Japanischer Sommer: Doppelselbstmord unter Zwang
1967 – Summer of Hate. Eine Achtzehnjährige, die mit allen Männern schlafen will, und ein Namenloser, der sich töten lassen möchte, geraten an eine Gruppe von Bewaffneten (Gangster? Terroristen?), die sich in einer schier endlosen Folge von Shootouts gegenseitig dezimieren, während die (wie ausgestorben daliegende) Stadt gleichzeitig von einem Heckenschützen heimgesucht wird... Weniger Action-Kino denn absurdes Theater, verbindet Nagisa Oshimas Film (in hochstilisierten Schwarzweiß-Bildern) systemkritische Ausbrüche von Haß und anarchisch-sexualisierte Gewaltphantasien zu einer apokalyptischen Amok-Farce, in der sich die gesellschaftlichen Erschütterungen der späten 1960er Jahre zerrspiegeln.
R Nagisa Oshima B Nagisa Oshima, Mamoru Sasaki, Takeshi Tamura K Yasuhiro Yoshioka M Hikaru Hayashi A Shigemasa Toda S Keiichi Uraoka P Masayuki Nakajima, Takuji Yamaguchi D Keiko Sakurai, Kei Sato, Rokko Toura, Shunsuke Mizoguchi, Bunya Ozawa | JP | 98 min | 1:2,35 | sw | 2. September 1967
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2.9.67
23.2.67
Nihon shunka-ko (Nagisa Oshima, 1967)
Über japanische Lieder der Unzucht
Vier Studienanwärter träumen und singen (ausführlich) von Sex. Nagisa Oshimas spröde-surreale Improvisation – eine Art musikalisches Lehrstück ohne Lehre – mischt Realität, Phantasien und die Nachinszenierung von Phantasien in der Realität. (Der nicht gezeigte) Sex erscheint gleichermaßen als Flucht aus und Widerstand gegen eine graue Wirklichkeit, die von politischer Naivität, latenter Gewalt, enttäuschten Hoffnungen und allgemeiner Gleichgültigkeit beherrscht wird. Leider hat letztere auch das filmische Regiment übernommen – so mäandert »Nihon shunka-ko« formal apart aber gedanklich ziemlich indifferent vor sich hin.
R Nagisa Oshima B Nagisa Oshima, Mamoru Sasaki, Toshio Tajima, Takeshi Tamura K Akira Takada M Hikaru Hayashi A Jusho Toda S Keiichi Uraoka P Masayuki Nakajima D Ichiro Araki, Juzo Itami, Koji Iwabuchi, Akiko Koyama, Kazuyoshi Kushida | JP | 103 min | 1:2,35 | f | 23. Februar 1967
Vier Studienanwärter träumen und singen (ausführlich) von Sex. Nagisa Oshimas spröde-surreale Improvisation – eine Art musikalisches Lehrstück ohne Lehre – mischt Realität, Phantasien und die Nachinszenierung von Phantasien in der Realität. (Der nicht gezeigte) Sex erscheint gleichermaßen als Flucht aus und Widerstand gegen eine graue Wirklichkeit, die von politischer Naivität, latenter Gewalt, enttäuschten Hoffnungen und allgemeiner Gleichgültigkeit beherrscht wird. Leider hat letztere auch das filmische Regiment übernommen – so mäandert »Nihon shunka-ko« formal apart aber gedanklich ziemlich indifferent vor sich hin.
R Nagisa Oshima B Nagisa Oshima, Mamoru Sasaki, Toshio Tajima, Takeshi Tamura K Akira Takada M Hikaru Hayashi A Jusho Toda S Keiichi Uraoka P Masayuki Nakajima D Ichiro Araki, Juzo Itami, Koji Iwabuchi, Akiko Koyama, Kazuyoshi Kushida | JP | 103 min | 1:2,35 | f | 23. Februar 1967
Labels:
Erotik,
Gesellschaft,
Jugend,
Musik,
Oshima,
Tokio,
Universität
9.10.60
Nihon no yoru to kiri (Nagisa Oshima, 1960)
Nacht und Nebel über Japan
Eine Hochzeitsfeier wird zum Tribunal: Ungebetene Gäste tischen unbequeme Erinnerungen auf und stellen unbehagliche Fragen. »Nacht und Nebel über Japan« spielt unter revolutionären Studenten und kommunistischen Funktionären. Auf der Bühne des Festsaals zerlegen sich die Genossen selbst und gegenseitig: Hinter der Fassade ihres hehren Kampfes für Frieden und Gerechtigkeit blühen Gruppenterror, Denkverbote, Lüge, Verrat und die Eitelkeit der Macht, die auch schon mal den (Frei-)Tod von Gefährten billigend in Kauf nimmt. In endlos langen Plansequenzen sowie mit theatralischen Arrangements und Beleuchtungseffekten läßt Oshima seine Protagonisten alte persönliche (und politische) Rechnungen begleichen. Quälend – aber wenn's der Wahrheitsfindung dient ...
