»Und vor allem: mit viel mehr Gefühl!« Es war einmal im Dritten Reich: In einer meisterhaft simmelesken Verschmelzung (man könnte auch sagen: Verschmalzung) von Liebesdrama und Zeithistorie blättert Rainer Werner Fassbinder (nach einem Drehbuch des gewiegten Emotionsexploiteurs Manfred Purzer) den großen Schicksalsroman der ehrgeizig-treuherzigen Sängerin Willie Bunterberg (Hanna Schygulla) auf, folgt dem verschlungenen Lebensweg der sentimental-sinnlichen Diseuse zwischen Scheinfrieden und Weltkrieg, Bumslokal und Showbühne, Widerstand und Führerempfang, geilen Nazis und scharfen Juden. »Der Himmel hat viele Farben«, nannte Lale Andersen – Interpretin der melancholischen Schlagerballade »Lili Marleen«, der legendären »Schnulze mit den Totentanzgeruch« (Joseph Goebbels) –, Bunterbergs Vorbild aus dem sogenannten richtigen Leben, ihre Memoiren; und viele Farben hat auch »Lilli Marleen«, der Film: Selten waren die Nächte so blau, die Lippen so rot, die Klischees so grell. Fassbinder (der nach guter, alter Tradition als »Spielleiter« des Werks figuriert) zieht für seine radikal schwülstige, mit Sternchenfilter und Weichzeichner überzogene Großdeutschland-Revue wirksam alle Register der einst von der Ufa und von Hollywood gestimmten Gefühlsorgel. Seriös-abgewogene Erinnerungskultur sieht anders aus, hört sich anders an, aber wie sagte ein intellektueller Nationalsozialist so schön: »Wenn ich ›Kultur‹ höre, entsichere ich meinen Browning.«
R Rainer Werner Fassbinder B Manfred Purzer, Rainer Werner Fassbinder V Lale Andersen K Xaver Schwarzenberger M Peer Raben A Rolf Zehetbauer Ko Barbara Baum S Juliane Lorenz, Franz Walsch (= Rainer Werner Fassbinder) P Luggi Waldleitner D Hanna Schygulla, Giancarlo Giannini, Mel Ferrer, Erik Schumann, Hark Bohm | BRD | 120 min | 1:1,66 | f | 14. Januar 1981
# 1114 | 29. Mai 2018
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14.1.81
25.12.75
Das Netz (Manfred Purzer, 1975)
»Nur Mörder sind heute normal.« Der römische Herbst des Aurelio Morelli: Ein alternder Schriftsteller (Mel Ferrer), ausgeschrieben und abgeschrieben, meutert gegen eine Welt, die er von ganzem Herzen verabscheut, kämpft gegen die »Übermacht der Unreife, des Unrat und der Sittenlosigkeit«, nimmt Rache an den Frauen, an der Jugend, an allem, was er nicht (mehr) versteht. Der aalglatte Journalist Emilio Bossi (Klaus Kinski) wittert die ganz große Story, und sein Verleger erkennt in der Lebensgeschichte des klassisch gebildeten Einzelgängers, der (wenn er nicht gerade Mädchen meuchelt) schon mal atomverseuchte Fische beerdigt oder die Säulen eines Tempels umarmt, das ultimative Dokument einer Zeit der Verunsicherung: Morelli, selbsterklärter Revolutionär gegen alles »Verkommene, Obszöne, Gemeine, Tierische, Gefühllose«, ein Mann, der nach seinen (ohne Lust begangenen) Taten »Stille und ein Gefühl der Freiheit« verspürt, der im Töten wohl den verlorenen Kontakt mit der Wirklichkeit wiederzufinden hofft, ist der gestörte Held einer gestörten Gesellschaft … Marcel Reich-Ranicki erwies Trivialromancier Hans Habe, dem Verfasser der Vorlage, seine Reverenz, als er schrieb, der Autor liefere »Klischees mit individueller Note und mit sorgfältig ausgewählten Verzierungen; er offeriert zwar präfabrizierte Seelen, aber in solider, in allerbester Qualität.« Manfred Purzer (der für Produzent Luggi Waldleitner zuvor zahlreiche Simmel-Bestseller adaptierte) bemüht sich, die kolportagigen Vorzüge des Textes in seiner ersten Regiearbeit zu bewahren; ausgezeichnete Darsteller wie Heinz Bennent (als ermittelnder Kommissar) tragen das Ihre zum unterhaltsamen Gelingen dieser sonderbaren Mischung aus mokanter Charakterstudie und sentimentalem Psychothriller bei.
