»Sie wollen mich auf meinen Streifzügen begleiten? Nun gut…« Der revolutionäre Gehalt von »Taxi zum Klo« liegt nicht in filmsprachlicher Innovation (formal schrammt das Werk fröhlich am Dilettantismus entlang) sondern in der nonchalanten Rigorosität, mit der schwules Leben als Normalität gezeigt wird. Frank ist Lehrer, stromert durch Berlin, fickt alles, was einen Schwanz hat (und kein Tier ist); Bernd arbeitet in einem Kino, kocht gerne und träumt von trauter Zweisamkeit (auf dem Land) – trotz Liebe nicht eben ideale Voraussetzungen für eine stabile Beziehung. Frank Ripploh plaudert aus dem Nähkästchen des (= seines) Alltags zwischen Waldspaziergang und Glory Holes, zwischen Kegelabend im Kollegenkreis und Austausch von Körperflüssigkeiten mit Zufallsbekanntschaften, zwischen Arztbesuch und Tuntenball, zwischen romantischen Sehnsüchten und physischem Verlangen; er dokumentiert (voller Spontaneität und mit einiger Drastik), daß Truffauts berühmtes Diktum »Das Paar ist keine Lösung, aber es gibt keine anderen Lösungen.« nicht nur auf gegengeschlechliche Konstellationen zutrifft.
R Frank Ripploh B Frank Ripploh K Horst Schier M Hans Wittstatt S Marianne Runne, Matthias von Gunten P Frank Ripploh, Horst Schier, Laurens Straub D Frank Ripploh, Bernd Broaderup, Hans-Gerd Mertens, Ulla Topf, Peter Fahrni | BRD | 95 min | 1:1,66 | f | 1. November 1980
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1.11.80
8.2.80
Cruising (William Friedkin, 1980)
Cruising
»I am with someone.« – »Aren’t we all?« William Friedkins in eiskaltes Blau und ledernes Schwarz getauchter Großstadt-Thriller bietet zwar eine Reihe von brutal abgestochenen schwulen Leichen auf, aber mehr als für die Identität des Täters interessiert sich »Cruising« für die Identität des (verdeckten) Ermittlers: Steve Burns (Al Pacino) entdeckt als Undercover-Cop nicht nur eine fremde, seltsame Welt, sondern stößt dort vor allem auf ihm bislang unbekannte Seiten seiner selbst. Während die hochempfindliche Kamera (James Contner) sowie der flimmernd-nächtliche Score (Jack Nitzsche) zu jedem Zeitpunkt das Schlimmste erwarten lassen, verstört die (niemals abschätzige) Inszenierung immer wieder gezielt durch radikale Ellipsen, in denen fünfaktige persönliche Dramen verschwunden sein könnten, und durch unbegreifliche Momente, die keinerlei Erklärung erfahren – wie zum Beispiel der Deus-ex-machina-Auftritt eines muskelbepackten, Cowboyhut, Jockstrap und Stiefel tragenden Schwarzen, der beim Verhör auf dem Polizeirevier schallende Ohrfeigen verabfolgt. Wenn Steve am Ende der Erzählung sich selbst – und damit dem Zuschauer – via Spiegel in die Augen schaut, scheint er weniger zu fragen, wer er (geworden) ist, als vielmehr die – vielleicht unbequeme, vielleicht befreiende – Antwort zu kennen. Seine Freundin (Karen Allen) probiert unterdessen die Ledermütze auf … »Who’s here? I’m here. You’re here.«
R William Friedkin B William Friedkin V Gerald Walker K James Contner M Jack Nitzsche A Bruce Weintraub Ko Robert De Mora S Bud Smith P Jerry Weintraub D Al Pacino, Paul Sorvino, Karen Allen, Richard Cox, Don Scardino | USA & BRD | 102 min | 1:1,85 | f | 8. Februar 1980
»I am with someone.« – »Aren’t we all?« William Friedkins in eiskaltes Blau und ledernes Schwarz getauchter Großstadt-Thriller bietet zwar eine Reihe von brutal abgestochenen schwulen Leichen auf, aber mehr als für die Identität des Täters interessiert sich »Cruising« für die Identität des (verdeckten) Ermittlers: Steve Burns (Al Pacino) entdeckt als Undercover-Cop nicht nur eine fremde, seltsame Welt, sondern stößt dort vor allem auf ihm bislang unbekannte Seiten seiner selbst. Während die hochempfindliche Kamera (James Contner) sowie der flimmernd-nächtliche Score (Jack Nitzsche) zu jedem Zeitpunkt das Schlimmste erwarten lassen, verstört die (niemals abschätzige) Inszenierung immer wieder gezielt durch radikale Ellipsen, in denen fünfaktige persönliche Dramen verschwunden sein könnten, und durch unbegreifliche Momente, die keinerlei Erklärung erfahren – wie zum Beispiel der Deus-ex-machina-Auftritt eines muskelbepackten, Cowboyhut, Jockstrap und Stiefel tragenden Schwarzen, der beim Verhör auf dem Polizeirevier schallende Ohrfeigen verabfolgt. Wenn Steve am Ende der Erzählung sich selbst – und damit dem Zuschauer – via Spiegel in die Augen schaut, scheint er weniger zu fragen, wer er (geworden) ist, als vielmehr die – vielleicht unbequeme, vielleicht befreiende – Antwort zu kennen. Seine Freundin (Karen Allen) probiert unterdessen die Ledermütze auf … »Who’s here? I’m here. You’re here.«
R William Friedkin B William Friedkin V Gerald Walker K James Contner M Jack Nitzsche A Bruce Weintraub Ko Robert De Mora S Bud Smith P Jerry Weintraub D Al Pacino, Paul Sorvino, Karen Allen, Richard Cox, Don Scardino | USA & BRD | 102 min | 1:1,85 | f | 8. Februar 1980
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25.10.78
La cage aux folles (Edouard Molinaro, 1978)
Ein Käfig voller Narren
Robuste Boulevard-Klamotte, die ihre amüsanten Funken aus der Begegnung von besonders effeminierten Schwulen und äußerst hypokritischen Großbürgern schlägt. Renato (bronziert: Ugo Tognazzi), Impressario eines Nachtclubs in Saint-Tropez, seit zwanzig Jahren liiert mit Albin, dem Star des Hauses (kreischig: Michel Serrault), ist dem anderen Geschlecht nur ein einziges Mal so richtig nahe gekommen; der Sohn, den er seinerzeit zeugte, hat sich nun verlobt: mit der Tochter eines konservativen Politikers (gußeisern: Michel Galabru). Die Vorlage von Jean Poiret verzichtet konsequent auf das Pinseln feiner Zwischentöne, und auch die Inszenierung von Édouard Molinaro begnügt sich mit dem grellen Ausleuchten von Gemeinplätzen: hie abgespreizte kleine Finger und ausladende Hüftschwünge, da Ehrpusseligkeit und Pharisäertum. Der finale Rollentausch, auf den das turbulente Possenspiel erwartungsgemäß zuläuft, macht überdeutlich, daß auf allen Seiten Verstellung und Maskerade regieren: das Leben, ein endloses Kostümfest.
