Was geschah wirklich mit Baby Jane?
Unsere Leichen leben noch: Bette Davis und Joan Crawford, deren Pfirsichblüte gefühlte 100.000 Flaschen Champagner (bzw. Pepsi Cola) zurückliegt, in einer vulgär-expressionistischen Showbiz-Horror-Burleske. Robert Aldrich exemplifiziert an der Geschichte zweier alt gewordener Ex-Stars, der in verzehrendem Haß miteinander verschraubten Hudson-Schwestern – Baby Jane (das kindisch-blonde Gift) und Blanche (die brünette (nicht ganz so unschuldige) Unschuld) –, Oscar Levants Schmähruf auf die Traumfabrik: »Behind the phony tinsel of Hollywood lies the real tinsel.« Während Baby Jane, umfangen von Schall und Wahn (vor allem Wahn) des längst vergangenen Ruhms, in den Ruinen ihrer glänzenden Vergangenheit lebt, sitzt die einst schönere und begabtere Blanche, der psychotischen Schwester hilflos ausgeliefert, gelähmt im Rollstuhl (und muß sich auch schon mal eine gebratene Ratte servieren lassen). In einer grauenhaft komischen Sado-Maso-Geisterbahnfahrt durch Schuld, Lebenslügen und (Zicken-)Terror werden die offenen Rechnungen des blutsverwandten Alptraumpaares immer wieder neu beglichen.
R Robert Aldrich B Lukas Heller V Henry Farrell K Ernest Haller M Frank De Vol A William Glasgow S Michael Luciano P Robert Aldrich D Bette Davis, Joan Crawford, Victor Buono, Wesley Addy, Maidie Norman | USA | 134 min | 1:1,85 | sw | 26. Oktober 1962
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26.5.54
Johnny Guitar (Nicholas Ray, 1954)
Wenn Frauen hassen
Eine Westernlandschaft. Ein Mann reitet ins Bild. Im Hintergrund explodiert ein Berg – später ist zu erfahren, daß die Trasse der Eisenbahn durchs Terrain gesprengt wird. »Johnny Guitar« erzählt von existenzieller (aber auch selbstgewählter) Einsamkeit (»I’m a stranger here myself.«) in einer Welt des unaufhaltsamen Umbruchs. Nicholas Ray malt die Geschichte von Vienna, die dem Abenteuer der Zukunft die Türen ihres Saloons öffnet, und von Emma Small, deren Ängste und Verletzungen zu titanischem Haß komprimiert sind, als große Oper in fiebrigen Farben – Joan Crawford läßt dabei Hollywood weit hinter sich und gibt eine Vorahnung von Maria Callas bei Pasolini, Mercedes McCambridge reduziert sich wirkungsvoll auf eine irre lachende Fratze des Zorns. Männer (der von Sterling Hayden (nicht ohne Grund etwas lustlos) verkörperte Titelheld des Films inbegriffen) dienen hier bestenfalls als Auslöser der Raserei und stellen lediglich die Hilfstruppen eines von Frauen angezettelten und ausgefochtenen Gefühlskrieges – bei dessen Inszenierung Ray im übrigen keinerlei Scheu vor exaltierter Überdeutlichkeit zeigt. Die Szene, in der Vienna, in einem üppigen weißen Kleid vor einer roten Felswand sitzend, Klavier spielt, während sie die, an Totenvögel gemahnenden, schwarzgekleideten Häscher um Emma erwartet, mag dafür ein Beispiel geben: »I'm going to kill you.« – »I know. If I don't kill you first.«
R Nicholas Ray B Philip Yordan V Roy Chanslor K Harry Stradling M Victor Young A James Sullivan S Richard L. Van Enger P Herbert J. Yates D Joan Crawford, Sterling Hayden, Mercedes McCambridge, Ward Bond, Ernest Borgnine | USA | 110 min | 1:1,37 | f | 26. Mai 1954
Eine Westernlandschaft. Ein Mann reitet ins Bild. Im Hintergrund explodiert ein Berg – später ist zu erfahren, daß die Trasse der Eisenbahn durchs Terrain gesprengt wird. »Johnny Guitar« erzählt von existenzieller (aber auch selbstgewählter) Einsamkeit (»I’m a stranger here myself.«) in einer Welt des unaufhaltsamen Umbruchs. Nicholas Ray malt die Geschichte von Vienna, die dem Abenteuer der Zukunft die Türen ihres Saloons öffnet, und von Emma Small, deren Ängste und Verletzungen zu titanischem Haß komprimiert sind, als große Oper in fiebrigen Farben – Joan Crawford läßt dabei Hollywood weit hinter sich und gibt eine Vorahnung von Maria Callas bei Pasolini, Mercedes McCambridge reduziert sich wirkungsvoll auf eine irre lachende Fratze des Zorns. Männer (der von Sterling Hayden (nicht ohne Grund etwas lustlos) verkörperte Titelheld des Films inbegriffen) dienen hier bestenfalls als Auslöser der Raserei und stellen lediglich die Hilfstruppen eines von Frauen angezettelten und ausgefochtenen Gefühlskrieges – bei dessen Inszenierung Ray im übrigen keinerlei Scheu vor exaltierter Überdeutlichkeit zeigt. Die Szene, in der Vienna, in einem üppigen weißen Kleid vor einer roten Felswand sitzend, Klavier spielt, während sie die, an Totenvögel gemahnenden, schwarzgekleideten Häscher um Emma erwartet, mag dafür ein Beispiel geben: »I'm going to kill you.« – »I know. If I don't kill you first.«
R Nicholas Ray B Philip Yordan V Roy Chanslor K Harry Stradling M Victor Young A James Sullivan S Richard L. Van Enger P Herbert J. Yates D Joan Crawford, Sterling Hayden, Mercedes McCambridge, Ward Bond, Ernest Borgnine | USA | 110 min | 1:1,37 | f | 26. Mai 1954
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