R Manfred Purzer B Manfred Purzer V Hans Habe K Charly Steinberger M Klaus Doldinger S Ingeborg Taschner P Luggi Waldleitner D Mel Ferrer, Klaus Kinski, Heint Bennent, Susanne Uhlen, Elke Sommer | BRD | 108 min | 1:1,66 | f | 25. Dezember 1975
# 798 | 13. November 2013
R Manfred Purzer B Manfred Purzer V Hans Habe K Charly Steinberger M Klaus Doldinger S Ingeborg Taschner P Luggi Waldleitner D Mel Ferrer, Klaus Kinski, Heint Bennent, Susanne Uhlen, Elke Sommer | BRD | 108 min | 1:1,66 | f | 25. Dezember 1975
# 798 | 13. November 2013
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23.10.75
Bis zur bitteren Neige (Gerd Oswald, 1975)
Vor 20 Jahren war Paul Jordan (Maurice Ronet) ein großer Hollywood-Star, dann heiratete er eine reiche Frau (Suzy Kendall), verfiel dem Alkohol, schwängert schließlich seine Stieftochter (Susanne Uhlen). Der abgehalfterte Mime will wieder spielen, um sowohl dem exklusiven Elend wie auch den emotionalen Familienverwicklungen zu entfliehen; er akzeptiert das Angebot eines europäischen Nachwuchsregisseurs, fährt nach Wien, wo er die Hauptrolle in einem Film mit dem beziehungsreichen Titel »Oppression« übernehmen soll … Gerd Oswald, der sich aller formalen Manierismen der frühen Vohrerschen Simmel-Verfilmungen konsequent enthält, und Manfred Purzer, dessen Bearbeitung die im Roman beschriebene lastende Schuld aus der Backstory des Protagonisten tilgt, destillieren aus der sentimentalen Säuferkolportage eine surreal-existenzialistische Studie über Schwermut und Stolz, über Sucht und die Suche nach dem Glück im Vergessen. Ronets erbarmenswert verlebte Weltläufigkeit beschwört in mehr als einer Szene die Erinnerung an seine Performance in Louis Malles Depressionsdrama »Le feu follet« herauf: Ebensowenig wie Alain Leroy taugt Paul Jordan zum Sympathieträger, und erweckt doch in seiner verzweifelten Hilf-, Halt- und Hoffnungslosigkeit, so etwas wie unwillkürliches Mitleid. Der Gegensatz zwischen der kühlen, bisweilen mokanten Distanz der Inszenierung und der eigentümlichen, fast desorientierenden Sprunghaftigkeit des Handlungsverlaufs verbindet anschaulich die Schilderung äußerer und innerer Zustände um und in einem Helden von der besonders traurigen Gestalt.
R Gerd Oswald B Manfred Purzer V Johannes Mario Simmel K Charly Steinberger M Klaus Doldinger A Ernst Wurzer S Lotte Klimitschek P Luggi Waldleitner D Maurice Ronet, Suzy Kendall, Susanne Uhlen, Balduin Baas, Christine Wodetzky | BRD & A | 105 min | 1:1,66 | f | 23. Oktober 1975
# 857 | 16. April 2014
R Gerd Oswald B Manfred Purzer V Johannes Mario Simmel K Charly Steinberger M Klaus Doldinger A Ernst Wurzer S Lotte Klimitschek P Luggi Waldleitner D Maurice Ronet, Suzy Kendall, Susanne Uhlen, Balduin Baas, Christine Wodetzky | BRD & A | 105 min | 1:1,66 | f | 23. Oktober 1975
# 857 | 16. April 2014
20.11.74
Die Antwort kennt nur der Wind (Alfred Vohrer, 1974)
Die Welt der Schönen und Reichen und Gemeinen. Cannes: Palmen, Villen, Strand, Meer, eine explodierende Luxusyacht. Der in die Luft geflogene Eigner war ein Bankier in Geldnöten, sein Schiff war hoch versichert. Assekuranz-Detektiv Robert Lucas (Maurice Ronet), desillusioniert und herzkrank, reist an, um die Hintergründe der Tat aufzuklären: Mord oder Suizid? Unterstützung erfährt der Ermittler durch die attraktive Prominenten-Malerin Angela (!) (Marthe Keller), die ihm nicht nur ihre Bluse öffnet sondern auch den Zugang zu den pompösen Salons der durch und durch verlotterten Gesellschaft … Nach Gelde drängt, am Gelde hängt doch alles. Johannes Mario Simmel (der einen Cameo-Auftritt als Nabob im weißen Smoking absolviert) zeigt mit ausgestrecktem Finger auf die bösen Finanzkapitalisten, die die Welt ausleeren wie eine Flasche Champagner (1964er Krug); Alfred Vohrer inszeniert Simmels Anklage straff und geradlinig, mit Gefühl für melodramatische Effekte und Sympathie für den Weg des fragwürdigen Helden: Auch Robert will sein Stück vom Kuchen. Warum alles den gewissenlosen Spekulanten überlassen? Warum nicht auch Handel treiben? Warum nicht ein paar gewonnene Informationen nutzbringend verwenden? Warum nicht selbst ein Nummernkonto (Kennwort: »Angela«) in der Schweiz eröffnen? Doch ganz so einfach ist es nicht. Die Schweine bleiben lieber unter sich, tun alles, um ihren exklusiven Club zu schützen: Attentate, Bestechung, Autobomben. Kein Wunder, wenn ob dieser Schlechtigkeit irgendwann das gebrochene Herz stehen bleibt. Einfach so.
