Noch einmal inszeniert Kurt Hoffmann die Justizkomödie »Hokuspokus« von Curt Goetz, wobei er sich weniger geschmackssicher zeigt als bei seiner ersten Adaption 13 Jahre zuvor: Ein überflüssiger Prolog breitet Nebenumstände der zu verhandelnden Tat aus (wenn es denn überhaupt eine »Tat« gibt) und verzögert den Einstieg in die eigentliche Handlung; weder der gutbürgerlich-onkelhafte Heinz Rühmann noch die affektiert-neckische Liselotte Pulver treffen den weltläufigen Goetz-Ton. Hohen visuellen Reiz entfaltet indes das von Otto Pischinger entworfene Bühnenbild, das für Außen- und Innenszenen des Stücks eine gleichermaßen modernistisch-artifizielle Kulissenwelt schafft und das Lustspiel um hypothetische Tatsachen und tatsächliche Hypothesen stellenweise in eine schicke Rechtsgroteske verwandelt. Helmut Käutners verspielte Scribe-Verfilmung »Das Glas Wasser« (1960) oder die antiillusionistischen Ausstattungen zeitgenössischer Fernsehspiele mögen hier Pate gestanden haben.
R Kurt Hoffmann B Eberhard Keindorff, Johanna Sibelius V Curt Goetz K Richard Angst M Franz Grothe A Otto Pischinger S Dagmar Hirtz P Hans Domnick, Heinz Angermeyer D Heinz Rühmann, Liselotte Pulver, Fritz Tillmann, Richard Münch, Stefan Wigger | BRD | 100 min | 1:1,66 | f | 12. August 1966
# 816 | 19. Dezember 2013
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12.8.66
15.12.61
One, Two, Three (Billy Wilder, 1961)
Eins, zwei, drei
»Is everybody in this world corrupt?« – »I don't know everybody.« Berlin, der Nabel des Kalten Krieges, kurz vor der (fürs erste) endgültigen Abdichtung des Eisernen Vorhangs (»The situation is hopeless, but not serious.«): Während Coca-Cola nach Osten expandieren will, verführen die Roten (ohne Unterwäsche!) die schönsten Frauen der freien Welt. Dazu noch Umlautunterricht, Säbeltanz und verschiedenfarbige Brüste in gepunkteten Kleidern. Bei einem mopsfidelen Abend im Grand Hotel Wilder (»It used to be the Grand Hotel Göring, and before that, it was the Grand Hotel Bismarck.«) vermittelt »One, Two, Three« nicht nur alles, was man über Kapitalismus (»… is like a dead herring in the moonlight. It shines, but it stinks.«) und Kommunismus (»No comment!«) wissen muß – der Film ist auch ein lohnendes Studienobjekt für perfektes Komödientiming: Cagney! Pulver!! »Schlemmer!!!« PS: Nicht zu vergessen: Hotte Ludwig Piffl (der ideale Schwiegersohn) und Graf Hubsi von Droste-Schattenburg (aus einem uralten Geschlecht von Blutern).
R Billy Wilder B Billy Wilder, I. A. L. Diamond V Ferenc Molnár K Daniel L. Fapp M André Previn A Alexandre Trauner S Daniel Mandell P Billy Wilder D James Cagney, Horst Buchholz, Pamela Tiffin, Arlene Francis, Liselotte Pulver | USA | 115 min | 1:2,35 | sw | 15. Dezember 1961
»Is everybody in this world corrupt?« – »I don't know everybody.« Berlin, der Nabel des Kalten Krieges, kurz vor der (fürs erste) endgültigen Abdichtung des Eisernen Vorhangs (»The situation is hopeless, but not serious.«): Während Coca-Cola nach Osten expandieren will, verführen die Roten (ohne Unterwäsche!) die schönsten Frauen der freien Welt. Dazu noch Umlautunterricht, Säbeltanz und verschiedenfarbige Brüste in gepunkteten Kleidern. Bei einem mopsfidelen Abend im Grand Hotel Wilder (»It used to be the Grand Hotel Göring, and before that, it was the Grand Hotel Bismarck.«) vermittelt »One, Two, Three« nicht nur alles, was man über Kapitalismus (»… is like a dead herring in the moonlight. It shines, but it stinks.«) und Kommunismus (»No comment!«) wissen muß – der Film ist auch ein lohnendes Studienobjekt für perfektes Komödientiming: Cagney! Pulver!! »Schlemmer!!!« PS: Nicht zu vergessen: Hotte Ludwig Piffl (der ideale Schwiegersohn) und Graf Hubsi von Droste-Schattenburg (aus einem uralten Geschlecht von Blutern).
