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1.5.48

Berlin Express (Jacques Tourneur, 1948)

Berlin-Express

Eine Eisenbahnfahrt von Paris nach Berlin kurz nach dem Zweiten Weltkrieg: Im Zug sitzen ein Amerikaner (patent: Robert Ryan), ein Brite, ein Franzose, ein Russe, ein Deutscher und eine polyglotte Sekretärin (stylisch: Merle Oberon). Set-up und Handlung – im Mittelpunkt steht ein Repräsentant des besseren Deutschland (geistesadlig: Paul Lukas), dem verschlagene Nazi-Untergründler an den Kragen wollen, was die Vertreter der Alliierten zu verhindern suchen – wirken ein wenig schematisch; die aus der Erzählung sprießenden Blütenträume von der Versöhnung der Ideologien und der staatlichen Vereinigung der geschlagenen, in Besatzungszonen zerteilten deutschen Nation erscheinen, eingedenk der weiteren historischen Entwicklung (kaum zwei Monate nach der Premiere des Films werden die Sowjets die Blockade über Westberlin verhängen) einigermaßen naiv. Die Inszenierung allerdings beweist Sinn für die unwirkliche Atmosphäre der Ruinenlandschaften (anders als der Titel vermuten läßt, spielt »Berlin Express« hauptsächlich in Frankfurt am Main), und die eindrücklichen Bilder der zerstörten Städte (Kamera: Lucien Ballard) machen Jacques Tourneurs politisch grundierten film noir zu einem wertvollen Dokument der Trümmersteinzeit.

R Jacques Tourneur B Harold Medford, Curt Siodmak K Lucien Ballard M Friedrich Hollaender A Albert S. D’Agostino S Sherman Todd P Bert Granet D Robert Ryan, Merle Oberon, Charles Korvin, Paul Lukas, Robert Coote | USA | 87 min | 1:1,37 | sw | 1. Mai 1948

30.4.43

I Walked with a Zombie (Jacques Tourneur, 1943)

Ich folgte einem Zombie

»The characters and events depicted in this photoplay are fictional. Any similarity to actual persons, living, dead, or possessed, is purely coincidental.« Von den Schlägen der Voodootrommeln untermaltes, schauerromantisches Familiendrama um Vernunft und Irrationalität, Natur und Dämonen, Liebe und Betrug, Nacht und Wahnsinn: Die vitale Pflegerin Betsy (»I walked with a zombie … sounds strange to say.«) reist auf die westindische Zuckerinsel Saint Sebastian, um die somnambule Frau des unglücklich-reservierten Plantagenbesitzers Paul (»There is no beauty here, only death and decay.«) zu betreuen – und wird mitsamt ihrem scheinbar gesunden Menschenverstand in einen Abgrund von Zauber und Intrige gerissen. Val Lewtons und Jacques Tourneurs dämmrig-schwüler, sinnlich-übersinnlicher Hokuspokus – ein karibischer Trivial-Wiedergänger des Brontë-Romans »Jane Eyre« – beschwört indes nicht nur familiäre Gespenster, sondern läßt in geheimnisvollem Chiaroscuro zudem die Phantome der ins Unterbewußtsein verbannten Geschichte von Ausbeutung und Sklaverei aus dem Dunkel treten. Ta-tam, ta-tam, ta-ta-ta-ta-ta-tam …

R Jacques Tourneur B Curt Siodmak, Ardel Wray K J. Roy Hunt M Roy Webb A Albert S. D’Agostino S Mark Robson P Val Lewton D Tom Conway, Frances Dee, James Ellison, Edith Barrett, Christine Gordon | USA | 69 min | 1:1,37 | sw | 30. April 1943