Kollege kommt gleich
Yves Montand spielt Alex, chef de rang in einer Pariser Brasserie. Früher ein talentierter Music-Hall-Tänzer, sucht der flotte Sechziger in jeder Situation die Gelegenheit zum großen (oder kleinen) Auftritt: ob beim gewandten Bedienen der Gäste oder im Austausch mit Freunden, ob beim Entwickeln geschäftlicher Pläne (ein Rummelplatz am Meer!) oder im amourösen Hin und Her zwischen den (ehemaligen und aktuellen) Frauen seines Herzens, der betuchten Gloria, der melancholischen Coline und der munteren Claire (ihrerseits zwischen drei Männern: Nicole Garcia). Claude Sautet, der nach »Garçon!« die langjährige künstlerische Partnerschaft mit Ko-Autor Jean-Loup Dabadie und Kameramann Jean Boffety beenden wird, stellt Alex (dessen unverwüstlicher juveniler Charme ihn über Widrigkeiten und Enttäuschungen immer wieder souverän hinwegträgt) in den Mittelpunkt einer eleganten (wenn auch gelegentlich etwas vordergründigen) filmischen Choreographie, die in einer Folge von skizzenhaften Impressionen – Höhepunkte bilden die temporeichen Restaurantszenen mit lautem Stimmengewirr und wehenden Schürzen, mit (manchmal allzu) heißen Tellern und immerfort pendelnder Schwingtür zwischen Küche und Saal – den Wirbelsturm des Lebens feiert.
R Claude Sautet B Jean-Loup Dabadie, Claude Sautet K Jean Boffety M Philippe Sarde A Dominique André Ko Olga Pelletier S Jacqueline Thiédot P Alain Sarde, Claude Berri D Yves Montand, Nicole Garcia, Jacques Villeret, Bernard Fresson, Rosy Varte, Dominique Laffin | F | 102/91 min | 1:1,66 | f | 9. November 1983
# 1120 | 1. Juni 2018
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9.11.83
Garçon! (Claude Sautet, 1983)
Labels:
Dabadie,
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Komödie,
Meer,
Montand,
Paris,
Restaurant,
Romanze,
Rummelplatz,
Sautet
22.11.78
Une histoire simple (Claude Sautet, 1978)
Eine einfache Geschichte
Claude Sautet erzählt von Marie (la femme de quarante ans: Romy Schneider), von ihren Männern und ihren Freundinnen, von ihrem fast erwachsenen Sohn und ihren ungeborenen Kindern, von Wünschen und Ängsten, von beklemmenden Zweifeln und reifender Einsicht: eine Geschichte, so einfach (= so kompliziert) wie das Leben, wie die Liebe. Die Figur der Marie – sie trennt sich unter Schmerzen von ihrem ruhelosen Lebensgefährten (Claude Brasseur), sie bandelt, fast ohne es zu wollen, wieder mit ihrem unerschütterlichen Exmann (Bruno Cremer) an, sie findet schließlich Halt und Unabhängigkeit in der Gemeinschaft mit ihrer gebeutelten Kameradin Gabrielle (Arlette Bonnard) – changiert fortwährend zwischen Zerbrechlichkeit und Stärke, Erschöpfung und Agilität, Anlehnungsbedürfnis und Emanzipationsdrang. Schneider, die den Film souverän trägt, wirkt, bei aller Nuanciertheit ihres Spiels, von dieser Spannung (die auch ihre eigene Biographie bestimmt haben mag) gleichermaßen beflügelt wie ausgelaugt – selbst über den (wenigen) Momenten von heiterer Unbeschwertheit, die Sautets Erzählung ihr gönnt, liegt der Schleier einer tiefen Müdigkeit.