R Alfred Vohrer B Manfred Purzer V Johannes Mario Simmel K Petrus Schloemp M Erich Ferstl A Max Dietl S Ingeborg Taschner P Luggi Waldleitner D Maurice Ronet, Marthe Keller, Karin Dor, Raymond Pellegrin, Charlotte Kerr | BRD & F | 105 min | 1:1,66 | f | 20. November 1974
# 858 | 16. April 2014
R Alfred Vohrer B Manfred Purzer V Johannes Mario Simmel K Petrus Schloemp M Erich Ferstl A Max Dietl S Ingeborg Taschner P Luggi Waldleitner D Maurice Ronet, Marthe Keller, Karin Dor, Raymond Pellegrin, Charlotte Kerr | BRD & F | 105 min | 1:1,66 | f | 20. November 1974
# 858 | 16. April 2014
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Mord,
Polizei,
Purzer,
Ronet,
Simmel,
Vohrer,
Wirtschaft,
Zürich
22.2.74
Einer von uns beiden (Wolfgang Petersen, 1974)
Der Generationenkonflikt als gewitzter Berliner Psychothriller: Ziegenhals (Jürgen Prochnow), abgebrochener Student, gescheiterter Literat, Bewohner eines lichtlosen Kreuzberger Hinterhofzimmers, findet zufällig heraus, daß Professor Kolczyk (Klaus Schwarzkopf), etablierter Soziologe mit politischen Ambitionen und geräumiger Villa im Grunewald, seine Dissertation einst nicht selbst verfaßte sondern lediglich einen wissenschaftlichen Text aus dem Englischen übersetzte; ›Zicke‹ fackelt nicht lange und nutzt das brisante Wissen zur Erpressung des Gelehrten, der einen Scheck ausschreibt und dem Herausforderer einen Kampf bis aufs Blut verspricht: »Einer von uns beiden wird auf der Strecke bleiben.« … Auch wenn die Auseinandersetzung zwischen den Altersklassen in diesem Falle keine gesellschaftlichen, kulturellen oder moralischen Fragen berührt, sondern alleine um konkrete Besitzstrukturen kreist, die einerseits listig attackiert, andererseits löwenhaft verteidigt werden, durchweht der rauhe Zeitgeist der Jahre nach 1968 Bilder und Dialoge dieses Films, der eine Positionierung konsequent vermeidet, ja, mittels raffinierter Persepektivwechsel, geradezu höhnisch unterläuft: Während der Junge – seine Anmaßung, seine Unkultiviertheit, seine Überreizung – aus der Sicht des angewiderten Alten betrachtet wird, bietet sich der Alte – seine Scheinheiligkeit, sein Dünkel, seine Tücke – aus dem Blickwinkel des abgestoßenen Jungen dar. Regisseur Wolfgang Petersen und Kameramann Charly Steinberger verschärfen den Kontrast durch die effektvolle Gegenüberstellung von staubgrauen Mietskasernenvierteln, denen die Totalsanierung bevorsteht, und gutbürgerlichen Gegenden, wo ewige Ruhe und unerschütterliche Ordnung zu herrschen scheinen. Hervorragende Nebendarsteller (Walter Gross, Berta Drews, Otto Sander, Peter Schiff) nutzen ihre Chargenrollen zu schauspielerischen Kabinettstückchen und schaffen eine dichte Hintergrundatmosphäre.
R Wolfgang Petersen B Manfred Purzer V -ky (= Horst Bosetzky) K Charly Steinberger M Klaus Doldinger A Harry Freude S Traude Krappl P Luggi Waldleitner D Klaus Schwarzkopf, Jürgen Prochnow, Ulla Jacobsson, Elke Sommer, Walter Gross | BRD | 98 min | 1:1,37 | f | 22. Februar 1974
R Wolfgang Petersen B Manfred Purzer V -ky (= Horst Bosetzky) K Charly Steinberger M Klaus Doldinger A Harry Freude S Traude Krappl P Luggi Waldleitner D Klaus Schwarzkopf, Jürgen Prochnow, Ulla Jacobsson, Elke Sommer, Walter Gross | BRD | 98 min | 1:1,37 | f | 22. Februar 1974
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4.10.73
Gott schützt die Liebenden (Alfred Vohrer, 1973)
Wer kennt schon den anderen? Wer kennt schon sich selbst? Paul Holland (Harald Leipnitz) liebt Sybille Loredo (Gila von Weitershausen), macht ihr einen Heiratsantrag. Als Paul von einer Geschäftsreise nach Hause zurückkehrt, ist Sybille verschwunden, und als er sie wiederfindet, ist sie nicht mehr Sybille … Ein Drama des Mißtrauens und der Täuschung, ein Todesspiel der verwirrten Gefühle und der verwischten Identitäten: Sybille heißt eigentlich Viktoria Brunswick, war Undercover-Ermittlerin, angesetzt auf eine berüchtigte Familie von Drogenhändlern. Mamma Trenti residiert in einer nordspanischen Bergfestung, ihre drei Söhne erledigen das Tagesgeschäft. Viktoria verliebte sich in Emilio, den Jüngsten (Nino Castelnuovo), der auch der Liebling seiner Mutter ist und der Verlobte von Laura, die sich wiederum, von Emilio verlassen, in Anna verwandelt, äußerlich eine Hure mit Herz, innerlich ein Engel der Rache, bereit kaputtzumachen, was sie kaputtmachte … Nach und nach werden alle Beteiligten vom heißlaufenden Karussell der Doppelungen ins Aus geschleudert, während Alfred Vohrer, alle Handlungsfäden souverän in der Hand haltend, die ungemütlichen Abseiten von Berlin, Wien und Barcelona erkundet. Mit Glaubensfragen oder Religiosität hat der Film, anders als der Titel nahelegt, kaum etwas zu tun. Zwar versteckt sich Sybille/Viktoria auf ihrer Flucht vor der Vergangenheit vorübergehend in einem Nonnenkloster, aber Gott, macht Simmel glauben, schützt in dieser unseren Welt niemanden mehr. Er scheint nicht nur tot zu sein, mein könnte fast meinen, es habe ihn nie gegeben.
