Das große Rennen rund um die Welt
Eine Ouvertüre! (Wie vor einem Monumentalfilm.) Dann die Widmung: »To Mr. Laurel and Mr. Hardy«. Was folgt, ist, wie nach diesem Auftakt zu erwarten, der Versuch eines endgültigen Lustspiels, ein überdimensionales Slapstick-Epos, vergleichbar vielleicht nur mit Stanley Kramers ebenfalls völlig aus den gestalterischen Fugen geratener Superklamotte »It’s a Mad, Mad, Mad, Mad World«: ein Belle-Époque-Wagenrennen – (fast) rund um den Globus – von New York nach Paris, ein perlweiß funkelnder Siegertyp (›The Great Leslie‹: Tony Curtis), ein Antagonist, so schwarz wie die Bombe eines Anarchisten (›Professor Fate‹: Jack Lemmon), dazu ergebene Helfer (Keenan Wynn und Peter Falk) sowie eine selbstbewußte Suffragette (›Maggie Du Bois‹: Natalie Wood), die das Primat der männlichen Helden(-figuren) mit allen ihr zu Gebote stehenden körperlichen und intellektuellen Reizen in Frage stellt. Stummfilmfan und Kontrollfreak Blake Edwards schafft mit seinem besessen-minutiösen Nach- und Durchdeklinieren populärer Leinwandstandards – heulenden Indianer-Attacken und klirrenden Mantel-&-Degen-Duellen, romantischen Komplikationen und schwelgerischen Zerstörungsorgien, einer titanischen Saloonschlägerei und einer Tortenschlacht (natürlich handelt es sich nicht um »eine« Tortenschlacht, sondern um »the pie fight of the century«) – eine exaltiert-exorbitante roadshow, das Komödienäquivalent zu den hypertrophen Musicals der Epoche. Daß die Komik, trotz konsequent cartoonhafter Charakterzeichnung und kompromißlos überzeichneter Situationen, hin und wieder auf der (langen) Strecke bleibt, liegt wohl in der Natur der (aufgeblasenen) Sache: Subversion und Gigantismus gehen selten Hand in Hand. PS: »Push the button, Max!«
R Blake Edwards B Arthur A. Ross, Blake Edwards K Russell Harlan M Henry Mancini A Fernando Carrere S Ralph E. Winters P Martin Jurow D Jack Lemmon, Tony Curtis, Natalie Wood, Peter Falk, Keenan Wynn | USA | 160 min | 1:2,35 | f | 1. Juli 1965
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1.7.65
10.10.61
Splendor in the Grass (Elia Kazan, 1961)
Fieber im Blut
Eine Romanze. Ein Melodram. Ein Sittenbild. Der Ort: eine Kleinstadt im Mittleren Westen der USA. Die Zeit: das Jahr vor dem Great Crash von 1929. Deanie (Natalie Wood), Tochter eines kleinen Ladenbesitzers, und Bud (Warren Beatty), Sohn eines reichen Unternehmers, lieben sich, sind das schönste Paar der High School, könnten unsterblich glücklich sein – wären da nicht die anderen, vor allem die Eltern: Ihre besorgte Mutter (Audrey Christie) warnt die Tochter vor den Folgen der sexuellen Begierde (die Frauen sowieso nicht genießen könnten); sein fordernder Vater (Pat Hingle) beharrt, der Sohn würde noch eine Bessere finden (und solle seinen erotischen Dampf anderweitig ablassen). Die Drangsal äußert sich nicht in physischer Gewalt, sondern in penetranter moralisch-ideologischer Infiltration, in einer gutgemeint-teuflischen Mischung aus Zutexten und Weghören – eine (nicht nur) amerikanische Tragödie, die von den alten und jungen Darstellern in jenem intensiv-entfesselten ›Method‹-Modus präsentiert wird, dessen schweißtreibender Naturalismus gewöhnlich für große Schauspielkunst gilt. Elia Kazan (Regie) und William Inge (Drehbuch) durchschlagen den psychologisch-dramaturgischen Knoten aus eigenen und fremden, aus persönlichen und gesellschaftlichen Ansprüchen mit Hilfe einer inneren Katastrophe und eines historischen Desasters: Ein Nervenzusammenbruch und der Börsenkrach öffnen für Deanie und Bud die Tore zu Selbstgefühl und Autonomie. Die Trümmer des unsterblichen Glücks aber, das es in der Wirklichkeit, so wie sie ist, wohl nicht geben kann, werden, mit einiger Güte des Schicksals, zu Bausteinen eines abgeklärten Weiterlebens: »Though nothing can bring back the hour / Of splendour in the grass, of glory in the flower; / We will grieve not, rather find / Strenght in what remains behind.«
