Ein toter Motorradfahrer wird am Straßenrand gefunden; der Lenker eines weißen Wartburg gerät in Verdacht, den nächtlichen Unfall mutwillig verursacht zu haben. Oberleutnant Kreutzer und Unterleutnant Arnold von der volkseigenen Kriminalpolizei haben einige Mühe, die Beziehungsgespinste der außerordentlich schablonenhaft gezeichneten Beteiligten (Ärzte, Binnenschiffer, Autoschlosser, Museumskustoden) zu entwirren und den Täter zu stellen. Helmut Nitzschke setzt die ebenso langwierige wie ermüdende Ermittlungsarbeit der pflichtbewußten Beamten in spießbürgerlicher Provinzgesellschaft und kleinkriminellem Milieu auf bestenfalls hölzernem Fernsehfunkniveau in Szene.
R Helmut Nitzschke B Heiner Rank, Helmut Nitzschke V Heiner Rank K Wolfgang Pietsch M Hans-Dieter Hosalla A Harry Leupold S Brigitte Krex P Bernd Gerwien D Peter Borgelt, Hanjo Hasse, Hans-Peter Minetti, Inge Keller, Rolf Hoppe | DDR | 85 min | 1:1,66 | sw | 12. Juni 1969
# 1012 | 2. August 2016
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12.6.69
3.6.65
Ten Little Indians (George Pollock, 1965)
Geheimnis im blauen Schloß
Delinquenten, die sich dem Lauf Gerechtigkeit entziehen konnten, doch noch einer angemessenen Strafe zuzuführen, ist das Programm eines (bis kurz vor Schluß des Spiels unerkannt bleibenden) Richters, der zehn sündhafte Personen auf ein abgelegenes Alpenschloß lädt, um sie dortselbst definitiv abzuurteilen … Nach seinen vier Miss-Marple-Krimis legt George Pollock mit »Ten Little Indians« eine weitere Agatha-Christie-Adaption vor, die ohne zentrale Ermittlerfigur auskommen muß, aber einen ansehnlichen Cast zur tödlichen house party versammelt: Daliah Lavy als hochnäsiger Filmstar, Wilfrid Hyde-White als distinguierter Jurist, Dennis Price als versoffener Arzt, Stanley Holloway als nicht allzu heller Privatdetektiv, Mario Adorf und Marianne Hoppe als fragwürdige Hausbesorger, Shirley Eaton (im Jahr zuvor von Gert Fröbe vergoldet) als taff tuende Sekretärin. Mit fortschreitender Dezimierung steigt unter der schwindenden Zahl der Lebenden der Pegel von Angst und Argwohn: Jeder verdächtigt jeden. Das Ende dieser leidlich makabren Whodunit-Phantasie über Schuld und Sühne folgt bedauerlicherweise nicht Christies konsequentem Roman sondern ihrer weichgespülten Bühnenfassung.
R George Pollock B Peter Yeldham, Harry Alan Towers V Agatha Christie K Ernest Steward M Malcolm Lockyer A Frank White S Peter Boita P Harry Alan Towers D Hugh O’Brian, Shirley Eaton, Stanley Holloway, Daliah Lavy, Wilfrid Hyde-White | UK | 91 min | 1:1,85 | sw | 3. Juni 1965
Delinquenten, die sich dem Lauf Gerechtigkeit entziehen konnten, doch noch einer angemessenen Strafe zuzuführen, ist das Programm eines (bis kurz vor Schluß des Spiels unerkannt bleibenden) Richters, der zehn sündhafte Personen auf ein abgelegenes Alpenschloß lädt, um sie dortselbst definitiv abzuurteilen … Nach seinen vier Miss-Marple-Krimis legt George Pollock mit »Ten Little Indians« eine weitere Agatha-Christie-Adaption vor, die ohne zentrale Ermittlerfigur auskommen muß, aber einen ansehnlichen Cast zur tödlichen house party versammelt: Daliah Lavy als hochnäsiger Filmstar, Wilfrid Hyde-White als distinguierter Jurist, Dennis Price als versoffener Arzt, Stanley Holloway als nicht allzu heller Privatdetektiv, Mario Adorf und Marianne Hoppe als fragwürdige Hausbesorger, Shirley Eaton (im Jahr zuvor von Gert Fröbe vergoldet) als taff tuende Sekretärin. Mit fortschreitender Dezimierung steigt unter der schwindenden Zahl der Lebenden der Pegel von Angst und Argwohn: Jeder verdächtigt jeden. Das Ende dieser leidlich makabren Whodunit-Phantasie über Schuld und Sühne folgt bedauerlicherweise nicht Christies konsequentem Roman sondern ihrer weichgespülten Bühnenfassung.