R Alfred Vohrer B Manfred Purzer V Johannes Mario Simmel K Charly Steinberger M Hans-Martin Majewski S Eva Kohlschein P Luggi Waldleitner D Harald Leipnitz, Gila von Weitershausen, Andrea Jonasson, Nino Castelnuovo, Walter Kohout | BRD & I & E | 105 min | 1:1,66 | f | 4. Oktober 1973
# 856 | 16. April 2014
R Alfred Vohrer B Manfred Purzer V Johannes Mario Simmel K Charly Steinberger M Hans-Martin Majewski S Eva Kohlschein P Luggi Waldleitner D Harald Leipnitz, Gila von Weitershausen, Andrea Jonasson, Nino Castelnuovo, Walter Kohout | BRD & I & E | 105 min | 1:1,66 | f | 4. Oktober 1973
# 856 | 16. April 2014
15.3.73
Alle Menschen werden Brüder (Alfred Vohrer, 1973)
Zwei Brüder, zwischen ihnen eine Frau und die Schatten der deutschen Vergangenheit. Der Film beginnt exotisch, mit einem Schwenk über den Marktplatz von Marrakesch, die untergehende Sonne streut Lichtflecke in die Linse. Zwei Europäer unterwegs in der Stadt. Verfolgung durch die Souks. Einer der Männer wird in seinem Hotelzimmer ermordet, der andere reist zurück in die Heimat, wird noch am Flughafen verhaftet. Seine Geschichte führt aus den sechziger Jahren in die Nachkriegszeit. Zwei Brüder, zwei Schriftsteller: Werner (Harald Leipnitz), einst mit den Nazis im Bunde, darf nicht mehr schreiben; Richard (Rainer von Artenfels), als Dolmetscher für die Amerikaner (Roberto Blanco als Besatzungsoffizier!) tätig, fehlt es an Talent. Die beiden arrangieren sich zum gegenseitigen Vorteil, entzweien sich jedoch über die verführerische Lillian (Doris Kunstmann). Werner »hilft« fortan alten Kameraden in der westdeutschen Provinz, Richard betreibt mit einem jüdischen KZ-Überlebenden ein Bumslokal in Frankfurt (wo sich Elisabeth Volkmann nackt zum Gesang von Ingrid van Bergen räkelt). Zwei Brüder, zwei Todfeinde: Alfred Vohrer und Johannes Mario Simmel erzählen von Schuld und Schwäche, von Haß und Rache, von offenen Rechnungen und manipulierten Gefühlen, von stetig blubbernden braunen Sümpfen und immer wieder enttäuschter Hoffnung, sie leuchten ins Niemandsland zwischen Gut und Böse, berichten aus einer Welt, in der Brüderlichkeit nur ein frommer Wunsch ist – oder ein spitzer Dolch, der sich in einen Rücken bohrt.
