Die galanten Abenteuer und tollkühnen Streiche des Schafhirten Alexander (der sich den klingenden Nachnamen »von der grünen Weide« gibt) in hannöverschen, preußischen sowie sächsischen Landen des frühen 18. Jahrhunderts, über Wiesen und Straßen, in Kutschen und Betten, durch Ställe und Schlösser – bis in die Arme der hübschen Baronesse Ulrike. Manfred Krug gibt, mit auffallend lockigem Haarschopf, einen deutsch-demokratischen Verwandten von Fanfan und Cartouche, dessen agrarproletarischer Stolz ihn zum geborenen Widersacher militaristischen Geweses und feudalen Schranzentums bestimmt. Trotz manch flauer Witzchen und erzählerischer Umständlichkeiten entfaltet Ralf Kirstens flüssige Totalscope-Inszenierung oft genug echten Mantel-und-Degen-Schwung, und zahlreiche bewährte Defa-Schauspieler (u. a. Fred Düren, Herwart Grosse, Helga Göring) dürfen an der Seite des rustikal-charmanten Heldendarstellers Krug ihre Befähigung als Knattermimen unter Beweis stellen.
R Ralf Kirsten B Ralf Kirsten, Ulrich, Plenzdorf, Manfred Krug V Joachim Kupsch K Hans Heinrich M André Asriel A Hans Poppe, Jochen Keller S Christel Röhl P Werner Liebscher D Manfred Krug, Monika Woytowicz, Fred Düren, Erik S. Klein, Carola Braunbock | DDR | 108 min | 1:2,35 | f | 25. Juli 1964
# 1013 | 2. August 2016
Posts mit dem Label Preußen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Preußen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
25.7.64
15.2.57
Königin Luise (Wolfgang Liebeneiner, 1957)
Liebe und Leid einer Königin oder Ein Frauenschicksal aus bewegter Zeit. Preußen zu Beginn des 19. Jahrhunderts: ein kleiner (natürlich friedliebender) Staat zwischen rivalisierenden Giganten. Im Westen lauert der postrevolutionäre Heilsbringer aus Paris, im Osten brummt der russische Bär. Vergessen möchte man werden, übersehen von den globalen Gegenspielern – allein die Geschichte ist unerbittlich und verlangt eine Entscheidung. Friedrich Wilhelm III., der ältlich-schwache preußische Monarch (Dieter Borsche), zögert, zaudert, zweifelt, seine volkstümlich-mädchenhafte Gemahlin Luise (Ruth Leuwerik) ermuntert ihn zu handeln: »Tu doch ganz einfach das was dir dein Herz sagt. Das ist immer das Richtige.« Er tut es, doch es ist das Falsche. Napoleon marschiert durch bis an die Memel, den Zaren kümmert es nicht, Preußen geht perdu. Wolfgang Liebeneiner erzählt Historie im simplifizierdend-dekorativen Stil von Schokoladen-Sammelbildern, sein Werk erinnert, vor allem dank Rolf Zehetbauers kunstvoll abstrahierter Ausstattung, an ein erbauliches Kinderbuch aus Kaisers Zeiten: »Die Königin Luise in 50 Bildern für Jung und Alt« … Kurz vor ihrem dekorativen Filmtod, der sie zum elegischen Denkmal entschlafen läßt, wendet sich die Königin der Herzen direkt an das nachgeborene Publikum im Kinosaal: »Was wir durchgemacht haben, Krieg, Flüchtlinge, Auseinanderreißen des Landes, fremde Besatzung, das darf doch nie wieder geschehen. Ja, und wenn alle lernen und aufpassen und mithelfen, dann kann es auch nie wieder geschehen.« Wie schon Goethe sagte: »Doch rufen von drüben / Die Stimmen der Geister,
/ Die Stimmen der Meister: / Versäumt nicht zu üben, / Die Kräfte des Guten!«
R Wolfgang Liebeneiner B Georg Hurdalek K Werner Krien M Franz Grothe A Rolf Zehetbauer S Lisbeth Neumann P Utz Utermann D Ruth Leuwerik, Dieter Borsche, Bernhard Wicki, René Deltgen, Hans Nielsen | BRD | 105 min | 1:1,66 | f | 15. Februar 1957
