Der Graf von Monte Christo
Claude Autant-Lara verarbeitet Alexandre Dumas’ unvergängliche Vergeltungskolportage zu respektabler (und durchgehend kurzweiliger) filmischer Dutzendware. Die abenteuerlich-romantische Mär von der Wiederkunft des von »guten Freunden« verratenen und in den Abgrund des (vorläufigen) Vergessens gestürzten Seemannes Edmond Dantès in der Gestalt des steinreichen Rachegrafen von Monte Christo prunkt mit einer Reihe visueller Schauwerte, wobei der Regisseur seine eigentliche Stärke, die formale Stilisierung, dem herkömmlicher Naturalismus gediegener Unterhaltungsepik opfert – nur selten sorgen schrille Beleuchtungseffekte oder farbsymbolische Dekors für gestalterischen Mehrwert. Die Akteure (allen voran Louis Jourdan in der Titelrolle und Yvonne Furneaux als seine große Liebe Mercédès) tragen ihre pathosklirrenden Texte mit jener tiefen Inbrunst vor, zu der nur die allerbesten zweitklassigen Schauspieler fähig sind.
R Claude Autant-Lara B Jean Halain V Alexandre Dumas père K Jacques Natteau M René Cloërec A Max Douy S Madeleine Gug P Georges Charlot D Louis Jourdan, Yvonne Furneaux, Pierre Mondy, Jean-Claude Michel, Bernard Dhéran | F & I | 180 min | 1:2,35 | f | 6. Dezember 1961
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6.12.61
15.5.58
Gigi (Vincente Minnelli, 1958)
Gigi
Paris um 1900: Gigi (Leslie Caron), ein knuspriger Backfisch, wird, der familiären Tradition folgend, zur Luxuskokotte herangebildet; am Ende triumphiert die wahre Liebe über die Ware Liebe. Die dünne Story aus der Abenddämmerung der Belle Époque liefert dem Hollywood des ausgehenden golden age noch einmal den Vorwand, die große Illusionsmaschine anzuwerfen. Vincente Minnelli zeigt sich dabei weniger an seinen Figuren, ihren Hoffnungen und Zweifeln, ihrer Melancholie und Leidenschaft interessiert, als am Eintauchen in die Magie des Kinos selbst. »Gigi« schwelgt in Cecil Beatons opulenter Neuerschaffung von Interieurs und Kostümen der Jahrhundertwende, in den musikalischen Kreationen von Lerner und Loewe, in der Beschwörung von zweckfreier Schönheit und zeitloser Heiterkeit. Freilich sind auch die Zeichen von Ermüdung am Ende der Ära nicht zu übersehen: die Inszenierung bleibt weitgehend statisch, sie gleicht weniger einem schäumenden Fluß von Bewegung denn einer Abfolge von exquisiten Illustrationen. Das Lächeln scheint immer wieder zu gefrieren, ganz so, als würde der kühle Hauch des Abschieds durch das Luftschloß wehen. Maurice Chevalier singt und spielt einen vitalen Lustgreis (»Thank heaven for little girls!«), Louis Jourdan einen gelangweilten Lebemann (»It’s a bore!«), Hermione Gingold eine zielbewußte Matriarchin (»Gigi, you are absurd! / Now not another word!«).