R Claude Sautet B Claude Sautet, Jean-Loup Dabadie K Jean Boffety M Philippe Sarde A Georges Lévy S Jacqueline Thiédot P Alain Sarde D Romy Schneider, Bruno Cremer, Claude Brasseur, Roger Pigaut, Arlette Bonnard | F & BRD | 107 min | 1:1,66 | f | 22. November 1978
# 1006 | 31. Mai 2016
Claude Sautet erzählt von Marie (la femme de quarante ans: Romy Schneider), von ihren Männern und ihren Freundinnen, von ihrem fast erwachsenen Sohn und ihren ungeborenen Kindern, von Wünschen und Ängsten, von beklemmenden Zweifeln und reifender Einsicht: eine Geschichte, so einfach (= so kompliziert) wie das Leben, wie die Liebe. Die Figur der Marie – sie trennt sich unter Schmerzen von ihrem ruhelosen Lebensgefährten (Claude Brasseur), sie bandelt, fast ohne es zu wollen, wieder mit ihrem unerschütterlichen Exmann (Bruno Cremer) an, sie findet schließlich Halt und Unabhängigkeit in der Gemeinschaft mit ihrer gebeutelten Kameradin Gabrielle (Arlette Bonnard) – changiert fortwährend zwischen Zerbrechlichkeit und Stärke, Erschöpfung und Agilität, Anlehnungsbedürfnis und Emanzipationsdrang. Schneider, die den Film souverän trägt, wirkt, bei aller Nuanciertheit ihres Spiels, von dieser Spannung (die auch ihre eigene Biographie bestimmt haben mag) gleichermaßen beflügelt wie ausgelaugt – selbst über den (wenigen) Momenten von heiterer Unbeschwertheit, die Sautets Erzählung ihr gönnt, liegt der Schleier einer tiefen Müdigkeit.
R Claude Sautet B Claude Sautet, Jean-Loup Dabadie K Jean Boffety M Philippe Sarde A Georges Lévy S Jacqueline Thiédot P Alain Sarde D Romy Schneider, Bruno Cremer, Claude Brasseur, Roger Pigaut, Arlette Bonnard | F & BRD | 107 min | 1:1,66 | f | 22. November 1978
# 1006 | 31. Mai 2016
Labels:
Arbeit,
Drama,
Emanzipation,
Familie,
Gesellschaft,
Paris,
Romanze,
Sautet,
Schneider
27.10.76
Mado (Claude Sautet, 1976)
Mado
»Chacun se vend à sa façon«, sagt Mado: Jeder verkauft sich auf seine Weise. Mado (Ottavia Piccolo) verkauft ihren schönen Körper gelegentlich an wohlhabende Herren, unter anderem an den Baulöwen Simon (Michel Piccoli), der im Bett mit der jungen Frau die »Einsamkeit des reichen Mannes« zu vergessen sucht. »Mado« beginnt mit dem Selbstmord von Simons unlauterem Kompagnon und einem Loch von sechs Millionen Francs in der Firmenkasse. Simon, der bislang wert darauf legte, »das Spiel korrekt zu spielen«, sieht sich unversehens genötigt, selbst unfaire Mittel zu ergreifen, um die Aasgeier abzuwehren, die bereits über ihm kreisen … Die Beziehung zwischen dem Großbürger und der Nebenerwerbsprostituierten bildet den roten Faden, der durch ein komplexes Beziehungsgeflecht führt, in dem sich zahlreiche Lebenslinien kreuzen: Da sind (unter anderem) Pierre, der arbeitslose Buchhalter, Manecca, der betrogene Betrüger, Barachet, der korrupte Beamte, Lépidon, der skrupellose Geschäftemacher, und da ist Hélène, die in den Suff gestürzte Dame der Gesellschaft (Romy Schneider). Wieder eine dieser vielstimmigen, vielschichtigen Kompositionen, mit denen Claude Sautet, virtuos wie kein anderer, von den Dingen des Lebens erzählt – »Mado«, ein ungeschöntes Porträt der Wegwerfgesellschaft nach dem Ende des Booms, ein dunkler Film über die Käuflichkeit und über die Raffgier, über vermeintlichen Gewinn und über unvermeidlichen Verlust, gipfelt in einem Ausflug, in dessen Verlauf die genießende Klasse buchstäblich im Schlamm steckenbleibt. Die sarkastische Schlußsequenz wirkt, trotz nahender Rettung bei Sonnenaufgang, wie das Menetekel eines kommenden Systemzusammenbruchs.
