar, Eddi Arent halbwegs ernstzunehmen. Zudem überrascht Regisseur Harald Reinl mit einem vergleichsweise hohen body count und einer kriminalistischen Auflösung, die den männlichen Helden am Ende ohne weibliche Begleitung dastehen läßt.

R Harald Reinl B Quentin Philips (= Will Tremper) V Edgar Wallace K Ernst W. Kalinke M Peter Thomas A Wilhelm Vorwerg, Walter Kutz S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Joachim Fuchsberger, Karin Dor, Richard Häußler, Walter Rilla, Eddi Arent | D & F | 89 min | 1:2,35 | f | 20. Februar 1964

4.7.63

Verspätung in Marienborn (Rolf Hädrich, 1963)

Eine bundesdeutsche Film-Fernsehen-Koproduktion mit internationaler Beteiligung und einem veritablen Oscar-Preisträger in einer Hauptrolle. Basierend auf einem Drehbuch von Will Tremper (der den Film wegen des Konkurses der vorgesehenen Produktionsfirma nicht selbst realisieren konnte) inszeniert TV-Regisseur Rolf Hädrich auf engem Raum eine spannende deutsch-deutsch-alliierte Flüchtlingsstory, die einem Ereignis aus dem Dezember 1961 folgt: Bei einem kurzen Zwischenhalt irgendwo in der Zone springt ein junger DDR-Bürger auf den US-Militärzug von Berlin nach Frankfurt; seine Anwesenheit bleibt nicht unbemerkt: Eine Krankenschwester hilft ihm sich zu verstecken; ein mitreisender Journalist (knurrig: José Ferrer) wittert einen Knüller und führt mit dem Republikflüchtling, der seinen Eltern in den Westen folgen will, ein exklusives Tonband-Interview; schließlich schöpfen auch östliche Transportpolizisten Verdacht und melden die Sache ihren Vorgesetzten. Nur der junge amerikanische Kommandant (Sean Flynn, ein Sohn von Errol) ahnt von alldem nichts, schwört Stein und Bein, daß sich kein blinder Passagier an Bord befände, als die Sowjets den Zug am Kontrollpunkt festhalten und die Lokomotive abkoppeln … Als Musterbeispiel eines geschlossenen Dramas wahrt »Verspätung in Marienborn« strikt die Einheit von Zeit (eine Nacht und ein Tag), Ort (ein versiegelter Zug und ein abgeriegelter Grenzbahnhof) und Handlung. Von Interesse erscheinen weniger die Überzeugungen oder Motivationen der knapp gezeichneten Charaktere, sondern ihre Gefangenschaft in einem abstrakten System technisch-administrativer Mechanismen, das weder persönlichen Handlungsspielraum noch individuelle Rücksichtnahme zuläßt – nicht einmal die rivalisierenden Ideologien der feindlichen Mächte spielen in diesem kalten (Nerven-)Krieg noch eine wesentliche Rolle. Am Ende sind es folgerichtig nicht die Personen des Stücks sondern anonyme Instanzen, die per Telefonbefehl das Schicksal des Flüchtlings besiegeln.

R Rolf Hädrich B Will Tremper, Victor Vicas (englische Fassung »Stop Train 349«) K Roger Fellous M Peter Thomas, Claude Vasori A Dieter Bartels, Albrecht Hennings S Margot Jahn, Georges Arnstam P Hans Oppenheimer, Hessischer Rundfunk D José Ferrer, Sean Flynn, Nicole Courcel, Jess Hahn, Hans-Joachim Schmiedel | BRD & F & I | 94 min | 1:1,37 | sw | 4. Juli 1963

8.5.63

Die endlose Nacht (Will Tremper, 1963)

Der unprätentiösere Arbeitstitel des Films lautete »Nebel über Tempelhof« und beschreibt die Ausgangssituation des episodenhaften Geschehens: Wegen schlechten Wetters werden sämtliche Flüge von und nach (West-)Berlin gestrichen – Reisende hängen am Flughafen fest, erwartete Gäste bleiben aus. Will Tremper, rasender Klatschreporter (»Deutschland deine Sternchen«) und Drehbuchautor am Puls der Zeit (»Die Halbstarken«), beobachtet in seiner zweiten Regiearbeit bald boulevardesk, bald lakonisch, immer aber atmosphärisch genau: einen Pleitier (Harald Leipnitz), der auf die Ankunft eines potentiellen Geldgebers brennt (und zu dessen Beglückung seine Freundin (Karin Hübner) in Stellung bringt), einen alten Schauspieler, der den seit Jahren herbeigesehnten König-Lear-Auftritt verpassen wird, einen Farmer (Bruce »Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand« Low), der ein wildfremdes Mädchen (atemberaubend schön: Alexandra Stewart) dazu überreden möchte, mit ihm nach Afrika zu gehen, ein abgebranntes Starlet (keß-melancholisch: Hannelore Elsner), das hände- und körperringend Anschluß sucht, zwei Düsseldorfer Geschäftsleute, die für ein paar Stunden in ihrer alten Berliner Heimat stranden. »Die endlose Nacht«, stimmungsvoll fotografiert in schwarzweißem Ultrascope, hat weder Anliegen noch Botschaft, schaut einfach nur neugierig hin, nimmt sich Zeit und dabei nicht besonders ernst, zeigt flüchtige Momente, Ausschnitte aus dem Leben.