R Édouard Molinaro B Édouard Molinaro, Francis Veber, Marcello Danon V Jean Poiret K Armando Nannuzzi M Ennio Morricone A Mario Garbuglia S Monique Isnardon, Robert Isnardon P Marcello Danon D Ugo Tognazzi, Michel Serrault, Michel Galabru, Rémi Laurent, Claire Maurier | F & I | 100 min | 1:1,66 | f | 25. Oktober 1978
# 845 | 15. März 2014
Robuste Boulevard-Klamotte, die ihre amüsanten Funken aus der Begegnung von besonders effeminierten Schwulen und äußerst hypokritischen Großbürgern schlägt. Renato (bronziert: Ugo Tognazzi), Impressario eines Nachtclubs in Saint-Tropez, seit zwanzig Jahren liiert mit Albin, dem Star des Hauses (kreischig: Michel Serrault), ist dem anderen Geschlecht nur ein einziges Mal so richtig nahe gekommen; der Sohn, den er seinerzeit zeugte, hat sich nun verlobt: mit der Tochter eines konservativen Politikers (gußeisern: Michel Galabru). Die Vorlage von Jean Poiret verzichtet konsequent auf das Pinseln feiner Zwischentöne, und auch die Inszenierung von Édouard Molinaro begnügt sich mit dem grellen Ausleuchten von Gemeinplätzen: hie abgespreizte kleine Finger und ausladende Hüftschwünge, da Ehrpusseligkeit und Pharisäertum. Der finale Rollentausch, auf den das turbulente Possenspiel erwartungsgemäß zuläuft, macht überdeutlich, daß auf allen Seiten Verstellung und Maskerade regieren: das Leben, ein endloses Kostümfest.
R Édouard Molinaro B Édouard Molinaro, Francis Veber, Marcello Danon V Jean Poiret K Armando Nannuzzi M Ennio Morricone A Mario Garbuglia S Monique Isnardon, Robert Isnardon P Marcello Danon D Ugo Tognazzi, Michel Serrault, Michel Galabru, Rémi Laurent, Claire Maurier | F & I | 100 min | 1:1,66 | f | 25. Oktober 1978
# 845 | 15. März 2014
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5.10.77
L’animal (Claude Zidi, 1977)
Ein irrer Typ
Hyperaktive Zappelkomödie mit Jean-Paul Belmondo in einer Doppelrolle als tollkühner Stuntman Mike Gaucher und effeminierter Megastar Bruno Ferrari. »L’animal« pfeift fröhlich auf die psychologischen Möglichkeiten dieser Konstellation, bietet stattdessen dem Hauptdarsteller zahlreiche Gelegenheiten, seine Physis zu präsentieren. Die unegale Handlung begnügt sich mit umwerfend plumpen Klischees, zeigt das Filmgeschäft als liebenswert geistlose Kulissenwelt, in der rohe Kräfte sinnlos walten, als wilden Zoo voller großer und kleiner Idioten, die, jeder auf seine Art, in ihren Käfigen verrückt spielen. Claude Zidi ist sich für keinen Kalauer zu schade, setzt ganz auf brachialen Körperwitz, exploitiert genüßlich jedes Stereotyp: Der Produzent schreit, der Regisseur hat keinen Plan, der Schwule trägt ein rosa Rüschenhemd, die schöne Widerspenstige (Raquel Welch) wird gezähmt, der Kaskadeur nimmt jede Hürde. Mit der Wirklichkeit (des Gewerbes) hat das nicht viel zu tun. Aber wen interessiert (im Kino) schon die Wirklichkeit?
R Claude Zidi B Michel Audiard, Dominique Fabre, Claude Zidi K Claude Renoir M Vladimir Cosma A Théo Meurisse S Robert Isnardon, Monique Isnardon P Christian Fechner D Jean-Paul Belmondo, Raquel Welch, Charles Gérard, Julien Guiomar, Aldo Maccione | F | 100 min | 1:2,35 | f | 5. Oktober 1977
Hyperaktive Zappelkomödie mit Jean-Paul Belmondo in einer Doppelrolle als tollkühner Stuntman Mike Gaucher und effeminierter Megastar Bruno Ferrari. »L’animal« pfeift fröhlich auf die psychologischen Möglichkeiten dieser Konstellation, bietet stattdessen dem Hauptdarsteller zahlreiche Gelegenheiten, seine Physis zu präsentieren. Die unegale Handlung begnügt sich mit umwerfend plumpen Klischees, zeigt das Filmgeschäft als liebenswert geistlose Kulissenwelt, in der rohe Kräfte sinnlos walten, als wilden Zoo voller großer und kleiner Idioten, die, jeder auf seine Art, in ihren Käfigen verrückt spielen. Claude Zidi ist sich für keinen Kalauer zu schade, setzt ganz auf brachialen Körperwitz, exploitiert genüßlich jedes Stereotyp: Der Produzent schreit, der Regisseur hat keinen Plan, der Schwule trägt ein rosa Rüschenhemd, die schöne Widerspenstige (Raquel Welch) wird gezähmt, der Kaskadeur nimmt jede Hürde. Mit der Wirklichkeit (des Gewerbes) hat das nicht viel zu tun. Aber wen interessiert (im Kino) schon die Wirklichkeit?
R Claude Zidi B Michel Audiard, Dominique Fabre, Claude Zidi K Claude Renoir M Vladimir Cosma A Théo Meurisse S Robert Isnardon, Monique Isnardon P Christian Fechner D Jean-Paul Belmondo, Raquel Welch, Charles Gérard, Julien Guiomar, Aldo Maccione | F | 100 min | 1:2,35 | f | 5. Oktober 1977
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10.3.76
Je t’aime moi non plus (Serge Gainsbourg, 1976)
Je t’aime
»La plus belle histoire d'amour qu'il puisse imaginer.« Der schwule Müllkutscher Krassky (Joe Dallesandro) vergafft sich in die knabenhafte Tresenschlampe Johnny (Jane Birkin), die er trotz (angeblich) wahrer Liebe nur von hinten nehmen kann. Krasskys Lover Padovan (Hugues Quester) rast vor Eifersucht und wedelt gefährlich mit einer Plastiktüte … Serge Gainsbourg phantasiert (nicht ohne lyrische Zärtlichkeit) über seinen eigenen 1969er Skandalsong »Je t'aime moi non plus« eine modellhafte Beziehungsdramödie der dritten Art zusammen, deren imaginär-amerikanisches Setting von einem champagnersaufenden, furzenden Wirt (Reinhard Kolldehoff ist ›Boris‹), amateurischen Stripperinnen und vagabundierenden Schlägern bevölkert wird: ein impulsiver Film auf der Suche nach rauschhafter Verschmelzung, in dem sich die Kamera (Willy Kurant), wenn es zur Sache geht, überraschend diskret auf Abstand hält. PS: Bizarrer Kurzauftritt von Gérard Depardieu als namenloser Reiter, der wegen besonders guter Intimausstattung nur noch sein Pferd besteigt.
R Serge Gainsbourg B Serge Gainsbourg K Willy Kurant M Serge Gainsbourg A Théo Meurisse S Kenout Peltier P Jacques-Eric Strauss, Claude Berri D Jane Birkin, Joe Dallesandro, Hugues Quester, Reinhard Kolldehoff, Gérard Depardieu | F | 89 min | 1:1,66 | f | 10. März 1976
»La plus belle histoire d'amour qu'il puisse imaginer.« Der schwule Müllkutscher Krassky (Joe Dallesandro) vergafft sich in die knabenhafte Tresenschlampe Johnny (Jane Birkin), die er trotz (angeblich) wahrer Liebe nur von hinten nehmen kann. Krasskys Lover Padovan (Hugues Quester) rast vor Eifersucht und wedelt gefährlich mit einer Plastiktüte … Serge Gainsbourg phantasiert (nicht ohne lyrische Zärtlichkeit) über seinen eigenen 1969er Skandalsong »Je t'aime moi non plus« eine modellhafte Beziehungsdramödie der dritten Art zusammen, deren imaginär-amerikanisches Setting von einem champagnersaufenden, furzenden Wirt (Reinhard Kolldehoff ist ›Boris‹), amateurischen Stripperinnen und vagabundierenden Schlägern bevölkert wird: ein impulsiver Film auf der Suche nach rauschhafter Verschmelzung, in dem sich die Kamera (Willy Kurant), wenn es zur Sache geht, überraschend diskret auf Abstand hält. PS: Bizarrer Kurzauftritt von Gérard Depardieu als namenloser Reiter, der wegen besonders guter Intimausstattung nur noch sein Pferd besteigt.
