15.1.63

Beschreibung eines Sommers (Ralf Kirsten, 1963)

»Wir bauen hier den Sozialismus auf!« – »Wir bauen hier erstmal ein Chemiewerk.« Bewußtsein und Beton: die (rot-)glühende FDJlerin und der unsentimentale Ingenieur, die feingliedrige Grit und der massige Tom, Christel Bodenstein und Manfred Krug. Ralf Kirstens »Beschreibung eines Sommers« (nach dem Ankunftsroman von Karl-Heinz Jakobs) ist die Schilderung des Lebens und Arbeitens auf einer Großbaustelle irgendwo in der jungen DDR, die Geschichte einer unmöglichen und doch unausweichlichen Liebe, ein bald zarter, bald ruppiger Film, ein sensibles, neugieriges Abtasten von Gesichtern und Landschaften. Es ist viel euphorische Hoffnung in dieser Erzählung (»Wie lange wird’s wohl dauern, bis wir im Kommunismus leben?« – »Hundert Jahre …« – »Viel früher!«), viel linientreue Romantik (Lagerfeuer, Klampfenklänge, Umgestaltung von Natur und Mensch), aber auch eine große Offenheit des Blicks, ein selbstverständliches Zulassen von Zweifeln, Konflikten, Ängsten und, am Wichtigsten vielleicht: glaubwürdige Gefühle, aufrichtiges Empfinden. Ein intimes Meisterstück des nachdenklichen Optimismus.

R Ralf Kirsten B Karl-Heinz Jakobs, Ralf Kirsten V Karl-Heinz Jakobs K Hans Heinrich M Wolfgang Lesser A Hans Poppe, Jochen Keller S Christel Röhl P Werner Liebscher D Manfred Krug, Christel Bodenstein, Günther Grabbert, Marita Böhme, Johanna Clas | DDR | 80 min | 1:1,37 | sw | 15. Januar 1963

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