9.1.21

Domenica d'agosto (Luciano Emmer, 1950)

Ein Sonntag im August

Sonntag, 7. August: In Rom herrscht brütende Hitze, die Menschen ziehen massenweise hinaus, mit der morschen Familienkutsche oder im flotten Sportwagen, im überfüllten Vorortzug oder auf dem superschnellen Fahrrad geht es ans Meer, und Luciano Emmer begleitet einige dieser Ausflügler in parallel geführten Episoden durch den Tag. Die Erzählung springt zwischen den Erlebnissen der verschiedenen Protagonisten munter hin und her, die aufmerksame Kamera (die auch den einen oder anderen Blick in die fast ausgestorbene Stadt wirft) schafft lockere Verknüpfungen, erzeugt amüsante Gegensätze, betreibt gleichsam soziologische Sonntagsmalerei. Der Strand von Ostia erscheint als Laufsteg und Kontaktbörse, als allgemeines Volksvergnügen und Spiegel der Klassen¬gesellschaft, als Bühne für sachte Romanzen, kleine Melodramen, beiläufige Intrigen, derbe Possenspiele. Es tummeln sich (unter anderem) krakeelende Kleinbürger und versnobte Geldsäcke, ölige Aufschneider und christlich behütete Ferienkinder, schmucke Jungmänner und vergnügungslustige Mädchen. Zusammen mit zwei Wegbereitern des Neorealismus (den Autoren Sergio Amidei und Cesare Zavattini) kreiert der erfahrene Dokumentarist Emmer einen lebensnahen Querschnittsfilm, der Authentizität und Kurzweil leichthändig miteinander verbindet.

R Luciano Emmer B Sergio Amidei, Franco Brusati, Luciano Emmer, Giulio Macchi, Cesare Zavattini K Domenico Scala, Leonida Barboni, Ubaldo Marelli M Roman Vlad S Jolanda Benvenuti P Sergio Amidei D Anna Baldini, Franco Interlenghi, Marcello Mastroianni, Vera Carmi, Ave Ninchi | I | 84 min | 1:1,37 | sw | 7. März 1950

Luciano Emmer | Marcello Mastroianni | Komödie | Romanze | Familie | Alltag | Gesellschaft | Nachkrieg | Sommer | Strand | Rom

# 1198 | 11. September 2020

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