R Elia Kazan B William Inge K Boris Kaufman M David Amram A Richard Sylbert S Gene Mildford P Elia Kazan D Natalie Wood, Warren Beatty, Pat Hingle, Audrey Christie, Barbara Loden | USA | 124 min | 1:1,85 | f | 10. Oktober 1961
Eine Romanze. Ein Melodram. Ein Sittenbild. Der Ort: eine Kleinstadt im Mittleren Westen der USA. Die Zeit: das Jahr vor dem Great Crash von 1929. Deanie (Natalie Wood), Tochter eines kleinen Ladenbesitzers, und Bud (Warren Beatty), Sohn eines reichen Unternehmers, lieben sich, sind das schönste Paar der High School, könnten unsterblich glücklich sein – wären da nicht die anderen, vor allem die Eltern: Ihre besorgte Mutter (Audrey Christie) warnt die Tochter vor den Folgen der sexuellen Begierde (die Frauen sowieso nicht genießen könnten); sein fordernder Vater (Pat Hingle) beharrt, der Sohn würde noch eine Bessere finden (und solle seinen erotischen Dampf anderweitig ablassen). Die Drangsal äußert sich nicht in physischer Gewalt, sondern in penetranter moralisch-ideologischer Infiltration, in einer gutgemeint-teuflischen Mischung aus Zutexten und Weghören – eine (nicht nur) amerikanische Tragödie, die von den alten und jungen Darstellern in jenem intensiv-entfesselten ›Method‹-Modus präsentiert wird, dessen schweißtreibender Naturalismus gewöhnlich für große Schauspielkunst gilt. Elia Kazan (Regie) und William Inge (Drehbuch) durchschlagen den psychologisch-dramaturgischen Knoten aus eigenen und fremden, aus persönlichen und gesellschaftlichen Ansprüchen mit Hilfe einer inneren Katastrophe und eines historischen Desasters: Ein Nervenzusammenbruch und der Börsenkrach öffnen für Deanie und Bud die Tore zu Selbstgefühl und Autonomie. Die Trümmer des unsterblichen Glücks aber, das es in der Wirklichkeit, so wie sie ist, wohl nicht geben kann, werden, mit einiger Güte des Schicksals, zu Bausteinen eines abgeklärten Weiterlebens: »Though nothing can bring back the hour / Of splendour in the grass, of glory in the flower; / We will grieve not, rather find / Strenght in what remains behind.«
R Elia Kazan B William Inge K Boris Kaufman M David Amram A Richard Sylbert S Gene Mildford P Elia Kazan D Natalie Wood, Warren Beatty, Pat Hingle, Audrey Christie, Barbara Loden | USA | 124 min | 1:1,85 | f | 10. Oktober 1961
Labels:
20er Jahre,
Beatty,
Drama,
Familie,
Gesellschaft,
Jugend,
Kazan,
Kleinstadt,
Romanze,
Wood
27.10.55
Rebel Without a Cause (Nicholas Ray, 1955)
… denn sie wissen nicht, was sie tun
Pathetisches Jugend(melo)drama, das den Generationenkonflikt zwischen idealistischem (oder auch nihilistischem) Aufbegehren und indolenter (oder auch zynischer) Abgefucktheit zu zwei Nächten und einem Tag voller Klang und Wut verdichtet und dabei die ewige Problematik der Identitätsfindung Heranwachsender formuliert: »How can I grow up in a circus like that?« Es gibt einen Jungen (»You’re tearing me apart!«), der von seinem Vater keine Antworten bekommt, ein Mädchen (»Who lives?«), das von seinem Vater kein Küßchen mehr kriegt, einen anderen Jungen (»Do you think the end of the world will come at night time?«), der von seinem Vater verlassen wurde, noch mehr Jungen (»You’ve gotta do something. Don’t you?«), die mit den Autos ihrer Väter über die Klippen rasen, einen wohlmeinenden juvenile officer (»You don’t kid me, pal!