R Will Tremper B Will Tremper K Hans Jura M Peter Thomas S Susanne Paschen P Hans Eckelkamp, Wenzel Lüdecke, Will Tremper D Karin Hübner, Harald Leipnitz, Paul Esser, Werner Peters, Hannelore Elsner | BRD | 86 min | 1:2,35 | sw | 8. Mai 1963

17.3.61

Flucht nach Berlin (Will Tremper, 1961)

»Die deutsche Not« heißt ein Buch, in dem die Schriftstellerin Erika von Hornstein im Jahre 1960 Dutzende Biographien von DDR-Flüchtlingen vereint – eine einmalige Sammlung von Selbstaussagen, die ein eindringlich-differenziertes Bild vom Leben, besser gesagt: vom Nicht-mehr-leben-Können in der sogenannten »Zone« zeichnen. Zur gleichen Zeit, kurz vor dem Bau der Berliner Mauer, die das letzte Schlupfloch von Ost nach West verschließen wird, schleudert der flinke Dreigroschenreporter (»Deutschland, deine Sternchen«) und gegenwartsnahe Szenarist (»Die Halbstarken«) Will Tremper sein Regiedebüt auf die Leinwand, thematisiert darin (als einer der ganz wenigen Kinomacher seiner Zeit) die millionenfache Wanderung von einem Deutschland ins andere. Er tut dies anhand zweier, miteinander unselig verflochtener, Einzelschicksale: Bauer Güden (Narziss Sokatscheff) verweigert den Eintritt in die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft seines Dorfes und haut ab; Genosse Baade (Christian Doermer), SED-Agitator der (Zwangs-)Kollektivierung, gerät wegen Güdens Flucht ins politische Zwielicht und setzt dem Abtrünnigen nach. Die dramatische Jagd führt – entlang von Autobahnen und Schienensträngen – ins undurchdringliche, beinahe mystisch wirkende Schilfdickicht am Berliner Grenzfluß Havel, wo es zum finalen Zweikampf kommt … Autorenfilmer Tremper, das ist sein Defizit und seine Stärke zugleich, schematisiert statt zu nuancieren, spitzt zu statt zu vertiefen, motzt auf statt abzuwägen; während (≈ indem) er wie eine Dampfwalze über den Acker der Geschichte schnauft, richtet er sein Augenmerk gleichermaßen auf ideologische Verblendung und opportunistisches Duckmäusertum, auf blinden Eigennutz und wohlstandssatten Stumpfsinn, kurz: auf das nationale Unglück, also: auf die deutsche Not. PS: »Es lebe die Freiheit!«

R Will Tremper B Will Tremper K Günter Haase, Gerd von Bonin M Peter Thomas S Will Tremper P Will Tremper, Michael Schwabacher D Christian Doermer, Narziss Sokatscheff, Susanne Korda | BRD | 103 min | 1:1,66 | sw | 17. März 1961

23.7.59

Menschen im Netz (Franz Peter Wirth, 1959)