R George Pollock B Peter Yeldham, Harry Alan Towers V Agatha Christie K Ernest Steward M Malcolm Lockyer A Frank White S Peter Boita P Harry Alan Towers D Hugh O’Brian, Shirley Eaton, Stanley Holloway, Daliah Lavy, Wilfrid Hyde-White | UK | 91 min | 1:1,85 | sw | 3. Juni 1965
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8.11.61
Die seltsame Gräfin (Josef von Báky, 1961)
»Ich bin die Gräfin Eleanora Moron! Niemand hat das Recht mich anzurühren!« Altgediente Stummfilmstars (Lil Dagover und Fritz Rasp), zähe Ufa-Kämpen (Marianne Hoppe und Rudolf Fernau), das immerzurstellige Rialto-Ensemble (›Blacky‹ und Eddi und Kinski) sowie der breiteste Berliner Boulevard (Brigitte Grothum und Edith Hancke) in einem ganz und gar außerenglischen Edgar-Wallace-Klassiker. Die verwinkelte Handlung (es geht im weitesten Sinne um komplizierte Familienverhältnisse und eine darin unterschlagene Erbschaft) spielt überall dort, wo obligaterweise das Verderben lauert: in einer Irrenanstalt und in einem Gefängnis, auf einem alten Schloß und in einer Anwaltskanzlei. Abgesehen davon, daß ständig bedrohlich das Telefon klingelt, Klaus K. irre lacht (»Ich mußte es doch tun!«) und schon mal ein brüchiger Balkon von der Fassade fällt, entwickelt die Inszenierung (zum letzten Mal auf dem Regiestuhl: Josef von Báky) das subtile Grauen eines nichtendenwollenden Fünfuhrtees. PS: »Niemand!«
R Josef von Báky B Robert A. Stemmle, Curt Hanno Gutbrod V Edgar Wallace K Richard Angst M Peter Thomas A Helmut Netwig, Albrecht Hennings S Hermann Ludwig P Horst Wendlandt D Joachim Fuchsberger, Brigitte Grothum, Lil Dagover, Klaus Kinski, Marianne Hoppe | BRD | 94 min | 1:1,66 | sw | 8. November 1961
R Josef von Báky B Robert A. Stemmle, Curt Hanno Gutbrod V Edgar Wallace K Richard Angst M Peter Thomas A Helmut Netwig, Albrecht Hennings S Hermann Ludwig P Horst Wendlandt D Joachim Fuchsberger, Brigitte Grothum, Lil Dagover, Klaus Kinski, Marianne Hoppe | BRD | 94 min | 1:1,66 | sw | 8. November 1961
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Kinski,
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Schloß,
Stemmle,
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25.6.43
Romanze in Moll (Helmut Käutner, 1943)
Ein Mann kommt spät nach Hause, leicht beschwipst, gut gelaunt, er hat beim Kartenspiel ein hübsches Sümmchen gewonnen. Seine Frau liegt schon im Bett, schläft, tief, sehr tief, sie hat sich vergiftet. Um das Leben der Frau zu retten, um die Ärzte bezahlen zu können, will ihr Mann, ein kleiner Bankangestellter, einige Dinge im Pfandhaus versetzen, wo er erfährt, daß es sich bei ihrem, von ihm für wertlos gehaltenen, Kaufhausschmuck um ein exorbitant teures Perlencollier handelt, erworben beim ersten Juwelier der Stadt … Die schimmernde Kette verbindet vier Personen zu einem delikaten Pariser Belle-Époque-Melodram – im Mittelpunkt: die ätherische, rätselhaft lächelnde Madeleine (Marianne Hoppe); um sie herum: ihr selbstgefällig-kleinkarierter Gemahl (Paul Dahlke), ein charmant-leichtfüßiger Komponist (Ferdinand Marian), dessen Muse und Geliebte sie wird, sowie ein aalglatt-possessiver Lebemann (Siegfried Breuer), der allen (einschließlich sich selber) das Verderben bringt. Helmut Käutner komponiert seine »Romanze in Moll« als wehmütige Kinodichtung zwischen Tag und Träumen, als helldunkles Arrangement voller visueller Nuancen und moralischer Zwischentöne: Über keinen wird der Stab gebrochen, nicht über die ungetreue Liebende, nicht über den blinden Gatten, nicht über den sorglosen Künstler; und noch der Schurke, der die Ehebrecherin erpreßt, wird ernstgenommen als bedauernswertes Opfer seiner zerstörerischen Triebe. Käutners ästhetischer Fatalismus erinnert an Marcel Carné, seine opulente Ironie an Max Ophüls, seine inszenatorische Sensibilität steht für sich und in der deutschen Filmgeschichte ziemlich allein auf weiter Flur. PS: »Haben wir wirklich ein Recht auf Glück?«