R Claude Sautet B Claude Sautet, Claude Néron K Jean Boffety M Philippe Sarde A Pierre Guffroy S Jacqueline Thiédot P André Génovès D Michel Piccoli, Ottavia Piccolo, Jacques Dutronc, Charles Denner, Julien Guiomar, Romy Schneider | F & I & BRD | 121 min | 1:1,66 | f | 27. Oktober 1976
# 770 | 10. September 2013
»Chacun se vend à sa façon«, sagt Mado: Jeder verkauft sich auf seine Weise. Mado (Ottavia Piccolo) verkauft ihren schönen Körper gelegentlich an wohlhabende Herren, unter anderem an den Baulöwen Simon (Michel Piccoli), der im Bett mit der jungen Frau die »Einsamkeit des reichen Mannes« zu vergessen sucht. »Mado« beginnt mit dem Selbstmord von Simons unlauterem Kompagnon und einem Loch von sechs Millionen Francs in der Firmenkasse. Simon, der bislang wert darauf legte, »das Spiel korrekt zu spielen«, sieht sich unversehens genötigt, selbst unfaire Mittel zu ergreifen, um die Aasgeier abzuwehren, die bereits über ihm kreisen … Die Beziehung zwischen dem Großbürger und der Nebenerwerbsprostituierten bildet den roten Faden, der durch ein komplexes Beziehungsgeflecht führt, in dem sich zahlreiche Lebenslinien kreuzen: Da sind (unter anderem) Pierre, der arbeitslose Buchhalter, Manecca, der betrogene Betrüger, Barachet, der korrupte Beamte, Lépidon, der skrupellose Geschäftemacher, und da ist Hélène, die in den Suff gestürzte Dame der Gesellschaft (Romy Schneider). Wieder eine dieser vielstimmigen, vielschichtigen Kompositionen, mit denen Claude Sautet, virtuos wie kein anderer, von den Dingen des Lebens erzählt – »Mado«, ein ungeschöntes Porträt der Wegwerfgesellschaft nach dem Ende des Booms, ein dunkler Film über die Käuflichkeit und über die Raffgier, über vermeintlichen Gewinn und über unvermeidlichen Verlust, gipfelt in einem Ausflug, in dessen Verlauf die genießende Klasse buchstäblich im Schlamm steckenbleibt. Die sarkastische Schlußsequenz wirkt, trotz nahender Rettung bei Sonnenaufgang, wie das Menetekel eines kommenden Systemzusammenbruchs.
R Claude Sautet B Claude Sautet, Claude Néron K Jean Boffety M Philippe Sarde A Pierre Guffroy S Jacqueline Thiédot P André Génovès D Michel Piccoli, Ottavia Piccolo, Jacques Dutronc, Charles Denner, Julien Guiomar, Romy Schneider | F & I & BRD | 121 min | 1:1,66 | f | 27. Oktober 1976
# 770 | 10. September 2013
Labels:
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Drama,
Geld,
Gesellschaft,
Korruption,
Paris,
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Prostitution,
Sautet,
Schneider,
Tod,
Wirtschaft
27.10.74
Vincent, François, Paul et les autres (Claude Sautet, 1974)
Vincent, François, Paul und die anderen
»Mit gelben Birnen hänget / Und voll mit wilden Rosen / Das Land in den See …« Drei alte Freunde – ein Unternehmer ohne Fortune (Yves Montand), ein Arzt ohne Ethos (Michel Piccoli), ein Schriftsteller ohne Roman (Serge Reggiani) –, die die Hälfte ihres (durchaus genußreichen) Lebens hinter sich gelassen haben, und die anderen – die (Ex-)Frauen, die Kumpels, die Bekannten – kriegen an Leib und Seele die Höhen und Tiefen der Existenz zu spüren. Claude Sautet tut einmal mehr, was er wie