Einer der ganz wenigen Versuche des bundesdeutschen Nachkriegskinos, sich mit der Wirklichkeit des geteilten Landes auseinanderzusetzen. Anders als für das DDR-Filmstudio Defa spielt die Existenz zweier deutscher Staaten mit gegensätzlichen (und gegnerischen) Gesellschaftssystemen für westliche Produzenten jahrzehntelang praktisch keine Rolle. »Menschen im Netz« verarbeitet die Problematik zu einem kolportagehaften Genrestück mit zaghaft veristischen Ansätzen: Nach fünf Jahren Bautzen-Haft wird Klaus Martens (Hansjörg Felmy) vorzeitig entlassen und reist zu seiner Frau Gitta (Johanna von Koczian) nach München. Die Wiedersehensfreude ist groß, doch schon bald fallen Schatten auf das wiedervereinigte Eheglück. Klaus ist mißtrauisch: Wovon bezahlt seine Frau ihre schicke Wohnung? Warum erzählt sie nie von ihrer Arbeit im ›Schreib- und Übersetzungsbüro Fischer‹? Wohin geht sie Abend für Abend wirklich? Die traurige Wahrheit: Um ihren Mann freizubekommen, trat Gitta in den Dienst des ostzonalen Geheimdienstes – eine Kooperation, die tödlich endet … Franz Peter Wirth inszeniert das (auf einem Illustriertenroman basierende) Kriminaldrama straff und unsentimental, mit Blick aufs »Menschliche« und Sinn für stimmige Alltagsimpressionen, jedoch ohne politische Vertiefung und weitgehend beherrscht von gattungstypischen Klischees. Die Ostagenten heißen Olga, Karel, Janosch – und sehen auch so aus. Ihre Treffpunkte sind Hotellobbys, Bumslokale, Lagerhallen. Interessant allerdings, daß die westliche Konkurrenz auch nicht einnehmender ist: Ein gewisser Herr Braun von der Spionageabwehr (Hannes Messemer) fällt stets mit der Tür ins Haus, erklärt sich nicht, stellt ohne Umschweife bohrende Fragen, droht mit bellender Wochenschaustimme Unangenehmes an, wirft, wie seine Gegenspieler, Netze aus, in denen sich Unschuldige verfangen.

R Franz Peter Wirth B Herbert Reinecker V Will Tremper, Erich Kern K Günther Senftleben M Hans-Martin Majewski A Franz Bi S Claus von Boro P Hans Abich D Hansjörg Felmy, Johanna von Koczian, Hannes Messemer, Ingeborg Schöner, Olga von Togni | BRD | 96 min | 1:1,66 | sw | 23. Juli 1959

3.4.58

Nasser Asphalt (Frank Wisbar, 1958)

Nach dem Motto »Wenn ich darüber schreibe, muß es passiert sein.« schüttelt der quicke Nachrichtenhändler Cesar Boyd (Martin Held) in einem fort sensationelle Meldungen aus dem Ärmel. Sein Mitarbeiter Greg Bachmann (Horst Buchholz), ein enthusiastischer Reporter, den die Ambition schon einmal ins Gefängnis brachte, muß erfahren, daß es der bewunderte Chef bei der Newsfabrikation mit der Wahrheit nicht allzu genau nimmt, und entscheidet sich schließlich gegen ein Leben in der (einträglichen) Lüge … Will Trempers Drehbuch basiert auf der Story um die »Bunkermenschen von Gdingen«, die Anfang der 1950er Jahre internationales Aufsehen erregt hatte: Deutsche Soldaten sollen jahrelang in einem verschütteten Vorratsbunker der Wehrmacht in Polen überlebt haben – ersonnen hatte den Weltknüller wohl der Autor Curt Riess, ein Hansdampf in allen publizistischen Gassen, dem Tausendsassa Tremper eine Zeitlang als Rechercheur und »Schattenschreiber« diente. Von Frank Wisbar mit teilnahmsloser Steifheit in Szene gesetzt, verpuffen die dramatischen Möglichkeiten der druckschwarzen Geschichte in absehbar-oberflächlichen Debatten über journalistisches Ethos und den Warencharakter von Information. So überzeugt »Nasser Asphalt« (der im Gegensatz zur Versprechung, die der Titel macht, fast nur in Innenräumen spielt) weder als greller Revolverpresse-Artikel noch als analytischer Magazinbeitrag.

R Frank Wisbar B Will Tremper K Helmuth Ashley M Hans-Martin Majewski A Herbert Kirchhoff, Albrecht Becker S Klaus Dudenhöfer P Wenzel Lüdecke D Horst Buchholz, Martin Held, Maria Perschy, Gert Fröbe, Inge Meysel | BRD | 88 min | 1:1,66 | sw | 3. April 1958

23.1.58

Endstation Liebe (Georg Tressler, 1958)

