Das Mädchen aus der Unterwelt
Ein film noir in leuchtenden Farben (vor allem Rot – in allen Schattierungen), ein revuehaftes gangster movie, ein zuckriges Melodram. Wohl keiner bannte das wilde Chicago der Mobster so märchenhaft-imaginär, so schwärmerisch-sentimental auf Zelluloid wie Nicholas Ray. »Party« Girl handelt von leichten und von schweren Wegen, von alter Partnerschaft und von großer Liebe, vom berechenbaren und vom unberechenbaren Wahnsinn – dies alles veranschaulicht an den Beziehungen zwischen einer innerlich blessierten Tänzerin (Cyd Charisse als ›Vicki Gaye‹), die ihre Gesellschaft verkauft, einem hinkenden Anwalt (Robert Taylor als ›Tommy Farrell‹), der sein Talent feilbietet, und einem Unterweltboss (Lee J. Cobb als ›Rico Angelo‹), der wie ein verrückter König über sein kriminelles Reich herrscht (und schon mal ein Foto von Jean Harlow erschießt, weil sie geheiratet hat – aber nicht ihn). So wie Tommy Geschworene mit rührenden Geschichten einlullt und Freisprüche für sichere Todeskandidaten herausschlägt, so spinnt der große Nick aus dem filmischen Stroh abgedroschener Geschichten und auserzählter Figuren ein hochmusikalisches, schillernd-überkandideltes Breitwand-Prachtstück.
R Nicholas Ray B George Wells K Richard Bronner M Jeff Alexander A Randall Duell, William A. Horning S John McSweeney Jr. P Joe Pasternak D Robert Taylor, Cyd Charisse, Lee J. Cobb, John Ireland, Kent Smith | USA | 99 min | 1:2,35 | f | 28. Oktober 1958
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28.10.58
1.9.55
It’s Always Fair Weather (Stanley Donen & Gene Kelly, 1955)
Vorwiegend heiter
»Most friendship ist feigning / Most loving mere folly.« Das dritte und letzte Teamwork von Stanley Donen und Gene Kelly bringt drei Kriegskameraden zehn Jahre nach ihrer Entlassung aus der Armee noch einmal zusammen. Die Euphorie des Wiedersehens (in einer kleinen New Yorker Bar) weicht unversehens der Ernüchterung: Die für ewig gehaltene Freundschaft scheint erloschen, die Flausen einer bleibenden Verbundenheit wurden vom Wind des Lebens verweht: »Can these be the guys I once thought / I Could never live with out?« Trotz verspielter Choreographien – Kelly steppt mit Rollschuhen / die drei Kumpels tanzen ausgelassen mit Mülleimerdeckeln an den Füßen – und ungeachtet der Beschwingtheit von André Prévins Kompositionen schlägt »It’s Always Fair Weather« für ein Musical erstaunlich bittere, stellenweise sogar zynische Töne an. Comden und Green (die für Donen und Kelly schon »On the Town« und »Singin’ in the Rain« schrieben) thematisieren nicht nur die zerstörerische Wirkung der Zeit, sie schütten auch kübelweise Hohn und Spott über einige mentale Geschwüre des american way of life wie Werbung, Fernsehen und zwanghaften Optimismus. Zu guter Letzt huldigen sie dann (natürlich) doch der alles überwindenden Kraft menschlicher Zuneigung: »Although the years may come between us / We will never feel alone.« PS: Bitter-ironischerweise zerstreiten sich die Co-Regisseure über diesen Film und werden nie wieder zusammenarbeiten.