R Billy Wilder B Billy Wilder, I. A. L. Diamond V Ferenc Molnár K Daniel L. Fapp M André Previn A Alexandre Trauner S Daniel Mandell P Billy Wilder D James Cagney, Horst Buchholz, Pamela Tiffin, Arlene Francis, Liselotte Pulver | USA | 115 min | 1:2,35 | sw | 15. Dezember 1961
15.12.60
Das Spukschloß im Spessart (Kurt Hoffmann, 1960)
»Alles spukt auf mein Kommando!« Kurt Hoffmanns Sequel zum süffisanten »Wirtshaus im Spessart« wirft zwar jede Menge Talent – neben Darstellern wie Curt Bois, Paul Esser, Hubert von Meyerinck, Lilo Pulver, Hanne Wieder vor allem Friedrich Hollaender (Musik), Hein Heckroth (Bauten) und Theo Nischwitz (Effekte) – in die filmische Wagschale, doch das Ergebnis fällt einigermaßen geriatrisch aus. Die müden Gespenster des Adenauerkinos reißen flaue Witze über die wirtschaftswunderliche Bundesrepublik, versetzen dem deutschen Nachkriegsmilitarismus ein paar sanfte Stiche und liefern eine umständliche Veralberung des neonationalistischen Staatstheaters im Treibhaus Bonn. Apropos Bonn: »Es war alles morsch, es war alles alt.« (Wolfgang Koeppen)
R Kurt Hoffmann B Heinz Pauck, Günter Neumann K Günther Anders M Friedrich Hollaender A Hein Heckroth S Hilwa von Boro P Georg Witt D Liselotte Pulver, Heinz Baumann, Georg Thomalla, Hubert von Meyerinck, Hans Clarin, Curt Bois | BRD | 101 min | 1:1,66 | f | 15. Dezember 1960
R Kurt Hoffmann B Heinz Pauck, Günter Neumann K Günther Anders M Friedrich Hollaender A Hein Heckroth S Hilwa von Boro P Georg Witt D Liselotte Pulver, Heinz Baumann, Georg Thomalla, Hubert von Meyerinck, Hans Clarin, Curt Bois | BRD | 101 min | 1:1,66 | f | 15. Dezember 1960
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5.6.60
Das Glas Wasser (Helmut Käutner, 1960)
»Ein reinliches Gewissen / ist ein sanftes Ruhekissen. / Wie schön, wenn du moralisch bist, / doch keiner will es wissen.« Amourös-musikalisches Lust- und Intrigenspiel am Hofe der britischen Königin Anne: die konservative Herzogin von Marlborough (Hilde Krahl) und der liberale Zeitungsmann Henry St. John (Gustaf Gründgens) wetteifern um politischen Einfluß auf die schwache Majestät (Liselotte Pulver). Mittels launiger Couplets, marionettenhaft agierender Darsteller und ultrastilisierter Kulissen in weiß-goldenem Zuckerbäcker-Modernismus (Bau: Herbert Kirchhoff und Albrecht Becker) frisiert Helmut Käutner die gutgebaute Komödie des französischen Dramatikers Eugène Scribe zur preziösen Kabarettrevue, die ohne übertriebene Tiefgründigkeit Fragen von Krieg und Frieden, Macht und Gefühl, individuellen Interessen und öffentlicher Meinung verhandelt. Wichtiger als die großen Themen sind allemal die von allen Seiten des Stücks (hinter-)listig instrumentalisierten Liebeshändel um einen schmucken Gardeoffizier und ein reizendes Kammerkätzchen. Ein sympathischer filmischer Bluff auf glattem Studioparkett.
