Chinatown
»Forget it, Jake. It’s Chinatown.« An Chandler und Hammett orientiertes Lumpenstück um politisch-wirtschaftliche Schweinereien und familiäre Abgründe im L.A. der 1930er Jahre: private eye J.J. (›Jake‹) Gittes (Jack Nicholson) wird von Autor Robert Towne in einen überaus komplexen Fall (concerning ›water and power‹) verwickelt und dabei in einen Gefühlsstrudel gezogen, der um eine gebrochen-fatale Frau (Faye Dunaway) kreist und an des Schnüfflers alte seelische Wunden rührt. »Chinatown« – der Titel bezeichnet weniger einen konkreten Handlungsort, sondern steht vielmehr (analog zu ›Watergate‹) als Metapher für Vertrauensverlust, Undurchschaubarkeit und Amoralität – schwelgt in nostalgischem Pessimismus: Jerry Goldsmiths mitternächtlicher Score und John Alonzos düster-geschmackvolle Fotografie sorgen für kultiviert-depressive Stimmung, während Roman Polanski die ausweglose Detektivgeschichte mit dem beherrschten, beinahe unpersönlichen Formgefühl eines contract directors der Studioära inszeniert. Der Clou des Films ist die Besetzung des väterlichen Schurken Noah Cross mit John Huston, jenem Regisseur, der mit »The Maltese Falcon« einst die Stilepoche des film noir einläutete: »You may think you know what you’re dealing with, but, believe me, you don’t.«
R Roman Polanski B Robert Towne K John A. Alonzo M Jerry Goldsmith A Richard Sylbert S Sam O’Steen P Robert Evans D Jack Nicholson, Faye Dunaway, John Huston, Perry Lopez, John Hillerman | USA | 130 min | 1:2,35 | f | 20. Juni 1974
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20.6.74
Chinatown (Roman Polanski, 1974)
1.2.70
The Kremlin Letter (John Huston, 1970)
Der Brief an den Kreml
»The Tillinger Foundation is planning an expedition.« Eine unabhängig operierende amerikanische Agentenorganisation ist beauftragt, ein politisch brisantes Schriftstück aus Moskau zurückzuholen. Ex-Navy-Offizier Rone (»a superior combination of intellect and physique, athlete and scholar«: Patrick O’Neal) stößt als Neuling zu der Gruppe alter Hasen, deren bizarre Decknamen (›Highwayman‹, ›Lord Ashley’s Whore‹, ›Warlock‹, ›Erector Set‹, ›Sweet Alice‹) einen leisen Vorgeschmack auf die absonderlichen Geschehnisse im Wunderland des nachrichtendienstlichen Doppel- und Dreifachspiels geben. »It has no size, no shape and no rules: At the very best it’s what you least expect so you’ve gotta be ready for anything«, beschreibt Rones onkelhaft-derber Kollege Ward (Richard Boone) das Wesen des Spionage, eines von Überzeugungen oder gar Idealen längst abgelösten Geheimkrieges, dessen Brutalität und Schäbigkeit John Hustons verwickelt-freudlose, hochkarätig besetzte Schmierenkomödie des allseitigen Verrats ohne moralisches Zeigefingergefuchtel, ja mit geradezu diebischer Freude aufzeigt.