»Jetzt wollen Sie mich sicherlich küssen.« – »Sie merken aber auch alles.« – »Muß das denn sein?« Ein Nichts von einer Story: Ein paar Jungs, die bei Osram am Fließband stehen, wetten Sonnabend mittag darum, ob es Betriebscasanova Mecki (Horst Buchhholz) schafft, Christa, die Neue aus dem Büro (Barbara Frey), übers Wochenende rumzukriegen – mit fünf Mark sind Sie dabei! (»Zeit bis Montag früh« sollte der Film nach dem Willen des Drehbuchautors Will Tremper eigentlich lapidar heißen, aber Verleihchefin Ilse Kubaschewski, wie immer am Puls von Lieschen Müller, bestand auf dem, wie sie meinte, massenkompatibleren Titel »Endstation Liebe«.) Natürlich gelingt es dem zielbewußten, hübschen Burschen, das süße, spröde Mädchen von sich zu überzeugen – und ebenso natürlich kommen ihm wahre (= bisher unbekannte) Gefühle in die Quere … Die Qualität des Werks liegt im Verzicht auf eine raffinierte Handlungsführung, in den knappen, unsentimentalen Dialogen und in der mileuechten Berliner Atmosphäre, die Regisseur Georg Tressler und sein Kameramann Helmuth Ashley kreieren: der Stumpfsinn der Fabrikarbeit und ein sonntägliches Fußballspiel, ein Kaffeetrinken mit gestelzten Verwandten und ein turbulenter Abend im Catcherzelt, ein nächtlicher Spaziergang und eine imaginäre Fahrt um die Welt. »Endstation Liebe« hält souverän die Waage zwischen Spiel und Ernst, die Protagonisten vollführen subtile Gratwanderungen zwischen amourösem Zeitvertreib und echter Gemütsbewegung, zwischen emotionaler Enttäuschung und dem eigensinnigen Traum vom kleinen Glück … Dann beginnt die neue Woche. Wieder Alltag. Wieder Fließband. Christa läuft durch die Werkhalle. Mecki lächelt. Und der Stumpfsinn erscheint plötzlich ein bißchen weniger stumpf.

R Georg Tressler B Will Tremper K Helmuth Ashley M Martin Böttcher A Herbert Kirchhoff S Kurt Zeunert P Wenzel Lüdecke D Horst Buchholz, Barbara Frey, Karin Hardt, Franz Nicklisch, Harry Raymon | BRD | 85 min | 1:1,66 | sw | 23. Januar 1958

27.9.56

Die Halbstarken (Georg Tressler, 1956)

»Hart sein mußte!« So viel Wirklichkeit war selten im bundesdeutschen Film der 1950er Jahre. »Die Halbstarken« zeigt seine jugendlichen Helden da, wo sie ihr Leben leben und sich ein besseres ausmalen: im Hallenbad, in der Eisdiele, im Espresso, an der Tankstelle, aber auch in der engen Wohnung, wo der frustrierte Vater herumpoltert, und im grauen Hinterhof, wo die noch grauere Mutter Wäsche zum Trocknen aufhängt. Die Ansprüche der zornigen jungen Männer (und Frauen) sind, ganz zeitgeistig, vor allem materieller Natur: ein flotter Schlitten, ein großes Haus, das schnelle Geld. Kulturfilmer Georg Tressler (Regie) und Boulevardreporter Will Tremper (Drehbuch) stricken um ihre Figuren zwar eine reichlich klischierte Räuberpistole, aber immer wieder lassen Heinz Pehlkes ungeschönte Berlin-Bilder sowie insbesondere die lebendig skizzierten und gespielten Charaktere den schablonenhaften Plot links liegen: Da ist Freddy Borchert (Horst Buchholz), der juvenile Bandenchef, der seine Unreife und seine vage Sehnsucht nach Geborgenheit hinter Brüllerei und vorgetäuschter Härte versteckt, der durch Imponiergehabe und Herrscherallüre zum Abklatsch des verhaßten Erzeugers wird; da ist Sissy Bohl (Karin Baal), eine proletarische fille fatale, eine nimmersatte Miss Macbeth vom Wedding, die ihren Appetit zum Maß aller Dinge macht. Das mal bedrohlich grinsende, mal ungerührt flunschmündige Rebellentum wirkt wie die Kehrseite des wirtschaftswunderlichen Konsum- und Statusstrebens der Alten. In kurzen Augenblicken scheint den Protagonisten zu dämmern, daß es nicht nur ein Haben gibt sondern auch ein Sein, doch wie es zu realisieren wäre, liegt (noch) jenseits ihrer Vorstellungskraft.

R Georg Tressler B Will Tremper, Georg Tressler K Heinz Pehlke M Martin Böttcher A Lothar Wloch S Wolfgang Flaum P Wenzel Lüdecke D Horst Buchholz, Karin Baal, Christian Doermer, Jo Herbst, Viktoria von Ballasko | BRD | 97 min | 1:1,37 | sw | 27. September 1956