# 869 | 25. Mai 2014
R Wolfgang Liebeneiner B Georg Hurdalek K Werner Krien M Franz Grothe A Rolf Zehetbauer S Lisbeth Neumann P Utz Utermann D Ruth Leuwerik, Dieter Borsche, Bernhard Wicki, René Deltgen, Hans Nielsen | BRD | 105 min | 1:1,66 | f | 15. Februar 1957
# 869 | 25. Mai 2014
Labels:
19. Jahrhundert,
Adel,
Berlin,
Biographie,
Borsche,
Drama,
Krieg,
Leuwerik,
Liebeneiner,
Militär,
Napoleonische Kriege,
Politik,
Preußen,
Wicki
16.8.56
Der Hauptmann von Köpenick (Helmut Käutner, 1956)
»Nu lach doch nich immer, dit is doch ernst!« Ohne Arbeit keine Aufenthaltsgenehmigung, ohne Aufenthaltsgenehmigung keine Arbeit – ein »deutsches Märchen« über den Teufelskreis von Korrektheit und Gesetz: »Bei uns geht Recht und Ordnung über alles.« Und darüber steht die Uniform … Die Kritik an Untertanengeist und Gleichschritt (in Zeiten der west- und ostdeutschen Wiederbewaffnung) bleibt in Helmut Käutners beschaulicher Adaption der ewigen wilhelminischen Militärposse um den gebeutelten Schuster Wilhelm Voigt (Heinz Rühmann), den erst der Offiziersrock zum Menschen macht, indes recht dekorativ (die illusionistischen Dekorationen schufen Herbert Kirchhoff und Albrecht Becker) – der sarkastische Beiklang im sentimentalen Berliner Schnodderton liegt wohl weder dem rheinischen Regisseur noch dem Essener Hauptdarsteller im Blut. Bevor die Entlarvung von subalterner Gesinnung schallend weggelacht wird (»Dit is ja unmöchlich!«), darf allerdings eine ganze Kompanie ausgezeichneter Nebendarsteller – unter anderem: Friedrich Domin (als säbelrasselnder Gefängnisdirektor), Walter Giller (als ungerader Schneidersohn), Edith Hancke (als tuberkulöse Untermieterin), Martin Held (als unterwürfiger Oberbürgermeister), Willy A. Kleinau (als kreuzbrave Beamtenseele), Siegfried Lowitz (als serviler Stadtkämmerer), Wolfgang Neuss (als unbelehrbarer Zuchthäusler), Erich Schellow (als reinrassiger Hauptmann) – aufmarschieren und in pointierten Darbietungen mannigfach Talent entfalten.
R Helmut Käutner B Helmut Käutner, Carl Zuckmayer V Carl Zuckmayer K Albert Benitz M Bernhard Eichhorn A Herbert Kirchhoff, Albrecht Becker S Klaus Dudenhöfer P Walter Koppel D Heinz Rühmann, Martin Held, Hannelore Schroth, Erich Schellow, Willy A. Kleinau | BRD | 93 min | 1:1,37 | f | 16. August 1956
R Helmut Käutner B Helmut Käutner, Carl Zuckmayer V Carl Zuckmayer K Albert Benitz M Bernhard Eichhorn A Herbert Kirchhoff, Albrecht Becker S Klaus Dudenhöfer P Walter Koppel D Heinz Rühmann, Martin Held, Hannelore Schroth, Erich Schellow, Willy A. Kleinau | BRD | 93 min | 1:1,37 | f | 16. August 1956
31.8.51
Der Untertan (Wolfgang Staudte, 1951)
»Wir sind die Elite der Na-zi-, der Na-zi-on.« Wolfgang Staudte interpretiert die dünkelhafte Subalternität des Bürgertums im (auch geistig) durchmilitarisierten wilhelminischen Kaiserreich als groteskes Vorspiel der nationalsozialistischen Katastrophe: Vom Untertan zum Untergang ist es nur ein kleiner Schritt, bloß eine schnelle Überblendung. Werner Peters spielt den heßlingen Deutschen mit feistem Specknacken und aufstrebender Barttracht als Inkarnation der Nationaltugenden Buckeln (nach oben) und Treten (nach unten), wobei seine Stimme im ersten Falle klanglos holpert, um bei anderer Gelegenheit herrschsüchtig zu