R Stanley Donen, Gene Kelly B Betty Comden, Adolph Green K Robert Bronner M André Prévin A Cedric Gibbons, Arthur Lonergan S Adrienne Fazan P Arthur Freed D Gene Kelly, Dan Dailey, Michael Kidd, Cyd Charisse, Dolores Gray | USA | 101 min | 1:2,55 | f | 1. September 1955
»Most friendship ist feigning / Most loving mere folly.« Das dritte und letzte Teamwork von Stanley Donen und Gene Kelly bringt drei Kriegskameraden zehn Jahre nach ihrer Entlassung aus der Armee noch einmal zusammen. Die Euphorie des Wiedersehens (in einer kleinen New Yorker Bar) weicht unversehens der Ernüchterung: Die für ewig gehaltene Freundschaft scheint erloschen, die Flausen einer bleibenden Verbundenheit wurden vom Wind des Lebens verweht: »Can these be the guys I once thought / I Could never live with out?« Trotz verspielter Choreographien – Kelly steppt mit Rollschuhen / die drei Kumpels tanzen ausgelassen mit Mülleimerdeckeln an den Füßen – und ungeachtet der Beschwingtheit von André Prévins Kompositionen schlägt »It’s Always Fair Weather« für ein Musical erstaunlich bittere, stellenweise sogar zynische Töne an. Comden und Green (die für Donen und Kelly schon »On the Town« und »Singin’ in the Rain« schrieben) thematisieren nicht nur die zerstörerische Wirkung der Zeit, sie schütten auch kübelweise Hohn und Spott über einige mentale Geschwüre des american way of life wie Werbung, Fernsehen und zwanghaften Optimismus. Zu guter Letzt huldigen sie dann (natürlich) doch der alles überwindenden Kraft menschlicher Zuneigung: »Although the years may come between us / We will never feel alone.« PS: Bitter-ironischerweise zerstreiten sich die Co-Regisseure über diesen Film und werden nie wieder zusammenarbeiten.
R Stanley Donen, Gene Kelly B Betty Comden, Adolph Green K Robert Bronner M André Prévin A Cedric Gibbons, Arthur Lonergan S Adrienne Fazan P Arthur Freed D Gene Kelly, Dan Dailey, Michael Kidd, Cyd Charisse, Dolores Gray | USA | 101 min | 1:2,55 | f | 1. September 1955
Labels:
Charisse,
Comden,
Donen,
Freundschaft,
Green,
Kelly,
Musical,
New York,
Tragikomödie
8.8.54
Brigadoon (Vincente Minnelli, 1954)
Brigadoon
Die Fabel von den zwei New Yorkern Tommy und Jeff (Gene Kelly und Van Johnson), die auf einer Wanderung durch die schottischen Highlands vom Weg abkommen und in ein verwunschenes Dorf geraten, das nur alle hundert Jahre für einen Tag aus dem Nebel der Zeit auftaucht, thematisiert (in süffigen Farben, inszenatorisch jedoch sehr bedächtig) die Relation von Vernunft und Glauben, den Widerstreit von Zynismus und Romantik. Komplett im Studio realisiert (Bauten: Preston Ames), erzählt das wehmütig-zarte Musical-Märchen von einem langsamen, aber letztlich entschlossenen Abschied aus der wirklichen Welt. Die luftige Wahrheit des Traums triumphiert über die schweren Dinge des Lebens: Tommy und Fiona (Cyd Charisse als ländliche Schöne) tanzen über die synthetische Heide und durch das künstliche Dorf hinein ins ewige Glück: »There’s a smile on my face for the whole human race!«
R Vincente Minnelli B Alan Jay Lerner K Joseph Ruttenberg M Frederick Loewe A Preston Ames, Cedric Gibbons S Albert Akst P Arthur Freed D Gene Kelly, Cyd Charisse, Van Johnson, Elaine Stewart, Barry Jones | USA | 108 min | 1:2,35 | f | 8. September 1954
Die Fabel von den zwei New Yorkern Tommy und Jeff (Gene Kelly und Van Johnson), die auf einer Wanderung durch die schottischen Highlands vom Weg abkommen und in ein verwunschenes Dorf geraten, das nur alle hundert Jahre für einen Tag aus dem Nebel der Zeit auftaucht, thematisiert (in süffigen Farben, inszenatorisch jedoch sehr bedächtig) die Relation von Vernunft und Glauben, den Widerstreit von Zynismus und Romantik. Komplett im Studio realisiert (Bauten: Preston Ames), erzählt das wehmütig-zarte Musical-Märchen von einem langsamen, aber letztlich entschlossenen Abschied aus der wirklichen Welt. Die luftige Wahrheit des Traums triumphiert über die schweren Dinge des Lebens: Tommy und Fiona (Cyd Charisse als ländliche Schöne) tanzen über die synthetische Heide und durch das künstliche Dorf hinein ins ewige Glück: »There’s a smile on my face for the whole human race!«
R Vincente Minnelli B Alan Jay Lerner K Joseph Ruttenberg M Frederick Loewe A Preston Ames, Cedric Gibbons S Albert Akst P Arthur Freed D Gene Kelly, Cyd Charisse, Van Johnson, Elaine Stewart, Barry Jones | USA | 108 min | 1:2,35 | f | 8. September 1954
Labels:
Charisse,
Gene Kelly,
Lerner,
Musical,
Phantastik,
Romanze,
Schottland,
Vincente Minnelli
9.7.53
The Band Wagon (Vincente Minnelli, 1953)
Vorhang auf!
