1.7.59

Der Rest ist Schweigen (Helmut Käutner, 1959)

Die Bundesrepublik statt Dänemark, Essen statt Helsingør: John H. (!) Claudius (≈ Hamlet = Hardy Krüger) kehrt nach langjähriger Abwesenheit aus amerikanischer Emigration heim (?) ins wirtschaftswunderliche Deutschland, um den 15 Jahre zurückliegenden Tod seines Vaters, eines ehemaligen Reichswirtschaftsführers, zu untersuchen und (nachdem sich das Ableben des Ruhrbarons als heimtückischer Brudermord erwiesen hat) zu rächen – wobei, wie zu erwarten, Unentschlossenheit und Zweifel aufkommen… Helmut Käutner verschiebt das Shakespeare-Stück recht klug in die Villa einer Industriellensippschaft der Nachkriegszeit, deren blutig-intrigante Geschichte durchaus zur Allegorie der versuchten Verdrängung von Schuld und des eitrigen Hervorquellens einer unbewältigten Vergangenheit taugt. Hartes Licht (Kamera: Igor Oberberg), ungemütliche elektronische Klänge (Musik: Bernhard Eichhorn), ein sehenswertes Ensemble – darunter Peter van Eyck, Rudolf Forster und Ingrid Andrée (als erst ent-, dann verrückte Fee ≈ Ophelia) – sowie der flackernde Schein der Hochöfen am nächtlichen Himmel sorgen für eine explosive Atmosphäre, in der unbequeme Wahrheiten über die (verbrecherische) Verstrickung von Politik und Wirtschaft ans Licht gebracht werden; doch vor allem in der zweiten Hälfte des erstaunlich bitteren Films drängelt sich der familiäre Krimiplot vor die gesellschaftliche Tragödie, und ohne die stilistische Brillanz und die erleuchtende Tiefe der dichterischen Sprache des großen englischen Dramatikers entgeht »Der Rest ist Schweigen« nicht ganz dem Schematismus einer Seifenoper.

R Helmut Käutner B Helmut Käutner V William Shakespeare K Igor Oberberg M Bernhard Eichhorn A Herbert Kirchhoff, Albecht Becker S Klaus Dudenhöfer P Helmut Käutner, Harald Braun, Wolfgang Staudte D Hardy Krüger, Peter van Eyck, Ingrid Andrée, Adelheid Seeck, Rudolf Forster | BRD | 104 min | 1:1,37 | sw | 1. Juli 1959

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