schnauzen. Die archetypische Titelfigur sieht sich umringt von einem bis in die allerletzte Chargenrolle fabelhaft besetzten Typenkabinett – da sind der geltungssüchtige Staatsanwalt und der bigotte Pfarrer, der brachiale Regierungspräsident und die schweinsäugige Erbin, der schneidige Leutnant und die rührselige Jungfrau (die es nicht lange bleibt). Ihre brillante filmgestalterische Entsprechung findet die mensurscharfe Charakter-Satire in den formalistisch zugespitzten optischen (und akustischen) Attraktionen. PS: Ehre und (Un-) Treue und Tod = »Eins, zwei, drei! Silentium ex!«
R Wolfgang Staudte B Wolfgang Staudte, Fritz Staudte V Heinrich Mann K Robert Baberske M Horst Hanns Sieber A Erich Zander, Karl Schneider S Johanna Rosinske P Willi Teichmann D Werner Peters, Paul Esser, Ernst Legal, Eduard von Winterstein, Sabine Thalbach | DDR | 109 min | 1:1,37 | sw | 31. August 1951
R Wolfgang Staudte B Wolfgang Staudte, Fritz Staudte V Heinrich Mann K Robert Baberske M Horst Hanns Sieber A Erich Zander, Karl Schneider S Johanna Rosinske P Willi Teichmann D Werner Peters, Paul Esser, Ernst Legal, Eduard von Winterstein, Sabine Thalbach | DDR | 109 min | 1:1,37 | sw | 31. August 1951
Labels:
Berlin,
Gesellschaft,
Heinrich Mann,
Jahrhundertwende,
Kleinstadt,
Preußen,
Satire,
Staudte
30.1.45
Kolberg (Veit Harlan, 1945)
»Ahnungsgrauend, todesmutig, / Bricht der große Morgen an,
/ Und die Sonne, kalt und blutig, / Leuchtet unsrer blut’gen Bahn.« Veit Harlans (und Joseph Goebbels’) Fresko von der heroischen Verteidigung einer pommerschen Stadt gegen französische Belagerer im Jahre 1807. Intendiert wohl als repräsentative nationalsozialistische Staatsoper über die Einheit von Führer, Volk und Armee, gerät »Kolberg« zum perspektivlosen An- und Durcheinander dramaturgischer Versatzstücke. Weit entfernt von avantgardistischen Collageprinzipien oder einer »Poetik des Fragmentarischen«, versinkt alles (überaus) schlicht und (wenig) ergreifend in gedanklicher und gestalterischer Konfusion – insofern immerhin wirkt die hypertrophe filmische Materialschlacht wie eine Spiegelung der desolaten Zustände ihrer Entstehungszeit: Während ringsumher das Großdeutsche Reich in Trümmer fällt, sprengt Harlan die in Babelsberg errichtete Kulissenstadt in die Luft. Geradezu einfältig erscheinen kinematographische und narrative Komposition: Einem Heer gesichtloser Massenchöre (»Das Volk steht auf, der Sturm bricht los!«) stellen der Regisseur und seine Autoren (unter ihnen – ungenannt – der Propagandaminister höchstselbst) ein durch uralte Bühnenkonventionen festgelegtes Typenkabinett eindimensionaler Pappkameraden gegenüber: der Feigling und der Hitzkopf, die Mutter der Nation und das tapfere Mädel, der Unsympath und der Teufelskerl, der Fels in der Brandung und der jugendliche Held. Apropos Held: Vor allem Horst Caspar (als Festungskommandant Gneisenau) bringt schauspielerisch den berüchtigten ›Reichskanzleistil‹ in den Film ein: hoher Ton, eisiges Pathos, leere Rhetorik. Überhaupt gerinnen die Dialoge zu phraseologischen Appellen, klingen wie sprachgeregelte Leitartikel aus dem ›Panzerbär‹, herausposaunt von lebenden Lautsprechern. Daß diese deklamatorisch-direkte, im Grunde hochgradig verzweifelte Durchhalte-Ansprache im Januar 1945 noch irgendjemanden beeindruckte, geschweige denn überzeugte, darf bezweifelt werden.
