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12.2.76

Hostess (Rolf Römer, 1976)

Rolf Römers zweiter und letzter Autorenfilm, eine (n)ostalgische Flaschenpost aus dem kurzen Scheinsommer der frühen Ära Honecker, ist ebensosehr Hommage an seine herb-sinnliche Ehefrau Annekathrin Bürger wie an die bieder-weltniveauvolle Hauptstadt der DDR. Die komödiantische Beziehungsgeschichte – sie verläßt ihn; sie denkt nach: über sich, über ihn, über die Liebe im allgemeinen und im besonderen; sie kehrt zu ihm zurück – ist so dünn wie das Papier, auf dem eine Frauenzeitschrift gedruckt wird, doch der Kunstgriff, die weibliche Hauptfigur zur (polyglotten) Fremdenführerin (= Hostess) zu machen, erlaubt es der Kamera, einen ausgedehnten Bummel durch die Straßen der real-existierenden Kapitale zu unternehmen: Ostberlin erstrahlt in schönstem Grau, die milde Luft vibriert vom Knattern der Zweitakter, das Leben ist leicht und rosarot. Zu den illustriertenhaft-weichgespülten Bildstrecken singt aus dem Off Veronika Fischer, aber auch die knalljunge Nina Hagen hat einen poppig-angepunkten (Konzert-)Auftritt: »Zur Aktuellen Kamera / am Sonntag war ich wieder da. / Die Mutter informiert die Polizei, / daß ich soeben eingetroffen sei.«

R Rolf Römer B Rolf Römer, Gisela Steineckert K Siegfried Mogel M Günther Fischer A Christoph Schneider S Monika Schindler P Siegfried Kabitzke D Annekathrin Bürger, Jürgen Heinrich, Roswitha Marks, Berndt Stichler, Manfred Karge | DDR | 99 min | 1:1,66 | f | 12. Februar 1976

7.8.73

Jesus Christ Superstar (Norman Jewison, 1973)

Jesus Christ Superstar

»One thing I’ll say for him – Jesus is cool.« Das Evangelium nach Andrew Lloyd Webber: die Passionsgeschichte als Mischung aus Hippie-Happening und »Top of the Pops«. Von Norman Jewison in stilisiert-authentischer Nahost-Kulisse mit allerlei schicken Verfremdungseffekten und Anachronismen (Panzer, Flugzeuge, Flower-Power-Klamotten) inszeniert, rückt die Rock-Oper neben dem nur kurzfristig an seiner Erlösungsmission zweifelnden Heiland (gottergeben-silberblickend: Ted Neeley) und den Liebesnöten der ehrbaren Dirne Maria Magdalena insbesondere die auf faszinierende Weise gebrochene Persönlichkeit des Verräters Judas Iskariot (finster-energievoll: Carl Anderson) in den Mittelpunkt des bekannten Geschehens. Ein tuckig-verfetteter Herodes (»Prove to me that you’re divine, / Change my water into wine.«), ein blasiert-larmoyanter Pilatus (»And then I heard them mentioning my name, / And leaving me the blame.«) sowie barbrüstige jüdische Hohepriester mit schwarzledernen Ballonhüten (»For the sake of the nation, / This Jesus must die.«) übernehmen die schurkischen Nebenrollen.

R Norman Jewison B Melvyn Bragg, Norman Jewison V Tim Rice K Douglas Slocombe M Andrew Lloyd Webber A Richard Macdonald S Antony Gibbs P Norman Jewison, Robert Stigwood D Ted Neeley, Carl Anderson, Yvonne Elliman, Barry Dennen, Bob Bingham, Josh Mostel | USA | 106 min | 1:2,35 | f | 7. August 1973

# 1167 | 1. August 2019

29.1.70

He, Du! (Rolf Römer, 1970)

Erstaunlich vitale sozialistische Romanze um eine staatsbürgerlich engagierte Lehrerin (Annekathrin Bürger), die den drögen Kollegen gegen einen sympathischen (und attraktiven) Baubrigadier eintauscht. Die schwarzweiße Totalvision-Kamera (Peter Krause) beobachtet nicht nur intensiv die Schwierigkeiten der Paarfindung unter den Bedingungen der wissenschaftlich-technischen Revolution, sie sieht auch freudig zu, wie das alte Berlin in Trümmer sinkt, um Platz für die architektonischen Errungenschaften der Ostmoderne zu machen – während in den genormten Schulbauten (›Typ Dresden‹) der Mensch von morgen erzogen wird. Mit seinen Impressionen aus der Zeit unter Ulbricht gibt sich Autor und Regisseur Rolf Römer zwar kinematographisch betont unangepaßt, schlendert aber im Grunde recht artig auf der Straße der ideologischen Affirmation. Trotz alledem: ein Film so locker und leicht, der schwimmt sogar in Club-Cola.

R Rolf Römer B Rolf Römer K Peter Krause M Klaus Lenz A Heike Bauersfeld S Brigitte Krex P Bernd Gerwien D Annekathrin Bürger, Frank Obermann, Petra Hinze, Hans-Dieter Knaup, Rolf Römer | DDR | 97 min | 1:2,35 | sw | 29. Januar 1970