R Serge Gainsbourg B Serge Gainsbourg K Willy Kurant M Serge Gainsbourg A Théo Meurisse S Kenout Peltier P Jacques-Eric Strauss, Claude Berri D Jane Birkin, Joe Dallesandro, Hugues Quester, Reinhard Kolldehoff, Gérard Depardieu | F | 89 min | 1:1,66 | f | 10. März 1976
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30.5.75
Faustrecht der Freiheit (Rainer Werner Fassbinder, 1975)
»Eine wunderschöne Romanze: der Unternehmer und die Lottokönigin.« Auf die Frage, was er tue, wenn er einen Menschen liebe, antwortet Bertolt Brechts Herr Keuner, er mache einen Entwurf von ihm und sorge dafür, daß er ihm ähnlich werde – der Mensch, nicht der Entwurf. In Rainer Werner Fassbinders »Faustrecht der Freiheit« geht der naiv-sensible Homoprolo Franz Bieberkopf, der durch einen Glückstreffer zu Reichtum kommt, noch einen Schritt weiter: Er macht einen Entwurf von der Liebe (Vertrauen, Solidarität, eine Prise gutmütiger Provokation) und unternimmt alles, damit ihm das Leben ähnlich werde. Der Versuch schlägt fehl – die Verhältnisse, sie sind nicht so. Großzügigkeit (in emotionalen wie finanziellen Angelegenheiten), so Prämisse und Erkenntnis dieser eigentümlichen Zweckehe von ironisch-trostlosem Lehrstück und opernhaft-schwulem Melodram, wird als ebenjene Dummheit, die sie in der kapitalistischen Gesellschaft nun einmal ist, verstanden und entsprechend (aus-)genutzt. Die überraschungsfreie Geradlinigkeit der Erzählung erscheint als Schwäche und Stärke gleichermaßen: Zu keinem Zeitpunkt des Geschehens kann am Ausgang der Moritat gezweifelt werden – Spannung bleibt mithin aus; genau dieser Umstand erlaubt jedoch das präzise topographische Studium einer Gefühlslandschaft, die sich von den scheinfriedlichen Tälern der Illusion bis zu den Gipfeln des ausbeuterischen Verrats erstreckt. PS: »Es gibt Leute, die sich waschen, und andere, die sind sauber.« – »Und dann gibt es wieder Leute, die stinken, obwohl sie sauber sind.«
R Rainer Werner Fassbinder B Rainer Werner Fassbinder, Christian Hohoff K Michael Ballhaus M Peer Raben A Kurt Raab S Thea Eymèsz P Rainer Werner Fassbinder D Rainer Werner Fassbinder, Peter Chatel, Karlheinz Böhm, Adrian Hoven, Ulla Jacobsson | BRD | 123 min | 1:1,37 | f | 30. Mai 1975
R Rainer Werner Fassbinder B Rainer Werner Fassbinder, Christian Hohoff K Michael Ballhaus M Peer Raben A Kurt Raab S Thea Eymèsz P Rainer Werner Fassbinder D Rainer Werner Fassbinder, Peter Chatel, Karlheinz Böhm, Adrian Hoven, Ulla Jacobsson | BRD | 123 min | 1:1,37 | f | 30. Mai 1975
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Hoven,
Jacobsson,
Melodram,
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31.1.74
Supermarkt (Roland Klick, 1974)
»You know I want my celebration, babe, before I die.« Willi rennt. Gegen Wände. Immer wieder weg. Um sein Leben. Willi (lumpenproletarisch-sexy: Charly Wierczejewski), eine arme Sau vom Hamburger Kiez, frettet sich durch, mopst Kleingeld vom Tresen, hat aber immer eine Münze für die Musicbox. Kommen die Bullen, haut er ab, auch wenn er gar nichts getan hat, denn für irgendetwas würden sie ihn schon drankriegen. Da sind welche, die ihm angeblich helfen wollen, aus dem Dreck herauszukommen, aber eigentlich wollen sie alle bloß etwas von ihm: Der berufsbetroffene Reporter (Michael Degen) will eine Story, der wohlhabende Schwule (Hans-Michael Rehberg) will einen Fick, der miese Gauner (Walter Kohut) braucht jemanden, der ihm hilft, ein mieses Ding zu drehen. Willi hat offensichtlich seine Erfahrungen gemacht, beißt konsequent in jede Hand, die sich nähert; ein wenig Zutrauen faßt er nur zu einer blonden Nutte (Eva Mattes), die niemandem helfen kann, noch nicht einmal sich selbst … Roland Klick dreht im Grunde einen typischen deutschen Problemfilm, aber, und das ist der feine große Unterschied, er problematisiert das soziale Elend nicht, skizziert anstattdessen – mit extrem beweglicher Kamera (Jost Vacano rennt so schnell wie der nervöse, immer alarmierte Protagonist) – eine rauhe, unbeseelte Welt, die einerseits ein einziger Supermarkt ist, ein kaltes Paradies der Käuflichkeit, andererseits jedoch gerade dieses eben nicht: Für Willi und Konsorten gibt es nichts zu kaufen, letztlich noch nicht einmal etwas zu klauen …
R Roland Klick B Roland Klick, Georg Althammer, Jane Sperr K Jost Vacano M Peter Hesslein, Udo Lindenberg A Georg von Kieseritzky S Jane Sperr P Roland Klick, Heinz Angermeyer D Charly Wierczejewski, Eva Mattes, Michael Degen, Walter Kohut, Hans-Michael Rehberg | BRD | 84 min | 1:1,66 | f | 31. Januar 1974
R Roland Klick B Roland Klick, Georg Althammer, Jane Sperr K Jost Vacano M Peter Hesslein, Udo Lindenberg A Georg von Kieseritzky S Jane Sperr P Roland Klick, Heinz Angermeyer D Charly Wierczejewski, Eva Mattes, Michael Degen, Walter Kohut, Hans-Michael Rehberg | BRD | 84 min | 1:1,66 | f | 31. Januar 1974
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29.12.72
Ludwig (Luchino Visconti, 1972)
Ludwig II.
Beklemmendes Panorama und pompöses Kammerspiel: der Verfall eines Monarchen vom hoffnungsvollen Tag der Krönung bis zum geheimnisumwitterten Ertrinkungstod. Im abschließenden Teil seiner »deutschen Trilogie« begibt sich Luchino Visconti auf die Spuren des – zu Beginn der Erzählung berückend schönen – Bayernkönigs Ludwig II. (Helmut Berger), der – voller Pläne und erfüllt von Ängsten, zugleich scheu und gebieterisch – seinen von schöpferischem Wollen angetriebenen Herrschaftsanspruch in konstitutionellen Zeiten nicht leben kann, dem – zerrieben zwischen dem Drang nach Selbstentfaltung und staatspolitischem Erwartungsdruck – Freundschaft (zum hochverehrten Richard Wagner, zum angeschwärmten Josef Kainz) und Liebe (zur seelenverwandten Elisabeth von Österreich, der komplexesten Figur des Dramas, von Romy Schneider als Dementi ihrer eigenen Sissi-Vergangenheit gespielt) durchweg mißglücken, der sich schließlich – aufgedunsen und zahnlückig – in asymmetrische Techtelmechtel und die Errichtung (seifen-)opernhafter Phantasiewelten flüchtet. Kein herkömmliches Epos, eher eine ausufernde Fallstudie, zusammengefügt aus (mehr oder weniger fiktionalisierten) biographischen Episoden, locker strukturiert von in die Kamera gesprochenen Stellungnahmen der Wegbegleiter und Widersacher des royalen Protagonisten, ein schwelgerisch-distanziertes Schaustück vom (traurigen) Glanz und (prunkvollen) Elend eines radikalen Ästheten und antisozialen Träumers.