R John Huston B John Huston, Gladys Hill V Noel Behn K Ted Scaife M Robert Drasnin A Ted Haworth S Russell Lloyd P Carter De Haven, Sam Wiesenthal D Patrick O’Neal, Richard Boone, Bibi Andersson, Max von Sydow, Orson Welles, George Sanders | USA | 120 min | 1:2,35 | f | 1. Februar 1970
# 1151 | 16. Februar 2019
»The Tillinger Foundation is planning an expedition.« Eine unabhängig operierende amerikanische Agentenorganisation ist beauftragt, ein politisch brisantes Schriftstück aus Moskau zurückzuholen. Ex-Navy-Offizier Rone (»a superior combination of intellect and physique, athlete and scholar«: Patrick O’Neal) stößt als Neuling zu der Gruppe alter Hasen, deren bizarre Decknamen (›Highwayman‹, ›Lord Ashley’s Whore‹, ›Warlock‹, ›Erector Set‹, ›Sweet Alice‹) einen leisen Vorgeschmack auf die absonderlichen Geschehnisse im Wunderland des nachrichtendienstlichen Doppel- und Dreifachspiels geben. »It has no size, no shape and no rules: At the very best it’s what you least expect so you’ve gotta be ready for anything«, beschreibt Rones onkelhaft-derber Kollege Ward (Richard Boone) das Wesen des Spionage, eines von Überzeugungen oder gar Idealen längst abgelösten Geheimkrieges, dessen Brutalität und Schäbigkeit John Hustons verwickelt-freudlose, hochkarätig besetzte Schmierenkomödie des allseitigen Verrats ohne moralisches Zeigefingergefuchtel, ja mit geradezu diebischer Freude aufzeigt.
R John Huston B John Huston, Gladys Hill V Noel Behn K Ted Scaife M Robert Drasnin A Ted Haworth S Russell Lloyd P Carter De Haven, Sam Wiesenthal D Patrick O’Neal, Richard Boone, Bibi Andersson, Max von Sydow, Orson Welles, George Sanders | USA | 120 min | 1:2,35 | f | 1. Februar 1970
# 1151 | 16. Februar 2019
8.6.50
The Asphalt Jungle (John Huston, 1950)
Asphalt-Dschungel
»One way or another, we all work for our vice.« Nach sieben Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen, plant »Doc« Riedenscheider (reserviert: Sam Jaffe) ohne Verzug den nächsten großen Coup, ein vermeintlich todsicheres Ding, den nächtlichen Einbruch in ein Juweliergeschäft. Die zu erwartende Beute: Diamanten im Wert von einer halben Million Dollar. Unterstützt von einem öligen Buchmacher und finanziert vom alerten Anwalt Alonzo Emmerich (katzenfreundlich: Louis Calhern) stellt der versierte Gauner sein Team zusammen: einen professionellen Schränker, einen buckligen Barmann als Fluchtfahrer und den »hooligan« Dix Handley (ruppig: Sterling Hayden) als Mann fürs Grobe. Mit sicherem Strich umreißt Regisseur (und Koautor) John Huston die lebensnahen Figuren, ihre Eigenarten, Beweggründe, Sehnsüchte – und ihre Schwächen, in denen das Scheitern des ambitionierten Unternehmens begründet liegt. Dem differenzierten Ausmalen des halbdunklen Gruppenporträts, der vorbehaltlosen Betrachtung menschlicher Stärken (wie Kompetenz und Loyalität) und Schwächen (wie Gier und Heimtücke) wird ebenso große Bedeutung beigemessen wie der packend-bildstarken Darstellung des kriminellen Manövers. Indem er sich eines moralischen Urteils enthält, indem er seinen (Anti-)Helden in ihren inneren und äußeren Konflikten anerkennenden Respekt zollt, beleuchtet Huston das Verbrechen als »left-handed form of human endeavor« und setzt zugleich weithin gültige Standards für das Subgenre des Heist-Thrillers.