R Alfred Vohrer B Manfred Purzer V Johannes Mario Simmel K Charly Steinberger M Erich Ferstl A Wolf Englert S Ingeborg Taschner P Luggi Waldleitner D Rainer von Artenfels, Harald Leipnitz, Doris Kunstmann, Klaus Schwarzkopf, Herbert Fleischmann | BRD | 108 min | 1:1,66 | f | 15. März 1973
# 855 | 16. April 2014
R Alfred Vohrer B Manfred Purzer V Johannes Mario Simmel K Charly Steinberger M Erich Ferstl A Wolf Englert S Ingeborg Taschner P Luggi Waldleitner D Rainer von Artenfels, Harald Leipnitz, Doris Kunstmann, Klaus Schwarzkopf, Herbert Fleischmann | BRD | 108 min | 1:1,66 | f | 15. März 1973
# 855 | 16. April 2014
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7.7.72
Der Stoff, aus dem die Träume sind (Alfred Vohrer, 1972)
Schon der knallharte Gegenschnitt von einem tödlich endenden Fluchtversuch an der deutsch-tschechischen Grenze (kurz nach dem Prager Frühling) auf eine Revolverblatt-Redaktionskonferenz zum Thema Verkaufsförderung durch Tittentitel (mit jeder Menge marktforscherisch präzise aufbereitetem Anschauungsmaterial) gleich zu Beginn des Films läßt Alfred Vohrers souverän-triviale Meisterschaft erkennen. In der Romanvorlage verarbeitete Johannes Mario Simmel seine langjährigen Erfahrungen als rasender Reporter und Allesschreiber der Illustrierten »Quick« zu einer (hypo-)kritischen Abrechnung mit den Boulevardmedien und ihrem unstillbaren Hunger auf menschliches Schicksal. »Der Stoff, aus dem die Träume sind« verbindet – vor allem Dank der delirierenden (Hand-)Kamera von Charly Steinberger – ohne große Anstrengung Themen wie Schizophrenie, Spionage, Scheckbuchjournalismus, sexuelle Befreiung, politischen Mord, ideologischen Verrat und Nackttanz zu einem filmischen Quodlibet der Sonderklasse. Dazu kommen eine Reihe eindrücklicher Schauspielerleistungen: Neben alten Kämpen wie Arno Assmann, Paul Edwin Roth oder Walter Buschhoff geht insbesondere Edith Heerdegen als betagte Jugendpflegerin mit dem zweiten Gesicht zu Herzen – ihr stimmenhörendes, langsam in ein (hoffentlich) besseres Jenseits abdriftendes Fräulein Luise bleibt als eine der spukhaftesten Erscheinungen der deutschen Filmgeschichte im Gedächtnis.
R Alfred Vohrer B Manfred Purzer V Johannes Mario Simmel K Charly Steinberger M Peter Thomas A Günther Kob S Susanne Paschen P Luggi Waldleitner D Herbert Fleischmann, Paul Neuhaus, Edith Heerdegen, Hannelore Elsner, Arno Assmann | BRD | 142 min | 1:1,85 | f | 7. Juli 1972
R Alfred Vohrer B Manfred Purzer V Johannes Mario Simmel K Charly Steinberger M Peter Thomas A Günther Kob S Susanne Paschen P Luggi Waldleitner D Herbert Fleischmann, Paul Neuhaus, Edith Heerdegen, Hannelore Elsner, Arno Assmann | BRD | 142 min | 1:1,85 | f | 7. Juli 1972
10.11.71
Liebe ist nur ein Wort (Alfred Vohrer, 1971)
Eine düstere Burgruine. Strömender Regen. Eine Leiche wird abtransportiert. Schaulustige unter schwarzen Schirmen. In einer Pfütze schwimmen die Fetzen eines zerrissenen Briefs. »Liebe ist nur ein Wort«, steht in zerlaufender Schrift auf einem der Schnipsel. Auftakt zu einem süffigen Melodram … Oliver, 21, verspäteter Abiturient, charmanter Taugenichts, Sohn eines gesuchten Wirtschaftkriminellen, der mit seinen Spekulationen zu fabelhaftem Reichtum gekommen ist, verliebt sich (ernsthaft!) in die zehn Jahre ältere Verena, Gattin eines Geschäftspartners (= Komplizen) seines Vaters. Wenn auch die sozialkritischen Implikationen des Stoffes eher als modisches Dekorum dienen, entwirft der Film das Aufgehen im großen Gefühl wie ein Gegenprogramm zur schäbigen Welt des Profits. Eine Chance auf Erfüllung des Traumes wird freilich nicht gewährt: Zwar gönnen Simmel und Regisseur Alfred Vohrer den füreinander entbrannten Protagonisten, dem jugendfrisch-hitzigen Mann (Malte Thorsten) und der befangen-aufgewühlten Frau (Judy Winter) Momente des schablonierten Glücks (sommerliche Blumenwiese, verlassener Bergfried, luxuriöses Hotelzimmer), doch letztlich bleiben dem, der nicht mitspielt, der die gesellschaftlichen Machenschaften nicht akzeptiert, nur der Weg in die Klapsmühle (wie etwa Olivers Mutter, die in ihrer Umnachtung frappierende Gedichte schreibt: »Das Leben ist überraschend, / und manchmal denkt man es etwas klein. / Aber in Ewigkeit ist es sehr schön.«) oder aber: der Tod im strömenden Regen.