R Luchino Visconti B Luchino Visconti, Enrico Medioli, Suso Cecchi D’Amico K Armando Nannuzzi M diverse A Mario Chiari S Ruggero Mastroianni P Ugo Santalucia, Dieter Geissler D Helmut Berger, Romy Schneider, Trevor Howard, Umberto Orsini, Silvana Mangano, Gert Fröbe | I & F & BRD | 235 min | 1:2,35 | f | 29. Dezember 1972
# 1136 | 8. November 2018
Beklemmendes Panorama und pompöses Kammerspiel: der Verfall eines Monarchen vom hoffnungsvollen Tag der Krönung bis zum geheimnisumwitterten Ertrinkungstod. Im abschließenden Teil seiner »deutschen Trilogie« begibt sich Luchino Visconti auf die Spuren des – zu Beginn der Erzählung berückend schönen – Bayernkönigs Ludwig II. (Helmut Berger), der – voller Pläne und erfüllt von Ängsten, zugleich scheu und gebieterisch – seinen von schöpferischem Wollen angetriebenen Herrschaftsanspruch in konstitutionellen Zeiten nicht leben kann, dem – zerrieben zwischen dem Drang nach Selbstentfaltung und staatspolitischem Erwartungsdruck – Freundschaft (zum hochverehrten Richard Wagner, zum angeschwärmten Josef Kainz) und Liebe (zur seelenverwandten Elisabeth von Österreich, der komplexesten Figur des Dramas, von Romy Schneider als Dementi ihrer eigenen Sissi-Vergangenheit gespielt) durchweg mißglücken, der sich schließlich – aufgedunsen und zahnlückig – in asymmetrische Techtelmechtel und die Errichtung (seifen-)opernhafter Phantasiewelten flüchtet. Kein herkömmliches Epos, eher eine ausufernde Fallstudie, zusammengefügt aus (mehr oder weniger fiktionalisierten) biographischen Episoden, locker strukturiert von in die Kamera gesprochenen Stellungnahmen der Wegbegleiter und Widersacher des royalen Protagonisten, ein schwelgerisch-distanziertes Schaustück vom (traurigen) Glanz und (prunkvollen) Elend eines radikalen Ästheten und antisozialen Träumers.
R Luchino Visconti B Luchino Visconti, Enrico Medioli, Suso Cecchi D’Amico K Armando Nannuzzi M diverse A Mario Chiari S Ruggero Mastroianni P Ugo Santalucia, Dieter Geissler D Helmut Berger, Romy Schneider, Trevor Howard, Umberto Orsini, Silvana Mangano, Gert Fröbe | I & F & BRD | 235 min | 1:2,35 | f | 29. Dezember 1972
# 1136 | 8. November 2018
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28.6.72
Die bitteren Tränen der Petra von Kant (Rainer Werner Fassbinder, 1972)
»Der Mensch ist so gemacht, daß er den anderen Menschen braucht, doch hat er nicht gelernt, wie man zusammen ist.« Hochfrisiert-pelzkragenumbauschtes Edel-Melo-Kammerspiel im Appartement der kultivierten Petra von Kant (Margit Carstensen), die bislang nur lieben ließ und nun zum ersten Male selbst in die Verlegenheit kommt, ihr Herz zu verlieren. Rainer Werner Fassbinder bringt sein eigenes Theaterstück auf die Leinwand, ohne der Versuchung zu erliegen, den intimen Rahmen der Bühne aufzubrechen: In der drückenden Ausweglosigkeit des luft- und blickdichten Settings, halb Boudoir, halb Atelier, erlebt die Titelheldin den emotionalen Abstieg von der umhätschelten Prinzessin auf der Erbse zum besoffenen Wrack, das sich hysterisch auf dem Flokati wälzt und das Telefon anwimmert, endlich zu klingeln – an ihrer Seite: Hanna Schygulla als kalkulierend-lässige Geliebte sowie Irm Hermann als stumm-devote Dienerin. Synthetisch-eindringlich, aber auch nicht ganz ohne die Dialog-Häme eines Joseph L. Mankiewicz (an dessen Bitchiness-Studie »All About Eve« die zentrale Konstellation erinnert) veranschaulicht Fassbinder fatale Wechselwirkungen der Paarbeziehung: Verehrung und Demütigung, Abhängigkeit und Ausbeutung, Verlustangst und Distanzierung, Dominanz und Unterwerfung. Petra von Kant wird die Liebe dennoch überleben, denn wie sagt sie selbst: »Der Mensch ist schlimm. Letztlich erträgt er alles. Alles.«
R Rainer Werner Fassbinder B Rainer Werner Fassbinder V Rainer Werner Fassbinder K Michael Ballhaus M diverse A Kurt Raab S Thea Eymèsz P Rainer Werner Fassbinder D Margit Carstensen, Hanna Schygulla, Irm Hermann, Katrin Schaake, Gisela Fackeldey | BRD | 124 min | 1:1,37 | f | 28. Juni 1972
R Rainer Werner Fassbinder B Rainer Werner Fassbinder V Rainer Werner Fassbinder K Michael Ballhaus M diverse A Kurt Raab S Thea Eymèsz P Rainer Werner Fassbinder D Margit Carstensen, Hanna Schygulla, Irm Hermann, Katrin Schaake, Gisela Fackeldey | BRD | 124 min | 1:1,37 | f | 28. Juni 1972
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4.7.71
Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt (Rosa von Praunheim, 1971)
»Sind Sie Berliner?« – »Nein. Isch bin zum ersten Mal in Berlin.« – »Und? Gefällt es Ihnen?« – »Ja, wie soll isch das jetzt schon sagen?« Daniel kommt aus der Provinz in die Großstadt. Während ihm monströse Koteletten sprießen und eine üppige Mähne wächst, durchläuft der junge Homosexuelle die schwule (Parallel-)Welt wie ein Fegefeuer der schrillen Trostlosigkeit. Ob Einzimmerwohnung oder Villa, ob Bar oder Freibad, ob Klappe oder Park: überall herrschen Gefühlskälte, Eitelkeit, Jugendkult, Modewahn, Körperterror, Liebesunfähigkeit; Tunte und Lederkerl, Paradiesvogel und warmer Spießer, sie alle fallen trotz, nein: wegen ihres gehetzten Herumfickens, wegen ihrer fanatischen Schwanzfixierung in bodenlose Einsamkeit … Exaltiertes Laientheater, asynchron nachvertonte Dialoge, komplett stumme Schausequenzen, unterrichtsfilmhafte Off-Kommentare – Rosa von Praunheim fügt vollendeten Dilettantismus und ultrakünstlichen Dokumentarstil zu einem sarkastischen Lehrstück der Isolation, zu einer absurden Revue der Deformierung – aber auch zu einem kämpferischen Pamphlet: Am Ende landet der von Szene und Dauergeilheit ausgelaugte Anti-Held auf dem fliederfarbenen Matratzenlager einer schwulen Wohngemeinschaft, die besser, sozialer, bewußter sein, handeln, lieben will: »Werdet stolz auf eure Homosexualität! Raus aus den Toiletten, rein in die Straßen!