R Helmut Käutner B Helmut Käutner, Willibald Eser V Eugène Scribe K Günther Anders M Bernhard Eichhorn A Herbert Kirchhoff, Albrecht Becker S Klaus Dudenhöfer P Georg Richter D Gustaf Gründgens, Hilde Krahl, Liselotte Pulver, Sabine Sinjen, Horst Janson | BRD | 83 min | 1:1,66 | f | 5. Juni 1960
# 1149 | 2. Februar 2019
R Helmut Käutner B Helmut Käutner, Willibald Eser V Eugène Scribe K Günther Anders M Bernhard Eichhorn A Herbert Kirchhoff, Albrecht Becker S Klaus Dudenhöfer P Georg Richter D Gustaf Gründgens, Hilde Krahl, Liselotte Pulver, Sabine Sinjen, Horst Janson | BRD | 83 min | 1:1,66 | f | 5. Juni 1960
# 1149 | 2. Februar 2019
20.11.59
Buddenbrooks – II. Teil (Alfred Weidenmann, 1959)
Alfred Weidenmanns Verfilmung der »Buddenbrooks« überzeugt weder als künstlerisch geglückte Transponierung des Erzählstoffes in ein anderes Medium noch als reine Inhaltsangabe: Nachdem schon die joviale Großelterngeneration des Romans komplett aus der Leinwandadaption gestrichen wurde, verkürzt der zweite Teil das Leben des kleinen Hanno, reduziert den Letzten des Stammes zur gescheiterten Hoffnung seines Vaters Thomas (der den ungeratenen Sohn, anders als im Buch, überlebt). Die Besetzungsliste wartet mit großen Namen auf, doch Hansjörg Felmys gequälter Dackelblick läßt so wenig hanseatisches Patriziertum ahnen wie Liselotte Pulvers honigkuchenpferdige Einfalt oder Lil Dagovers überlagerte Kurfürstendamm-Mondänität in der Rolle Konsulin; Nadja Tiller hat schlicht zu wenig Zeit, die über und neben den Dingen des Lebens schwebende Gerda zu entwickeln; allein Hanns Lothar gelingt es, das Wesen eines Charakters, Christians hoffnungslos-lustige Melancholie, spürbar zu machen. Interessant ist eine formale Parallele zum ersten Teil des Films: Wieder gibt es eine (einzige) sommerliche Freiluftszene – Thomas’ Kutschfahrt durch wogendes Getreide, das er auf dem Halm zum Schnäppchenpreis zu kaufen gedenkt –, wieder führt die lichtdurchflutete Außenaufnahme auf direktem Wege in den (diesmal geschäftlichen) Mißerfolg.