R Alfred Vohrer B Manfred Purzer V Johannes Mario Simmel K Charly Steinberger M Erich Ferstl A Horst Hennicke S Jutta Hering P Luggi Waldleitner D Judy Winter, Malte Thorsten, Herbert Fleischmann, Donata Höffer, Inge Langen | BRD | 111 min | 1:1,66 | f | 10. November 1971
# 854 | 16. April 2014
R Alfred Vohrer B Manfred Purzer V Johannes Mario Simmel K Charly Steinberger M Erich Ferstl A Horst Hennicke S Jutta Hering P Luggi Waldleitner D Judy Winter, Malte Thorsten, Herbert Fleischmann, Donata Höffer, Inge Langen | BRD | 111 min | 1:1,66 | f | 10. November 1971
# 854 | 16. April 2014
4.3.71
Und Jimmy ging zum Regenbogen (Alfred Vohrer, 1971)
Der junge Argentinier Manuel Aranda (Alain Noury) geht in Wien auf die Spur des Mordes an seinem Vater (einem wohlhabenden Wissenschaftler, der eine brisante Erfindung machte) und verliebt sich in die schöne Nichte (Doris Kunstmann) der durch Suizid abgeschiedenen Täterin … Johannes Mario Simmels gewiefte literarische Masche, mittels schmalziger Kolportage vom unterhaltsamen Hölzchen aufs gesellschaftskritische Stöckchen zu kommen und damit das verbrecherische Gestern im unbekümmerten Heute zu entlarven, hat der kongenialische Alfred Vohrer mit viel Fischauge und noch mehr Vaseline auf der Linse (Kamera: Charly Steinberger) in spleeniges Kinoentertainment transferiert. »Und Jimmy ging zum Regenbogen« handelt gleichzeitig vom Schicksal eines fanatisch-faschistischen Halbjudenjungen im Wien der Nazizeit sowie von der Formel eines massenvernichtenden chemischen Kampfstoffs, hinter der alle Großmächte (und solche, die sich dafür halten) im Wien der erzählerischen Gegenwart geheimdienstlich her sind. Vohrers comichafte Größe zeigt sich, wenn er die konkurrierenden Spione (Peter Pasetti, Heinz Baumann, Herbert Fleischmann) ganz einfach mittels entsprechender Fähnchenwimpel auf ihren Schreibtischen kennzeichnet. Dazu gibt es Judy Winter als unsterbliche Luxushure (und ewige Doppelagentin), Horst Frank als verliebten SD-Schergen, Horst Tappert als patenten Winkeladvokaten, Ruth Leuwerik als biedere Buchhändlerin (und Rächerin, die ein halbes Leben auf die passende Gelegenheit wartet). Ganz und gar nicht zu vergessen: der märchenhaft-lyrische Score von Erich Ferstl, der die simmelgemäß tragisch endende Liebesbeziehung zwischen den jungen Leuten unter- oder auch übermalt.
R Alfred Vohrer B Manfred Purzer V Johannes Mario Simmel K Charly Steinberger M Erich Ferstl A Wolf Englert S Jutta Hering P Luggi Waldleitner D Alain Noury, Doris Kunstmann, Ruth Leuwerik, Judy Winter, Horst Frank | BRD | 133 min | 1:1,85 | f | 4. März 1971
R Alfred Vohrer B Manfred Purzer V Johannes Mario Simmel K Charly Steinberger M Erich Ferstl A Wolf Englert S Jutta Hering P Luggi Waldleitner D Alain Noury, Doris Kunstmann, Ruth Leuwerik, Judy Winter, Horst Frank | BRD | 133 min | 1:1,85 | f | 4. März 1971
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Wien
22.12.70
Die Weibchen (Zbynek Brynych, 1970)
»Es sind nur die Nerven ... es sind nur die Nerven … die Nerven … die Nerven.« Die psychisch leicht angeschlagene Chefsekretärin Eve (Uschi »Schätzchen« Glas) reist zur geistigen Gesundung in ein mondänes Kurbad, wo sie unter eine kleine Schar bildschöner Schreckgespenster der Emanzipation (Françoise Fabian, Irina Demnick, Pascale Petit, Judy Winter) gerät: Im exklusiven Sanatorium der gestrengen Dr. Barbara werden Männer – nach dem Vorbild der Gottesanbeterin (und dem Manifest der ›Society for Cutting Up Men‹) – per (Lust-)Mord von ihrer inferioren Existenz befreit … Autor Manfred Purzer präsentiert die Selbstbestimmung der Frau als lukullisch-verzerrten Auslöschungsangsttraum des vermeintlich starken Geschlechts; Zbynek Brynych tut erst gar nicht so, als nähme er Drehbuch oder Thema ernst, er fummelt formal daran herum, saugt es exploitativ aus, schnüffelt am Post-68er-Zeitgeist wie ein Süchtiger am Lösungsmittel, benutzt die (von Charly Steinberger konvulsivisch bewegte, gerissene, geschleuderte) Kamera einmal mehr wie ein Maschinengewehr, das Erzählstoff in Fetzen an die Leinwand tackert. »Die Weibchen« schwenkt (und zoomt) hektisch zwischen Satire und Horror, Klamotte und Melo – in der Summe ist das Ganze (je nach Standpunkt) mehr oder weniger als die Summe seiner (Versatz-)Teile: ein filmischer Veitstanz auf dem schmalen Grat zwischen wirklichem Wahn und wahnwitziger Wirklichkeit. PS: »Heute ist ein schöner Tag.«