Freiheit für die Schwulen!« PS: Ob die Situation heute, fünf Jahrzehnte nach der Uraufführung des Films, weniger pervers ist als damals, mag jeder, der in ihr lebt, selbst beurteilen.
R Rosa von Praunheim B Rosa von Praunheim, Martin Dannecker, Sigurd Wurl K Robert van Ackeren M diverse S Jean-Claude Peroué P Werner Kließ D Bernd Feuerhelm, Berryt Bohlen, Ernst Kuchling, Volker Eschke | BRD | 67 min | 1:1,37 | f | 4. Juli 1971
R Rosa von Praunheim B Rosa von Praunheim, Martin Dannecker, Sigurd Wurl K Robert van Ackeren M diverse S Jean-Claude Peroué P Werner Kließ D Bernd Feuerhelm, Berryt Bohlen, Ernst Kuchling, Volker Eschke | BRD | 67 min | 1:1,37 | f | 4. Juli 1971
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1.7.71
Sunday Bloody Sunday (John Schlesinger, 1971)
Sunday Bloody Sunday
»Weht leise, ihr Winde, / Sanft schaukle die Welle, / Seid freundlich und linde / Ihr wogenden Fluten, / Seid hold ihrer Fahrt!« – London. Herbst. Zehn Tage. Drei Menschen. Alex, Mitte 30 (Glenda Jackson), und Daniel, um die 50 (Peter Finch), lieben den jungen Bob (Murray Head). Bob schläft mit beiden (die voneinander wissen, ohne sich zu kennen), liebt sie parallel wieder, bleibt in dieser emotionalen Spaltung nur einem treu: sich selbst. John Schlesinger (Regie) und Penelope Gilliat (Drehbuch) fügen mit distanzierter Empathie eine Reihe von konzentriert beobachteten Alltagssituationen zur Rundsicht auf eine komplexe Gefühlslandschaft, kennen dabei weder Vorbehalte noch Vorurteile. Vor dem Objektiv der insistierenden Kamera, in den ausgewaschenen Farben der Erzählung, sind sie alle gleich – und werden in ihren Zweifeln, in ihren Hoffnungen, in ihren widersprüchlichen Wesensarten gleichermaßen ernst genommen: die (fordernde) geschiedene Arbeitsberaterin, der (zurückhaltende) schwule Arzt, der (autonome) ambitionierte Künstler. »Sunday Bloody Sunday« zeigt die Dinge des Lebens, die Fragilität der Beziehungen, die Strömungen der Liebe in den Zeiten der relativen Wahrheit: eine Symphonie der Zwischentöne, eine Anatomie der Kommunikation, ein Dreieck mit unendlich vielen Seiten. PS: »All my life, I've been looking for somebody courageous, resourceful. He's not it … but something. We were something.«
R John Schlesinger B Penelope Gilliat K Billy Williams M Wolfgang Amadeus Mozart, Ron Geesin A Luciana Arrighi S Richard Marden P Joseph Janni D Peter Finch, Glenda Jackson, Murray Head, Peggy Ashcroft, Tony Britton | UK | 110 min | 1:1,66 | f | 1. Juli 1971
»Weht leise, ihr Winde, / Sanft schaukle die Welle, / Seid freundlich und linde / Ihr wogenden Fluten, / Seid hold ihrer Fahrt!« – London. Herbst. Zehn Tage. Drei Menschen. Alex, Mitte 30 (Glenda Jackson), und Daniel, um die 50 (Peter Finch), lieben den jungen Bob (Murray Head). Bob schläft mit beiden (die voneinander wissen, ohne sich zu kennen), liebt sie parallel wieder, bleibt in dieser emotionalen Spaltung nur einem treu: sich selbst. John Schlesinger (Regie) und Penelope Gilliat (Drehbuch) fügen mit distanzierter Empathie eine Reihe von konzentriert beobachteten Alltagssituationen zur Rundsicht auf eine komplexe Gefühlslandschaft, kennen dabei weder Vorbehalte noch Vorurteile. Vor dem Objektiv der insistierenden Kamera, in den ausgewaschenen Farben der Erzählung, sind sie alle gleich – und werden in ihren Zweifeln, in ihren Hoffnungen, in ihren widersprüchlichen Wesensarten gleichermaßen ernst genommen: die (fordernde) geschiedene Arbeitsberaterin, der (zurückhaltende) schwule Arzt, der (autonome) ambitionierte Künstler. »Sunday Bloody Sunday« zeigt die Dinge des Lebens, die Fragilität der Beziehungen, die Strömungen der Liebe in den Zeiten der relativen Wahrheit: eine Symphonie der Zwischentöne, eine Anatomie der Kommunikation, ein Dreieck mit unendlich vielen Seiten. PS: »All my life, I've been looking for somebody courageous, resourceful. He's not it … but something. We were something.«
R John Schlesinger B Penelope Gilliat K Billy Williams M Wolfgang Amadeus Mozart, Ron Geesin A Luciana Arrighi S Richard Marden P Joseph Janni D Peter Finch, Glenda Jackson, Murray Head, Peggy Ashcroft, Tony Britton | UK | 110 min | 1:1,66 | f | 1. Juli 1971
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Schlesinger
1.12.70
The Music Lovers (Ken Russell, 1970)
Tschaikowski – Genie und Wahnsinn
Ein »Film Pathétique« über Leben, Zeiten und Wirken des russischen Komponisten Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Ken Russell – dem gesicherte historische Tatsachen und guter Geschmack nicht viel, höchstpersönliche Ausdeutungen und schamlose Impertinenz dagegen alles bedeuten – startet fulminant: ein Festtag im Schnee, ein Morgen im Bett, die Uraufführung eines Klavierkonzertes. In 20 atemlosen Minuten werden Dynamik und Widersprüche, Gefährdung und Möglichkeiten, Angst und Leidenschaften des (von Richard Chamberlain gespielten) Protagonisten in Form einer komplexen dramatischen Konstellation etabliert: ein schwuler Mann zwischen drei (eigentlich vier) Frauen (Schwester, Gattin, Gönnerin – und toter Mutter), ein Künstler zwischen Talent, Libido und gesellschaftlichem Komment. In den folgenden anderthalb Stunden von »The Music Lovers«, einem Werk, das auch den Titel »Sex, Lies, and Symphony« tragen könnte, wird das Tempo kaum je gedrosselt: visueller Exzess, erzählerischer Hochdruck, romantischer Volldampf bis zum (heißen) Tod des innerlich zum Zerreißen gespannten Tonschöpfers. Das gesprochene Wort aufs Wesentliche reduzierend, legt Russell alles in die üppigen Bilder (Douglas Slocombe) und in die expressive Musik: Tschaikowskis Kompositionen werden zur Folie für Erinnerungen und Visionen, für Angstträume und Glücksfiktionen. In diesem inszenatorischen Überschwang entsteht selbstredend kein wirklichkeitsgetreues Lebensbild. Soll es wohl auch nicht: Die aus effektvoller Kolportage und drastischer Alltagspsychologie gespeiste biographische Phantasie zielt nicht auf faktische, sondern auf emotionale Wahrheit – vielleicht die des filmisch Portraitierten, vielleicht die des Regisseurs.