R Vincente Minnelli B Alan Jay Lerner V Colette K Joseph Ruttenberg M Frederick Loewe A Cecil Beaton S Adrienne Fazan P Arthur Freed D Leslie Caron, Maurice Chevalier, Louis Jourdan, Hermione Gingold, Eva Gabor | USA | 115 min | 1:2,35 | f | 15. Mai 1958
Paris um 1900: Gigi (Leslie Caron), ein knuspriger Backfisch, wird, der familiären Tradition folgend, zur Luxuskokotte herangebildet; am Ende triumphiert die wahre Liebe über die Ware Liebe. Die dünne Story aus der Abenddämmerung der Belle Époque liefert dem Hollywood des ausgehenden golden age noch einmal den Vorwand, die große Illusionsmaschine anzuwerfen. Vincente Minnelli zeigt sich dabei weniger an seinen Figuren, ihren Hoffnungen und Zweifeln, ihrer Melancholie und Leidenschaft interessiert, als am Eintauchen in die Magie des Kinos selbst. »Gigi« schwelgt in Cecil Beatons opulenter Neuerschaffung von Interieurs und Kostümen der Jahrhundertwende, in den musikalischen Kreationen von Lerner und Loewe, in der Beschwörung von zweckfreier Schönheit und zeitloser Heiterkeit. Freilich sind auch die Zeichen von Ermüdung am Ende der Ära nicht zu übersehen: die Inszenierung bleibt weitgehend statisch, sie gleicht weniger einem schäumenden Fluß von Bewegung denn einer Abfolge von exquisiten Illustrationen. Das Lächeln scheint immer wieder zu gefrieren, ganz so, als würde der kühle Hauch des Abschieds durch das Luftschloß wehen. Maurice Chevalier singt und spielt einen vitalen Lustgreis (»Thank heaven for little girls!«), Louis Jourdan einen gelangweilten Lebemann (»It’s a bore!«), Hermione Gingold eine zielbewußte Matriarchin (»Gigi, you are absurd! / Now not another word!«).
R Vincente Minnelli B Alan Jay Lerner V Colette K Joseph Ruttenberg M Frederick Loewe A Cecil Beaton S Adrienne Fazan P Arthur Freed D Leslie Caron, Maurice Chevalier, Louis Jourdan, Hermione Gingold, Eva Gabor | USA | 115 min | 1:2,35 | f | 15. Mai 1958
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Jahrhundertwende,
Jourdan,
Lerner,
Musical,
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Romanze,
Vincente Minnelli
20.5.54
Three Coins in the Fountain (Jean Negulesco, 1954)
Drei Münzen im Brunnen
»Three coins in the fountain / Each one seeking happiness.« Sentimentale Komödie um drei amerikanische Tippfräulein in Rom, die sich ihre Traumprinzen an den Haaren einer hauchdünnen Story herbeiziehen: Die eine liebt einen misanthropischen Schriftsteller, die zweite einen armen italienischen Schlucker, die dritte einen waschechten principe mit steinaltem palazzo und eigenem Flugzeug. Jean Negulesco inszeniert eine bonfortionöse CinemaScope-Sightseeing-Tour durch die ewige Stadt (inklusive Tagestrip nach Venedig, der Perle der Adria), präsentiert jede Menge stolze antike Ruinen, lustig sprudelnde Brunnen (in denen – fünf Jahre vor »La dolce vita« – auch schon mal jemand baden geht) sowie fotogene Pärchen vor malerischen Kulissen (Kamera: Milton Krasner). Ein konservativ-selbstüberzeugter Kitsch-as-kitsch-can-Film (fast) ohne doppelten ironischen Boden.
R Jean Negulesco B John Patrick V John H. Secondari K Milton Krasner M Victor Young A John DeCuir, Lyle Wheeler S William Reynolds P Sol C. Siegel D Clifton Webb, Dorothy McGuire, Jean Peters, Louis Jordan, Maggie McNamara | USA | 102 min | 1:2,35 | f | 20. Mai 1954
»Three coins in the fountain / Each one seeking happiness.« Sentimentale Komödie um drei amerikanische Tippfräulein in Rom, die sich ihre Traumprinzen an den Haaren einer hauchdünnen Story herbeiziehen: Die eine liebt einen misanthropischen Schriftsteller, die zweite einen armen italienischen Schlucker, die dritte einen waschechten principe mit steinaltem palazzo und eigenem Flugzeug. Jean Negulesco inszeniert eine bonfortionöse CinemaScope-Sightseeing-Tour durch die ewige Stadt (inklusive Tagestrip nach Venedig, der Perle der Adria), präsentiert jede Menge stolze antike Ruinen, lustig sprudelnde Brunnen (in denen – fünf Jahre vor »La dolce vita« – auch schon mal jemand baden geht) sowie fotogene Pärchen vor malerischen Kulissen (Kamera: Milton Krasner). Ein konservativ-selbstüberzeugter Kitsch-as-kitsch-can-Film (fast) ohne doppelten ironischen Boden.