kein anderer zu tun vermag: Er macht ganz mühelos begreiflich, was es heißt, Mensch zu sein. zu lieben und zu leiden, zu träumen und aufzuwachen, zu reden und zu schweigen, hinzufallen und sich wieder aufzurappeln, sich zu erinnern und Pläne zu machen, mit einem Glas Wein in der Hand an der Bar zu stehen, einen Herzanfall zu kriegen, von einem anderen gehalten zu werden – la vie et rien d’autre. »… Die Mauern stehn / Sprachlos und kalt, im Winde / Klirren die Fahnen.«
R Claude Sautet B Claude Sautet, Jean-Loup Dabadie V Claude Néron K Jean Boffety M Philippe Sarde A Théobald Meurisse S Jacqueline Thiédot P Raymond Danon, Roland Girard D Yves Montand, Michel Piccoli, Serge Reggiani, Gérard Depardieu, Stéphane Audran | F & I | 118 min | 1:1,66 | f | 27. Oktober 1974
»Mit gelben Birnen hänget / Und voll mit wilden Rosen / Das Land in den See …« Drei alte Freunde – ein Unternehmer ohne Fortune (Yves Montand), ein Arzt ohne Ethos (Michel Piccoli), ein Schriftsteller ohne Roman (Serge Reggiani) –, die die Hälfte ihres (durchaus genußreichen) Lebens hinter sich gelassen haben, und die anderen – die (Ex-)Frauen, die Kumpels, die Bekannten – kriegen an Leib und Seele die Höhen und Tiefen der Existenz zu spüren. Claude Sautet tut einmal mehr, was er wie kein anderer zu tun vermag: Er macht ganz mühelos begreiflich, was es heißt, Mensch zu sein. zu lieben und zu leiden, zu träumen und aufzuwachen, zu reden und zu schweigen, hinzufallen und sich wieder aufzurappeln, sich zu erinnern und Pläne zu machen, mit einem Glas Wein in der Hand an der Bar zu stehen, einen Herzanfall zu kriegen, von einem anderen gehalten zu werden – la vie et rien d’autre. »… Die Mauern stehn / Sprachlos und kalt, im Winde / Klirren die Fahnen.«
R Claude Sautet B Claude Sautet, Jean-Loup Dabadie V Claude Néron K Jean Boffety M Philippe Sarde A Théobald Meurisse S Jacqueline Thiédot P Raymond Danon, Roland Girard D Yves Montand, Michel Piccoli, Serge Reggiani, Gérard Depardieu, Stéphane Audran | F & I | 118 min | 1:1,66 | f | 27. Oktober 1974
27.10.72
César et Rosalie (Claude Sautet, 1972)
César und Rosalie
… und David. Ein Mann und eine Frau und ein Mann. Zwei Liebesgeschichten und eine Rivalität, aus der eine Freundschaft wird. Rosalie (Romy Schneider) lebt mit César (Yves Montand), Schrotthändler, Großschnauze und Charmebolzen, vollblütig, laut und empfindlich, und sie verliert ihr Herz (wieder) an David (Sami Frey), Comickünstler, Träumer und Freigeist, ironisch, leise und empfindsam. Die Gefühle wogen wie das Korn auf dem Feld, ziehen wie Wolken am Himmel, rauschen wie die Brandung am Meer. Claude Sautet entwickelt seine Romanze wie ein Musikstück, wie ein Konzert, er arrangiert Schneiders erotische Nonchalance, Montands Körperlichkeit, Freys Zurückhaltung zu heiteren, spannungsreichen, melancholischen Solos, Duetten, Terzetten, die immer wieder in choralische Szenen mit Freunden und Familie gebettet werden. Sommerliche und herbstliche Momente, Allegro- und Adagio-Stimmungen wechseln einander ab, die Erzählung endet – adäquat – ohne Auflösung, mit einem Dreiklang, der alles offen läßt.