R Nagisa Oshima B Nagisa Oshima, Toshiro Ishido K Takashi Kawamata M Riichiro Manabe A Koji Uno S Keiichi Uraoka P Tomio Ikeda D Miyuki Kuwano, Fumio Watanabe, Masahiko Tsugawa, Hiroshi Akutagawa, Kei Sato | JP | 107 min | 1:2,35 | f | 9. Oktober 1960
Eine Hochzeitsfeier wird zum Tribunal: Ungebetene Gäste tischen unbequeme Erinnerungen auf und stellen unbehagliche Fragen. »Nacht und Nebel über Japan« spielt unter revolutionären Studenten und kommunistischen Funktionären. Auf der Bühne des Festsaals zerlegen sich die Genossen selbst und gegenseitig: Hinter der Fassade ihres hehren Kampfes für Frieden und Gerechtigkeit blühen Gruppenterror, Denkverbote, Lüge, Verrat und die Eitelkeit der Macht, die auch schon mal den (Frei-)Tod von Gefährten billigend in Kauf nimmt. In endlos langen Plansequenzen sowie mit theatralischen Arrangements und Beleuchtungseffekten läßt Oshima seine Protagonisten alte persönliche (und politische) Rechnungen begleichen. Quälend – aber wenn's der Wahrheitsfindung dient ...
R Nagisa Oshima B Nagisa Oshima, Toshiro Ishido K Takashi Kawamata M Riichiro Manabe A Koji Uno S Keiichi Uraoka P Tomio Ikeda D Miyuki Kuwano, Fumio Watanabe, Masahiko Tsugawa, Hiroshi Akutagawa, Kei Sato | JP | 107 min | 1:2,35 | f | 9. Oktober 1960
Labels:
Drama,
Erinnerung,
Kommunismus,
Nachkrieg,
Oshima,
Politik
3.8.60
Taiyo no hakaba (Nagisa Oshima, 1960)
Das Grab der Sonne
Asche zu Asche, Staub zu Staub, Müll zu Müll. Nagisa Oshimas beiläufig-brutale Ballade von der irdischen Höllenfahrt des Lumpenproletariats spielt unter Kriminellen, Prostituierten, Bettlern, krummen Geschäftemachern und durchgeknallten Veteranen in einem Slum von Osaka – hier im sozialen Off werden illegale Blutbanken ebenso ungerührt betrieben wie Raub und Menschenhandel, hier wird einer Leiche das Hemd vom totgeprügelten Körper gestohlen, hier wird der nächste Krieg als reinigendes Gewitter herbeigesehnt. In rauhen, ausdrucksstarken Scope-Bildern (Takashi Kawamata), zu denen ein spanisch anmutender, elegischer Gitarrenscore (Riichiro Manabe) in fruchtbarem Gegensatz steht, wird jede Hoffnung auf Erlösung verweigert: »Das Grab der Sonne« ist zwar längst ausgehoben, doch die sterbende Gesellschaft – sie stirbt nicht. Sie zuckt und zuckt in einem nichtendenwollenden Todeskampf.