R Alfred Weidenmann B Erika Mann, Harald Braun, Jacob Geis V Thomas Mann K Friedel Behn-Grund M Werner Eisbrenner A Robert Herlth S Caspar van den Berg P Hans Abich D Lil Dagover, Liselotte Pulver, Hansjörg Felmy, Nadja Tiller, Hanns Lothar, Günther Lüders | BRD | 107 min | 1:1,37 | sw | 20. November 1959
# 823 | 6. Januar 2014
R Alfred Weidenmann B Erika Mann, Harald Braun, Jacob Geis V Thomas Mann K Friedel Behn-Grund M Werner Eisbrenner A Robert Herlth S Caspar van den Berg P Hans Abich D Lil Dagover, Liselotte Pulver, Hansjörg Felmy, Nadja Tiller, Hanns Lothar, Günther Lüders | BRD | 107 min | 1:1,37 | sw | 20. November 1959
# 823 | 6. Januar 2014
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11.11.59
Buddenbrooks – I. Teil (Alfred Weidenmann, 1959)
Nicht den »Verfall einer Familie« schildert Alfred Weidenmanns Adaption des Jahrhundertromans von Thomas Mann, statt von schwindender Lebenstüchtigkeit bei gleichzeitiger musischer Verfeinerung über vier Generationen hinweg erzählt die Verfilmung (ohne viel gesellschaftliches Bewußtsein) vom Scheitern dreier Geschwister aus großbürgerlichem Hause, die die Last ihres Erbes nicht zu tragen wissen: Thomas (Hansjörg Felmy) versagt als Geschäftsmann und Vater, Tony (Liselotte Pulver) verfehlt im Standesdünkel die Liebe; ihr Bruder Christian (Hanns Lothar) verweigert sich gleich ganz, flieht erst hinaus in die Welt, dann in den Suff und weiter in die geistige Umnachtung. Bemerkenswert hermetisch sind die von Robert Herlth gebauten Kulissen: leere Wände, schwere Möbel, wenige Durchblicke, fast keine Aussicht nach draußen – Räume wie Gruften, in denen alles Leben begraben liegt. (Das im Zweiten Weltkrieg stark zerstörte) Lübeck erscheint in engen Ausschnitten von Fassaden und Giebeln, in Architekturfragmenten, aus denen sich keine Stadt zusammensetzen will. Alles macht den Eindruck des Ungelüfteten, Verbauten, Sterilen. Weidenmann trifft kaum je den Ton der Vorlage; von Mannscher Ironie zeugt immerhin jene Sequenz, die (als beinahe einzige Freiluftszene des Films) Tonys zukunftslose Begegnung mit einem revolutionären Medizinstudenten in strahlend sonniges Tageslicht taucht.
R Alfred Weidenmann B Erika Mann, Harald Braun, Jacob Geis V Thomas Mann K Friedel Behn-Grund M Werner Eisbrenner A Robert Herlth S Caspar van den Berg P Hans Abich D Werner Hinz, Lil Dagover, Liselotte Pulver, Hansjörg Felmy, Hanns Lothar, Robert Graf | BRD | 99 min | 1:1,37 | sw | 11. November 1959
# 822 | 6. Januar 2014
R Alfred Weidenmann B Erika Mann, Harald Braun, Jacob Geis V Thomas Mann K Friedel Behn-Grund M Werner Eisbrenner A Robert Herlth S Caspar van den Berg P Hans Abich D Werner Hinz, Lil Dagover, Liselotte Pulver, Hansjörg Felmy, Hanns Lothar, Robert Graf | BRD | 99 min | 1:1,37 | sw | 11. November 1959
# 822 | 6. Januar 2014
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15.1.58
Das Wirtshaus im Spessart (Kurt Hoffmann, 1958)
»Ach, das könnte schön sein / als friedlicher Bürger / ein ehrbares Leben / zu Haus zu beschließen.« Kurt Hoffmann reflektiert in Form eines biedermeierlichen Singspiels die Wechselwirkung von Ehrbarkeit und Verbrechen. In gewisser Weise hält sein Film der Nation, die kurz zuvor noch mordend und brandschatzend über einen ganzen Kontinent herfiel, um sich eine Weltsekunde später gemütlich bei Eierlikör und Buttercremetorte im Gelsenkirchener Barock einzurichten, einen hübsch verschnörkelten Spiegel vor. Lilo Pulver (als kecke Komteß), Carlos Thompson (als schneidiger Räuberhauptmann), Hubsi von Meyerinck (als blasierter Kommißkopp) sowie, nicht zu vergessen, Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller als Banditen mit Drang zu Ruhe und Frieden – sie alle glänzen doppelbödig in dieser heiter-ruchlosen Apotheose der Harmlosigkeit.
