15.12.44

Große Freiheit Nr. 7 (Helmut Käutner, 1944)

»Beim ersten Mal da tut’s noch weh …« Schauplatz des Films ist ein (größtenteils im Atelier nacherfundenes) ideales Hamburg: Wellen und Wolken, Schiffe und Kräne, Matrosen und Mädchen, Segel und Dampf, wabernde Reflexe an Mauern und Zimmerdecken: eine Traumstadt, gemalt in schönstem Agfacolor (Kamera: Werner Krien). Irgendwo zwischen Hafenrundfahrt und Amüsierschuppen, auf dem Weg von St. Pauli nach Blankenese und wieder zurück, entwickelt sich, aus der von Helmut Käutner empfindsam gestalteten idyllisch-fernwehen Atmosphäre, die Hand­lung: eine Romanze, ein Melodram, eine Geschichte von Wünschen und Abschied, von Stranden und Freisegeln. Die Konstellation ist bekannt: eine Frau und zwei Männer – in diesem Fall die an die Elbe zugereiste Gisa (jung und schön und gar nicht so hilflos: Ilse Werner) zwischen dem Werftarbeiter Willem (lässig: Hans Söhnker) und dem »singenden Seemann« Hannes Kröger (mit Glanzlichtern auf den blauen Augen: Hans Albers), der im ›Hippodrom‹ als »Animierfritze« allabendlich für Stimmung sorgt. Hannes, ein zwanghaft-lustiger Vergnügungsautomat, die »Große Freiheit«, eine bittere Illusion, Gisa, ein Versprechen auf wirkliche Befreiung. Käutner erzählt auch über erodierende Vorstellungen von Männlichkeit, über zerbröckelnde (Selbst-)Sicherheit, über das Fremdwerden an der eigenen Person, darüber, wie ein Mensch sich verlieren kann, wenn er nicht mehr in seinem Element ist … Gisa entscheidet sich schließlich für das Glück mit der forschen Landratte, der Teerjacke bleibt immer noch die See: »La Paloma, ohe! / Einmal muß es vorbei sein!« Hannes kappt die Trossen, einsam zurück bleibt seine nicht mehr ganz taufrische Wirtin und Geliebte Anita (tieftraurig: Hilde Hildebrand), doch »… mit der Zeit, so peu à peu, gewöhnt man sich daran.«

R Helmut Käutner B Helmut Käutner, Richard Nicolas K Werner Krien M Werner Eisbrenner A Max Mellin, Gerhard Ladner S Anneliese Schönnenbeck P Hans Tost D Hans Albers, Ilse Werner, Hans Söhnker, Gustav Knuth, Hilde Hildebrand | D | 112 min | 1:1,37 | f | 15. Dezember 1944

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