R Helmut Käutner B Helmut Käutner, Willy Clever V Guy de Maupassant K Georg Bruckbauer M Lother Brühne, Werner Eisbrenner A Otto Erdmann, Franz F. Fürst S Anneliese Sponholz P Hermann Grund D Marianne Hoppe, Ferdinand Marian, Paul Dahlke, Siegfried Breuer, Anja Elkoff | D | 100 min | 1:1,37 | sw | 25. Juni 1943
R Helmut Käutner B Helmut Käutner, Willy Clever V Guy de Maupassant K Georg Bruckbauer M Lother Brühne, Werner Eisbrenner A Otto Erdmann, Franz F. Fürst S Anneliese Sponholz P Hermann Grund D Marianne Hoppe, Ferdinand Marian, Paul Dahlke, Siegfried Breuer, Anja Elkoff | D | 100 min | 1:1,37 | sw | 25. Juni 1943
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19. Jahrhundert,
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Künstler,
Maupassant,
Melodram,
Musik,
Paris,
Tod
18.4.41
Auf Wiedersehen, Franziska (Helmut Käutner, 1941)
Aufblende. Ein Kleinstadtidyll irgendwo in Deutschland. Ein Mann verfolgt eine Frau mit einem Fotoapparat. Sie findet sein Verhalten impertinent, fühlt sich zugleich geschmeichelt. Die beiden werden ein Paar. Kein besonders glückliches. Michael (Hans Söhnker), charmant und unabhängig, ist Sensationsreporter, filmt Kriege, Unglück, Katastrophen. Immer unterwegs, nirgendwo zuhause. Franziska (Marianne Hoppe), patent und eigen, schnitzt Kunstgewerbliches, will etwas vom Leben haben. Unter anderem einen Mann, der da ist, bei ihr. Sie lieben sich – dennoch. Heiraten – trotz der schwierigen Konstellation. Kriegen Kinder. Leben aneinander vorbei. Er in der Welt, sie daheim. Immer wieder bringt sie ihn an die Bahn. Immer wieder fährt er weg. Irgendwann hält sie es nicht mehr aus, verzweifelt. Er verliert den besten Freund an der Frontlinie irgendeiner Feindseligkeit, begreift. Als die Eheleute endlich, endlich zusammenkommen (könnten), erhält er seine Einberufung: Weltkrieg! Sie bringt ihn an die Bahn. Er fährt weg. Abblende. Was bleibt, ist die Hoffnung … Abgesehen davon, daß ständig etwas geschieht, reduziert Helmut Käutner das äußere Geschehen seiner unterkühlten Beziehungsstudie auf ein bitteres Minimum – und wie es drinnen aussieht, geht niemanden etwas an. Was bleibt, sind unterdrückter Überschwang und beherrschte Enttäuschung, Anflüge von Euphorie und Spuren von Verzweiflung. »Auf Wiedersehen, Franziska«: das Leben als Abschied vor dem Beisammensein, als dauerndes »Später!« vor dem ersehnten »Jetzt!«. PS: Ein großer Propagandaerfolg zum Lobe des wartenden Weibes dürfte diese abgeklärte Romanze kaum gewesen sein.
R Helmut Käutner B Helmut Käutner, Curt J. Braun K Jan Roth M Michael Jary A Willi A. Herrmann S Helmuth Schönnenbeck P Hans Tost D Marianne Hoppe, Hans Söhnker, Fritz Odemar, Rudolf Fernau, Hermann Speelmans | D | 100 min | 1:1,37 | sw | 18. April 1941
R Helmut Käutner B Helmut Käutner, Curt J. Braun K Jan Roth M Michael Jary A Willi A. Herrmann S Helmuth Schönnenbeck P Hans Tost D Marianne Hoppe, Hans Söhnker, Fritz Odemar, Rudolf Fernau, Hermann Speelmans | D | 100 min | 1:1,37 | sw | 18. April 1941
Labels:
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