R Kurt Hoffmann B Heinz Pauck, Luiselotte Enderle V Wilhelm Hauff K Richard Angst M Franz Grothe A Robert Herlth S Claus von Boro P Georg Witt D Liselotte Pulver, Carlos Thompson, Günther Lüders, Rudolf Vogel, Hubert von Meyerinck | BRD | 99 min | 1:1,66 | f | 15. Januar 1958
R Kurt Hoffmann B Heinz Pauck, Luiselotte Enderle V Wilhelm Hauff K Richard Angst M Franz Grothe A Robert Herlth S Claus von Boro P Georg Witt D Liselotte Pulver, Carlos Thompson, Günther Lüders, Rudolf Vogel, Hubert von Meyerinck | BRD | 99 min | 1:1,66 | f | 15. Januar 1958
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24.4.57
Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (Kurt Hoffmann, 1957)
»Eine der hoffnungsreichsten Lebenslagen ist die, wenn es uns so schlecht geht, daß es uns nicht mehr schlechter gehen kann.« Thomas Manns sprachlich hochgestelzter, die Grenzen der Selbstparodie immer wieder fröhlich überschreitender Schelmenroman über den glücksritterlichen Sohn eines fallierten Schaumweinfabrikanten aus dem Rheingau wird von Kurt Hoffmann zu einer charmant-harmlosen Komödie verarbeitet, die sich weniger für die gesellschaftlichen als für die amourösen (und von Drehbuchautor Robert Thoeren dazuerfundenen kriminalistischen) Abenteuer des attraktiven Sonntagskindes in Grand Hotels, Nachtlokalen und Luxuszügen der Belle Époque interessiert. Horst Buchholz (in der Titelrolle) gibt rein äußerlich weiß Gott keinen Thomas-Mann-Helden ab – andererseits ist es gut vorstellbar, daß der durchkultivierte hanseatische Patrizier genau für so einen bildungsfernen, wohlgeformten Jungen glühend geschwärmt hätte … Zudem sorgt eine stattliche Zahl imposanter Chargen für gehobenes Amüsement: Paul Henckels (Pate Schimmelpreester) und Paul Dahlke (Professor Kuckuck), Liselotte Pulver (Zaza) und Ingrid Andree (Zouzou) sowie Walter Rilla als Lord Kilmarnock (das krypto-schwule Wunsch-Alter-Ego des Dichters), der den hübschen Felix nur zu gerne in seine Dienste nehmen würde.
R Kurt Hoffmann B Robert T. Thoeren, Erika Mann V Thomas Mann K Friedl Behn-Grund M Hans-Martin Majewski A Robert Herlth S Caspar van der Berg P Hans Abich D Horst Buchholz, Liselotte Pulver, Ingrid Andree, Susi Nicoletti, Paul Dahlke | BRD | 107 min | 1:1,37 | sw | 24. April 1957
R Kurt Hoffmann B Robert T. Thoeren, Erika Mann V Thomas Mann K Friedl Behn-Grund M Hans-Martin Majewski A Robert Herlth S Caspar van der Berg P Hans Abich D Horst Buchholz, Liselotte Pulver, Ingrid Andree, Susi Nicoletti, Paul Dahlke | BRD | 107 min | 1:1,37 | sw | 24. April 1957
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16.4.57
Die Zürcher Verlobung (Helmut Käutner, 1957)
»Ich produziere auch nicht gerne Schnulzen.« Umständlich-romantische Verwicklungskomödie unter Filmfuzzis, Zahnärzten und lilagespülten Schweizer Damen (und Pudeln). Helmut Käutner stichelt anfangs gegen die alten Leiern des Adenauer-Kintopp, macht im folgenden aber eigentlich auch nichts anderes (»Ja, ich glaube, so etwas sehen die Leute immer wieder gern.«) – er verpackt die rosarot-himmelblaue Einfalt allerdings in viel Selbstironie, und statt eines gutaussehenden Försters mit Reh bietet er einen gutaussehenden Arzt (Paul Hubschmid) mit Büffel (Bernhard Wicki): Liselotte Pulver (als beziehungsnotleidende Unterhaltungsschriftstellerin, die nach eigenen Erlebnissen ein Drehbuch verfaßt) glaubt den höflichen Hubschmid zu lieben, kriegt aber den rauhbautzigen Wicki, dem sie in Wirklichkeit zugetan ist, auch wenn sie es hundert Minuten lang nicht wahrhaben wollte – das alles mit viel Berg, viel Schnee, viel Hüttenzauber (»Ja, ja, die Liebe in der Schweiz«). Nett: Werner Finck spielt einen Zahnarzt, der den Nerv trifft, Rudolf Platte spielt Herrn Uri (nach dem gleichnamigen Kanton), Sonja Ziemann spielt Sonja Ziemann, die im Film, der im Film gedreht wird, die Rolle von Liselotte Pulver spielt, und Käutner spielt einen Reporter, der es nicht gut findet, wenn ein Regisseur in seinem eigenen Film mitspielt.