R Veit Harlan B Veit Harlan, Alfred Braun K Bruno Mondi M Norbert Schultze A Karl Machus, Erich Zander S Wolfgang Schleif P Veit Harlan D Heinrich George, Kristina Söderbaum, Paul Wegener, Horst Caspar, Gustav Diessl | D | 110 min | 1:1,37 | f | 30. Januar 1945
R Veit Harlan B Veit Harlan, Alfred Braun K Bruno Mondi M Norbert Schultze A Karl Machus, Erich Zander S Wolfgang Schleif P Veit Harlan D Heinrich George, Kristina Söderbaum, Paul Wegener, Horst Caspar, Gustav Diessl | D | 110 min | 1:1,37 | f | 30. Januar 1945
Labels:
19. Jahrhundert,
Drama,
Harlan,
Kleinstadt,
Krieg,
Militär,
Napoleonische Kriege,
Preußen,
Söderbaum
3.3.42
Der große König (Veit Harlan, 1942)
»Sing, o Gesang, den Krieg …« Die Preußen (in Schwarz) kommen von links, die Österreicher (in Weiß) kommen von rechts. Dazwischen Pulverdampf, Kanonenblitze und die Mühle von Kunersdorf, die malerisch in Flammen aufgeht. Friedrich der Große verliert die Bataille, das Land steht am Abgrund, die Generals rufen nach Waffenstillstand. Für den ›Alten Fritz‹ (Otto Gebühr) aber gibt es nur Triumph oder Tod: Was zählt das Leben von Soldaten, wenn es um das Leben von Preußen geht? Krieg führt der Monarch schließlich nicht zu seinem Vergnügen (auch wenn er schon mal mit glühenden Augen von »Mauern aus Leibern« schwärmt, die seine Frontkämpfer aufbauen sollen), sondern um den Frieden zu sichern – viel lieber würde er in Sanssouci ein gutes Buch lesen oder die geliebte Flöte spielen, wären da nur nicht die lästigen »historischen Notwendigkeiten« … Unter strenger Kontrolle des Propagandaministers müht sich Veit Harlan, ein monumentales Schlachtenpanorama in jener akademisch-pseudorealistischen Manier, die Despoten so lieben, auf die Leinwand zu malen – wobei gleichnishafte Anklänge an die politische und militärische Situation sowie die allgemeine Gemütslage im Jahre 1942 so unüberhörbar sind wie die Posaunen von Jericho. Trotz des beeindruckenden Aufwandes an Mensch und Material kommt »Der große König« jedoch eher einer überlangen Wochenschau aus dem Siebenjährigen Krieg gleich als einem aufwühlenden nationalen Heldenepos. Zu leblos bleiben die holzschnittartigen Charaktere – die Draufgänger und Kriegsbräute, die Drückeberger und Intriganten, die Bedenkenträger und Schwärmer –, zu hörbar raschelt das Eichenlaub durch die gestanzten Dialoge. Die zentrale Figur des Fridericus Rex kennt dabei nur zwei (gleichermaßen enervierende) Tonlagen: das vorwurfsvolle Jammern des unverstandenen Einzelgängers und das scharfe Bellen des genialen Führers. Gegen Ende des Films, nach schwer errungenem Sieg, zieht sich der Herrscher zurück, um in aller Stille ein paar Tränen zu verdrücken und (umsäuselt von himmlischen Chören) vom Frieden zu träumen: Gottgleich blickt sein majestätisches Auge durch Wolkengebirge auf pflügende Bauern und wogendes Korn. Wie sagte der König (oder jemand anders) so schön: »Man reiche mir mein Kotzkübelchen.«
R Veit Harlan B Veit Harlan K Bruno Mondi M Hans-Otto Borgmann A Erich Zander, Karl Machus S Friedrich Karl von Puttkammer P Veit Harlan D Otto Gebühr, Kristina Söderbaum, Gustav Fröhlich, Hans Nielsen, Paul Wegener | D | 118 min | 1:1,37 | sw | 3. März 1942
R Veit Harlan B Veit Harlan K Bruno Mondi M Hans-Otto Borgmann A Erich Zander, Karl Machus S Friedrich Karl von Puttkammer P Veit Harlan D Otto Gebühr, Kristina Söderbaum, Gustav Fröhlich, Hans Nielsen, Paul Wegener | D | 118 min | 1:1,37 | sw | 3. März 1942
Labels:
18. Jahrhundert,
Biographie,
Drama,
Harlan,
Krieg,
Preußen,
Söderbaum
Abonnieren
Kommentare (Atom)