R John Huston B Ben Maddow, John Huston V W. R. Burnett K Harold Rossen M Miklós Rózsa A Cedric Gibbons S George Boemler P Arthur Hornblow Jr. D Sterling Hayden, Louis Calhern, Sam Jaffe, Jean Hagen, Marc Lawrence, Marilyn Monroe | USA | 112 min | 1:1,37 | sw | 8. Juni 1950
# 1062 | 19. Juli 2017
»One way or another, we all work for our vice.« Nach sieben Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen, plant »Doc« Riedenscheider (reserviert: Sam Jaffe) ohne Verzug den nächsten großen Coup, ein vermeintlich todsicheres Ding, den nächtlichen Einbruch in ein Juweliergeschäft. Die zu erwartende Beute: Diamanten im Wert von einer halben Million Dollar. Unterstützt von einem öligen Buchmacher und finanziert vom alerten Anwalt Alonzo Emmerich (katzenfreundlich: Louis Calhern) stellt der versierte Gauner sein Team zusammen: einen professionellen Schränker, einen buckligen Barmann als Fluchtfahrer und den »hooligan« Dix Handley (ruppig: Sterling Hayden) als Mann fürs Grobe. Mit sicherem Strich umreißt Regisseur (und Koautor) John Huston die lebensnahen Figuren, ihre Eigenarten, Beweggründe, Sehnsüchte – und ihre Schwächen, in denen das Scheitern des ambitionierten Unternehmens begründet liegt. Dem differenzierten Ausmalen des halbdunklen Gruppenporträts, der vorbehaltlosen Betrachtung menschlicher Stärken (wie Kompetenz und Loyalität) und Schwächen (wie Gier und Heimtücke) wird ebenso große Bedeutung beigemessen wie der packend-bildstarken Darstellung des kriminellen Manövers. Indem er sich eines moralischen Urteils enthält, indem er seinen (Anti-)Helden in ihren inneren und äußeren Konflikten anerkennenden Respekt zollt, beleuchtet Huston das Verbrechen als »left-handed form of human endeavor« und setzt zugleich weithin gültige Standards für das Subgenre des Heist-Thrillers.
R John Huston B Ben Maddow, John Huston V W. R. Burnett K Harold Rossen M Miklós Rózsa A Cedric Gibbons S George Boemler P Arthur Hornblow Jr. D Sterling Hayden, Louis Calhern, Sam Jaffe, Jean Hagen, Marc Lawrence, Marilyn Monroe | USA | 112 min | 1:1,37 | sw | 8. Juni 1950
# 1062 | 19. Juli 2017
16.7.48
Key Largo (John Huston, 1948)
Gangster in Key Largo
Die Handlung des Films – Kriminelle halten die Bewohner eines Florida-Hotels in Schach – basiert auf einem Bühnenstück, und John Hustons Inszenierung fühlt sich entsprechend stagy an. Der Magnetismus zwischen Humprey Bogart (als desillusionierter Ex-Offizier) und Lauren Bacall (als junge Witwe) ist zwar nicht ganz so ausgeprägt wie bei früheren Gelegenheiten, aber Edward G. Robinson als altgewordener Mobster Johnny Rocco und Claire Trevor als seine alkoholische Geliebte liefern vollreife Leistungen. In der besten Szene des Films zwingt Rocco, seine um einen Drink bettelnde Freundin für Whisky zu singen – eine gnadenlos-peinliche Infamie und genau der Moment, in dem sich der gebrochene Bogey-Charakter endlich zum Widerstand entschließt.
R John Huston B Richard Brooks, John Huston V Maxwell Anderson K Karl Freund M Max Steiner A Leo K. Kuter S Rudie Fehr P Jerry Wald D Humphrey Bogart, Edward G. Robinson, Lauren Bacall, Lionel Barrymore, Claire Trevor | USA | 100 min | 1:1,37 | sw | 16. Juli 1948
Die Handlung des Films – Kriminelle halten die Bewohner eines Florida-Hotels in Schach – basiert auf einem Bühnenstück, und John Hustons Inszenierung fühlt sich entsprechend stagy an. Der Magnetismus zwischen Humprey Bogart (als desillusionierter Ex-Offizier) und Lauren Bacall (als junge Witwe) ist zwar nicht ganz so ausgeprägt wie bei früheren Gelegenheiten, aber Edward G. Robinson als altgewordener Mobster Johnny Rocco und Claire Trevor als seine alkoholische Geliebte liefern vollreife Leistungen. In der besten Szene des Films zwingt Rocco, seine um einen Drink bettelnde Freundin für Whisky zu singen – eine gnadenlos-peinliche Infamie und genau der Moment, in dem sich der gebrochene Bogey-Charakter endlich zum Widerstand entschließt.