R Claude Sautet B Claude Sautet, Jean-Loup Dabadie, Claude Néron K Jean Boffety M Philippe Sarde A Pierre Guffroy S Jacqueline Thiédot P Michelle de Broca D Romy Schneider, Yves Montand, Sami Frey, Umberto Orsini, Eva Maria Meineke, Isabelle Huppert | F & I & BRD | 110 min | 1:1,66 | f | 27. Oktober 1972
… und David. Ein Mann und eine Frau und ein Mann. Zwei Liebesgeschichten und eine Rivalität, aus der eine Freundschaft wird. Rosalie (Romy Schneider) lebt mit César (Yves Montand), Schrotthändler, Großschnauze und Charmebolzen, vollblütig, laut und empfindlich, und sie verliert ihr Herz (wieder) an David (Sami Frey), Comickünstler, Träumer und Freigeist, ironisch, leise und empfindsam. Die Gefühle wogen wie das Korn auf dem Feld, ziehen wie Wolken am Himmel, rauschen wie die Brandung am Meer. Claude Sautet entwickelt seine Romanze wie ein Musikstück, wie ein Konzert, er arrangiert Schneiders erotische Nonchalance, Montands Körperlichkeit, Freys Zurückhaltung zu heiteren, spannungsreichen, melancholischen Solos, Duetten, Terzetten, die immer wieder in choralische Szenen mit Freunden und Familie gebettet werden. Sommerliche und herbstliche Momente, Allegro- und Adagio-Stimmungen wechseln einander ab, die Erzählung endet – adäquat – ohne Auflösung, mit einem Dreiklang, der alles offen läßt.
R Claude Sautet B Claude Sautet, Jean-Loup Dabadie, Claude Néron K Jean Boffety M Philippe Sarde A Pierre Guffroy S Jacqueline Thiédot P Michelle de Broca D Romy Schneider, Yves Montand, Sami Frey, Umberto Orsini, Eva Maria Meineke, Isabelle Huppert | F & I & BRD | 110 min | 1:1,66 | f | 27. Oktober 1972
17.2.71
Max et les ferrailleurs (Claude Sautet, 1971)
Der Kommissar und das Mädchen
Le flic et la putain: Max, der obsessive Pariser Bulle (Michel Piccoli), manipuliert Lily, die unbefangene Nutte (Romy Schneider), um deren kleinkriminellem Freund Abel (Bernard Fresson) und seiner Bande von Schrottdieben die Idee für einen großen Coup einzuflüstern. Der männliche Protagonist, der um jeden Preis das Recht schützen will – auch wenn er dafür das Unrecht erst herbeiführen muß –, bewegt sich wie ein Zombie auf einer immer enger kreisenden Spiralbahn des Fanatismus, die unweigerlich ins Verderben (aller Beteiligten) führt. Selten wurde die Figur des Polizisten im Kino so pervertiert wie von Claude Sautet, der das (selbst-)zerstörerische Treiben seines gefrorenen Antihelden gleichwohl nicht nur mit distanzierter Faszination, sondern mit echter Anteilnahme verfolgt. Es ist einer kalte, graue Welt, in der »Max et les ferrailleurs« spielt, eine Welt, in die allein Garderobe und Herzenswärme der Prostituierten etwas Farbe und einen Anflug von Hoffnung tragen. Doch so abwegig wie das Verhalten des Ordnungshüters, so ausgeschlossen ist die Möglichkeit von menschlicher Nähe: Sautet erzählt ein konsequentes Melodram, in dem die Liebe nicht wahrscheinlicher ist als eine Flamme ohne Sauerstoff, in dem kein Mensch den anderen kennt: »Je croyais pourtant connaître Max. Mais je ne savais rien de lui.«