»The world is a stage / The stage is a world of entertainment.« Vincente Minnelli, meisterhafter Erzeuger glanz-, stil-, und schwungvoller Traumfabrikate, bietet mit seiner Show über Entstehung und Geburtswehen einer Show intelligenten MGM-Technicolor-Glamour: »The Band Wagon« ist selbstreferentiell, selbstbewußt und selbstironisch – die Metamorphose einer leichten musikalischen Komödie in eine rotglühend-dramatische »Faust«-Adaption (und wieder zurück) hält für die Beteiligten Verunsicherung und Begeisterung, Reinfälle und Höhenflüge, Wut und Liebe bereit. Es spielen: Fred Astaire als famous star of yesteryear, der noch einmal zu großer Form aufläuft; Cyd Charisse als up-and-coming Primaballerina, die ihre Neigung zu einer lebenden Legende entdeckt; Jack Buchanan als mephistophelischer Produzent, der die Revue mit seinen brillanten Ideen fast ruiniert; Nanette Fabray & Oscar Levant (»We’re not fighting! We’re in complete agreement! We hate each other!«) als geistreiches Autorenpaar, ein Selbstportrait des geistreichen Autorenpaares Betty Comden & Adolph Green, die sich nach »Singin’ in the Rain«, ihrer mokanten Hommage an den frühen Tonfilm, die Exzentriker vom Broadway vorknöpfen. »Everything that happens in life / Can happen in a show!«
R Vincente Minnelli B Betty Comden, Adolph Green K Harry Jackson M diverse A Preston Ames, Cedric Gibbons S Albert Akst P Arthur Freed D Fred Astaire, Cyd Charisse, Oscar Levant, Nanette Fabray, Jack Buchanan | USA | 112 min | 1:1,37 | f | 9. Juli 1953
»The world is a stage / The stage is a world of entertainment.« Vincente Minnelli, meisterhafter Erzeuger glanz-, stil-, und schwungvoller Traumfabrikate, bietet mit seiner Show über Entstehung und Geburtswehen einer Show intelligenten MGM-Technicolor-Glamour: »The Band Wagon« ist selbstreferentiell, selbstbewußt und selbstironisch – die Metamorphose einer leichten musikalischen Komödie in eine rotglühend-dramatische »Faust«-Adaption (und wieder zurück) hält für die Beteiligten Verunsicherung und Begeisterung, Reinfälle und Höhenflüge, Wut und Liebe bereit. Es spielen: Fred Astaire als famous star of yesteryear, der noch einmal zu großer Form aufläuft; Cyd Charisse als up-and-coming Primaballerina, die ihre Neigung zu einer lebenden Legende entdeckt; Jack Buchanan als mephistophelischer Produzent, der die Revue mit seinen brillanten Ideen fast ruiniert; Nanette Fabray & Oscar Levant (»We’re not fighting! We’re in complete agreement! We hate each other!«) als geistreiches Autorenpaar, ein Selbstportrait des geistreichen Autorenpaares Betty Comden & Adolph Green, die sich nach »Singin’ in the Rain«, ihrer mokanten Hommage an den frühen Tonfilm, die Exzentriker vom Broadway vorknöpfen. »Everything that happens in life / Can happen in a show!«
R Vincente Minnelli B Betty Comden, Adolph Green K Harry Jackson M diverse A Preston Ames, Cedric Gibbons S Albert Akst P Arthur Freed D Fred Astaire, Cyd Charisse, Oscar Levant, Nanette Fabray, Jack Buchanan | USA | 112 min | 1:1,37 | f | 9. Juli 1953
27.3.52
Singin' in the Rain (Stanley Donen & Gene Kelly, 1952)
Du sollst mein Glücksstern sein
»If we bring a little joy into your humdrum lives, it makes us feel as though our hard work ain’t been in vain for nothin’.« Zwei Jahre nach Paramounts düster-sarkastischer Hollywood-Autopsie »Sunset Blvd.« (ein Werk, für das Regisseur Billy Wilder laut Filmzar Louis B. Mayer ausgepeitscht gehört hätte) kontert MGM mit dem funkelnd-affirmativen Dream-factory-Märchen »Singin’ in the Rain«. Produzent Arthur Freed und seine Regiegenies Stanley Donen und Gene Kelly setzen ein technicolorsattes, furios choreographiertes Musical gegen den schrillen, melodramatischen film noir, sie erwidern die bitter-ironische Geisterbeschwörung mit bissig-fröhlicher Legendenbildung. Die Tonfilm-Revolution der späten 1920er Jahre (»Notice, it is a picture of me and I am talking.