R Ken Russell B Melvyn Bragg V Catherine Drinker Bowen, Barbara von Meck K Douglas Slocombe M Pjotr Iljitsch Tschaikowski A Natashe Kroll S Michael Bradsell P Ken Russell D Richard Chamberlain, Glenda Jackson, Izabella Telezynska, Christopher Gable, Kenneth Colley | UK | 123 min | 1:2,35 | f | 1. Dezember 1970
Ein »Film Pathétique« über Leben, Zeiten und Wirken des russischen Komponisten Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Ken Russell – dem gesicherte historische Tatsachen und guter Geschmack nicht viel, höchstpersönliche Ausdeutungen und schamlose Impertinenz dagegen alles bedeuten – startet fulminant: ein Festtag im Schnee, ein Morgen im Bett, die Uraufführung eines Klavierkonzertes. In 20 atemlosen Minuten werden Dynamik und Widersprüche, Gefährdung und Möglichkeiten, Angst und Leidenschaften des (von Richard Chamberlain gespielten) Protagonisten in Form einer komplexen dramatischen Konstellation etabliert: ein schwuler Mann zwischen drei (eigentlich vier) Frauen (Schwester, Gattin, Gönnerin – und toter Mutter), ein Künstler zwischen Talent, Libido und gesellschaftlichem Komment. In den folgenden anderthalb Stunden von »The Music Lovers«, einem Werk, das auch den Titel »Sex, Lies, and Symphony« tragen könnte, wird das Tempo kaum je gedrosselt: visueller Exzess, erzählerischer Hochdruck, romantischer Volldampf bis zum (heißen) Tod des innerlich zum Zerreißen gespannten Tonschöpfers. Das gesprochene Wort aufs Wesentliche reduzierend, legt Russell alles in die üppigen Bilder (Douglas Slocombe) und in die expressive Musik: Tschaikowskis Kompositionen werden zur Folie für Erinnerungen und Visionen, für Angstträume und Glücksfiktionen. In diesem inszenatorischen Überschwang entsteht selbstredend kein wirklichkeitsgetreues Lebensbild. Soll es wohl auch nicht: Die aus effektvoller Kolportage und drastischer Alltagspsychologie gespeiste biographische Phantasie zielt nicht auf faktische, sondern auf emotionale Wahrheit – vielleicht die des filmisch Portraitierten, vielleicht die des Regisseurs.
R Ken Russell B Melvyn Bragg V Catherine Drinker Bowen, Barbara von Meck K Douglas Slocombe M Pjotr Iljitsch Tschaikowski A Natashe Kroll S Michael Bradsell P Ken Russell D Richard Chamberlain, Glenda Jackson, Izabella Telezynska, Christopher Gable, Kenneth Colley | UK | 123 min | 1:2,35 | f | 1. Dezember 1970
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24.4.70
Perrak (Alfred Vohrer, 1970)
Dialog 1970 – Sohn: »Scheiße!« Vater: »Ich höre immer nur ›scheiße‹ von dir. Was willst du mal sagen, wenn du wirklich in der Scheiße sitzt?« Sohn: »Kacke!« Ruppiger Auftakt eines (laut Plakat) »pulvertrockenen Sittenreißers«. Nach der schmuddligen Titelsequenz (Möwen im Smog) wird auf der Hamburger Müllkippe, gleich neben einem Bild von Exkanzler Kiesinger, die Leiche eines Mädchens gefunden, das ein Junge war – zu Lebzeiten hatte der tote Toni »den schönsten Paraffinbusen von Nordeuropa«. Kommissar Perrak (Horst Tappert) nimmt die Ermittlungen auf und schnüffelt sich durch die Abseiten der winterlichen Hansestadt, um ein (über die Auflösung hinaus) undurchsichtiges, libidinös unterfüttertes Mord- und Erpressungskomplott zu entwirren. Mit der Nachzeichnung seines Weges – über die Schrottplätze des Wirtschaftswunders und in schwule Nachtclubs (»Wir stehen hier alle unter dem Protektorat von Heinemann.«), an die Hafenkante und in die Spiegelkabinette des Lasters, zu den Swimmingpools der Reichen und ins Obdachlosenasyl – entsteht ein kolportagehafter Querschnittsfilm, eine plakative Revue der gesellschaftlichen Zustände in den Wirren der sexuellen Revolution. Regisseur Alfred Vohrer zündet Kofferbomben, vergießt literweise Kunstblut und läßt einen Preßlufthammer als Folterwerkzeug heranstampfen; die Darsteller (unter ihnen Judy Winter, Erika Pluhar, Werner Peters und – als Nachwuchsschurke – Jochen Busse) dieses formal ziemlich notgeilen, dabei durchaus satirisch angehauchten bundesdeutschen Exploitation-Versuchs haben nicht viel zu tun – Autor Manfred Purzer (alias Ernst Flügel) dichtet ihnen Rollennamen an, die eh alles erzählen: Sie heißen ›Bimbo‹ (der Neger), ›Pinky‹ (die Transe), ›Wermuth-Ede‹ (der Penner), ›Trompeten-Emma‹ (die Puffmutter), ›Casanova‹ (der Ganove), ›Kaminski‹, ›Bottke‹ oder ›Dr. Rembold‹ (die Schweinepriester). »Also los, meine Herren, Röcke hoch!«
R Alfred Vohrer B Ernst Flügel (= Manfred Purzer) K Ernst W. Kalinke M Rolf Kühn A Günther Kob, Wolf Englert S Jutta Hering P Luggi Waldleitner D Horst Tappert, Erika Pluhar, Judy Winter, Werner Peters, Hubert Suschka | BRD | 92 min | 1:1,66 | f | 24. April 1970
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28.5.68
The Detective (Gordon Douglas, 1968)
Der Detektiv
Die Ratlosigkeit der herrschenden Klasse angesichts einer sich dramatisch wandelnden Gesellschaft steckt »The Detective« in allen Knochen. Der erzählerisch außerordentlich zerfahrene 1968er crime flick beginnt mit dem Mord an einem reichen New Yorker Schwulen und präsentiert im Folgenden einen fauligen Big Apple, wo Korruption, Amtsmißbrauch, sexuelle Devianz, soziale Kälte und allgemeine Gleichgültigkeit üppige Sumpfblüten treiben. Joseph Birocs Kamera ist bemüht, die Übersicht zu behalten, doch die luziden Panavision-Bilder sind nur Chimären eines Durchblicks, den keiner mehr hat. Neben Frank Sinatra, dessen demonstrative Integrität sich als bittere Lachnummer erweist, bietet Gordon Douglas immerhin einer ganzen Riege hochklassiger Darsteller Gelegenheit, ihr Talent zu entfalten: Lloyd Bochner als zynisch-gelackter Upper-Class-Shrink, Robert Duvall als homophobes Arschloch, Ralph Meeker als grinsend-bestechlicher Bulle, Tony Musante als unschuldiger Psychopath, Lee Remick als zerbrechliche Nymphomanin – »all part of the Great Society«.
R Gordon Douglas B Abby Mann V Roderick Thorp K Joseph Biroc M Jerry Goldsmith A Jack Martin Smith, William Creber S Robert L. Simpson P Aaron Rosenberg D Frank Sinatra, Lee Remick, Jacqueline Bisset, Ralph Meeker, Tony Musante, Robert Duvall | USA | 114 min | 1:2,35 | f | 28. Mai 1968
Die Ratlosigkeit der herrschenden Klasse angesichts einer sich dramatisch wandelnden Gesellschaft steckt »The Detective« in allen Knochen. Der erzählerisch außerordentlich zerfahrene 1968er crime flick beginnt mit dem Mord an einem reichen New Yorker Schwulen und präsentiert im Folgenden einen fauligen Big Apple, wo Korruption, Amtsmißbrauch, sexuelle Devianz, soziale Kälte und allgemeine Gleichgültigkeit üppige Sumpfblüten treiben. Joseph Birocs Kamera ist bemüht, die Übersicht zu behalten, doch die luziden Panavision-Bilder sind nur Chimären eines Durchblicks, den keiner mehr hat. Neben Frank Sinatra, dessen demonstrative Integrität sich als bittere Lachnummer erweist, bietet Gordon Douglas immerhin einer ganzen Riege hochklassiger Darsteller Gelegenheit, ihr Talent zu entfalten: Lloyd Bochner als zynisch-gelackter Upper-Class-Shrink, Robert Duvall als homophobes Arschloch, Ralph Meeker als grinsend-bestechlicher Bulle, Tony Musante als unschuldiger Psychopath, Lee Remick als zerbrechliche Nymphomanin – »all part of the Great Society«.