R Claude Sautet B Claude Néron, Claude Sautet, Jean-Loup Dabadie V Claude Néron K René Mathelin M Philippe Sarde A Pierre Guffroy S Jacqueline Thiédot P Raymond Danon, Roland Girard D Michel Piccoli, Romy Schneider, George Wilson, François Périer, Bernard Fresson | F & I | 112 min | 1:1,66 | f | 17. Februar 1971
# 948 | 26. Mai 2015
R Claude Sautet B Claude Néron, Claude Sautet, Jean-Loup Dabadie V Claude Néron K René Mathelin M Philippe Sarde A Pierre Guffroy S Jacqueline Thiédot P Raymond Danon, Roland Girard D Michel Piccoli, Romy Schneider, George Wilson, François Périer, Bernard Fresson | F & I | 112 min | 1:1,66 | f | 17. Februar 1971
# 948 | 26. Mai 2015
13.3.70
Les choses de la vie (Claude Sautet, 1970)
Die Dinge des Lebens
(Bemittelten) Menschen beim Leben (und Sterben) zugucken – so könnte man das ebenso banale wie aufregende filmische Programm von Claude Sautet zusammenfassen. »Les choses de la vie« (man beachte den herausfordernd gewöhnlichen Titel) erzählt – nach einem Szenario von Jean-Loup Dabadie – von Pierre (Michel Piccoli), einem Architekten, der seinem früheren Leben mit Catherine (Lea Massari) nachträumt, während er doch eigentlich ein neues mit Hélène (Romy Schneider) beginnen möchte. Ein Autounfall mit einem silbernen Alfa Romeo Giulietta Sprint (so viel Stil muß sein) läßt all seine irdischen Hoffnungen und Zweifel obsolet werden. Wenige Regisseure haben den kindischen Willen zur Größe und das erbärmliche Gefühl der Leere, aber auch den sympathischen Hang zur Schönheit und die elementare Lust am guten Leben, die der verdammten, trivial-erlesenen wohlstandsbürgerlichen Existenz innewohnen, so hin- und mitreißend, so teilnehmend (selbst-)kritisch ins Kino getragen wie eben Sautet. »Je regarde le soir tomber dans les miroirs. C'est la vie.«
R Claude Sautet B Jean-Loup Dabadie, Paul Guimard, Claude Sautet V Paul Guimard K Jean Boffety M Philippe Sarde A André Piltant S Jacqueline Thiédot P Jean Bolvary, Raymond Danon, Roland Girard D Michel Piccoli, Romy Scheider, Lea Massari, Jean Bouise, Bobby Lapointe | F & I & CH | 89 min | 1:1,66 | f | 13. März 1970
(Bemittelten) Menschen beim Leben (und Sterben) zugucken – so könnte man das ebenso banale wie aufregende filmische Programm von Claude Sautet zusammenfassen. »Les choses de la vie« (man beachte den herausfordernd gewöhnlichen Titel) erzählt – nach einem Szenario von Jean-Loup Dabadie – von Pierre (Michel Piccoli), einem Architekten, der seinem früheren Leben mit Catherine (Lea Massari) nachträumt, während er doch eigentlich ein neues mit Hélène (Romy Schneider) beginnen möchte. Ein Autounfall mit einem silbernen Alfa Romeo Giulietta Sprint (so viel Stil muß sein) läßt all seine irdischen Hoffnungen und Zweifel obsolet werden. Wenige Regisseure haben den kindischen Willen zur Größe und das erbärmliche Gefühl der Leere, aber auch den sympathischen Hang zur Schönheit und die elementare Lust am guten Leben, die der verdammten, trivial-erlesenen wohlstandsbürgerlichen Existenz innewohnen, so hin- und mitreißend, so teilnehmend (selbst-)kritisch ins Kino getragen wie eben Sautet. »Je regarde le soir tomber dans les miroirs. C'est la vie.«