R Helmut Käutner B Heinz Pauck, Helmut Käutner V Barbara Noack K Heinz Pehlke M Michael Jary A Herbert Kirchhoff, Albrecht Becker S Klaus Dudenhöfer P Walter Koppel D Liselotte Pulver, Paul Hubschmid, Bernhard Wicki, Wolfgang Lukschy, Werner Finck, Sonja Ziemann | BRD | 106 min | 1:1,37 | f | 16. April 1957
30.8.56
Heute heiratet mein Mann (Kurt Hoffmann, 1956)
Kurt Hoffmann verlegt seine Adaption des Romans der exilierten Wienerin Annemarie Selinko aus dem Kopenhagen des Spätsommers 1939 ins Hamburg der Wirtschaftswunderjahre. Von den zeithistorischen Bezügen der Vorlage (Siegeszug des Nationalsozialismus, Beginn des Zweiten Weltkriegs) befreit, widmet sich die heitere Romanze mit bisweilen lubitschhafter Nonchalance den Liebeswirren zwischen der quirlig-unbekümmerten Modezeichnerin Thesi (Liselotte Pulver), die es fertigbringt, in einem winzigen Täschchen zwei Opernkarten zu verkramen, und dem väterlich-pedantischen Architekten Robert (Johannes Heersters), der die Dame(n) seines Herzens mit artiger Anzüglichkeit »Bumsi« zu nennen pflegt. Einige Zeit nach der einvernehmlichen Scheidung aufgrung wechselseitiger Enttäuschung erfährt Thesi – zufällig beim Zahnarzt – von Roberts neuerlichen Verlobung, bändelt flott mit eins, zwei, drei Herren an, von denen sie einen (Paul Hubschmid als gefälliger Diplomat) beinahe heiratet, bevor sie – nach einem sechswöchigen Scharlach-Intermezzo – erwartungsgemäß zu ihrem Ex zurückfindet. Wie die Heldin experimentiert Hoffmanns bundesdeutsche Variation einer »comedy of remarriage« kokett mit der Flatterhaftigkeit, um zu guter Letzt in den Hafen der Stabilität einzulaufen – nicht ohne nahezulegen, das, was sich in Partnerschaften abspielt, so leicht wie möglich zu nehmen, denn »in der Ehe bleibt man immer zwei Herzen und zwei Seelen«.
