6.9.74

Chapeau Claque (Ulrich Schamoni, 1974)

Nichtstun als schöne Kunst betrachtet: Ulrich Schamoni erzählt (mit sich selbst in der Hauptrolle) vom (weitgehend ereignislosen) Leben eines Pleitiers, der sich mit dem, was er aus dem Konkurs des traditionsreichen Berliner Familenunternehmens (Produktion von Zylinderhüten) retten konnte, in seine kleine Grunewald-Villa zurückzieht und fortan dem genüßlich-asozialen Müßiggang frönt. Der Privatier vertrödelt die Zeit mit einem (meist unbekleideten) jungen Mädchen, kultiviert seine Sammelleidenschaft (Emailschilder, Reklamebilder, Porzellanhasen aller Provenienz) und schlurft ansonsten – alte Kaufmannsweisheiten zitierend (»Wer gute Nächte sucht, verliert gute Tage.« oder, auch schön: »Reiche Leute haben fette Katzen.«) – in ausgebollerten Frottee-Bademänteln durch diesen nostalgischer Abgesang auf die kultur- und wohlstandsbürgerliche Welt. In Nebenrollen glänzen die wunderbare Anna Henkel (nackt und verschmollt), Wolfgang Neuss (noch mit Zähnen) und Karl Dall (als gestreßter Jung-Unternehmer). Eine undeutsche Perle voll verkrachtem Esprit, angeschmuddelter Lässigkeit, schlampiger Eleganz.

R Ulrich Schamoni B Ulrich Schamoni K Igor Luther M diverse S Regine Heuser P Regina Ziegler, Ulrich Schamoni D Ulrich Schamoni, Anna Henkel, Karl Dall, Wolfgang Neuss, Erika Skrotzki | BRD | 94 min | 1:1,66 | f | 6. September 1974

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