R Claude Sautet B Jean-Loup Dabadie, Paul Guimard, Claude Sautet V Paul Guimard K Jean Boffety M Philippe Sarde A André Piltant S Jacqueline Thiédot P Jean Bolvary, Raymond Danon, Roland Girard D Michel Piccoli, Romy Scheider, Lea Massari, Jean Bouise, Bobby Lapointe | F & I & CH | 89 min | 1:1,66 | f | 13. März 1970
23.3.60
Classe tous risques (Claude Sautet, 1960)
Der Panther wird gehetzt
Der Gangster Abel Davos (kompakt: Lino Ventura) ist seit Jahren auf der Flucht. In Frankreich zum Tode verurteilt, brennt ihm nun auch in Italien der Boden unter den Füßen – und er will zurück nach Paris. An der Grenze wird seine Frau erschossen, Abel bleibt allein mit seinen beiden kleinen Söhnen. Die (inzwischen saturierten) alten Freunde gehen auf (lebensgefährliche) Distanz, nur Éric Stark (ausgefuchst: Jean-Paul Belmondo), ein ihm bis dato vollkommen Unbekannter, bietet Abel Hilfe und Freundschaft … Claude Sautet gestaltet in seinem erfrischend unmoralisierenden Film eine einfache Geschichte über Einsamkeit und Gemeinschaft, über Treulosigkeit und Loyalität. Die lakonische Kamera (Ghislain Cloquet) stellt neorealistisch inspirierte Authentizität über gattungsspezifische Expressivität: kein dramatisches Hell-Dunkel, stattdessen unsentimentales Grau in Grau. »Classe tous risques« überzeugt als differenziert-milieuechtes Genrebild, als spröde-intensives Charakterstück der Blicke und Gesten, der kurzen Berührungen und knappen Wortwechsel. Am Ende, nach (aller-)letzten Begegnungen mit den verräterischen ehemaligen Weggefährten, verschwindet Abel ganz einfach in der Menschenmenge auf einem Pariser Boulevard. Ein Off-Kommentar berichtet alles Weitere – und das ist nicht mehr viel.
R Claude Sautet B Claude Sautet, José Giovanni, Pascal Jardin V José Giovanni K Ghislain Cloquet M Georges Delerue A Rino Mondellini S Albert Jurgenson P Jean Darvey D Lino Ventura, Sandra Milo, Jean-Paul Belmondo, Marcel Dalio, Michel Ardan | F & I | 110 min | 1:1,66 | sw | 23. März 1960
Der Gangster Abel Davos (kompakt: Lino Ventura) ist seit Jahren auf der Flucht. In Frankreich zum Tode verurteilt, brennt ihm nun auch in Italien der Boden unter den Füßen – und er will zurück nach Paris. An der Grenze wird seine Frau erschossen, Abel bleibt allein mit seinen beiden kleinen Söhnen. Die (inzwischen saturierten) alten Freunde gehen auf (lebensgefährliche) Distanz, nur Éric Stark (ausgefuchst: Jean-Paul Belmondo), ein ihm bis dato vollkommen Unbekannter, bietet Abel Hilfe und Freundschaft … Claude Sautet gestaltet in seinem erfrischend unmoralisierenden Film eine einfache Geschichte über Einsamkeit und Gemeinschaft, über Treulosigkeit und Loyalität. Die lakonische Kamera (Ghislain Cloquet) stellt neorealistisch inspirierte Authentizität über gattungsspezifische Expressivität: kein dramatisches Hell-Dunkel, stattdessen unsentimentales Grau in Grau. »Classe tous risques« überzeugt als differenziert-milieuechtes Genrebild, als spröde-intensives Charakterstück der Blicke und Gesten, der kurzen Berührungen und knappen Wortwechsel. Am Ende, nach (aller-)letzten Begegnungen mit den verräterischen ehemaligen Weggefährten, verschwindet Abel ganz einfach in der Menschenmenge auf einem Pariser Boulevard. Ein Off-Kommentar berichtet alles Weitere – und das ist nicht mehr viel.