R Kurt Hoffmann B Johanna Sibelius, Eberhard Keindorff V Annemarie Selinko K Günther Anders M Hans-Martin Majewski A Robert Herlth S Gertrud Hinz P Georg Witt D Liselotte Pulver, Johannes Heesters, Paul Hubschmid, Charles Regnier, Gustav Knuth | BRD | 95 min | 1:1,37 | sw | 30. August 1956
# 1071 | 21. August 2017
R Kurt Hoffmann B Johanna Sibelius, Eberhard Keindorff V Annemarie Selinko K Günther Anders M Hans-Martin Majewski A Robert Herlth S Gertrud Hinz P Georg Witt D Liselotte Pulver, Johannes Heesters, Paul Hubschmid, Charles Regnier, Gustav Knuth | BRD | 95 min | 1:1,37 | sw | 30. August 1956
# 1071 | 21. August 2017
29.12.55
Ich denke oft an Piroschka (Kurt Hoffmann, 1955)
Piroschkas unvergeßliches »Geh’, Andi, mach Signal!« ist das »Baise-moi!« der deutschen 1950er Jahre: Jungs und Mädchen fallen (noch) nicht übereinander her, bevor sie ihre Namen kennen; vielmehr scharwenzeln sie einen unendlichen Sommerurlaub lang umeinander herum, bevor es zum Letzten kommt – so wie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch zwischen der reizenden Tochter des Stationsvorstehers aus dem kleinen Puszta-Kaff und dem netten deutschen Austauschstudenten (Gunnar Möller). Natürlich nicht vor dem Auge der diskreten Kamera (Richard Angst), sondern gut versteckt im hohen Gras des Bahndamms. So idyllisch-verträumt wie in Kurt Hoffmanns ungarischer Romanze wird es wohl nie wieder. Das ist – verdammt nochmal! – schade. Und auch wenn Lilo Pulvers barfüßige Piri zu keinem Zeitpunkt aussieht wie süße 17: Hódmezövásárhelykutaspuszta forever!
R Kurt Hoffmann B Per Schwenzen, Hugo Hartung V Hugo Hartung K Richard Angst M Franz Grothe A Ludwig Reiber S Claus von Boro P Georg Witt D Liselotte Pulver, Gunnar Möller, Wera Frydtberg, Gustav Knuth, Rudolf Vogel | BRD | 96 min | 1:1,37 | f | 29. Dezember 1955
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Romanze,
Ungarn
27.11.53
Ich und Du (Alfred Weidenmann, 1953)
Screwball-Schnulze, deren erstaunlich flotte Dialoge (Drehbuch: Herbert Reinecker) von Alfred Weidenmann kurzweilig in Szene gesetzt werden. Lilo Pulver als kesse Schallplattenverkäuferin, Hardy Krüger als adretter Mitarbeiter einer Fluggesellschaft: Die beiden pfeifen sich gegenseitig einen Schlager vor, verlieben sich darüber und heiraten; dann lernen sie sich kennen und lassen sich prompt wieder scheiden … Die Nachkriegszeit greift äußerlich nur mittelbar ins Geschehen ein, etwa in Form der allgemeinen Wohnungsknappheit, die das junge Paar auch nach der Trennung als Nachbarn in hellhörigen Nebenzimmern festhält; die innere Disposition der Protagonisten allerdings, die emotionale Sachlichkeit, die barsche Ungeduld in Gefühls- und Lebensfragen, gibt eine Ahnung von den (nicht nur) seelischen Verlusten, die diese Generation wenige Jahre zuvor erlitten hat. PS: Die Dramaturgie zeigt sich romantischer als die verbohrten Hauptfiguren und stiftet eine zweite (vielleicht bessere, eventuell verständnisvollere) Ehe.
R Alfred Weidenmann B Herbert Reinecker, Alfred Weidenmann V Christian Bock K Franz Weihmayr M Lothar Brühne S Erhard Hans Albrecht P F. A. Mainz, Willy Zeyn D Hardy Krüger, Liselotte Pulver, Lucie Mannheim, Claus Biederstaedt, Peer Schmidt | BRD | 94 min | 1:1,37 | sw | 27. November 1953
R Alfred Weidenmann B Herbert Reinecker, Alfred Weidenmann V Christian Bock K Franz Weihmayr M Lothar Brühne S Erhard Hans Albrecht P F. A. Mainz, Willy Zeyn D Hardy Krüger, Liselotte Pulver, Lucie Mannheim, Claus Biederstaedt, Peer Schmidt | BRD | 94 min | 1:1,37 | sw | 27. November 1953
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