»Die Weibchen« R Zbynek Brynych B Ernst Flügel (= Manfred Purzer) K Charly Steinberger M Peter Thomas A Wolf Englert S Sophie Mikorey P Luggi Waldleitner D Uschi Glas, Françoise Fabian, Irina Demick, Alain Noury, Hans Korte | BRD & F & I | 90 min | 1:1,66 | f | 22. Dezember 1970
»Die Weibchen« R Zbynek Brynych B Ernst Flügel (= Manfred Purzer) K Charly Steinberger M Peter Thomas A Wolf Englert S Sophie Mikorey P Luggi Waldleitner D Uschi Glas, Françoise Fabian, Irina Demick, Alain Noury, Hans Korte | BRD & F & I | 90 min | 1:1,66 | f | 22. Dezember 1970
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Satire
24.4.70
Perrak (Alfred Vohrer, 1970)
Dialog 1970 – Sohn: »Scheiße!« Vater: »Ich höre immer nur ›scheiße‹ von dir. Was willst du mal sagen, wenn du wirklich in der Scheiße sitzt?« Sohn: »Kacke!« Ruppiger Auftakt eines (laut Plakat) »pulvertrockenen Sittenreißers«. Nach der schmuddligen Titelsequenz (Möwen im Smog) wird auf der Hamburger Müllkippe, gleich neben einem Bild von Exkanzler Kiesinger, die Leiche eines Mädchens gefunden, das ein Junge war – zu Lebzeiten hatte der tote Toni »den schönsten Paraffinbusen von Nordeuropa«. Kommissar Perrak (Horst Tappert) nimmt die Ermittlungen auf und schnüffelt sich durch die Abseiten der winterlichen Hansestadt, um ein (über die Auflösung hinaus) undurchsichtiges, libidinös unterfüttertes Mord- und Erpressungskomplott zu entwirren. Mit der Nachzeichnung seines Weges – über die Schrottplätze des Wirtschaftswunders und in schwule Nachtclubs (»Wir stehen hier alle unter dem Protektorat von Heinemann.«), an die Hafenkante und in die Spiegelkabinette des Lasters, zu den Swimmingpools der Reichen und ins Obdachlosenasyl – entsteht ein kolportagehafter Querschnittsfilm, eine plakative Revue der gesellschaftlichen Zustände in den Wirren der sexuellen Revolution. Regisseur Alfred Vohrer zündet Kofferbomben, vergießt literweise Kunstblut und läßt einen Preßlufthammer als Folterwerkzeug heranstampfen; die Darsteller (unter ihnen Judy Winter, Erika Pluhar, Werner Peters und – als Nachwuchsschurke – Jochen Busse) dieses formal ziemlich notgeilen, dabei durchaus satirisch angehauchten bundesdeutschen Exploitation-Versuchs haben nicht viel zu tun – Autor Manfred Purzer (alias Ernst Flügel) dichtet ihnen Rollennamen an, die eh alles erzählen: Sie heißen ›Bimbo‹ (der Neger), ›Pinky‹ (die Transe), ›Wermuth-Ede‹ (der Penner), ›Trompeten-Emma‹ (die Puffmutter), ›Casanova‹ (der Ganove), ›Kaminski‹, ›Bottke‹ oder ›Dr. Rembold‹ (die Schweinepriester). »Also los, meine Herren, Röcke hoch!«
R Alfred Vohrer B Ernst Flügel (= Manfred Purzer) K Ernst W. Kalinke M Rolf Kühn A Günther Kob, Wolf Englert S Jutta Hering P Luggi Waldleitner D Horst Tappert, Erika Pluhar, Judy Winter, Werner Peters, Hubert Suschka | BRD | 92 min | 1:1,66 | f | 24. April 1970
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Nachtclub,
Purzer,
Vohrer
27.2.70
Das gelbe Haus am Pinnasberg (Alfred Vohrer, 1970)
»Die Idee ist so alt wie die Menschheit.« Am Pinnasberg auf St. Pauli
wird die alte Idee leicht variiert: Werner Zibell (Siegfried
Schürenberg), der »General« (so genannt, weil er es im letzten Weltkrieg
beinahe bis zu diesem Dienstgrad gebracht hätte), hat in der
titelgebenden Immobilie kurz nach der Währungsreform einen Männerpuff
aufgezogen, ein Etablissement, das dem Gründer (und seiner Familie) soliden Wohlstand und der chronisch untervögelten weiblichen Kundschaft eindringliche
Wohltaten beschert. Eine Riege sogenannter Eros-Brüder, souverän
dirigiert von Majordomus »Paganini« (Eddi Arent), sorgt im Bordell
Paradox für das Amüsement der zahlenden Besucherinnen; das leidlich
erotische Geschehen im plüschigen Ambiente sowie (sehr
vorhersehbare) zwischenmenschliche Verwicklungen geben Regisseur Alfred
Vohrer Gelegenheit für das Abfeiern mehr oder weniger wohlgeformter
Männerkörper und das Abfeuern einiger Rotlicht-Pointen von tantenhafter
Anzüglichkeit. Der bisweilen ins surreale Kraut schießende Witz des
sexklamottigen Ganzen liegt in der grundehrlichen Naivität der Vorlage,
eines Romans der (von Peter Rühmkorf entdeckten) schreibenden Hamburger
Kapitänswitwe Bengta Bischoff, die als schrullige (und vorurteilsfreie)
Erzählerin höchstpersönlich durch den Film lustwandelt.