«) bildet den historischen Hintergrund für eine phänomenale musikalisch-tänzerische Nummernrevue sowie für die, den ganzen Eskapismus locker zusammenbindende, prickelnde Romanze zwischen einem Star (glänzend: Kelly) und einem Sternchen (zuckersüß: Debbie Reynolds). Donald O’Connor (als immer gutgelaunter Sidekick) singt und tanzt sich mit seiner durchgeknallten Soloperformance »Make ’Em Laugh« in die Annalen der Filmgeschichte; die von Jean Hagen mitleidlos dargestellte prototypische Stummfilmdiva (»What's wrong with the way I talk?«) piepst und quäkt dem Sturz ins Vergessen entgegen. (Wer dächte da nicht an Norma Desmond, the famous star of yesteryear, und ihr Wachsfigurenkabinett?) »Sunset Blvd.« und »Singin’ in the Rain«: Schatten und Licht, Elend und Glanz, zwei Seiten einer Medaille – die eine nicht ohne die andere zu haben, und beide viel bigger than life. PS: »I don't go to the movies much. If you've seen one you've seen them all.«
R Stanley Donen, Gene Kelly B Betty Comden, Adolph Green K Harold Rossen M diverse A Cedric Gibbons, Randall Duell S Adrienne Fazan P Arthur Freed D Gene Kelly, Donald O’Connor, Debbie Reynolds, Jean Hagen, Cyd Charisse | USA | 103 min | 1:1,37 | f | 27. März 1952
»If we bring a little joy into your humdrum lives, it makes us feel as though our hard work ain’t been in vain for nothin’.« Zwei Jahre nach Paramounts düster-sarkastischer Hollywood-Autopsie »Sunset Blvd.« (ein Werk, für das Regisseur Billy Wilder laut Filmzar Louis B. Mayer ausgepeitscht gehört hätte) kontert MGM mit dem funkelnd-affirmativen Dream-factory-Märchen »Singin’ in the Rain«. Produzent Arthur Freed und seine Regiegenies Stanley Donen und Gene Kelly setzen ein technicolorsattes, furios choreographiertes Musical gegen den schrillen, melodramatischen film noir, sie erwidern die bitter-ironische Geisterbeschwörung mit bissig-fröhlicher Legendenbildung. Die Tonfilm-Revolution der späten 1920er Jahre (»Notice, it is a picture of me and I am talking.«) bildet den historischen Hintergrund für eine phänomenale musikalisch-tänzerische Nummernrevue sowie für die, den ganzen Eskapismus locker zusammenbindende, prickelnde Romanze zwischen einem Star (glänzend: Kelly) und einem Sternchen (zuckersüß: Debbie Reynolds). Donald O’Connor (als immer gutgelaunter Sidekick) singt und tanzt sich mit seiner durchgeknallten Soloperformance »Make ’Em Laugh« in die Annalen der Filmgeschichte; die von Jean Hagen mitleidlos dargestellte prototypische Stummfilmdiva (»What's wrong with the way I talk?«) piepst und quäkt dem Sturz ins Vergessen entgegen. (Wer dächte da nicht an Norma Desmond, the famous star of yesteryear, und ihr Wachsfigurenkabinett?) »Sunset Blvd.« und »Singin’ in the Rain«: Schatten und Licht, Elend und Glanz, zwei Seiten einer Medaille – die eine nicht ohne die andere zu haben, und beide viel bigger than life. PS: »I don't go to the movies much. If you've seen one you've seen them all.«
R Stanley Donen, Gene Kelly B Betty Comden, Adolph Green K Harold Rossen M diverse A Cedric Gibbons, Randall Duell S Adrienne Fazan P Arthur Freed D Gene Kelly, Donald O’Connor, Debbie Reynolds, Jean Hagen, Cyd Charisse | USA | 103 min | 1:1,37 | f | 27. März 1952
Labels:
20er Jahre,
Charisse,
Comden,
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Film,
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Gene Kelly,
Green,
Komödie,
Los Angeles,
Musical,
Romanze
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