R Gordon Douglas B Abby Mann V Roderick Thorp K Joseph Biroc M Jerry Goldsmith A Jack Martin Smith, William Creber S Robert L. Simpson P Aaron Rosenberg D Frank Sinatra, Lee Remick, Jacqueline Bisset, Ralph Meeker, Tony Musante, Robert Duvall | USA | 114 min | 1:2,35 | f | 28. Mai 1968
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31.8.61
Victim (Basil Dearden, 1961)
Der Teufelskreis
»It is not, in our view, the function of the law to intervene in the private life of citizens, or to seek to enforce any particular pattern of behaviour«, stellte der legendäre Wolfenden report im Jahre 1957 fest und empfahl (zunächst wirkungslos), die Strafbarkeit »einvernehmlicher homosexueller Handlungen zwischen Erwachsenen« in Großbritannien abzuschaffen … Thema von »Victim« ist indes weniger schwules Leben unter der Fuchtel des Gesetzes, problematisiert wird vielmehr eine kriminelle Folgeerscheinung der Kriminalisierung von Sexualität: Erpressung. Der renommierte (und verheiratete) Anwalt Melville Farr (Dirk Bogarde) fühlt sich von ›Boy‹ Barrett, einem »Bekannten«, unter Druck gesetzt, muß aber – nach dessen Selbstmord – erkennen, daß dieser selbst unter Druck stand: ›Boy‹, ein Junge aus der working class, zahlte (gestohlene) 2000 Pfund, um die Öffentlichmachung eines verfänglichen Fotos von ihm und Farr zu verhindern. Der erschütterte Anwalt nimmt den Kampf gegen die anonymen Erpresser auf, wobei seine zwiespältige Haltung den eigenen Begierden gegenüber ebenso offenbar wird wie die fatale Angst der (vom »Recht« und vom Verbrechen gleichermaßen) ins Dunkel Gedrängten: Keiner mag sich bekennen – der Friseur, der Antiquar, der Autohändler, der Schauspieler, sie alle wollen lieber schweigen, lieber dulden, lieber zahlen … Regisseur Basil Dearden und sein formstarker Kameramann Otto Heller siedeln ihr beklemmendes social drama in einem rauhen, kalten, unwirtlichen London an, das kaum ein Lächeln kennt, kaum eine Geste der Zärtlichkeit oder des Mitgefühls. Am Ende ist es Farrs ambivalenter Opfermut (= seine Bereitschaft, auf eine Zukunft als Queen’s Counsel zu verzichten, um vor Gericht gegen die Nötiger auszusagen, bei gleichzeitiger Aussicht auf wiedererstarkendes Eheglück), das die Gesellschaft – immerhin – ein kleines Stück weiter in Richtung sexueller Befreiung schubsen wird.
R Basil Dearden B Janet Green, John McCormick K Otto Heller M Philip Green A Alex Vetchinsky S John D. Guthridge P Michael Relph D Dirk Bogarde, Sylvia Sym, Dennis Price, Peter McEnery, John Barrie | UK | 96 min | 1:1,66 | sw | 31. August 1961
»It is not, in our view, the function of the law to intervene in the private life of citizens, or to seek to enforce any particular pattern of behaviour«, stellte der legendäre Wolfenden report im Jahre 1957 fest und empfahl (zunächst wirkungslos), die Strafbarkeit »einvernehmlicher homosexueller Handlungen zwischen Erwachsenen« in Großbritannien abzuschaffen … Thema von »Victim« ist indes weniger schwules Leben unter der Fuchtel des Gesetzes, problematisiert wird vielmehr eine kriminelle Folgeerscheinung der Kriminalisierung von Sexualität: Erpressung. Der renommierte (und verheiratete) Anwalt Melville Farr (Dirk Bogarde) fühlt sich von ›Boy‹ Barrett, einem »Bekannten«, unter Druck gesetzt, muß aber – nach dessen Selbstmord – erkennen, daß dieser selbst unter Druck stand: ›Boy‹, ein Junge aus der working class, zahlte (gestohlene) 2000 Pfund, um die Öffentlichmachung eines verfänglichen Fotos von ihm und Farr zu verhindern. Der erschütterte Anwalt nimmt den Kampf gegen die anonymen Erpresser auf, wobei seine zwiespältige Haltung den eigenen Begierden gegenüber ebenso offenbar wird wie die fatale Angst der (vom »Recht« und vom Verbrechen gleichermaßen) ins Dunkel Gedrängten: Keiner mag sich bekennen – der Friseur, der Antiquar, der Autohändler, der Schauspieler, sie alle wollen lieber schweigen, lieber dulden, lieber zahlen … Regisseur Basil Dearden und sein formstarker Kameramann Otto Heller siedeln ihr beklemmendes social drama in einem rauhen, kalten, unwirtlichen London an, das kaum ein Lächeln kennt, kaum eine Geste der Zärtlichkeit oder des Mitgefühls. Am Ende ist es Farrs ambivalenter Opfermut (= seine Bereitschaft, auf eine Zukunft als Queen’s Counsel zu verzichten, um vor Gericht gegen die Nötiger auszusagen, bei gleichzeitiger Aussicht auf wiedererstarkendes Eheglück), das die Gesellschaft – immerhin – ein kleines Stück weiter in Richtung sexueller Befreiung schubsen wird.
