Die Früchte des Paradiesbaums
Die Geschichte des Sündenfalls als avantgardistische Beziehungsdramödie. Nach einem pastoral-brakhagesken Prolog, der das erste Paar der Menschheitshistorie in abstrakt-überzeitlicher Sphäre präsentiert, erscheint der Versucher in Gestalt des rotgewandeten Robert, der die neugierige Eva ihrem Gefährten Josef (der es mit der Treue seinerseits nicht allzu genau nimmt) durch allerlei Verführungstricks zu entfremden sucht. Ort der Ereignisse ist eine Art Kurbad inmitten einer zauberischen Landschaft von Wäldern, Wiesen, Seen, Sandgruben, nahe einer verfallenen Villa, wo Eva auf Indizien für die serienmörderische Natur ihres ominösen Anbeters stößt. Věra Chytilová und ihre künstlerische Mitstreiterin Ester Krumbachová fügen Elemente aus Horrorfarce und Liebesabenteuer und Gesellschaftsstück zu einer symbolträchtig-mythopoetischen Collage über den heißen Wunsch nach Erkenntnis sowie das harte Leben in der Wahrheit. Die visuelle Experimentierfreude des eigenwilligen Werks sekundiert der ironisch-pathetische Score von Zdenek Liska, der mit überdrehter Sentimentalität und kakophonischer Morbidezza und feierlicher Archaik ein delikates Vielerlei musikalischer Früchte von den paradiesischen Bäumen pflückt.
R Věra Chytilová B Věra Chytilová, Ester Krumbachová K Jaroslav Kučera M Zdenek Liska A Vladimír Labský Ko Ester Krumbachová, Bohumila Marsalková S Miroslav Hájek P Pavel Juráček, Jaroslav Kučera D Jitka Nováková, Karel Novák, Jan Schmid | CS & B | 99 min | 1:1,37 | f | 31. Juli 1970
# 1176 | 6. September 2019
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31.7.70
30.12.66
Sedmikrásky (Věra Chytilová, 1966)
Tausendschönchen
Marie und Marie, beide um die zwanzig, die eine blond (Ivana Karbanová), die andere brünett (Jitka Cerhová), beschließen, da die Welt, wie sie meinen, verdorben ist, fortan selbst verdorben zu sein. Sie lachen sich alte Männer an, fressen und saufen, was das Zeug hält, benehmen sich, wo sie gehen, stehen, liegen, unbeirrbar daneben, hinterlassen eine Schneise der zwanghaft-fröhlichen Verwüstung. Věra Chytilová gestaltet die (Selbst-)Zerstörungsorgie als kompromißlos-verspielte kinematographische Collage, bringt mit übersprudelndem Erfindungsreichtum Bild- und Tonverfremdungen aller Art zum filmischen Einsatz, benutzt ihre Protagonistinnen wie Marionetten in einem entfesselten Figuren- und Welttheater. Ein anarcho-surreales Fest der Subversion, ein dadaistisch-burlesker Angriff auf gesellschaftliche Ordnungsvorstellungen aller Art, der konsequenterweise mit der entschiedenen Infragestellung herkömmlicher Gestaltungsregeln einhergeht und die moralische Einschätzung des Gezeigten voll und ganz dem Betrachter überläßt.
R Věra Chytilová B Věra Chytilová, Ester Krumbachová, Pavel Juráček K Jaroslav Kučera M Jiří Šust, Jiří Šlitr A Karel Lier Ko Ester Krumbachová S Miroslav Hájek P Ladislav Fikar, Bohumil Šmída D Ivana Karbanová, Jitka Cerhová, Jan Klusák | CS | 74 min | 1:1,37 | f & sw | 30. Dezember 1966
# 1169 | 3. August 2019
Marie und Marie, beide um die zwanzig, die eine blond (Ivana Karbanová), die andere brünett (Jitka Cerhová), beschließen, da die Welt, wie sie meinen, verdorben ist, fortan selbst verdorben zu sein. Sie lachen sich alte Männer an, fressen und saufen, was das Zeug hält, benehmen sich, wo sie gehen, stehen, liegen, unbeirrbar daneben, hinterlassen eine Schneise der zwanghaft-fröhlichen Verwüstung. Věra Chytilová gestaltet die (Selbst-)Zerstörungsorgie als kompromißlos-verspielte kinematographische Collage, bringt mit übersprudelndem Erfindungsreichtum Bild- und Tonverfremdungen aller Art zum filmischen Einsatz, benutzt ihre Protagonistinnen wie Marionetten in einem entfesselten Figuren- und Welttheater. Ein anarcho-surreales Fest der Subversion, ein dadaistisch-burlesker Angriff auf gesellschaftliche Ordnungsvorstellungen aller Art, der konsequenterweise mit der entschiedenen Infragestellung herkömmlicher Gestaltungsregeln einhergeht und die moralische Einschätzung des Gezeigten voll und ganz dem Betrachter überläßt.