«), der sich als jedermanns Vater gebärdet, und Väter (»This is all going too fast for me, son.«), die nicht wissen, was sie tun (sollen). Vielleicht aber benutzt Nicholas Ray dies alles nur als Folie, um einen popkulturellen Modemythos zu schaffen und – ganz und gar antinaturalistisch in emotional-ausdrucksvollen CinemaScope-Bildern – die Abenteuer einer knallroten Windjacke (begleitet von einem weißen T-Shirt, einem Paar Blue Jeans und einem Typen namens James Dean) zu erzählen: ein Wagenrennen, das wie eine Broadwayshow illuminiert ist, eine verkantete innerfamiliäre Kollision, ein Vater-Mutter-Kind-Spiel in einem verlassenen Palast, eine Grand Tour zu sich selbst und weiter bis zum Ende der Welt. PS: Getty Mansion hat in »Rebel Without a Cause« seinen zweiten großen Auftritt als (Alp-)Traumhaus nach »Sunset Blvd.«
R Nicholas Ray B Stewart Stern, Irving Shulman K Ernest Haller M Leonard Rosenman A Malcolm C. Bert S William H. Ziegler, James Moore P David Weisbart D James Dean, Natalie Wood, Sal Mineo, Jim Backus, Corey Allen | USA | 111 min | 1:2,55 | f | 27. Oktober 1955
Pathetisches Jugend(melo)drama, das den Generationenkonflikt zwischen idealistischem (oder auch nihilistischem) Aufbegehren und indolenter (oder auch zynischer) Abgefucktheit zu zwei Nächten und einem Tag voller Klang und Wut verdichtet und dabei die ewige Problematik der Identitätsfindung Heranwachsender formuliert: »How can I grow up in a circus like that?« Es gibt einen Jungen (»You’re tearing me apart!«), der von seinem Vater keine Antworten bekommt, ein Mädchen (»Who lives?«), das von seinem Vater kein Küßchen mehr kriegt, einen anderen Jungen (»Do you think the end of the world will come at night time?«), der von seinem Vater verlassen wurde, noch mehr Jungen (»You’ve gotta do something. Don’t you?«), die mit den Autos ihrer Väter über die Klippen rasen, einen wohlmeinenden juvenile officer (»You don’t kid me, pal!«), der sich als jedermanns Vater gebärdet, und Väter (»This is all going too fast for me, son.«), die nicht wissen, was sie tun (sollen). Vielleicht aber benutzt Nicholas Ray dies alles nur als Folie, um einen popkulturellen Modemythos zu schaffen und – ganz und gar antinaturalistisch in emotional-ausdrucksvollen CinemaScope-Bildern – die Abenteuer einer knallroten Windjacke (begleitet von einem weißen T-Shirt, einem Paar Blue Jeans und einem Typen namens James Dean) zu erzählen: ein Wagenrennen, das wie eine Broadwayshow illuminiert ist, eine verkantete innerfamiliäre Kollision, ein Vater-Mutter-Kind-Spiel in einem verlassenen Palast, eine Grand Tour zu sich selbst und weiter bis zum Ende der Welt. PS: Getty Mansion hat in »Rebel Without a Cause« seinen zweiten großen Auftritt als (Alp-)Traumhaus nach »Sunset Blvd.«
R Nicholas Ray B Stewart Stern, Irving Shulman K Ernest Haller M Leonard Rosenman A Malcolm C. Bert S William H. Ziegler, James Moore P David Weisbart D James Dean, Natalie Wood, Sal Mineo, Jim Backus, Corey Allen | USA | 111 min | 1:2,55 | f | 27. Oktober 1955
Labels:
Dean,
Drama,
Familie,
Gesellschaft,
Hopper,
Jugend,
Los Angeles,
Nicholas Ray,
Romanze,
Wood
26.6.47
The Ghost and Mrs. Muir (Joseph L. Mankiewicz, 1947)
Ein Gespenst auf Freiersfüßen
