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7.7.81

Blow Out (Brian De Palma, 1981)

Blow Out – Der Tod löscht alle Spuren

»That’s a terrible scream.« Auf der Jagd nach dem passenden Todesschrei für den Soundtrack des Billig-Slashers »Co-ed Frenzy« (Nachfolger solcher Meisterwerke wie »Blood Bath«, »Bad Day at Blood Beach« und »Bordello of Blood«), gerät Tonmeister Jack Terry (John Travolta) aus Philadelphia (der Stadt, in der 1776 die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten erklärt wurde) unvesehens ins Räderwerk einer politischen Intrige von nationaler Tragweite ... Angelehnt an Antonionis »Blowup«, Coppolas »The Conversation«, Pakulas »Parallax View«, allesamt Studien über die Relation von Oberfläche und Hintergrund, Öffentlichkeit und Geheimnis, sowie unter Anspielung auf fatale Schlüsselereignisse der jüngeren US-Geschichte (Kennedy-Attentat, Chappaquiddick, Watergate) entwickelt Brian De Palma ein Paranoia-Thriller von großer erzählerischer Ökonomie und hoher formaler Brillanz. Jacks Bemühungen, das Komplott, dem er auf der Spur zu sein glaubt, aufzudecken, den Skandal aller Welt vor Ohren zu führen, treiben den Mann, der zuviel hörte, (und seine Mitstreiterin Sally (Nancy Allen), eine Blondine für Geld) durch ein düsteres, immer wieder von blutroten Schlaglichtern illuminiertes Labyrinth zum drastischen Showdown am Liberty Day und weiter zur bitteren Schlußpointe: »It’s a good scream. It’s a good scream.«

R Brian De Palma B Brian De Palma K Vilmos Zsigmond M Pino Donaggio A Paul Sylbert Ko Vicky Sánchez S Paul Hirsch P George Litto D John Travolta, Nancy Allen, John Lithgow, Dennis Franz | USA | 108 min | 1:2,35 | f | 7. Juli 1981

# 1131 | 28. Juni 2018

22.7.64

Marnie (Alfred Hitchcock, 1964)

Marnie

»You Freud, me Jane?« Die frigid-kleptomanische Sekretärin Marnie Edgar (mal blond, mal brünett, mal schwarz: ›Tippi‹ Hedren) und der helfersyndromisch-sadistische Verleger Mark Rutland (Sean Connery) in einem bresthaften Küchen-Psycho-Mutter-Tochter-Schmock (»Why don't you love me, Mama?«) voller naiver Pappkulissen, derber Farbdramaturgie (Rot! Rot! Rot!), grenzwertiger Darstellerleistungen und kläglicher Rückprojektionen. Der Begriff des »Seelenklempners« ist in diesem viktorianisch-triebhaften Thriller-Melo beinahe wörtlich zu verstehen: Mit ein paar einfachen therapeutischen Handgriffen (Assoziationsspiele, Vergewaltigung, Erinnerungsstimulation) gelingt es dem leidenschaftlichen Hobbypsychologen Mark, Marnies verstopften Mentaltraps gründlich durchzuspülen und ihre posttraumatische Belastungsstörung erfolgreich zu beheben. Trotz aller visuellen Pannen und erzählerischen Abgeschmacktheiten gewinnt »Marnie« eine geradezu krankhafte Intensität, denn Alfred Hitchcocks frustrierender amour fou zu seinem, für ihn unerreichbaren, in Anführungszeichen gesetzten Mannequin-Star quillt düster zwischen den Bildern und Dialogen hervor: »I've tracked you and caught you and by God I'm going to keep you.« So verwandelt sich ein triviales Hintertreppendrama in ein obsessives Trauer-Spiel: »I don't believe in luck.« – »What do you believe in?« – »Nothing.« Dazu schauert und schäumt ein vollfetter Score von Bernard Herrmann (der sein letzter für Hitchcock bleiben wird). A guilty pleasure – für alle Beteiligten.

R Alfred Hitchcock B Jay Presson Allen V Winston Graham K Robert Burks M Bernard Herrmann A Robert Boyle Ko Edith Head, Vincent Dee, Rita Riggs S George Tomasini P Alfred Hitchcock D ›Tippi‹ Hedren, Sean Connery, Diane Baker, Martin Gabel, Louise Latham | USA | 130 min | 1:1,85 | f | 22. Juli 1964

26.12.40

The Philadelphia Story (George Cukor, 1940)

Die Nacht vor der Hochzeit

»The prettiest sight in this fine pretty world is the privileged class enjoying its privileges.« Die Reichen, scheint George Cukor mit dieser sophisticated comedy zu sagen, sind nicht oberflächlicher als andere Menschen, nur weil sie über viel Geld verfügen; sie leben zwar in den schöneren Häusern, haben aber, wie alle, ihre beziehungstechnischen Probleme, kennen, wie alle, die Nöte des Herzens. (Die Schlamassel der Begüterten, das unterscheidet sie von jenen der Unterprivilegierten, sehen allerdings besser aus, weil sie sich in luxuriösem Ambiente entfalten, und sie hören sich cooler an, weil die Zungen der Beteiligten vom Champagner gelöst werden.) Die göttliche Tracy Lord (Katharine Hepburn) zum Beispiel, intelligente, überlegene und prinzipientreue Tochter aus altem Ostküsten-Geldadel, sieht sich am Vorabend ihrer zweiten Hochzeit vor die Frage gestellt, ob sie ihr Lebensglück mit kühler Intelligenz, bronzehafter Überlegenheit und moralischer Prinzipientreue tatsächlich erreichen kann – oder ob ein wenig Herzensbildung ihr weiteres Schicksal vielleicht positiv zu beeinflussen vermöchte. »The Philadelphia Story«, eine romantische Farce voller hochprozentiger Dialoge und gesellschaftssatirischer Situationskomik, stellt das poor little rich girl zwischen drei Männer: den kurzweilig-schlawinerischen Exgatten (Cary Grant), den gediegen-hölzernen Self-made-Kapitalisten (John Howard), den bissig-sensiblen Schriftsteller (James Stewart) – wenn Tracy einem von ihnen (nach feucht-fröhlich-folgenschwerer Nacht) das Ja-Wort gibt, wird sich die weiße Göttin in ein menschliches Wesen verwandelt haben …

R George Cukor B David Ogden Stewart V Philip Barry K Joseph Ruttenberg M Franz Waxman A Cedric Gibbons S Frank Sullivan P Joseph L. Mankiewicz D Katharine Hepburn, Cary Grant, James Stewart, Ruth Hussey, John Howard | USA | 112 min | 1:1,37 | sw | 26. Dezember 1940