R Basil Dearden B Janet Green, John McCormick K Otto Heller M Philip Green A Alex Vetchinsky S John D. Guthridge P Michael Relph D Dirk Bogarde, Sylvia Sym, Dennis Price, Peter McEnery, John Barrie | UK | 96 min | 1:1,66 | sw | 31. August 1961
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31.10.57
Anders als du und ich (§ 175) (Veit Harlan, 1957)
25 Jahre nachdem er auf der Bühne des Preußischen Staatstheaters einen rauschenden Erfolg als »Charleys Tante« feierte, inszeniert Veit Harlan »Das dritte Geschlecht«. Für seinen Problemfilm über die »Liebe, die ihren Namen nicht zu nennen wagt«, versichert sich Harlan der Schützenhilfe gewiegter »Experten«: So fungiert der schwule Sexualforscher Hans Giese als wissenschaftlicher Berater; Friedrich Joloff, der so offen schwul lebte, wie es in den 1950ern Jahren in (West-)Deutschland eben möglich war, verkörpert den hypnotischen Boylover Dr. Boris Winkler (nicht nur homosexuell, sondern auch noch latent russisch!); Marcel André, Mitbegründer des legendären Berliner Travestieschuppens ›Chez Nous‹ gibt eine schwule Kabarett-Nummer zum besten: »Die Liebe ist geheimnisvoll und rätselhaft, / sie ist von einer ganz besonderen Zauberkraft.« Die (ganz ihrer Entstehungszeit verhaftete) melodramatische Kolportage kreist um den 18jährigen, kunstsinnigen, vom Vater (in seiner Paraderolle als kläffender Spießer: Paul Dahlke) unverstandenen, »homosexuell gefährdeten« Klaus Teichmann (Christian Wolff), der von seinem besorgten Muttertier (Paula Wessely) und der willigen Haustochter vor einem Leben im geschlechtlichen Zwielicht bewahrt wird … Der Regisseur langweilt sich offenbar selbst im Alltagsmief des bratenduftend-polstergarniturhaften Elternhauses, das er, freundlich gesagt, mit gestalterischem Desinteresse betrachtet; zu einer gewissen (wiewohl denunziatorischen) formalen Potenz stößt Harlan erst vor, wenn es libidinös wird, und er die Lasterhöhle des invertierten Versuchers mit verkanteter Kamera und dämonischer Illumination als dampfende Mischung aus intellektuellem Knabenpuff und asiatisierender Vorhölle präsentieren kann: Hier wird leicht verblasen über moderne Kunst diskutiert und am Trautonium aufregende »Elektronenmusik« erzeugt (Oskar Sala, der später Hitchcocks Vögel kreischen lassen wird, steuert die fremdartigen Töne bei), danach wälzen sich leichtbekleidete Jungs im Freistilringkampf auf dem teuren Perserteppich. Wie so oft im Kino – auch (oder gerade) wenn statt vorgeblicher Aufklärung lüsterner Voyeurismus geboten wird – entfaltet das Andere, das Dissonante, das Exotische einen weitaus größeren Reiz als die sogenannte Normalität. Das (aufgrund von FSK-Auflagen stark homophobisierte) Ende des Films (der schließlich unter dem ausgrenzenden Titel »Anders als du und ich (§ 175)« in die bundesdeutschen Kinos kommt) bringt die Austreibung der bösen Geister (und Körper) sowie die Wiederherstellung einer (leicht ramponierten) familiären und sexuellen Konformität: »Da wirst du schuldig, und du weißt es nicht.« PS: Im Lexikon, das die bange Mutter zu Rate zieht, findet sich der Eintrag ›Homosexualität‹ zwischen ›Homo sapiens‹ und ›Homo sum, humani nihil a me alienum puto‹ – von dieser liberalen Einordnung wird die gutbürgerliche Gesellschaft noch lange Zeit nichts wissen wollen.
R Veit Harlan B Felix Lützkendorf K Kurt Grigoleit M Erwin Halletz, Oskar Sala A Gabriel Pellon, Hans Auffenberg S Walter Wischniewsky P Gero Wecker D Paula Wessely, Paul Dahlke, Christian Wolff, Hans Nielsen, Friedrich Joloff | BRD | 91 min | 1:1,37 | sw | 31. Oktober 1957
R Veit Harlan B Felix Lützkendorf K Kurt Grigoleit M Erwin Halletz, Oskar Sala A Gabriel Pellon, Hans Auffenberg S Walter Wischniewsky P Gero Wecker D Paula Wessely, Paul Dahlke, Christian Wolff, Hans Nielsen, Friedrich Joloff | BRD | 91 min | 1:1,37 | sw | 31. Oktober 1957
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28.8.48
Rope (Alfred Hitchcock, 1948)
Cocktail für eine Leiche
Im Bewußtsein ihrer geistigen Überlegenheit erwürgen die Freunde Brandon (John Dall) und Phillip (Farley Granger) einen ehemaligen Kommilitonen: »Nobody commits a murder just for the experiment of committing it. Nobody except us.« Das Konzept des Übermenschen à la Nietzsche wird im Verlauf der sich an die Tat anschließenden Cocktailparty (zu Gast ist auch der Vater des Toten) direkt verhandelt, aber Alfred Hitchcock, der noch nie ein spezifisches Interesse für Thesenstücke zeigte, nutzt das Drama (das einen realen Fall aus den 1920er Jahren variiert) in erster Linie als Anlaß für eine inszenatorische Etüde über die Einheit von Zeit, Ort und Handlung. Die ehrgeizige Idee, »Rope« als eine einzige, ununterbrochene Einstellung (in einem Apartment mit Blick über die langsam ins Dunkel der Nacht sinkende Stadt) zu gestalten, erweist sich als ziemlich forciert, zumal die harten Schnitte des Films unsichtbarer sind als die sogenannten unsichtbaren Bildübergänge zwischen den einzelnen Rollen – paradoxerweise betont der Verzicht auf die Mittel der Montage die selbstzweckhafte Künstlichkeit des Dargebotenen. Süffisante Dialoge (»Do you know when I was a girl I used to read quite a bit.« – »We all do strange things in our childhood.«) und eine eindrucksvolle Performance von James Stewart (als intellektuell mißbrauchter Mentor der Mordbuben) verkürzen die Wartezeit bis zum Eintreffen der Polizei. PS: Die für das Jahr 1948 ungewöhnliche Präsenz eines schwulen Paares auf der Leinwand wird vermutlich durch den Umstand gerechtfertigt, daß es sich um psychopathische (dabei tadellos gekleidete) Kriminelle handelt.
R Alfred Hitchcock B Arthur Laurents, Hume Cronyn V Patrick Hamilton K Joseph Valentine, William V. Skall M diverse A Perry Ferguson Ko Adrian S William H. Ziegler P Alfred Hitchcock, Sidney Bernstein D James Stewart, John Dall, Farley Granger, Cedric Hardwicke, Edith Evanson | USA | 80 min | 1:1,37 | f | 28. August 1948
Im Bewußtsein ihrer geistigen Überlegenheit erwürgen die Freunde Brandon (John Dall) und Phillip (Farley Granger) einen ehemaligen Kommilitonen: »Nobody commits a murder just for the experiment of committing it. Nobody except us.« Das Konzept des Übermenschen à la Nietzsche wird im Verlauf der sich an die Tat anschließenden Cocktailparty (zu Gast ist auch der Vater des Toten) direkt verhandelt, aber Alfred Hitchcock, der noch nie ein spezifisches Interesse für Thesenstücke zeigte, nutzt das Drama (das einen realen Fall aus den 1920er Jahren variiert) in erster Linie als Anlaß für eine inszenatorische Etüde über die Einheit von Zeit, Ort und Handlung. Die ehrgeizige Idee, »Rope« als eine einzige, ununterbrochene Einstellung (in einem Apartment mit Blick über die langsam ins Dunkel der Nacht sinkende Stadt) zu gestalten, erweist sich als ziemlich forciert, zumal die harten Schnitte des Films unsichtbarer sind als die sogenannten unsichtbaren Bildübergänge zwischen den einzelnen Rollen – paradoxerweise betont der Verzicht auf die Mittel der Montage die selbstzweckhafte Künstlichkeit des Dargebotenen. Süffisante Dialoge (»Do you know when I was a girl I used to read quite a bit.« – »We all do strange things in our childhood.«) und eine eindrucksvolle Performance von James Stewart (als intellektuell mißbrauchter Mentor der Mordbuben) verkürzen die Wartezeit bis zum Eintreffen der Polizei. PS: Die für das Jahr 1948 ungewöhnliche Präsenz eines schwulen Paares auf der Leinwand wird vermutlich durch den Umstand gerechtfertigt, daß es sich um psychopathische (dabei tadellos gekleidete) Kriminelle handelt.
R Alfred Hitchcock B Arthur Laurents, Hume Cronyn V Patrick Hamilton K Joseph Valentine, William V. Skall M diverse A Perry Ferguson Ko Adrian S William H. Ziegler P Alfred Hitchcock, Sidney Bernstein D James Stewart, John Dall, Farley Granger, Cedric Hardwicke, Edith Evanson | USA | 80 min | 1:1,37 | f | 28. August 1948
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