R Věra Chytilová B Věra Chytilová, Ester Krumbachová, Pavel Juráček K Jaroslav Kučera M Jiří Šust, Jiří Šlitr A Karel Lier Ko Ester Krumbachová S Miroslav Hájek P Ladislav Fikar, Bohumil Šmída D Ivana Karbanová, Jitka Cerhová, Jan Klusák | CS | 74 min | 1:1,37 | f & sw | 30. Dezember 1966
# 1169 | 3. August 2019
20.12.63
O něčem jiném (Věra Chytilová, 1963)
Von etwas anderem
Zwei Frauen im Gegenschnitt: Eva, eine Kunstturnerin (Olympia-Goldmedaillengewinnerin Eva Bosáková), die von unerbittlichen Trainern auf die Weltmeisterschaft (Prag 1962) vorbereitet wird, sowie Věra, Hausfrau und Mutter, die ihres gutbürgerlichen Ehelebens überdrüssig ist – dokumentarische Beobachtung auf der einen, tragikomische Alltagsfiktion auf der anderen Ebene. Während die eine fortdauernd einem rigiden Übungsprogramm unterworfen ist, sieht sich die andere mit einem gleichgültigen Gatten und einem verzogenen Sohn konfrontiert. Auch wenn die Protagonistinnen der Erzählung(en) einander nicht begegnen (lediglich zu Beginn sieht Věra Eva kurz im Fernsehen), schafft Regisseurin und Autorin Věra Chytilová in ihrem ersten Spielfilm pointierte thematische und emotionale Bezüge, erforscht – aus weiblicher Perspektive – das Walten von Fremdbestimmung und Unzufriedenheit, studiert die Möglichkeiten von Autonomie und Emanzipation, zeigt den Preis des Erfolges und die Versuchung des Scheiterns, stellt – ohne eine Antwort vorgeben zu wollen – die Frage, ob und wie es sich richtig leben läßt.
R Věra Chytilová B Věra Chytilová K Jan Čuřík M Jiří Šlitr A Vladimír Labský Ko Dagmar Cejnková S Miroslav Hájek P Ladislav Fikar, Bohumil Šmída D Eva Bosáková, Věra Uzelacová, Josef Langmiler, Jiří Kodet, Milivoj Uzelac jun. | CS | 90 min | 1:1,37 | sw | 20. Dezember 1963
# 1175 | 18. August 2019
Zwei Frauen im Gegenschnitt: Eva, eine Kunstturnerin (Olympia-Goldmedaillengewinnerin Eva Bosáková), die von unerbittlichen Trainern auf die Weltmeisterschaft (Prag 1962) vorbereitet wird, sowie Věra, Hausfrau und Mutter, die ihres gutbürgerlichen Ehelebens überdrüssig ist – dokumentarische Beobachtung auf der einen, tragikomische Alltagsfiktion auf der anderen Ebene. Während die eine fortdauernd einem rigiden Übungsprogramm unterworfen ist, sieht sich die andere mit einem gleichgültigen Gatten und einem verzogenen Sohn konfrontiert. Auch wenn die Protagonistinnen der Erzählung(en) einander nicht begegnen (lediglich zu Beginn sieht Věra Eva kurz im Fernsehen), schafft Regisseurin und Autorin Věra Chytilová in ihrem ersten Spielfilm pointierte thematische und emotionale Bezüge, erforscht – aus weiblicher Perspektive – das Walten von Fremdbestimmung und Unzufriedenheit, studiert die Möglichkeiten von Autonomie und Emanzipation, zeigt den Preis des Erfolges und die Versuchung des Scheiterns, stellt – ohne eine Antwort vorgeben zu wollen – die Frage, ob und wie es sich richtig leben läßt.
R Věra Chytilová B Věra Chytilová K Jan Čuřík M Jiří Šlitr A Vladimír Labský Ko Dagmar Cejnková S Miroslav Hájek P Ladislav Fikar, Bohumil Šmída D Eva Bosáková, Věra Uzelacová, Josef Langmiler, Jiří Kodet, Milivoj Uzelac jun. | CS | 90 min | 1:1,37 | sw | 20. Dezember 1963
# 1175 | 18. August 2019
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