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1.3.50

Orphée (Jean Cocteau, 1950)

Orpheus

L'amour à mort ... Der antike Mythos, gesehen durch die Brille eines künstlerischen Tausendsassas – Jean Cocteau hat Esprit, Geschmack, Fantasie genug, den legendären Dichter der griechischen Sagenwelt plausibel und originell in eine pariserisch anmutende Nachkriegsgegenwart (samt dekorativer Trümmerszenerien und existentialistischer Literatenbohème) zu versetzen. Clou der kinematographischen Adaption: Der hochfahrend-selbstgewisse Poet (Jean Marais in der Titelrolle) gerät in einen gefühlsmäßigen Zwiespalt zwischen der beabsichtigten Rückführung der geliebten (wenn auch bisweilen vernachlässigten) Gattin Eurydike (Marie Déa) aus der Unterwelt – wo ein kafkaesker Gerichtshof nach unerforschlichem Ratschluß über das Schicksal der Verstorbenen (wie auch der Lebenden) befindet – und der amourösen Verfallenheit an den Tod selbst, den die aparte Maria Casarès mit feurig-dunkler Faszinationskraft verkörpert. Cocteaus Stärke als Cinéast liegt insbesondere in der Verwendung ebenso einfacher wie kostbarer filmischer Mittel: Zeitlupen und rückwärts laufende Aufnahmen, negative Bilder und quecksilbrige Spiegeltricks transformieren scheinbare Alltäglichkeiten in außerordentliche Phänomene und lassen die literarische Illusion zur greifbaren Realität werden.

R Jean Cocteau B Jean Cocteau K Nicolas Hayer M Georges Auric A Jean d’Eaubonne S Jacqueline Sadoul P André Paulvé D Jean Marais, Maria Casares, François Périer, Maria Déa, Juliette Gréco | F | 95 min | 1:1,37 | sw | 1. März 1950

# 1032 | 18. November 2016

21.9.45

Les dames du Bois de Boulogne (Robert Bresson, 1945)

Die Damen vom Bois de Boulogne

Eine hochgradig emotionale Dreiecksgeschichte – vorgetragen (fast) ohne Emotion. Ein komplexes psychologisches Drama – verhandelt (fast) ohne Psychologie. Eine exemplarische moralische Erzählung – entwickelt (fast) ohne Moral. Kino als Schachpartie, als Gedankenspiel, als Modellversuch: Hélène (María Casares – eisig) wird, nicht ohne ihr Zutun, von ihrem Gefährten Jean (Paul Bernard – blind) verlassen und treibt ihn, um Rache für ihre enttäuschte Liebe zu nehmen, in die Arme von Agnès (Elina Labourdette – (un-)schuldig), einer jungen Frau mit zweifelhaftem Vorleben (sie war, vulgo: eine Nutte). Situiert im, gestalterisch stark abstrahierten, Milieu der gehobenen (bzw. abgestürzten) Bourgeoisie, läuft »Les dames du Bois de Boulogne« auf einen melodramatischen Höhepunkt zu, der (dann doch) ein gewisses filmisches Quantum an Emotion, Psychologie sowie Moral freisetzt und dabei die Strippenzieherin (auch noch) um den Genuß der Vergeltung bringt… Robert Bressons entschiedene erzählerische Verknappung, Jean Cocteaus strenger literarischer Dialog, Philippe Agostinis subtil schlichte Bilder, nicht zu vergessen die klassizistisch inspirierten Roben von Madame Grès, einer der großen Couturières des 20. Jahrhunderts – all dies zusammen formt einen Film von hoher ästhetischer Noblesse, von großer intellektueller Klarheit und, ja: von tiefer menschlicher Empfindung.

R Robert Bresson B Robert Bresson, Jean Cocteau V Denis Diderot K Philippe Agostini M Jean-Jacques Grunenwald A Max Douy S Jean Feyte P Raoul Ploquin D María Casares, Paul Bernard, Elina Labourdette, Lucienne Bogaert, Jean Marchat | F | 86 min | 1:1,37 | sw | 21. September 1945

9.3.45

Les enfants du paradis (Marcel Carné, 1945)

Kinder des Olymp

Ein Bummel über den boulevard du Crime, ein Blick in den Brunnen der Wahrheit, ein Spektakel der Liebe und des Leidens, der Beredsamkeit und des Schweigens, der Lust und des Verbrechens. Der Vorhang hebt sich ... Schauplatz des Stücks ist Paris um das Jahr 1830; im Mittelpunkt steht die schöne Garance (»C'est tellement simple, l'amour.« – Arletty), geliebt, begehrt, hofiert, umschwärmt von vier Männern, vom romantischen Pantomimen Deburau, vom stutzerhaften Schauspieler Lemaître, vom poetischen Mörder Laceneaire, vom stolzen Grafen de Montray. Jacques Prévert läßt historische Persönlichkeiten und fiktive Figuren (darunter das Schicksal in der Gestalt eines allgegenwärtigen Hausierers) durch eine grandiose (von Alexandre Trauner gebaute) Imagination der Hauptstadt des 19. Jahrhunderts schwirren, Marcel Carné inszeniert das episodenreiche Geschehen als schaulustige Mischung aus Kammerspiel und Welttheater. »Les enfants du paradis« – Drama der Sehnsüchte und Posse der Irrungen, Jahrmarkt der Eitelkeit und Karussell der Gefühle – ist ein rauschendes Fest des Lebens und der Kunst (mit Seitenblicken auf das Unglück und den Tod), eine Reflexion auch über die Möglichkeiten des Mediums Film, über die Macht der Stimme und die Kraft der Stille.

R Marcel Carné B Jacques Prévert K Roger Hubert M Joseph Kosma A Alexandre Trauner, Léon Barsacq S Henri Rust P Raymond Borderie D Arletty, Jean-Louis Barrault, Pierre Brasseur, Marcel Herrand, Maria Casarès | F | 190 min | 1:1,37 | sw | 9. März 1945

# 1031 | 18. November 2016