»Was it a vision, or a waking dream?« England um die Jahrhundertwende: Eine junge Witwe erträgt die bucklige Schwiegerverwandtschaft nicht mehr und zieht – mit kleiner Tochter und patentem Hausmädchen – aus, das Leben zu lernen. Was sie findet, ist ein haunted house am Meer, ein märchenhaftes Gemäuer, in dem der Geist des vormaligen Besitzers umgeht, einen verwunschenen Ort abseits der Welt, der sofort ihr Wohlgefallen findet. Die unerschrockene Mrs. Muir (Gene Tierney) und der verewigte Captain Gregg (Rex Harrison) treten, nach einer kurzen Phase der transsphärischen Akklimatisierung (mit einigem poltergeistigem Zimmerspuk), alsbald in eine romantische Beziehung, die nicht nur auf ideeller Verbundenheit beruht (die beiden verfassen »gemeinsam« den »autobiographischen« Seefahrer-Roman »Blood and Swash«), sondern der auch eine deutlich erotische Komponente eignet: Die attraktive Lebende und ihr toter Vertrauter teilen das Schlafzimmer des idyllischen Anwesens … Joseph L. Mankiewicz verbindet mit seiner sentimentalen Komödie höchst stilvoll Elemente der phantastischen Burleske und des psychologischen Dramas: »The Ghost and Mrs. Muir« handelt vom Umgang mit Verlust und vom Ringen um Selbständigkeit, es geht um Wunschprojektionen und um Traumbilder, die sich eine Frau von einem Mann, ein Mann von einer Frau – generaliter: ein Mensch vom anderen – macht. Reizvolle Irritation erregt zudem die Besetzung: Während ein sehr irdischer, sehr vitaler Darsteller das Phantom verkörpert, wird die Rolle der Diesseitigen von der vielleicht ätherischsten Kinoschönheit ihrer Zeit beseelt. PS: »It's no crime to be alive!«
R Joseph L. Mankiewicz B Philip Dunne V R. A. Dick K Charles Lang Jr. M Bernard Herrmann A George W. Davis, Richard Day S Dorothy Spencer P Fred Kohlmar D Gene Tierney, Rex Harrison, George Sanders, Edna Best, Natalie Wood | USA | 104 min | 1:1,37 | sw | 26. Juni 1947
»Was it a vision, or a waking dream?« England um die Jahrhundertwende: Eine junge Witwe erträgt die bucklige Schwiegerverwandtschaft nicht mehr und zieht – mit kleiner Tochter und patentem Hausmädchen – aus, das Leben zu lernen. Was sie findet, ist ein haunted house am Meer, ein märchenhaftes Gemäuer, in dem der Geist des vormaligen Besitzers umgeht, einen verwunschenen Ort abseits der Welt, der sofort ihr Wohlgefallen findet. Die unerschrockene Mrs. Muir (Gene Tierney) und der verewigte Captain Gregg (Rex Harrison) treten, nach einer kurzen Phase der transsphärischen Akklimatisierung (mit einigem poltergeistigem Zimmerspuk), alsbald in eine romantische Beziehung, die nicht nur auf ideeller Verbundenheit beruht (die beiden verfassen »gemeinsam« den »autobiographischen« Seefahrer-Roman »Blood and Swash«), sondern der auch eine deutlich erotische Komponente eignet: Die attraktive Lebende und ihr toter Vertrauter teilen das Schlafzimmer des idyllischen Anwesens … Joseph L. Mankiewicz verbindet mit seiner sentimentalen Komödie höchst stilvoll Elemente der phantastischen Burleske und des psychologischen Dramas: »The Ghost and Mrs. Muir« handelt vom Umgang mit Verlust und vom Ringen um Selbständigkeit, es geht um Wunschprojektionen und um Traumbilder, die sich eine Frau von einem Mann, ein Mann von einer Frau – generaliter: ein Mensch vom anderen – macht. Reizvolle Irritation erregt zudem die Besetzung: Während ein sehr irdischer, sehr vitaler Darsteller das Phantom verkörpert, wird die Rolle der Diesseitigen von der vielleicht ätherischsten Kinoschönheit ihrer Zeit beseelt. PS: »It's no crime to be alive!«
R Joseph L. Mankiewicz B Philip Dunne V R. A. Dick K Charles Lang Jr. M Bernard Herrmann A George W. Davis, Richard Day S Dorothy Spencer P Fred Kohlmar D Gene Tierney, Rex Harrison, George Sanders, Edna Best, Natalie Wood | USA | 104 min | 1:1,37 | sw | 26. Juni 1947
Labels:
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Jahrhundertwende,
Mankiewicz,
Meer,
Phantastik,
Romanze,
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Schriftsteller,
Tierney,
Tod,
Villa,
Wood
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