R Jean Negulesco B John Patrick V John H. Secondari K Milton Krasner M Victor Young A John DeCuir, Lyle Wheeler S William Reynolds P Sol C. Siegel D Clifton Webb, Dorothy McGuire, Jean Peters, Louis Jordan, Maggie McNamara | USA | 102 min | 1:2,35 | f | 20. Mai 1954
25.8.49
Madame Bovary (Vincente Minnelli, 1949)
Madame Bovary und ihre Liebhaber
»All she wanted was everything.« Die von haltloser Schnulzenlektüre und schulmädchenhaften Illusionen geschürte Sehnsucht nach Romantik, Luxus und Ausgefallenheit treibt eine provinzielle Arztgattin (Jennifer Jones) ins amouröse und finanzielle Desaster; ihr liebevoll-tumber Ehemann (Van Heflin) kann dem prunkvoll-verzweifelten Absturz nur hilflos zusehen, um schließlich mit ins Verderben gerissen zu werden. Vincente Minnelli besprüht den stählernen Mattglanz der Flaubertschen Sachlichkeit zwar mit reichlich MGM-Glimmer – insbesondere die Stofferuptionen des Kostümbildes von Walter Plunkett verorten »Madame Bovary« eher in der traumfabrizierten Überwelt Hollywoods denn im französischen Hinterland des 19. Jahrhunderts –, und doch (oder vielleicht gerade deshalb) gelingt ihm eine plausible Studie des Konflikts zwischen inneren (mediengenerierten) Wunschwelten und der im Vergleicht mit den Trugbildern geradezu zwangsläufig enttäuschenden, trivial erscheinenden Wirklichkeit. »Is it a crime to want things to be beautiful?«
R Vincente Minnelli B Robert Ardrey V Gustave Flaubert K Robert Planck M Miklós Rózsa A Cedric Gibbons, Jack Martin Smith S Ferrs Webster P Pandro S. Berman D Jennifer Jones, Van Heflin, Louis Jourdan, Christopher Kent (= Alf Kjellin), James Mason | USA | 114 min | 1:1,37 | sw | 25. August 1949
»All she wanted was everything.« Die von haltloser Schnulzenlektüre und schulmädchenhaften Illusionen geschürte Sehnsucht nach Romantik, Luxus und Ausgefallenheit treibt eine provinzielle Arztgattin (Jennifer Jones) ins amouröse und finanzielle Desaster; ihr liebevoll-tumber Ehemann (Van Heflin) kann dem prunkvoll-verzweifelten Absturz nur hilflos zusehen, um schließlich mit ins Verderben gerissen zu werden. Vincente Minnelli besprüht den stählernen Mattglanz der Flaubertschen Sachlichkeit zwar mit reichlich MGM-Glimmer – insbesondere die Stofferuptionen des Kostümbildes von Walter Plunkett verorten »Madame Bovary« eher in der traumfabrizierten Überwelt Hollywoods denn im französischen Hinterland des 19. Jahrhunderts –, und doch (oder vielleicht gerade deshalb) gelingt ihm eine plausible Studie des Konflikts zwischen inneren (mediengenerierten) Wunschwelten und der im Vergleicht mit den Trugbildern geradezu zwangsläufig enttäuschenden, trivial erscheinenden Wirklichkeit. »Is it a crime to want things to be beautiful?«
R Vincente Minnelli B Robert Ardrey V Gustave Flaubert K Robert Planck M Miklós Rózsa A Cedric Gibbons, Jack Martin Smith S Ferrs Webster P Pandro S. Berman D Jennifer Jones, Van Heflin, Louis Jourdan, Christopher Kent (= Alf Kjellin), James Mason | USA | 114 min | 1:1,37 | sw | 25. August 1949
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19. Jahrhundert,
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Flaubert,
Gesellschaft,
Jones,
Jourdan,
Kleinstadt,
Melodram,
Vincente Minnelli
29.12.47
The Paradine Case (Alfred Hitchcock, 1947)
Der Fall Paradin