R Alfred Vohrer B Ernst Flügel (= Manfred Purzer) V Bengta Bischoff K Ernst W. Kalinke M Rolf Kühn A Wolf Englert S Susanne Paschen P Luggi Waldleitner D Siegfried Schürenberg, Eddi Arent, Gernot Endemann, Tilly Lauenstein, Bengta Bischoff | BRD | 94 min | 1:1,66 | f | 27. Februar 1970
# 984 | 9. Januar 2016
R Alfred Vohrer B Ernst Flügel (= Manfred Purzer) V Bengta Bischoff K Ernst W. Kalinke M Rolf Kühn A Wolf Englert S Susanne Paschen P Luggi Waldleitner D Siegfried Schürenberg, Eddi Arent, Gernot Endemann, Tilly Lauenstein, Bengta Bischoff | BRD | 94 min | 1:1,66 | f | 27. Februar 1970
# 984 | 9. Januar 2016
2.10.69
Herzblatt oder Wie sag ich’s meiner Tochter? (Alfred Vohrer, 1969)
»Bitte sprechen Sie mir nach: Geschlechtsverkehr.« Im Spannungsfeld von Käte Strobels offiziösem Informationsknaller »Helga«, Oswald Kolles Liebeswundern und der nahenden Welle pseudodokumentarischer Report-Streifen versucht Alfred Vohrer eine parodistische Betrachtung der sexuellen Aufklärung und ihrer filmischen Ausgeburten. Die hinlänglich amüsante (dabei latent inzestuöse) Münchner Geschichte des unschuldig-offenherzigen (bzw. -blusigen) Schulmädchens ›Herzblatt‹ (Mascha Gonska) und ihres alleinerziehend-überforderten Vaters ›Männchen‹ (Georg Thomalla) thematisiert bestenfalls oberflächenphänomenologisch, dabei allemal pubertär-herrenwitzelnd Verklemmungen und Sprachlosigkeiten, Betretenheiten und Übersprungshandlungen auf dem Weg zum heißersehnten, allerfüllenden, erdbebenartigen Liebeserlebnis: »Wo immer du hinsiehst, alles strömt zueinander, alles fließt ineinander. Das Geschlechtliche ist eine Notwendigkeit.«
R Alfred Vohrer B Ernst Flügel (= Manfred Purzer) K Ernst W. Kalinke M Hans-Martin Majewski A Wolf Englert, Margret Finger S Susanne Paschen P Luggi Waldleitner D Georg Thomalla, Mascha Gonska, Siegfried Schürenberg, Paul Esser, Günther Lüders, Olga von Togni | BRD | 84 min | 1:1,66 | f | 2. Oktober 1969
# 1135 | 27. Oktober 2018
R Alfred Vohrer B Ernst Flügel (= Manfred Purzer) K Ernst W. Kalinke M Hans-Martin Majewski A Wolf Englert, Margret Finger S Susanne Paschen P Luggi Waldleitner D Georg Thomalla, Mascha Gonska, Siegfried Schürenberg, Paul Esser, Günther Lüders, Olga von Togni | BRD | 84 min | 1:1,66 | f | 2. Oktober 1969
# 1135 | 27. Oktober 2018
3.4.69
Sieben Tage Frist (Alfred Vohrer, 1969)
Von Alfred Vohrer weitgehend ohne formale Mätzchen in Szene gesetzt, entwickelt der in einem norddeutschen Nobelinternat angesiedelte Mit-den-Vätern-sterben-die-Söhne-Krimi seine Spannung aus der planvollen Verweigerung von Information und der generationskonfliktgeladenen Stimmung einer gesellschaftlichen Umbruchphase: Joachim Fuchsbergers aufgeklärte Autorität, Konrad Georgs verwundbare Kaltblütigkeit, Horst Tapperts zigarrenstummelspuckendes Amtgehabe stehen gegen die revoluzzerhaft-lässige Unbotmäßigkeit des Nachwuchses. Der leichenreiche Fall, in den gleichermaßen Lehrkörper und Dienstpersonal, Schüler und Elternschaft der Bildungsanstalt verwickelt sind, findet seine nicht gänzlich unerwartete Auflösung schließlich in Bundesdeutschlands tausendjähriger Vorgeschichte.
R Alfred Vohrer B Ernst Flügel (= Manfred Purzer) V Paul Henricks K Ernst W. Kalinke M Hans-Martin Majewski A Max Mellin S Susanne Paschen P Luggi Waldleitner D Joachim Fuchsberger, Konrad Georg, Horst Tappert, Karin Hübner, Robert Meyn | BRD | 100 min | 1:1,66 | f | 3. April 1969
# 1133 | 21. Oktober 2018
R Alfred Vohrer B Ernst Flügel (= Manfred Purzer) V Paul Henricks K Ernst W. Kalinke M Hans-Martin Majewski A Max Mellin S Susanne Paschen P Luggi Waldleitner D Joachim Fuchsberger, Konrad Georg, Horst Tappert, Karin Hübner, Robert Meyn | BRD | 100 min | 1:1,66 | f | 3. April 1969
# 1133 | 21. Oktober 2018
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