R Nagisa Oshima B Nagisa Oshima, Toshiro Ishido K Takashi Kawamata M Riichiro Manabe A Koji Uno S Keiichi Uraoka P Tomio Ikeda D Masahiko Tsugawa, Kayoko Honoo, Isao Sasaki, Fumio Watanabe, Kamatari Fujiwara | JP | 87 min | 1:2,35 | f | 3. August 1960
Asche zu Asche, Staub zu Staub, Müll zu Müll. Nagisa Oshimas beiläufig-brutale Ballade von der irdischen Höllenfahrt des Lumpenproletariats spielt unter Kriminellen, Prostituierten, Bettlern, krummen Geschäftemachern und durchgeknallten Veteranen in einem Slum von Osaka – hier im sozialen Off werden illegale Blutbanken ebenso ungerührt betrieben wie Raub und Menschenhandel, hier wird einer Leiche das Hemd vom totgeprügelten Körper gestohlen, hier wird der nächste Krieg als reinigendes Gewitter herbeigesehnt. In rauhen, ausdrucksstarken Scope-Bildern (Takashi Kawamata), zu denen ein spanisch anmutender, elegischer Gitarrenscore (Riichiro Manabe) in fruchtbarem Gegensatz steht, wird jede Hoffnung auf Erlösung verweigert: »Das Grab der Sonne« ist zwar längst ausgehoben, doch die sterbende Gesellschaft – sie stirbt nicht. Sie zuckt und zuckt in einem nichtendenwollenden Todeskampf.
R Nagisa Oshima B Nagisa Oshima, Toshiro Ishido K Takashi Kawamata M Riichiro Manabe A Koji Uno S Keiichi Uraoka P Tomio Ikeda D Masahiko Tsugawa, Kayoko Honoo, Isao Sasaki, Fumio Watanabe, Kamatari Fujiwara | JP | 87 min | 1:2,35 | f | 3. August 1960
3.6.60
Seishun zankoku monogatari (Nagisa Oshima, 1960)
Nackte Jugend
Ein Junge und ein Mädchen laufen mit rebellischen Gesichtern durch die Glitzerwelt des nächtlichen Tokio. Eher zufällig entdecken sie eine sprudelnde Geldquelle: Sie lockt lüsterne ältere Herren an, die von ihm brutal abgezogen werden. Nagisa Oshimas schroff-resigniertes Scope-Dossier portraitiert (in stechenden Farben und hektischen Bildern) eine Jugend, deren kriminelles Protestgebaren lediglich die Fortsetzung des Konformismus mit anderen Mitteln ist. Zwar schwört sich das (auto-)aggressive Paar – gegen die Zweifel der traurigen Alten – ewige Treue, aber die aus ihrem Liebesversuch gewonnene Erkenntnis ist ebenso bitter wie klar: Ganz egal ob zusammen oder allein, der Mensch muß sich (und/oder andere) verkaufen, wenn er überleben will – und das Teilen dieses Leides bedeutet nicht seine Halbierung sondern seine Verdoppelung. PS: Das letzte Bild des Films vereint den Jungen und das Mädchen dann doch noch. Endgültig.
R Nagisa Oshima B Nagisa Oshima K Takashi Kawamata M Riichiro Manabe A Koji Uno S Keiichi Uraoka P Tomio Ikeda D Yûsuke Kawazu, Miyuki Kuwano, Yoshiko Kuga, Fumio Watanabe, Shinji Tanaka | JP | 96 min | 1:2,35 | f | 3. Juni 1960
Ein Junge und ein Mädchen laufen mit rebellischen Gesichtern durch die Glitzerwelt des nächtlichen Tokio. Eher zufällig entdecken sie eine sprudelnde Geldquelle: Sie lockt lüsterne ältere Herren an, die von ihm brutal abgezogen werden. Nagisa Oshimas schroff-resigniertes Scope-Dossier portraitiert (in stechenden Farben und hektischen Bildern) eine Jugend, deren kriminelles Protestgebaren lediglich die Fortsetzung des Konformismus mit anderen Mitteln ist. Zwar schwört sich das (auto-)aggressive Paar – gegen die Zweifel der traurigen Alten – ewige Treue, aber die aus ihrem Liebesversuch gewonnene Erkenntnis ist ebenso bitter wie klar: Ganz egal ob zusammen oder allein, der Mensch muß sich (und/oder andere) verkaufen, wenn er überleben will – und das Teilen dieses Leides bedeutet nicht seine Halbierung sondern seine Verdoppelung. PS: Das letzte Bild des Films vereint den Jungen und das Mädchen dann doch noch. Endgültig.
R Nagisa Oshima B Nagisa Oshima K Takashi Kawamata M Riichiro Manabe A Koji Uno S Keiichi Uraoka P Tomio Ikeda D Yûsuke Kawazu, Miyuki Kuwano, Yoshiko Kuga, Fumio Watanabe, Shinji Tanaka | JP | 96 min | 1:2,35 | f | 3. Juni 1960
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