Der Londoner Anwalt Anthony Keane (gipsern: Gregory Peck), verheiratet mit einer gefügigen Blondine (wächsern: Ann Todd), verfällt mit Haut und Perücke einer fatalen Brünetten, deren Verteidigung in einem Mordfall er übernimmt. Ob Maddalena Paradine (stählern: Alida Valli) ihren blinden Gatten durch Beimischung von Gift in ein abendliches Glas Burgunder um die Ecke gebracht hat, oder ob dessen ergebener Bursche (marmorn: Louis Jourdan) seinem Herrn beim Suizid zur Hand ging, oder ob es vielleicht ganz anders war, machen Autorenproduzent David O. Selznick und sein ausführender Regisseur Alfred Hitchcock zum Untersuchungsgegenstand einer zähen Gerichtsverhandlung; als einzig unterhaltsames Moment erweist sich dabei der misanthropische Sarkasmus des Vorsitzenden Lord Horfield (steinern: Charles Laughton), der Strafe für einen wesentlichen Faktor unserer Weltordnung hält. »Doesn’t life punish us enough?« fragt die etwas tüdelige Ehefrau des Richters ihren strengen Mann nach dem Ende des Prozesses, und es scheint, als hätte sie mit ihrer Überlegung auch die Zuschauer dieses (delikat fotografierten, großzügig ausgestatteten und haltlos geschwätzigen) Justizfilmes im Sinn, der weder als Thriller noch als Melodram und ebensowenig als Traktat über Schuld und Sühne überzeugt.
R Alfred Hitchcock B David O. Selznick, Alma Reville V Robert Hichens K Lee Garmes M Franz Waxman A J. McMillan Johnson Ko Travis Banton S John Faure P David O. Selznick D Gregory Peck, Alida Valli, Ann Todd, Charles Laughton, Louis Jourdan, Charles Coburn | USA | 125 min | 1:1,37 | sw | 29. Dezember 1947
# 1039 | 20. Dezember 2016
Der Londoner Anwalt Anthony Keane (gipsern: Gregory Peck), verheiratet mit einer gefügigen Blondine (wächsern: Ann Todd), verfällt mit Haut und Perücke einer fatalen Brünetten, deren Verteidigung in einem Mordfall er übernimmt. Ob Maddalena Paradine (stählern: Alida Valli) ihren blinden Gatten durch Beimischung von Gift in ein abendliches Glas Burgunder um die Ecke gebracht hat, oder ob dessen ergebener Bursche (marmorn: Louis Jourdan) seinem Herrn beim Suizid zur Hand ging, oder ob es vielleicht ganz anders war, machen Autorenproduzent David O. Selznick und sein ausführender Regisseur Alfred Hitchcock zum Untersuchungsgegenstand einer zähen Gerichtsverhandlung; als einzig unterhaltsames Moment erweist sich dabei der misanthropische Sarkasmus des Vorsitzenden Lord Horfield (steinern: Charles Laughton), der Strafe für einen wesentlichen Faktor unserer Weltordnung hält. »Doesn’t life punish us enough?« fragt die etwas tüdelige Ehefrau des Richters ihren strengen Mann nach dem Ende des Prozesses, und es scheint, als hätte sie mit ihrer Überlegung auch die Zuschauer dieses (delikat fotografierten, großzügig ausgestatteten und haltlos geschwätzigen) Justizfilmes im Sinn, der weder als Thriller noch als Melodram und ebensowenig als Traktat über Schuld und Sühne überzeugt.
R Alfred Hitchcock B David O. Selznick, Alma Reville V Robert Hichens K Lee Garmes M Franz Waxman A J. McMillan Johnson Ko Travis Banton S John Faure P David O. Selznick D Gregory Peck, Alida Valli, Ann Todd, Charles Laughton, Louis Jourdan, Charles Coburn | USA | 125 min | 1:1,37 | sw | 29. Dezember 1947
# 1039 | 20. Dezember 2016
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