R Claude Sautet B Claude Sautet, José Giovanni, Pascal Jardin V José Giovanni K Ghislain Cloquet M Georges Delerue A Rino Mondellini S Albert Jurgenson P Jean Darvey D Lino Ventura, Sandra Milo, Jean-Paul Belmondo, Marcel Dalio, Michel Ardan | F & I | 110 min | 1:1,66 | sw | 23. März 1960
11.1.60
Les yeux sans visage (Georges Franju, 1960)
Augen ohne Gesicht
Was geschieht, wenn die Liebe eines Vaters zu seiner Tochter und die Besessenheit eines Wissenschaftlers für sein Fachgebiet Hand in Hand gehen? – Wenn die Tochter einen Unfall hatte, bei dem sie ihres engelhaften Gesichtes verlustig ging, und das Fachgebiet des Vaters die Transplantationsmedizin ist, kann es beispielsweise passieren, daß unschuldige junge Frauen verschleppt und im Keller einer einsam gelegenen Klinik zu Tode operiert werden, um eine verlorene Schönheit wiederherzustellen. So in »Les yeux sans visage«, mit dem Georges Franju den Surrealisten und den Pionieren des expressionistischen Kinos seine Reverenz erweist. Pierre Brasseur spielt den Chirurgen mit der Anmaßung eines großen Staatsmannes, seine Assistentin Alida Valli dient ihm mit maligner Bewunderung, und die arme Edith Scob, die Tochter, der nichts als Augen blieben, die Schreckliches sehen müssen, findet die ersehnte Ruhe erst, als sie die Hunde losläßt ... Dies dargeboten zu einem drehorgelig-moritatenhaften Score von Maurice Jarre und in Eugen Schüfftans Bildern, die die Klarheit des Wahnsinns atmen. Was diesen zarten, langsamen Horrorfilm so intensiv macht, ist, daß alles gleichermaßen normal und schrecklich erscheint: die Hingabe und die Hoffnung, die Schuld und die Verzweiflung, der Ehrgeiz und die Hybris.
R Georges Franju B Pierre Boileau, Thomas Narcejac, Claude Sautet, Jean Redon, Pierre Gascar V Jean Redon K Eugen Schüfftan M Maurice Jarre A Auguste Capelier S Gilbert Natot P Jules Borkon D Pierre Brasseur, Alida Valli, Edith Scob, Juliette Mayniel, François Guérin | F & I | 88 min | 1:1,66 | sw | 11. Januar 1960
Was geschieht, wenn die Liebe eines Vaters zu seiner Tochter und die Besessenheit eines Wissenschaftlers für sein Fachgebiet Hand in Hand gehen? – Wenn die Tochter einen Unfall hatte, bei dem sie ihres engelhaften Gesichtes verlustig ging, und das Fachgebiet des Vaters die Transplantationsmedizin ist, kann es beispielsweise passieren, daß unschuldige junge Frauen verschleppt und im Keller einer einsam gelegenen Klinik zu Tode operiert werden, um eine verlorene Schönheit wiederherzustellen. So in »Les yeux sans visage«, mit dem Georges Franju den Surrealisten und den Pionieren des expressionistischen Kinos seine Reverenz erweist. Pierre Brasseur spielt den Chirurgen mit der Anmaßung eines großen Staatsmannes, seine Assistentin Alida Valli dient ihm mit maligner Bewunderung, und die arme Edith Scob, die Tochter, der nichts als Augen blieben, die Schreckliches sehen müssen, findet die ersehnte Ruhe erst, als sie die Hunde losläßt ... Dies dargeboten zu einem drehorgelig-moritatenhaften Score von Maurice Jarre und in Eugen Schüfftans Bildern, die die Klarheit des Wahnsinns atmen. Was diesen zarten, langsamen Horrorfilm so intensiv macht, ist, daß alles gleichermaßen normal und schrecklich erscheint: die Hingabe und die Hoffnung, die Schuld und die Verzweiflung, der Ehrgeiz und die Hybris.
R Georges Franju B Pierre Boileau, Thomas Narcejac, Claude Sautet, Jean Redon, Pierre Gascar V Jean Redon K Eugen Schüfftan M Maurice Jarre A Auguste Capelier S Gilbert Natot P Jules Borkon D Pierre Brasseur, Alida Valli, Edith Scob, Juliette Mayniel, François Guérin | F & I | 88 min | 1:1,66 | sw | 11. Januar 1960
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