R John Huston B Richard Brooks, John Huston V Maxwell Anderson K Karl Freund M Max Steiner A Leo K. Kuter S Rudie Fehr P Jerry Wald D Humphrey Bogart, Edward G. Robinson, Lauren Bacall, Lionel Barrymore, Claire Trevor | USA | 100 min | 1:1,37 | sw | 16. Juli 1948
3.10.41
The Maltese Falcon (John Huston, 1941)
Die Spur des Falken
»Heavy. What is it?« – »The stuff that dreams are made of.« Ein Film über das große, das kapitale Glücksversprechen, dem alle Welt nachrennt, ohne es je erreichen zu können. Im Gegensatz, man könnte beinahe sagen: im höhnischen Widerspruch zur verwickelt-weltumspannenden Geschichte der legendären Skulptur, in der sich (blinder) Ehrgeiz, (materielle) Träume, (unstillbare) Gier manifestieren, verortet John Huston »The Maltese Falcon« fast ausschließlich in überschaubar-alltäglichen Innenräumen: in Büros, Apartments, Hotelzimmern. Erzählt wird die Handlung (in der ein parfümierter Tunichtgut, ein linkischer Killer, ein vollfetter Sammler und eine hochmanipulative Schönheit ihr Wesen treiben) strikt aus der Perspektive des (von Dashiell Hammett erdachten) archetypischen Privatdetektivs Sam Spade, der von Humphrey Bogart nicht als glänzender Sieger sondern als hartgesottener Übersteher portraitiert wird: wie er mit grinsender Entschlossenheit die Zähne bleckt, wie er souverän bühnenreife Wutanfälle spielt, wie er mit kalter Verve die Priorität von Partnerschaft (≈ Beständigkeit) vor Liebe (≈ Zufall) erklärt – all das tröstet sowohl über manch öde-geschwätzigen Moment (vor allem im letzten Drittel) der Story hinweg als auch über die ernüchternde Einsicht, daß man trotz aller strebenden Bemühung am Ende eben nie das goldene Wunschobjekt sondern immer nur einen Bleiabguß in den Händen hält.
R John Huston B John Huston V Dashiell Hammett K Arthur Edeson M Adolph Deutsch A Robert Haas S Thomas Richards P Hal. B. Wallis D Humphrey Bogart, Mary Astor, Peter Lorre, Sydney Greenstreet, Elisha Cook Jr. | USA | 100 min | 1:1,37 | sw | 3. Oktober 1941
»Heavy. What is it?« – »The stuff that dreams are made of.« Ein Film über das große, das kapitale Glücksversprechen, dem alle Welt nachrennt, ohne es je erreichen zu können. Im Gegensatz, man könnte beinahe sagen: im höhnischen Widerspruch zur verwickelt-weltumspannenden Geschichte der legendären Skulptur, in der sich (blinder) Ehrgeiz, (materielle) Träume, (unstillbare) Gier manifestieren, verortet John Huston »The Maltese Falcon« fast ausschließlich in überschaubar-alltäglichen Innenräumen: in Büros, Apartments, Hotelzimmern. Erzählt wird die Handlung (in der ein parfümierter Tunichtgut, ein linkischer Killer, ein vollfetter Sammler und eine hochmanipulative Schönheit ihr Wesen treiben) strikt aus der Perspektive des (von Dashiell Hammett erdachten) archetypischen Privatdetektivs Sam Spade, der von Humphrey Bogart nicht als glänzender Sieger sondern als hartgesottener Übersteher portraitiert wird: wie er mit grinsender Entschlossenheit die Zähne bleckt, wie er souverän bühnenreife Wutanfälle spielt, wie er mit kalter Verve die Priorität von Partnerschaft (≈ Beständigkeit) vor Liebe (≈ Zufall) erklärt – all das tröstet sowohl über manch öde-geschwätzigen Moment (vor allem im letzten Drittel) der Story hinweg als auch über die ernüchternde Einsicht, daß man trotz aller strebenden Bemühung am Ende eben nie das goldene Wunschobjekt sondern immer nur einen Bleiabguß in den Händen hält.
R John Huston B John Huston V Dashiell Hammett K Arthur Edeson M Adolph Deutsch A Robert Haas S Thomas Richards P Hal. B. Wallis D Humphrey Bogart, Mary Astor, Peter Lorre, Sydney Greenstreet, Elisha Cook Jr. | USA | 100 min | 1:1,37 | sw | 3. Oktober 1941
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